SchlWemer Zeitung
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Rr. 94
Dienstag, den 10. August 1926
78. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I -Nr. 7544. Die nachgenannten Personen sind gemäß der Schiedsmannsordnung vom 3. Dezember 1924 (G. S. S. 751/1924) zu Schiedsmännern bezw. Schiedsmanns- stellvertretern gewählt bezw. wiedergewählt und als solche verpflichtet worden und zwar:
a) zu Schiedsmännern: Bürgermeister Schüßler, Altengronau, Bürgermeister Richter, Breunings, Landwirt Johannes Hohmann, Heubach, Kaufmann Joh. Adam Sperzel, Mottgers, Landwirt und Schmied Konrad Muth, Neuengronau, Bürgermeister Wilhelm Behacker, Oberzell, Lehrer Hämel, Schwarzenfels, Landwirt Johann Georg Merx, Sterbfritz, Auszüger Johannes Sauer, Uttrichshausen, Hauptlehrer Klauer, Weichersbach, Landwirt Leander Kimmel, Züntersbach,
b) z u Schiedsmannsstellvertretern: Bäckermeister Adam Maienschein, Altengronau, Gemeinderechner Heinrich Lästert, Breunings, Landwirt und Schweinehändler Johs. Müller, Heubach, Land- und Gastwirt Fritz Günther, Mottgers, Landwirt Kaspar Gunkel, Neuengronau, Landwirt Johannes Lins, Oberzell, Landwirt Heinrich Ulrich, Schwarzenfels, Landwirt Johannes Blum, Sterbfritz, Landwirt Rudolf Diegelmann, Uttrichshausen, Landwirt Johannes Euler, Weichersbach, Landwirt Joh. Adam Ditzel, Züntersbach.
Schlächtern, den 6. August 1926.
Der Landrat. J. B.: Schultheiß.
J.-Nr. 7434. Die im Luftfahrtüberwachungsdienst der Provinz Hessen-Nassau tätigen staatlichen Polizei-Beamten sind zu Polizei-Flugwachen zusammengefaßt. Für den Kreis Schlächtern ist diejenige in Frankfurt a. M. zuständig.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, über sämtliche Vorkommnisse in der Luftfahrt der vorbezeichneten Stelle umgehend Mitteilung zu machen, insbesondere bei Unfällen und Unfallandungen, sowie Notlandungen im Luftverkehr. In diesen Fällen hat die Uebermitklung stets schnellstens — telegraphisch oder telephonisch — zu erfolgen. .... Die Polizei-Flugwache Frankfurt a. M. ist an das öffentliche Fernsprechnetz angeschlossen und bei Tag und Nacht zu erreichen und zwar unter Amt Frankfurt a. M. — Maingau Nr. 7460.
Die. Polizei-Flugwache führen Sonderausweise über die Zuständigkeit in ihrem Ueberwachungsbezirke mit sich.
Schlächtern, den 3. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Dr. Hausmann.
, J.-N. 7582. In der Gemeinde Witgenfeld, Bezirksamt Bruckenau, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Schlüchtern, den 6. August 1926.
Der Landrat.
Beendigung der Untersuchung gegen General Gajda.
.Prag. Die amtliche Untersuchung gegen den zeit, wenigen Gencralstabschcs der Tschechoslowakei, General G a j - wurde beendet. Es ergab sich dabei keinerlei tatsächliche ^"'ndlage einer gerichtlich Verfolgbaren strafbaren Handlung ves Generals Gajda. General Gajda reichte ein Gesuch um Weitung eines DienstuntauglichkeitsverfahrenS ein. Dem Ansuchen wurde entsprochen.
Internationale europäische Konferenz zur Behebung der Finanzschwierigkeiten.
„ $ nriS. Die französischen Blätter verzeichnen ein Gerücht, , dem man in diplomatischen Kreisen daran denke, für kom- H"bst eine große internationale Konferenz zur Bc- sicrc,"^ b” kinanziellen Schwierigkeiten Europas zu orgaiti-
Sven Hedin für Rückgabe deutschen Kolonialbesitzes, bl^tockholm. In einem Artikel in dem .Svcnska Dag» nj"„i. verlangt Sven Hedin die Rückgabe der deutschen Kalo- m.5 früher gut verwaltet gewesen seien. In der schnellen nrin.» ™ ^ Deutschlands läge eine Gefahr für einen l«ie ^.^"rieg. Ein deutscher Kolonialbesitz bilde für diese auti^./^"Sicherheitsventil. Wenn die deutsche Tätigkeit sich dri ^^^°bflischen Zielen zuivendcte, würde der Spannungs. °rua vermindert werden.
