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Nr. 92
Donnerstag, den 5. August 1926
78. Iahrg.
! Amtliche Bekanntmachungen
“ Landratsamt.
a ' J.-Nr. 7077. Der Herr Landwirtschaftsminister hat auf in die Gefahr hingewiesen, die sich aus dem Weideverkehr für ij eine Weiterverbreitung der Lungenseuche ergibt.
te Es muß daher mit allen geeigneten Mitteln versucht werden, eine Verschleppung der Seuche, namentlich in und , aus den gefährdeten Bezirken, auf die Weiden zu verhüten.
Es wird in erster Linie dafür zu sorgen sein, daß Vieh aus , den nach Maßgabe des § 194 Absatz 1 a. V. A. V. G. ge- 'i! bildeten Beobachtungsgebieten unter keinen Umständen in den freien Verkehr gelangt, sowie, daß die auszuführenden n Tiere, sowie die Ausfuhrbestände in den nach § 194 Absatz 1 b. A. a. d. O. gebildeten weiteren Beobachtungsge- i| bieten vor der Ausfuhr gewissenhaft untersucht werden. x Bon der Einrichtung der Beobachtungögebiete ist in mög- " liehst weitem Umfange Gebrauch zu machen.
Die Viehbesitzer werden vor der Gefahr der Seuchen- Q Verbreitung durch den Weidebetrieb gewarnt und den Be- 0 sitzcrn von Weiden mit gemeinschaftlichem Weidebetrieb wird » empfohlen, Rinder aus verdächtigen Gegenden nur auf die ■ Weide zu nehmen, wenn deren Besitzer ein tierärztliches Ge- » sundheitszeugnis über den Herkunftsbestand und gegebenen- 3 falls auch ein Zeugnis über eine Blutuntersuchung bei- bringen. Als gefährdete Bezirke ist gegenwärtig in erster § tot anzusehen, der Freistaat Hessen, wo sich in L i ch ein » größerer Seuchenherd befindet.
j Als besonders gefährdet und gefährlich muß das Han- • belsvieh aus diesem Gebiete gelten.
) I Schlüchtern, den 31. Juli 1926.
) | Der Landrat. I. V.: Dr. Hausmann.
l J-Nr. 7453, In den Gemeinden Angersbach, Wernges, Willofs, Maar, Ullershausen und Harlershausen, Kreisamr lantttbach, ist die Maul« und Klauenseuche ar saebrorben^
I Schlächtern, den 3. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Bishseuchenpolizeiliche Anordnung!
J-Nr. 7415. Zum Schutze der Maul-und Klauenseuche lvird^auf Grund der §§ 18 ff. des ViehseuchengesetzeS vom
Juni 1909 (R. G: Bl. Seite 519) mit Ermächtigung ides Hmn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten । Uzendes bestimmt.
§ i.
: 3nfofß( Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in dem Mitsbezirk Hundsrück wird die viehpolizeiliche Anordnung «m 29. Juni d. Js. — Schlüchterner Zeitung Nr. 78 — wieder aufgehoben.
Schlächtern, den 3. August 1926.
Der Landrat. J. V. t Dr. Hausmann.
f T?'^' ^07. Die Herren Bürgermeister werden erneut ^l dic Verfügung vom 22. Februar 1942 I. Nr. 1213 — Mwblatt Nr. 9 — aufmerksam gemacht und ersucht, die k/^"^crungen (Zu- und Abgänge) zu der Nachweisung der
"'^s schulpflichtigen, taubstummen und blinden Kinder I W^'"ber anzuzeigen.
I Schluchtern, den 2. August 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
L^1^ 7394- Im Monat Juli d. I. wurden folgenden
Jagdscheine erteilt:
. A. I a h r e s j a g d s ch e i n e.
,rrz Heinrich, Landwirt, Neuengronau,
: Heinrich, Gastwirt, Kressenbach,
Eicsner, August, Landwirt, Züntersbach, Johann, Maurer, Marborn, läppert, Johann, Oberweiclicnstellcr a. D., Altengronau, Schmidt, Heinrich, Schreiner, BellingS.
B. I a h r e 0 j a g d s ch e i n e.
I OberregierungSrat, München.
I ^'"chtern, den 2. August 1926.
I I—— Der Landrat. I. V.: Schultheis.
Kreisansschich.
I Kadaver-Ablieferung betreffend.
Sie ^2l!8 K. A. Ich mache darauf aufmerksam, daß kibn 'Wächterobach jetzt einen Autobetrieb ein- clikä m ""d dadurch in der Lage ist, Viehkadaver auf eni Wege und in kürzester Frist abzuholen. t[,c c Herren Bürgermeister ersuche ich, dies den Vieh- s.,' '^Gemeinde bekannt zu geben und sie zu vcran- " Anmeldung von verendetem Vieh stcrö sofort tele-
, ,. die Fleischmehlfabrik Wächtersbach — Fernruf
— weiter zu geben.
Schluchtern, den 31. Juli 1926.
Der Vorsitzende deS KreiSauSschusseö.
