Schlüchtemer Zutuns
Kreis-Kmisbiatt * Myememeo amtlütlerKnzeLyevfür Kar Kreis -chlüchtem Km^M-v«w-^H^S^^üdS^ne*S«i^^>st^VahmhofstL6*^njpv^Pt9^Po^eckk^m»^^LM^Mo Rr. 96(1. Blatt)Samstag, den 14. August 1926 76. Jahrg.
Amtliche Bekanatmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 7082 1. Die durch meine Verfügung vom 23. v. MtS. — J.-Nr. 7082 — Schlüchterner Zeitung Nr. 87 — für die hiesige Bahnhofsstraße angeordnete Ver- kehrSsperre wird bis zum 1 8. d. M t s. einschl. verlängert. Schlüchtern, den 13. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 7785. Der Herr Medizinalrat (Kreisarzt) wird am Mittwoch, den 1 8.. d. MtS. von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause Sprechstunden halten.
Schlüchtern, den 10. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 7297. Von dem Vogelsberger-Höhenklub, Zweigverein Schlüchtern, werden z. Zt. umfangreiche Wegemarkierungen vorgenommen, die wegen ihrer Wichtigkeit für ortSunkundige Wanderer dem Schutze des Publikums, sowie der Forst- und Polizeibehörden empfohlen werden.
Schlüchtern, den 10. August 1926.
Der Landrat* J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 7756. Der „Herkulesbezirk des Kurhessischen Ziegenzucht-Verbandes" Veranstalter am 15, August d. J. in Obervellmar, Landkreis Cassel, eine Bezirksziegenschau verbunden mit Lämmermarkt. Züchtern ist hier Gelegenheit gegeben, gutes Zuchtmaterial, namentlich an Jungböcken zu mäßigen Preisen zu erstehen.
Schlüchtern, den 12. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
- -J.-Nr. 4589^ K^A. ,
Betr.: Kreistag.
Der auf Montag, den 1 6. August 1926, vormittags 8 Uhr anberaumte Kreistag findet Richt statt. Schlüchtern, den 12. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Dr. Hausmann.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Reinhaltung der Straften betreffend.
Bei dem gestern niedergegangenen starken Gewitter sind die Straßen der Stadt dadurch an vielen Stellen überflutet worden, daß durch die auf den Straßen umherliegenden Strohmengen pp. die Kanalschächte zugeschlammt worden sind. Aber auch abgesehen hiervon macht das Umherliegen von Stroh, Spreu und dergleichen auf dem Platz vor der Dreschhalle und den in der Nähe befindlichen Straßen einen unsauberen Eindruck, der nicht im Einklang steht mit der Polizei-Verordnung über die Reinhaltung der Straßen und Plätze.
Wir ordnen deshalb hiermit an, daß zum Transport von Spreu nur dichtschließende Wagen benutzt werden dürfen und daß die Strohwagen an allen Seiten abgerecht werden müssen, damit • das Herabfallen von Spreu und Stroh vermieden wird.
Gegen Zuwiderhandlungen wird nach den bestehenden Strafvorschriften eingeschritten werden. Außerdem haben die Schuldigen zu gewärtigen, daß die Reinigung der Straßen auf ihre Kosten erfolgt.
Schlüchtern, den 13. August 1926.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Das «eichsehrenmal in Serlin.
Die Neue Wache am Zeughause als Gedenkstätte.
Das Reichskabinett wird sehr bald die Entscheidung über das Neichschreumal zum Gedächtnis der Opfer des Weltkrieges fallen.
Der erste Vorschlag, die von Schinkel erbaute Neue Wache zwischen der Berliner Universität und dem Zeughause zu einer Gedächtniöstätle umzugestalten, ist wieder in den Vordergrund gerückt. Dieser Plan soll die Zustimmung des Reichspräsidenten und der Mehrzahl der Mitglieder des Reichskabinetts haben.
m Es ist beabsichtigt, den Hofraum nach Art des römischen Pantheons zu einem Rundbau mit Oberlicht auszubauen, in dessen Mitte ein großer Marmorsarkophag ausgestellt werden W Die Innenwände des Rundbaues sollen die Wappen oder auch Sinnbilder der einzelnen deutschen Länder tragen.