Nationalversammlung in Frankreich?
Oom».0 r f,s- Ministerpräsident PoincarS hat in der der !v^ ° "/ Entschließung cingebracht, die die Einberufung ^"Ewg' zu " Versammlung fordert. Die Kammer stimmte dem schloß die „Temps, berichtet, ist im letzten Kabinettsrat be- labrlk^-^"^^^"' liegen die Aufkäufe von Rohstoffen, Fertig- »ngrh^" ""d anderen Gegenständen durch Ausländer vor-
Die Magdeburger Affäre.
Veröffentlichungen des Untersuchungsrichters.
Nachdem der Oberstaatsanwalt die Aufhebung der Haftbefehle gegen Haas, Reuter und F i s ch e r beantragt hat, die Geliebte des Beschuldigten Schröder, Hildegard Götze, aus der Hast entlassen ist und Untersuchungsrichter Kölling seinen regulären Urlaub an getreten hat, wurde die ««gekündigte Haftentlassung bis zum Sonntag noch nicht Tatsache, da der Unterfuchungs richter dem Antrag aus Haftentlassung widersprach.
Erklärungen Köllings.
Landgerichtsrat Kölling gibt in einer neuen Veröffentlichung die Gründe für seinen Widerspruch gegen die Freilassung des Haas usw. bekannt. Er sagt, die Ver- nehmung des Schröder durch die Berliner Beamten, wobei Schröder das später widerrufene Geständnis ablegte, sei ohne sein Wissen und seine Einwilligung erfolgt. Diese Vorkommnisse hält der Untersuchungsrichter für so überaus wichtig und bezeichnend, daß sie ihn zum Festhalte« an seinen bisherigen Standpunkt bewegen.
Neue Einzelheiten.
In bet Mordsache selbst werden eine Anzahl neuer Einzelheiten bekannt. So wird gemeldet: Eines der letzten Glieder in der Kette des Indizienbeweises gegen Schröder war die Auffindung des Rades Hellings. Hilde Götze konnte bei ihrer Vernehmung darüber nur aussagen, daß es von Schröder längere Zeit benutzt worden sei. Über sein weiteres Verbleiben wußte sie nur noch, daß es durch Schröder verkauft worden sei. In Begleitung eines Kriminalbeamten mußten sich die Götze auf die Suche be- geben, und es gelang ihr, in einem kleinen Fahrradhändler im Magdeburger Armenviertel den Käufer wiederzufinden. Das Rad selbst konnte allerdings nicht mehr zur Stelle geschafft werden. Es fand sich jedoch dafür ein von Schröder unterschriebener Revers vor, in dein dieser erklärte, daß das Rad nicht gestohlen sei. Die genaue Kenntnis der Haasschen Steuerangelegenheit seitens Schröder erflärt man sich jetzt damit, daß Helling am Tage xr Ermordung Auszeichn'.r.lu- / darüber bei sich tru^, die dann in die Hände Schröders fielen.
Bonner Giudenienschafi gegen Deutsche Gtudentenschast.
Bonn, 8. August.
Wie die Unabhängige Nationale Korrespondenz meldet, hat die Vertretung der Bonner Studentenschaft in einer besonderen unmittelbar nach Abschluß des Deutschen Studententages stattgefundenen Sitzung auf der die Vorgänge des Studententages zur Erörterung standen, den wegen des Flaggenzwischenfalles zu Beginn des Studententages zurückgetretenen Vorsitzenden der Studentenschaft der Bonner Universität Kand. Iheol. Mager wiedergewählt. Die Hochfcyulringvertreter hatten die Wahl abgelehnt, weil sie nicht allein auf Grund des Berichtes Magers urteilen wollten, sondern vorher die Anhörung eines Vorstands- oder Hauptausschußmitgliedes der Deutschen Studentenschaft für erforderlich hielten. Die Minderheiten hatten gleichzeitig den Antrag auf ein V e r t r a u - ensvotum fürKultusminister Becker in der Angelegenheit Lessing im Gegensatz zu der einheitlichen Stellungnahme des Studcntcntages gestellt. Der Antrag konnte wegen Beschlußunfähigkeit der Studentenkammer nicht zur Abstimmung gelangen.
