Schlüchterner Zutuns
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Nr. 97 Dienstag, den 17. August 1926 78. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 7675. Die Herren Bürgermeister zu Schlächtern, Steinau, Salmünster, Soden, Altengronau, Heubach, Kerberö- dorf, Sarrod, Schwarzenfels, Sterbfritz, Ulmbach und Wall- wlh, sowie die Herren Gutsvorsteher in HundSrück und Linden- berg werden hierdurch an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 22. Juli d. Js. Nr. 7074 — Schlüchterner Zeitung Nr. 87 —, betr. Ablieferung der 1. Rate der Landwirtschaftskammerbeiträge für 1926 erinnert.
Schlächtern, den 16. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Abdeckerei-Gebührentarif.
J.-Nr. 4492 K. A. Der 2. letzte Absatz zu A des im Kreisblatt Nr. 35 veröffentlichten Gebührentarifs ist wie folgt geändert worden:
In allen Fällen, wo der Tierbesitzer Entschädigung für sein Tier vom Staat oder Bezirksverband auf Grund des Viehseuchengesetzes erhält, braucht der Abdeckerei-Unternehmer für die Haut eine Entschädigung nicht zu zahlen.
Schlächtern, den 12. August 1926.
Der Landrat. I. V.: Dr. Hausmann. .
EberkSrung betr.
J.-Nr. 4537 K. A. Die diesjährige 1. Eberkörung ist für den Monat September vorgesehen. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, mir bis zum 1. September d. Js. anzuzeigen, wieviel körfähige Zuchteber in der dortigen Gemeinde vorhanden sind, welcher Rasse die Tiere angehören und wie alt sie sind.
Schlächtern, den 13. August 1926.
Der Landrat J. V.: Dr. Hausmann.
Das ArbeitsveMffungsvrogramm.
Ergänzung des Kanalbauprogramms.
Ueber die Beratungen des Reichskabinetts zum Lrbeitsbeschaffungsprogramm werden noch Einzelheiten mtgeteilt. Danach ist noch eine Einigung über wertvolle Ergänzungen des Kanalbauprogramms erzielt worden. Besonders erfreulich ist, daß nunmehr mit dem Bau des Staubeckens von Ottmachail gerechnet Merden kann, das für den schlesischen Arbeitsmarkt ^le für die Regulierung der Wasserverhältnisse der gleich wichtig ist. Auch vorbereitende Arbeiten m der Frage einer Kanalverbindung zwischen dem «urmrevier und dem Rhein sollen ausgeführt werden, ^n der
produktiven Erwcrbslosenfürsorgc
^rd ein Erlaß des Reichsarbeitsministers weiter- geyende Erleichterungen bringen. In der Frage der vgenannten Ausgesteuerten, d. h. derjenigen Per- loneu, deren Erwerbslosenunterstützung durch Ablauf gesetzlichen Höchstdauer von einem Jahr zu Ende Wangen ist, hat schon vor der Kabinettssitzung eine ^nlgung der beteiligten Reichsressorts stattgefunden. S ^Minden sollen finanziell instand gesetzt werden, Ausgesteuerten eine der Erwerbslosenfürsorge ?^jwwertige Unterstützung zuzuwenden. Ferner wird daß im Zusammenwirken von Arbeitsnach- und Fürsorgeverbaud bedrohte Versicherungsan- martschaften langfristig Erwerbsloser vor dem Verfall bewahrt werden.
Eine Erweiterung des Wohnungsbanprogramms dadurch erzielt worden, daß auch die preußische M^atsregierung der Durchführung eines zusätzlichen oynnngsbauprogramms zugestimmt hat.
« Das Reich gewährt denjenigen Ländern, die, wie und eine ganze Reihe anderer Länder, mir auf die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, einer llung des Reichsarbcitsmintsteriilms folgend, neben Jahresbauprogramnr ein zusätzliches t(f^rD-9/nmm durchzuführen beabsichtigten, sofort vor- j^'welsc die zur Aufnahme der Arbeiten erfvrder- ^littel. Diese Mittel werden dann von den sei es aus der Hauszinssteuer, sei es durch s^.„^n, im Laufe des Jahres aufgebracht. Die Be- ^^ ersten Hypotheken ist auf Grund von f^dlungen des Reiches mit den Realkreditinstitm cn ebenfalls sichergestellt.