Ueber den Standpunkt Preußens heißt es, daß das Preu- wschc Staatsministerium vor etwa 14 Tagen an die Reichs- Legierung in einem Schreiben die Bitte richtete, angesichts der Zersplitterung in den Auffassungen der KriegSteilnehmer- Verbände über den Ort des Reichsehrcnmals den Ursprung- Wn Plan, das Ehrenmal in der Neuen Wache in Berlin zu errichten, wieder aufzuunehmen.
Der Thüringische Städteberband zum Ehrenhainprojekt.
Der Vorstand des Thüringischen Städteverbandes besichtigte das Reichsehrenmalgebäude bei Berka und den Entwurf zur Ausführung des Projektes. Allgemein sprach man sich dahin aus, daß es starkes Befremden errege und geradezu unverständlich eM>eineu müsse, wenn das von einigen Frontkämpferverbänden erwählte Berkaer Ehrenhainprojekt, das auch vom Reichsratsausschuß als das geeignetste Projekt in Vorschlag gebracht worden fei, nicht die Zustimmung der Reichsregierung erhalten sollte.
Die Stellung des Reichsbanners.
Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold bezeichnete die Stellungnahme des Reichsbanners als nach wie vor unverändert, ebenso wie die aller Frontsoldatenverbände und aller Kriegsbeschädigtenverbändc, daß das Reichsehrenmal als Ehrenhain zu schaffen ist, und zwar bei Bad Berka.
Die geistige Zusammenarbeit der Völker.
Der französische Kriegsminister über den Nationalismus.
Die Wiener „Neue Freie Presse" bringt eine Unterredung ihres Pariser Sonderberichterstatters mit Kriegsminister Painleve, der u. a. ausführte, die Geistesarbeiter müßten den Völkern in der Zusammenarbeit mit gutem Beispiel vorangehen.
Leider sei man aber gerade in den Kreisen der Wissenschaft unversöhnlich, sowohl in Deutschland als auch in den anderen europäischen Ländern. Aus den deutschen Universitäten herrsche Nationalismus. Ich bedauere, fuhr Painleve fort, diesen übertriebenen Nationalismus der deutschen Professoren. Aber ich kann ihn verstehen. Gerade weil Deutschland den Krieg verloren hat, sind gewisse deutsche Kreise um so reizbarer.
Ich selbst habe den Krieg von 1870 als Knabe miterlebt und weiß von damals, was ein Patriotismus bedeutet, der sich an einer Niederlage erhitzt. Auf den französischen Hochschulen ist man erheblich weniger chauvinistisch. Die französischen Lehrer neigen zum , >ucn: .uati^mus. E. 9q»^^^ Nationalismus und ein gesunder Nationalismus brauchen durchaus keine Widersprüche zu sein. Alle
Gefühle von Haß und Rache
müssen verschwinden. Sie widersprechen dem Wesen der Wissenschaft. Unmittelbar nach dem Kriege hat ein internationales wissenschaftliches Komitee in Brüssel beschlossen, deutsche und österreichische Gelehrte auszuschließen. Ich halte einen solchen Beschluß für absurd und habe dagegen protestiert.
Internationales Sozialrecht.
Schluß des internationalen Kongresses der Juristen.
In der allgemeinen Sitzung der International Law Association hielt Pros. Mancs-Berlin ein Referat über Sozialrecht und stellte den Antrag, die Konferenz müsse beschließen, daß auf den künftigen Tagungen die Probleme des Internationalen Sozialrechts, insbesondere des internationalen Sozialversichc- rungsrechts, zur Erörterung gelangen.