Urteil im bayerischen Kommunistenprozeß.
Zuchthaus bis zu zehn Jahren.
Im Prozeß gegen die bayerischen Kommunisten wurde vom Ferienstrafsenat des Reichsgerichts zu Leipzig das Urteil gefällt. Sämtliche Angeklagte wurden unter Annahme eines besonders schweren Falles nach §§ 5 und 6 des Sprengstoffgesetzes und §§ 5 und 7 des Republikschutz- gesetzes verurteilt, und zwar die Angeklagten Rothärmel, Cuprian und Frank zu je 6 Jahren Zuchthaus und 600 M. Geldstrafe, Röger zu 10 Jahren Zuchthaus, 1000 M. Geldstrafe und 10 Jahren Ehrcurechtsvcrluft, Köpf zu 7 Jahre« Zuchthaus und 700 M. Geldstrafe, Klcbsch zu 8 Jahren, 6 Monaten Zuchthaus und 850 M. Geldstrafe, Steindl zu 3 Jahren Zuchthaus und 300 M. Geldstrafe, Thaler zu 2 Jahren Zuchthaus und 200 M. Geldstrafe. Gegen Cuprian und Klebsch wurde außerdem auf Ausweisung aus dem Reichsgebiet erkannt. Sämtlichen Angeklagten wurden ein Teil der Geldstrafen und 5 bis 7 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet.
Von Einvrcchcrn crslyossen.
Wien. In der Nacht wurde in dem Gebäude der Ta- bakregie ein Wächter von Kasicncinbrechcrn erschossen. Die Täter sind geflüchtet.
Neun Personen umgclommen.
Prag. Bei dem Brande einer alten Scheune in Rostock bei Prag, die vielfach von Landstreichern als Nacht- qimrücr benutzt wurde, wurden bei den Aufräumungsarbetten verkohlte Körperteile anfgesnnden, die daraus schließen lassen, daß nenn Personen umgekommen sind. Nach späteren Mcl- düngen soll die Zahl der Opfer sogar zwölf betragen.
Neues vom Tage.
— In Aßmannshausen ist der Stadtsekretär Solzmeier nach Unterschlagung von 25000 Mark Gas- und Wassergelder verhaftet worden.
— Am 12. 8. wird das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammentreten. Dr. Stresemann, der bereits heule in Berlin eingetroffen ist, wird Bericht über die außenpolitische Gesamt- lage erstatten.
— Ein Geistesgestörter namens Andonoculos hat auf den Präsidenten der griechischen Republik Pangalos, der zu seiner .Erholung in Spetzas weilt, ein Altentatsversuch unternommen, der aber vereitelt werden konnte. Der Täter wurde festgenommen.
— Die in verschiedenen Bezirken Berlins vom Reichsbanner abgehaltenen Verfaffungsfeiern sind ohne Störung verlaufen. Nur in Charlottenburg kam es zu einem kleinen Tumult, der von Kommunisten hervorgerufen worden war. Sieben Kommunisten wurden verhaftet.
— In Stettin erschoß der Landessekretär Pahl seine Frau und seinen 18 jährigen Sohn. Die Ursache zu dem Doppel- mord soll in Familienstreitigkeiten zu suchen sein.
— Der Privatdiskont für kurzfristige Wechsel wurde wegen fehlenden Angebots auf 4% Prozent herabgesetzt, für langfristige Wechsel blieb er weiter auf 451 Prozent.
— Die Abgeordneten der Deutschen Bereinigung in Polen haben im Sejm die Aufhebung der noch gültigen deutschen Gesetze über die Beschaffung von Siedlungsland verlangt, da diese von der polnischen Regierung als Ausnahmegesetze gegen die deutsche Minderheit angewandt werden.