Noch iunner zu hohe Zinsen.
E^^lwend int vergangenen Jahre für erste Hypo- stiq^» ^ch bis 8it 15 Prozent Zinsen zu zahlen waren, fetzt bei den .Hypothekenbanken solche zu 9ya bin;!111 ^od bei den Sparkassen auch noch zu einem Zinsfuß zur Verfügung. Die Zinsen für Drii,„ "^.llelo selbst betragen bekanntlich 7]A Prozent. ßinLU». erwünscht ist es allerdings, daß auch dieser von n«, “>9 noch erheblich gesenkt wird. Ein Zinsfuß bey ^nähernd 10 Prozent bedeutet eine Verdoppelung
M Rhein, Saar und Pfalz.
Große Kundgebung in Köln.
Am 14. und 15. August fand in Köln eine große Kundgebung des Rheins, der Pfalz und der Saar statt. Daran beteiligt waren der Reichsverband der Rheinländer, der Bund der Saarvereine, der Verein der Pfälzer, sowie die Rheinische Frauenliga, die sich in dem Westausschuß von Rhein, Pfalz und Saar zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden haben. Schon am Freitag abend fand ein Begrüßungskommers statt. Am folgenden Tage begann mittags im Rahmen der Tagung des Westausschusses in der Aula der Kölner Universität eine Portragsreihe, und zwar sprachen Prof. Dr. Schulte-Bonn über das Thema „Die Stellung des Rheins in der Geschichte", Dr. Freiin v. Hertling über „Die rheinischen Frauen und die Besetzung" und Staatsoberarchivar Dr. Pfeiffer aus Speyer über „Die Pfalz am Rhein und ihr Schicksal als Grenzland".
Nachmittags veranstalteten der Bund der Saar- Vereine im Rudolfsaal eine Vortragsreihe. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bundes der Saarvereine, Oberlandesgerichtsrat Anders-Naumburg sprach das Mitglied des saarländischen Landesrats Ka- ryus über die Bevorzugung der französischen Belange im Saargebiet durch die Regierungskommission; Kom- merzienrat Dr. F. Röchling berichtete über die Kämpfe der Genfer Saardelegation und betonte dabei den Willen der Saarbevölkerung, sich unter keinen Umständen auf die Dauer vom deutschen Vaterlande trennen zu lassen. Nach einem Vortrag des Landesratsmitglied Kratz über die wirtschaftliche und soziale Not der Arbeitnehmer des Saargebiets behandelte Pfarrer Dr. Schlich, Saarbrücken, den Gedanken der „Saarunion". Er erklärte dabei die Saar-Autonomie für eine Maske, um das Saargebiet Frankreich in die Arme zu treiben. Den Abschluß der sich hieran anschließenden Aussprache bildete die Annahme von
zwei Entschließungen.
In der ersten Entschließung wendet sich der Bund . .CfW-t an aUi SülS^WXÜt dem warwmden tzjm.Zs.ouf. das Unrecht, das an der Saar noch immer andauert und auf die Gefahren für den Weltfrieden, die sich daraus entwickeln können. Der Wille des Saarvolkes, unter der deutschen Regierung zu bleiben, lasse sich trotz der groben Wahllügen nicht bezweifeln und stehe heute so fest wie je. Die deutsche, die preußische und die bayerische Regierung werden ermähnt, furchtlos für die Rechte und die Wohlfahrt des Saarvolkes einzutreten. Der Völkerbund und die französische Regierung werden ermähnt, es ernsthafter und genauer mit den treuhände- rischen Pflichten zu nehmen. Die Entschließung wendet sich alsdann an das Volk an der Saar mit der Mahnung zur Einigkeit und schließt: Zurück zum deutschen Vaterlande. Wir geloben Treue um Treue.
