SchlWemer Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtticherAnzeigevfür den Kreis Schlüchtem
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Rr. 91 Dienstag, den 3. August 1926 78 Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Schutz den Falken vögeln und Eulen!
Die Falkenvögel und Eulen werden in unserer Heimat von Jahr zu Jahr seltener. Viele von ihnen sind bereits „Naturdenkmäler" geworden.
Der soeben mit Unterstützung der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen gegründete „Verein für Falkenvögelschutz" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jägern und anderen Naturfreunden Belohnungen zu zahlen, wenn es ihnen gelingt, Bruten der oben genannten Vögel bis zum Ausfliegen zu hegen.
Die Mittel werden durch die Beiträge der Mitglieder in Höhe von je 2 RM. jährlich und durch freiwillige Spenden aufgebracht. Alle Zahlungen für den „Verein für Falkenvögelschutz" sind zunächst an die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, Berlin-Schöneberg, Grune- waldstraße 6/7 (Postscheckkonto Berlin Nr. 6241) zu senden.
Die Anzahl und Höhe der Belohnungen richtet sich nach den vorhandenen Mitteln.
Erstmalig im September d. Js. werden drei Beloh- nungen in Höhe von mindestens 25, 20 und 15 RM. ausgezahlt. Amtlich beglaubigte Meldungen von hochgebrachten Brüten von Falkenvögeln und Eulen sind bis zum 15. August d. Js. an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn Major a. D. Dr. phil. Wegner, Berlin S. 42, Oranienstraße 68. zu richten. Die Namen der Preisträger werden in dem im Februar eines jeden Jahres erscheinenden Jahresbericht bekannt gegeben.
Anmeldungen von Mitgliedern sind an den Vorsitzenden zu richten.
Allgemeine Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die Einzahlung der noch rückständigen Beiträge aus den Zahltagen der Monate April, Mai und Juni 1926 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
l.Jn Sterb fritz, am Mittwoch, den 4. August 1926 von nachm. 3—6 Uhr in der Böhm'schen Gastwirischaft daselbst.
! 2. In S t e i n a u, am Mittwoch, den 11. August 1926, von vorm. 10—4 Uhr nachm. tn der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst.
3. I N S a l m ün st e r, am Mittwoch, den 18. August 1926, von vorm. 9—12 Uhr im Gasthause „Zum Engel" daselbst.
InSoden, ebenfalls am Mittwoch, den 18. August 1926 von nachm. l‘/s—4*/s Uhr im Gasthause zur Hoffnung daselbst,
| und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden. Die dann noch verbleibenden ■ Rückstände werden alsbald kostenpflichtig eingezogen.
Die Herren Bürgermeister bitten wir um Bekanntgabe w seither üblicher Weise.
Schlüchtern, den 28. Juli 1926.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse Ttäd? Schlüchtern.
Bekanntmachung.
I Am Dienstag, den 3. August 1926, nachm. I „ " h r werden die Strohlagerplätze in der Dreschhalle "ifentlich verpachte:.
Schlüchtern, den 2. August 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Frankreichs Kampf gegen Elsatz-Lothringen.
I ^,?Es. Der von dem Justizminister Barthon in der I "Einer eiugebrachte Gesetzentwurf zur Bekämpfung der An- I aus die nationale Einheit sieht vor, das; iebe Propa- I Wdahandlung, die daraus ausgeht, einen Teil französischen I Mtsaebieies bei Autorität der Regierung zu entziehen, mit I «ÄMnis von einem Jahr bis zu fünf Jahren und mit ' ,': .unrak von 100 bis 5000 Franken belegt wird. Außerdem । )(., ""l Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und auf <"U "uhaitsverbot ersannt werden. Die Regierung will die I Abschiebung dieses Gesetzes vor dem Anseinandergehen deS I Elaments herbeiführen.
Die Alkoholvergiftungen in Amerika.
Ibnfis ,ot'- Die .Associated Preß" meldet anS Bussalo I In!”01 Bundesbeamte bestimmt worden sind, genaue Unter- IsN6en Wer alle die in den letzten sechs Monaten einge- i Alkoholmengen durchzusühren. Ein vierter Agent von 1* 0 d’ Deutschland gesandt, um die Ausfuhr IolM,7°l»lleist und vergälltem Alkohol nach Amerika in dem I jcÄ1V? traum zu prüfen. Diese Mitteilung wird alS An- liiit b ^ daß die Regierung alle Anstrengungen t ocrtrini ScfifteUunn mache, wie weit vergällter Alkohol worden sei, den die Alkoholschmuggler nicht reinigen Ivn nÄ wodurch über 40 Personen im Staate Newyork und i* ^b an Vergiftungen starben.