— Die Frobenius-Expedition hat ihre Fahrt durch die Nubische Wüste mit großem Erfolg durchgeführt.
— Die polnischen Verhandlungen über das Nicdcrlassungs- recht sind in Berlin wieder ausgenommen worden.
— Die französische Regierung läßt erklären, daß sie die Rarifi- Zierung der Schuldenabkomme» nickt mehr Ver den Pe.rl<nae--t8- ■ uen erlangen mirs. Die Mmnizkommiffioa der Kammer trat jur Beratung der Schuldenfrage zusammen.
— Die Erklärungen Baldwins über die Lage der englischen Bergarbeiter haben im Lager der Arbeiterpartei und der Bergarbeiter große Erregung hervorgerufen.
— Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" stellt zu den Gerüchten über Rückerwerbung ehemals deutscher Gebiete fest, daß die deutschen Gedankengänge in sinanzicllcn und geschäftlichen Kreisen tatsächlich vorhanden seien.
— Der Goldene Sokolpokal ist vom Deutschen Fußballklub Prag endgültig gewonnen worden, da es der Sparta nicht gelang, ihn mit mindestens drei Toren zu schlagen.
— Nach Meldungen aus Syrien hat eine Versammlung von Drusenführern beschlossen, den Krieg gegen die Franzosen' fort- zusetzen.
— Die Amerikanerin Miß Eberle hat den Aermelkanal in 1411 Stunden durchschwommen.
— Die mexikanische Regierung hat die Beschlagnahme der amerikanischen Kirche aufgehoben und ihren Leiter in seine Rechte wieder eingesetzt.
Gertrud Ederle in Deutschland.
Berlin. „New York Times" bespricht den Erfolg von Gertrud Ederle bei der Überguerung des Ärmelkanals und sagt, daß der Vater ein deutscher Schlächter sei und die Mutter eine tüchtige deutsche Hausfrau darstelle. Ge- wisse Eigenschaften von Zähigkeit und Ausdauer, die Gertrud Ederle auszeichnen, hätte sie von ihren Eltern ererbt und durch ihre Lebensweise und ihr Training entwickelt. Es wird gemeldet, daß Gertrud Ederle vor ihrer Rückkehr nach Amerika die in Deutschland lebenden Verwandten ihres Vaters besuchen werde.
Mit dem Kraftwagen verunglückt.
Koblenz. Am Sonnabend nachmittag ereignete sich in der Nähe von Dattcnberg bei Linz (Rhein) ein schweres Auto- Unglück. Der Verleger der Brühler Zeitung, Julius Weinheimer, machte mit seiner Familie im Gesmasts- auto eine Rheinreise. Das Auto stieß an einer abschüssigen Stelle gegen das Straßengeländer und überschlug sich. Die 25jährige Tochter Wcinheimcrs war sofort tot. Der Chauffeur wurde lebensgefährlich verletzt. Weinheimer selbst, seine Frau und seine beiden Söhne trugen ebenfalls erhebliche Verletzungen davon.
Grundsteinlegung deS MarinekorpSehrcndenkmalS.
Kiel. Die Grundsteinlegung für das geplante Ehrenmal des Marinckorps zum Gedächtnis an die in Flandern und Frankreich Gefallenen soll anläßlich des Marine- korpstagcs am Sonntag, den 5. September, erfolgen. Mit der Leitung der Tagung ist der Kieler Verein »Marinekorps Flandern beauftragt. Das Denkmal wird auf dem Flandern Platz in Kiel errichtet.
Deutsch-polnische RicdcrlassungSsragcn.
Berlin. Nachdem das polnische Kabinett durch das Parlament bereits die nötigen Vollmachten bekommen hat, wird es daS polnische Ausländergesetz durch Verordnung in «rast setzen. Bei einer Sitzung der Unterhändler ivurdc nach Mitteilungen, die den Blättern angegangen sind, von pol- nischer Seite daS Ausländergesetz in polnischer Sprache vor- aelegt. Die beutfeben Vertreter haben es zur Prüfung entge- gchgenommcH. Im Laufe dieser Woche wird in den Verhandlungen eine Sommerpause von einigen Wochen eintreten.