I. V: Dr. Hausmann.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
In der Zeit vom 9. bis einschließlich 12. August d. Js. findet die Reinigung der unbesteigbaren Schornsteine in der Stadt Schlüchtern statt.
Kontrollbücher sind bereitzuhalten.
Schlüchtern, den 3. August 1926.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Diejenigen Kriegsbeschädigten und Kriegohinterbliebenen, welche einen Vorschuß für Beschaffung von Wintervorräten (Holz, Kohlen, Kartoffeln usw.) zu beziehen wünschen, werden aufgefordert, dies im Rathaus — Stadtsekretariat — bis spätestens 15. August d. Js. anzumelden.
In Frage kommen nur diejenigen Kriegsbeschädigten, die Zusatzrente beziehen.
Schlüchtern, den 3. August, 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
BekanntmaHung.
Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß zur Aufstellung von Vcrkaufsständen auf dem Acisbrunnen in jedem einzelnen Falle die Genehmigung des Magistrats einzuholen ist. Backwaren und Konditoreiwaren — mit Ausnahme von Zuckerwaren und Schokolade — dürfen nur mit besonderer Genehmigung des Pächters feilgeboten werden.
Pächter ist zur Zeit Herr Willi Gähringer hier- selbst. Zigarren, Zigaretten und Tabak dürfen in den Verkaufsständen nicht feilgehalten werden.
Schlüchtern, den 3. August 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Am Donnerstag, den 5. August 1926 v 0 r- mittags 8’/2 Uhr wird auf dem Rathaus — Kanzlei — der Schafpferch öffentlich verpachtet.
Schüchtern, den 4. August 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung
Am Donnerstag, .den 5. August d. Js. nachmittags 6 Uhr wird das Gras von den städtischen Ufern usw. verkauft. Zusammenkunft um 6 Uhr an der Dreschhalle.
Schlüchtern, den 3. August 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Aollvendigkeit deutscher KolvmalpoM.
Ein Lebensinteresse des deutschen Volkes.
In diesen Tagen veranstaltete die Koloniale Arbeitsgemeinschaft Groß-Hamburgs die „Kolonialwoche 1926", die mit dem 25. Stiftungsfest der ehemaligen Ostasiaten ihren Anfang nahm. Dann folgte die Fahnenweihe des Vereins ehemaliger Deuschsüdwestafrikaner von 1914., An die Kranzniederlegung am Wißmanndenkmal schloß sich ein für den kolonialen Gedanken werbender Festzug an. In der Stadthalle hieß Hamburgs erster Bürgermeister Petersen die Teilnehmer willkommen.
Der Redner gedachte der großen Verdienste Hamburgi- scher Häuser um die Erschließung der ehedem deutschen Kolo- u'cn. ' Die koloniale Sache sei deutsche Sache und sei unbedingt unabhängig von irgendwelchen Parteiinteressen, sondern tief begründet in den Lcbcnsintcrcsscn des deutschen Volkes. Eher als man habe hoffen dürfen sei die Behauptung, Deutschland habe in der kolonialen Verwaltung versagt, widerlegt worden. Jeder sachliche Beurteiler des Auslandes müsse heute für das Gegenteil zeugen.
Der Gouverneur a. D. Dr. Scitz erklärte, die N 0 t w e n- d i g k c i t deutscher Kolonialpolitik sei in der Vergangenheit bewiesen worden und werde noch dringender Werden in der Zukunft. Heute, wo der Satz gelte, daß Rohstoff die Industrie anziche, Deutschland das Recht zu kolonialer Betätigung aozu- sprechen, heiße dem 60-Millionen-Volk die Existenzbcrechti- gnng zu bestreiten.
^Seitz schloß mit dem Wunsche, daß die hanseatische Zähigkeit und Energie zur Erfüllung der Aufgabe helfen möchten.
Deulsch-sranzösischesMrischaftSprovisorium
Die Unterzeichnung int Laufe der Woche.
Paris, 3. August. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sind die deutsch-französischen Handelsvertragsverhand- luugeu zum Abschluß eines Wirtschaflsprovisorinms nunmehr soweit gediehen, daß mit der Unterzeichnung des Provisoriums durch die beiden Delegationsleiter, Ministerialdirektor Posse lnd Handelsminister Bokanowski noch im Laufe dieser Woche , erechnet werden kann. Die deutsche Delegation wird sich sarauf nach Berlin begehen, um das Wirtschaftsprovisorium dem ReichSrat nud den parlamentarischen Ausschüssen des Reichstages vorzulegen.
Neues vom Tage.
Frankfurt a. M., 4. August.
1 — Das Polizeipräsidium Stuttgart hat die Vorführung der abgeänderten Potemkin-Films verboten.
— Die deutsch-polnischen Niederlassungsverhandlungen mußten abermals vertagt werden, da der Wortlaut des neuen polnischen Fremdengesetzes noch nicht bekannt war.
— Das Finanzkomitee des Völkerbundes hat beschlossen, Wien als Sitz des neuen Völkerbundsamtcs zur Verhütung von Bank- notcnsälschungen vorzuschlagen. Damit wird Wien das internationale Zentrum für die Bekämpfung der Banknotenfälschungen werden.