Die mit großem Beifall auf genommenen Ausführungen des deutschen Referenten fanden in den Kreisen aller Delegierten lebhaften Beifall und Unterstützung. Es wurde im Lause der Debatte von dem Vortragenden insbesondere auf die gleichgerichteten Bestrebungen des Internationalen Arbeitsamtes in Genf hingewiesen. Die Versammlung schloß sich einstimmig dem deutschen Antrag an und einigte sich auf Einsetzung einer besonderen Kommission, die auf der nächsten Tagung der International Law Association zusammentreten soll.
In der Schlußrede des Pros. Walker sand besonders lebhaften Beifall der Passus, in welchem er auf die Bedeutung des zu Ende gehenden Kongresses als eines Friedenskongresses verwies.
Eine Friedenskundgebung ganz besonderer Art seien die unvergeßlichen Ausführungen des englischen Delegierten Graham Bower gewesen, der dem deutschen Volk, das in der Kriegs- und Nachkriegszeit so schwer verleumdet worden sei, volle Gerechtigkeit habe zuteil werden lassen und der dem deutschen Heere, der deutschen Flotte und auch der deutschen Rechtsprechung das Zeugnis voller Ehrenhaftigkeit ausgestellt habe.
«-■ Das Programm der nächsten Reichsratssitzung. Auf der Tagesordnung der Vollsitzung des Reichsrats stehen u. n. folgende Punkte: Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung der am 20. Mai 1875 in Paris unterzeichneten Internationalen Meterkonvention. Bericht des Rechnungshofs des Deutschen Reiches über die Prüfung der Bilanz und des Geschäftsbetriebes der Verwertungsstelle der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein für das fünfte Geschäftsjahr 1923/24. Entwurf einer Verordnung über die Pauschbelräge für die Spruchsachen bei den Oberversicherungsämtern. Entwurf einer Verordnung über die den Ausgabestellen der Augestetttenversichc- rung zu gewährenden Vergütung. Entwurf einer Verordnung der Reichsregierung über die vorläufige Anwendung des vorläufigen Handelsabkommens zwischen Deutschland und Frankreich und Entlastnng der Rechnung der Oberrechuungskammcr- kasse über die Einnahmen und Ausgaben des Rechnungshofs des Deutsä-eu Reiches für das Rechnungsjahr 1922.
3ur M'umungsfrage.
Ueber die in den letzten Tagen viel besprochene Verminderung der Besatzungsstärke im Rheinland verbreitet der amt« liche englische Funkdienst folgende bemerkenswerte Mitteilung:
Eine Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland wird im nächsten Monat durchgeführt werden, wobei mehrere 1000 Mann französischer Truppen zurückgezogen werden. Es darf bei dieser Gelegenheit in Erinnerung gebracht werden, daß diese Verminderung der Besatzungstruppen ein Teil der „Versöhnungspolitik" darstellt, die seinerzeit in Locarno verkündet wurde.
Damals wurde die Kölner Zone geräumt und das englische Hauptquartier nach Wiesbaden verlegt unter gleichzeitiger Verminderung der englischen Streitkräfte von 15 000 auf 9000. Die belgischen Streitkräfte wurden gleichzeitig in die zweite Zone geführt und auf etwa 7000—8000 Mann herabgesetzt. Eine gewisse Verminderung fand auch bei den französischen Truppen statt, die aber trotzdem ein großes Uebcrgewicht an Besatzungstruppen behielten. Es ist jedoch zum Ausdruck gebracht worden, daß Briand, sobald er die inucrpolitischen Schwierigkeiten in einer zufriedenstellenden Weise.überwunden haben würde, seine besondere Aufmerksamkeit wiederum diesen Besatzungsmaßnahmen zuwenden würde.