Die Frankeninflation im Saargediet.
Neue Steuer- und Tariferhöhungen.
Die Entwertung des französischen Franken wirkt sich für die Bewohner des Saargebietes besonders verhängnisvoll aus. Trotz der entschiedenen Proteste der zuständigen Organisationen und Behörden sind im Saargebiet neue Steuern eingeführt worden.
Laut Mitteilung der Regierungskommission im neuen Amtsblatt Nr. 27 vom 29. Juli wird die Umsatzsteuer von 1,3 auf 1,6 Prozent erhöht. Auch die Satze der Stempelsteuer werden höher gesetzt. Außerdem werden zur Erhöhung der indirekten Steuer für leichtere Mineralöle auch die schweren Mineralöle in den Kreis der steuerpflichtigen Waren einbezogen.
Trotz einmütiger Ablehnung der Steuervorlage im Landesrat ist die Regierungskommission über das Gutachten der Vertreter der Saarbevölkerung hinweggegangen und hat Wieder einmal die französischen Jnflationssteuern einfach quittiert und trotz anders liegenden Voraussetzungen im Saargebiet eingeführt.
Weiter werden die Gütertarife der Staatsbahnen infolge der Frankenentwertung eine zehnprozentige Erhöhung erfahren. Auch die Personen- und Gepäcktarife werden erhöht werden.
In einer stark besuchten Versammlung befaßte sich die Handelskammer in Saarbrücken und der Vorstand des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen Wirtschaftsinteressen im Saargebiet, der mit seinen Unterverbänden die gesamten Wirtschaftskreise von Industrie und Handel des Saargebietes umfaßt, mit dem Währungsproblem und richteten in einer Entschließung an die Regierungskommission und durch ihre Vermittlung an den Völkerbund das dringende Ersuchen, sofort die Vorbedingungen für einen Uebergang zur wertbeständigen Währung im Saargebiet zu schaffen.
Die Kammerfltzmg in Parte.
Poincars greift ein.
Unter starkem Andrang des Publikums wurde die Kammersitzung eröffnet. Die Stimmung in Regierungs- kreisen ist zuversichtlich. Seitens der Kommunisten brächte Cachin bei Beginn der Sitzung einen Vertagungsantrag ein, der von der Kammer für unannehmbar erklärt wurde.
Die allgemeine Aussprache
wurde vom Generalberichterstatter eröffnet. Im Namen der Opposition sprach dann der Sozialist Vincenz Auriol. Er teilte mit, daß seine Parteifreunde und er gegen den Eintritt in die Sonderdiskussion stimmen würden. Weiter erging sich der Redner in einer allgemeinen Kritik der Regierung Poincaro und stellte fest, daß die Regierung nur auf alte, nichts sagende Vorschläge zurückgegriffen habe. Worauf es aber ankomme, seien wirksame Maßnahmen zur Wiederaufrich- tung des öffentlichen Kredits. Es wäre sonst nicht der Mühe wert gewesen, daß man zu der Bildung eines nationalen Kabinetts geschritten fei.
Darauf kam es zu der mit Spannung erwarteten
Intervention Poinrarös.
Der Ministerpräsident ging auf die Ausführungen des Vorredners ein und erklärte, der Augenblick fei für eine Kritik an der Zusammensetzung des nationalen Kabinetts schlecht gewählt.
Die Regierung sei auf sofortige Einnahmen angewiesen, damit der verzweifelten Lage des Schatzamtes abgeholfen werden könne. Weiter gelte eS, die Ausgleichung des Budgets zu sichern. Die eingebrachte Finanzvorlage erreiche dieses Ziel. Das Endziel der Regierung aber sei die Stabilisierung der Währung, zu der jedoch erst geschritten werden solle, sobald der Franc wieder aufgerichtet worden sei.
Große Mehrheit für Poincar«.
Zum Schluß seiner Kammerrede stellte Poincard die Vertrauensfrage über den Eintritt in die Spezialdebatte.