— Aus der Tagesordnung der am 3. September beginnenden Völkerbundstagung in Genf steht die Aufnahme Deutschlands als Punkt 11.
— Präsident Coolidge der Vereinigten Staaten hat dem Schatzsekretär Mellon wichtige Instruktionen zu Verhandl -<■ mit den europäischen Regierungen zugehen lassen.
— In der Magdeburger Mordaffäre dauern die Gegensätze zwischen dem Untersuchungsrichter und den Berliner Kriminalkommissären an. Während der Untersuchungsrichter erklärt, daß sich das Netz seiner Untersuchung immer enger um den verhafteten Direktor Haas zusammenziehe und nach seiner Ansicht nur Mord auf Anstiftung in Frage komme, wollen die Berliner Beamten als erwiesen ansehen, daß ein gemeiner Raubmord, begangen von Schröder, vorliege.
— Der Sultan von Marokko hat heute morgen seine Rückreise nach Marokko angetreten.
— Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz ist beim Reiterregiment Nr. 11 eine Typhusepidemie ausgebrochen.
— Die Oder ist infolge der starken Regengüsse der letzten Tage erneut aus den Ufern getreten und hat die Oderniederung überschwemnit.
— Briand erklärte in einem Interview mit dem Vertrete '.:.. Zirner Zeimng u. av daß Deutschland in allerlei kleinen Einzelheiten bei der Entwaffnung im Rückstand geblieben sei. Er messe dem keine entscheidende Bedeutung bei, aber die französische öffentliche Meinung werde beunruhigt wenn sie höre, daß die Entwaffnung wieder auf neue Schwierigkeiten stoße.
— Der französische Senat hat die Poincareschen Steuergesetze mit 250 gegen 13 Stimmen angenommen.
Deutsches parietwesen.
Von Dr. Hermann Pachnickc.
Wir veröffentlichen im Nachstehenden einen Artikel aus der Feder des namhaften Mitglieds der Liberalen Vereinigung Dr. Hermann Pachnicke, über den feiner Ansicht nach notwendigen Zusammenschluß der auf liberalen Boden stehenden bürgerlichen Mittelparteien, ohne uns mit dem Inhalt dieses Artkels zu identifizieren. Die Ausführungen Dr. Pachnickes verdienen aber deshalb allgemeines Interesse, weil sie neben den bekannten Aufrufen Dr. Wirths und dem Eaylschen Iarres-Aufnif symptomatisch sind für das allgemeine Streben nach Zusammenschluß, das durch das ganze deutsche Par- reileben gegenwärtig geht. Wir werden auch demnächst die anderen Konsolidierungseinrichtungen durch die Feder berufener Vertreter zu Worte kommen lassen. Die Redaktion.
Die Erörterungen, die gegenwärtig von den verschiedensten Seiten über die Parteiverhältnisse gepflogen werden, zeigen, daß hier etwas nicht in Ordnung ist. In der Tat, Haltung und Leistung der aus den Parteien zusammengesetzten Parlamente haben nicht befriedigt. Was wir zuletzt am Reichstag erlebten, war ein Z u s a m in e n - b r u ch. Ebenso haben die meisten Ei nzellandtage die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. An den Früchten soll man sie erkennen, diese Früchte aber machen wenig Freude. Wichtige Aufgaben, wie die Fürstenabfindung, blieben ungelöst. So gut wie nichts geschah, um die teure Verwaltung zu verbilligen, die Ueberzahl der Abgeordneten herabzusetzen, ein Wahlrecht durchzuführen, das den Ansprüchen der Wählerschaft genügt. Der Wohnungsbau hätte ganz anders gefördert werden können, wenn weniger Instanzen vorhanden wären, die dabei mitzusprechen haben, und wenn auch nur für eine Uebergangszeit die hier zu erhebenden Steuern und Gebühren ermäßigt worden wären. Die Ausgaben für die Arbeitslosigkeit ließ man «»wachsen, bis sie die Höhe der jährlichen Reparationslasten erreichten. Kurz, fast überall ein Mißverhältnis zwischen Auswand und Ergebnis.
Unwillkürlich fragt man nach den Gründen für dieses politische und wirtschaftliche Defizit. Sie sind in erster Linie in der Vielheit der Parteien und in ihrem mangelnden Z u s a in m.e n w i r k e n zu suchen.
Daß wir zu viel Parteien haben, wird allgemein anerkannt. Doch keine will weichen, im Gegenteil, der germanische Zug zur Absonderung läßt immer neue Splitter entstehen. Man kümmert sich nicht um den Erfabrungss..tz, daß die Parteizersplitterung das Unglück jeder Volksvertretung ist, weil sie unaufhörliche Schwankungen des Staatsjchisfes hervorruft. Die Regierungskrisis wird zur Regel, die Stetigkeit der Politik zur Ausnahme. Kein Kabinett kann sein in hohen Tönen verkündetes Programm durchführen. Kanin zustande gekommen, bangt es schon