In der zweiten Entschließung über die Notlage der Bevölkerung des Saargebietes heißt es u. a.: Die Franzosen lassen das Saarvolk für seine treue deutsche Gesinnung, aus der es nie ein Hehl gemacht hat, schwer büßen. Alle Klagen, Beschwerden und Notschreie verhallen ungehört. Wir erwarten nunmehr, daß der Völkerbund alsbald in Erwägungen darüber eintritt, wie eine schnelle Lösung des Saarproblems im Sinne der Volkswohlfahrt, des Rechts der Bevölkerung des Saargebietes erfolgen kann.
Die Sitzung des Reichskabinetts.
Keine Beschlüsse.
Das Reichskabinett hat in den letzten beiden Tagen ausgedehnte Sitzungen abgehalten, ohne jedoch Beschlüsse gefaßt zu haben. Nach Schluß der Beratungen wurde folgendes Kommunique veröffentlicht:
Das Reichskabinett hat seine Beratungen zu Ende geführt. Insbesondere wurde erneut die Frage der Bestätigung des vom Berwaltungsrat der Reichsbahn zum Generaldirektor gewählten stellvertretenden Generaldirektors Dr. Dorpmüller eingehend erörtert. Nach Lage der Dinge konnte die Angelegenheit noch nicht zu einem abschlics-,enden Ergebnis geführt werden, da eine sachliche Einigung nicht vorliegt. Sodann nahm das Reichs- kabinett einen anssiihrlichcn informatorischen Bortrag des Reichsministers des Auswärtigen über die auswärtige Loge im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bölkerbiindstagung entgegen. Die übrigen Beratungen des Reichskabinetts betrafen lausende Angelegenheiten. Die Frage des ReichschrenmalS wurde vorläufig zurückgestellt.
Zu den Beratungen des Reichskabinetts verlautet über das ArbeitSbeschaffnngsprogrannn, daß vor allen: eine Belebung des Baumarktes Herbeigeführt werden soll. Zu diesem Zweck schwebten Krediiverhandlnngen mit den Ländern. Ein Hundertmillionenkredit würde beispielsweise 20 00 neue Woh- nungen schaffen können, wodurch allein 60 000 Bauarbeiter 12 Monate lang arbeiteten.
Zu den Besprechungen über das Verhältnis zwischen Reichsregierung und Reichsbahn melden die Blätter, daß die Verhandlungen über die Don der Rcichsrcgicrung gewünschte Sicherung einer künftigen Beteiligung der Reichsregierung an den Beschlüssen des Verwaltungsrates der Reichsbahn zunächst forweführt werden sollen, bevor eine Entscheidung des Reichs- kabinetts über die Wahl Dr. DorpmüllerS zum Generaldirektor der ReichSbahngesellschaft erfolgt.
Neues vom Tage.
— Die preußische Regierung hat beschlossen, auf das letzte Schreiben des Generalbevollmächtigten der Hohenzollern dahin zu antworten, daß sie bereit ist, durch unverbindliche Besprechungen der beiderseitigen Vertreter die Möglichkeiten einer Verständigung Prüfen zu lassen.
— Reichstagsabgeordneter Wallraf hat den Reichskanzler telegraphisch gebeten, die Entscheidung über das Rcichschrcnmal nicht ohne Mitwirkung des Reichstages zu treffen.
— In Köln begannen die großen Kundgebungen für Rhein, Pfalz und Saar.
— In den Pariser Eisenverhandlungen zwischen Belgien, Frankreich, Deutschland und Luxemburg wurden endgültig die Bedingungen festgesetzt, nach denen die luxemburgischen und lothringischen Kontingente nach Deutschland übernommen werden sollen.
— Das französische Oberkommando im Rheinland soll von Mainz nach Metz verlegt werden.
— Die Friedensneigung der streikenden englischen Bergarbeiter hat sich verstärkt. Der Bergarbeiterführer Cook veröffentlicht einen Appell sür Wiederaufnahme der Verhandlungen.
Die Lage des deutschen Handwerks.
Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung hat dazu geführt, daß man in den Kreisen der Wirtschaft der zukünftigen Entwicklung mit Spannung, ja sogar mit gewissen Hoffnungen entgegensieht. Auch das Handwerk erhofft von der Durchführung dieses Programms eine gewisse Besserung seiner Lage, obgleich es direkt hiervon wohl kaum berührt werden wird. Immerhin ist aber dadurch, daß eine erhebliche t Anzahl von Erwerbslosen zu einer besser bezahlten Beschäftigung gelangt, sür die Gewerbe, die für die Befriedigung der Bedürfnisse des h ..lichen Lebens arbeiten, eine Belebung des Geschäftes zu erw., cn. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß durch die Bcschäfi, ng einiger Industriezweige diese wieder liiert u’i AI-.' . .. -ivert, "wfimwn» c... ■ i- wvrnttüwm" - bauende Handwerk rgeben werde- Vorläufig kann von einer tatsächlichen B nnflussung s Wirtschaftslage noch nicht die Rede sein. Infolgedeffen la. n die Berichte über die Wirtschaftslage im Juli auch noch toenig zufriedenstellend.
Es ist wohl festzustellen, daß eine weitere Verschlechterung in den meisten Gewerbezweigen nicht eingetretcn ist; jedoch ist der Zustand der Dauerkrise nun auch im Handwerk erreicht. Soweit die Industrie einen günstigeren Geschäftsgang aufweist, ist eine Allswirkung auf das Handwerk noch nicht zu verspüren. Auffällig ist es, wie in den Berichten über den Monat Juli die Klagen über die Schwarzarbeit und die Beschäftigung von Erwerbslosen durch Privatpersonen und auch durch gewerbliche Unternehmer für Ausführungen von Handwerksarbeiten zugenommen haben. Diese Konkurrenz wächst sich für das Handwerk sehr fühlbar aus.
Die Preisbildung des Handwerks steht nach wie vor infolge des Auftragsmangels unter einem starken Druck. Bezüglich des Kreditwesens berichten einige Kammern von einem Rachlaffen des Borgunwesens infolge der zum Teil zunehmenden Vorsicht des Handwerks. Die größte Zahl der Handwerkskammern berichtet aber nach wie vor, daß noch sehr lange Zahlnngsfristcn in Anspruch genommen werden. Dies ist besonders auf dem Lande der Fall, wo der Handwerker auf Bezahlung nach der Ernte vertröstet wird.
Fast sämtliche Betriebe wenden sich gegen die hohe Einschätzung der Handwerker durch die Finanzämter. Trotz vorhandener Buchführung sind in vielen Fällen die Steuerbehörden über die Angaben der Steuerpflichtigen hinausgegangen. Es sind Fälle zu verzeichnen, ivo die vier- bis fünffachen Beträge vom Finanzamt in Ansatz gebracht wurden. Die vorliegenden Berichte weisen darauf hin, daß eine solche Ein- schatzungsart den besten Beweis dafür liefere, wie wenig die Steuerbehörden über den Ertrag eines Handwerksbetriebes unterrichtet sind. Sehr belastend ivirkt es auch, daß eine ganze Reihe von Stcucrtermincn (Einkommen-, Gewerbe-, Firmen- usiv. Steuern) zusarnmenfallen und infolgedessen die zu zahlenden Beträge eine recht erhebliche Höhe annehmen.
Aranfteich zur Vesatzungsfrage.
Für eine Zusammenzichung der alliierten Truppe».
Die in den letzten Tagen viel erörterte Frage der Verminderung der Rheinlandbesatzung hat noch nicht zur völligen Klärung geführt, verschiedentlich ist noch erheblicher Widerstand zu ubcrwinden. Wie an gut unterrichteter Stelle Der- lautet, ist die französische Regierung an sich geneigt, eine Zu- sammenziehung der alliierten Truppen des Rheinlandes in bestimmten Städten vorzunehmen.
Dies würde autoniatisch eine Herabsetzung der französi- schen Truppenstärke bedeuten, die gegenwärtig 56 000 Mann (einschließlich der Beamten 60000 M a n n) beträgt. Die>« Operation könne jedoch lediglich auf Grund eines deutsch- französischen Ucbcrcinkommcns durchgcsührt werden.
Außenminister Brland führt gegenwärtig Nntrrhand. lungeu mit der englischen unb belgischen Regierung über diese Frage Nach Informationen aus London sollen jedoch die dortigen militärischen und politischen Kreise wenig geneigt sein, die Höhe der englischen BesotzungSarmee, die gegenwärtig