Briand hat nach Bildung der neuen Regierung in einem Interview erklärt, daß er die Locarno-Politik energisch weiterbetreiben werde, und eine Verminderung der französischen Besatzungstruppen im Rheinland wird daher in London als der Beginn der Erfüllung der seinerzeit gegebenen Versprechen angesehen.
Einem Vertreter eines Wiener Blattes erklärte der französische Kriegsminister, daß die deutschen Gelehrten so wenig versöhnlich gestimmt seien. Auf die Bemerkung des Pressevertreters, daß eine Herabsetzung der Rheinlandbesatzung die deutschen Gelehrten sicherlich auch wesentlich versöhnlicher stimmen werde, sagt Painleve^ alle Mittel der Versöhnung seien gut. „Ich kann nicht mit voller Freiheit über diese Frage reden. Ich kann aber sagen, daß wahrscheinlich Maß-
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Das Thema der Räumung ist nun reichlich Schönheit worden und die französische Regierung hat genügend durch ihre Vertreter geäußert, daß die Verminderung der Besatzungs- truppcn geplant sei. Mit dem Plan ist uns jedoch nicht gedient. Hoffen wir^daß es sich nicht nur um eine Geste handelt, die bei uns Stimmung für den Eintritt in den Völkerbund machen soll, sondern daß dem Wort bald die Tat folgt.
Der Konflikt in Mexiko.
Eine Erklärung des mexikanischen Episkopats.
Wie Associated Preß aus Mexiko meldet, hat das mexikanische Episkopat eine lange an das amerikanische Volk gc richtete Erklärung veröffentlicht, in der verneint wird, daß irgendwelche Verantworiung für die Lage in Mexiko auf die katholischen Kreise fällt.
Die Erklärung gibt dann Einzelheiten der durch die aus die Kirche bezüglichen Artikel der Verfassung geschaffenen Beschränkungen und sagt, daß diese Beschränkungen das Wirken der katholischen Kirche in Mexiko unmöglich machen. Das einzige, was die katholische Kirche anstrebe, sei eine Verbesserung der Verfassung, die die religiösen Freiheiten wie in den Bereinigten Staaten sichere.
Wenn Präsident Calles darauf Hinweise, daß die protestantischen Geistlichen ungestört ihre Amtsverrichtungen weiter ausübcn können, so sei das ein Beweis dafür, daß Präsident Calles die katholische Kirche zum Gegenstand einer drückenden Ausnahmebchandlung gemacht habe, oder daß die Protestanten eine Einmischung der weltlichen Behörden in rein religiöse Angelegenheiten zuließen, die die katholische Kirche nicht länger dulden könne.
Der Umstand, daß Präsident Calles protestantische Geistliche ausländischer Staatsangehörigkeit gestatte, sei eine schwere Verletzung derselben Verfassung, die Calles verteidige.
Bom Rcichsrat das deutsch-französische Handelsabkommen genehmigt.
Berlin, 12. August. Der Reichsrat stimmte der Verordnung der Reichsregierung über die vorläufige Anwendung des vorläufigen deutsch-französischen Handelsabkommens einstimmig zu. Die Vorlage der Reichsregierung, wonach Hypo- tbckschuldscheiue der Deutschen Reutenbankkreditanstalt im Betrage von 360 Millionen Mark für mündelsicher erklärt werden sollen, wurde gegen die Entscheidung der Ausschüsse mit 36 gegen 30 Stimmen angenommen. Ferner stimmte der Reichsrat der Außerkraftsetzung der Verordnung über die Mehlzölle zu.
^ Glückwunschtelegramm Coolidgcs an Hindenburg. In einem Glückwunschtelegramm Coolidgcs an den Reichspräsidenten v. Hindenburg heißt es: Zum heutigen Geburtstage der deutschen Republik spreche ick Ew. Exzellenz im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten und in meinem eigenen Namen herzliche Glückwünsche und aufrichtige Wünsche für ein ferneres Wohlergehen Deutschlands aus.