Die Regierung erhielt 380 Stimmen, dagegen stimmten 150 Abgeordnete (Kommunisten, Sozialisten und einige ^“^ad^bi^ zu schließen, besteht aller Grund zu der Annahme, daß die Regierung bei der Abstimmung über die gesamte Vorlage eine Mehrheit von 360—380 Stimmen erhalten werde. ;t. »y . —•, »t-*s*Ä»<~«
Besorgnis wegen der Scptrmbertagung des Völkerbundes.
London, 1. August. In Zusammenhang mit der Septem- bcrtagnng des Völkerbundes findet gegenwärtig ein McinnngS- austausch zwischen verschiedenen Völkerbundsstaaten statt. Dia Hauptbcsorgnisse der englischen Regierung, die, wie der diplo- malische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, von einigen anderen Regierungen geteilt werden, bestehen darin, daß Deutschlands Zulassung zum Völkerbundsrat und zur Völkerbundsversammlung nicht durch unvorhergesehene Ereignisse wie im März gestört würde. Aus diesem Grunde wird verlangt, daß Deutschlands Wahl zu den beiden Körperschaften in den ersten Sitzungen der Tagung stattfindet, während die Wahlen für die nichtständigen Sitze um acht oder zehn Tage verschoben > verteil sollten.
Neues vom Tage.
— Wie jetzt endgültig feststeht, wird die Jnsanterieschule in Ohrdruf Ende September nach Dresden übersiedeln. Die Vorbereitungen hierzu find bereits durchgeführt worden.
— Die Bergarbeiterverbände haben die bestehende Lohnordnung im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau zum 31. August 1926 mit dem Ziele einer Lohnerhöhung, deren Höhe sie erst am Verhandlungstage bekannt geben toeilen, gekündigt.
— Nach einer Havasmeldung aus Mexiko hat die mexikanische Regierung beschlossen, den Vertreter des apostolischen Stuhls in Mexiko innerhalb einer Frist von 24 Stunden aus Mexiko aus- zuweisen.
— Das von der früheren braunschweigischen Regierung er» lassene Verbot der Deutschvölkischen Freiheitspartei ist von der jetzigen Regierung des Freistaats aufgehoben worden.
— Nach einer Meldung der Radioagentur über die Unterredung Briands mit Vandervelde sind beide Staatsmänner dahin übereingekommen, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unter keinen Umständen länger hinausgeschoben werden dürfe, wenn er nicht die Politik von Locarno gefährden solle.
Verschlechterung der Reichsfinanzen.
Der jetzt veröffentlichte Ausweis über die Einnahmen des Reiches im Juni zeigt eine weitere nicht unerhebliche Verschlechterung der Reichsfinanzen. Die Einnahmen des Juni sind sogar noch hinter denen des Mai zurückgeblieben, obwohl dieser Monat schon einen Tiefstand an Einnahmen aufzuweisen hatte. Das Bedenkliche ist, daß es sich um keine vorübergehenden Erscheinungen handelt, sondern um eine dauernde und fortlaufende Verschlechterung.
Insgesamt sind im ersten Halbjahr 1926 die Einnahmen um über 800 Millionen RM. zurückgeblieben gegenüber der entsprechenden Zeit des Jahres 1925. Wenn man das erste Quartal des jetzt IpnjenteJL^inan^re«- vergleich! mit dem letzten Quartal des vorigen Finanzjahres, dann ergibt sich ein Einnahmerückgang von über 250 Millionen RM. Im ersten Quartal des ictzigen Finanzjahres sind die tatsächlichen Einnahmen hinter dem Voranschlag um nicht toeniger als 160 Millionen RM. zurückgeblieben.
■ Sehr interessant ist ein Vergleich darüber, wie die einzelnen Steuerarten in ihren Erträgnissen gegenüber den Voranschlägen zurückbleiben. Auf das Vierteljahr berechnet sind im ersten Quartal zurückgeblieben gegenüber den Sollbeträgen die Körperschaftssteuer um über 8 Millionen RM., die Erbschaftssteuer um ungefähr 9 Millionen RM., die Umsatzsteuer um über 20 Millionen RM. usw. Den Voranschlag erreicht haben nur so unwesentliche Steuern wie Wett- und Lotterie- steuern, Kraftsahrstcuer, Grundcrwcrbssteucr usw. Auch die Zölle haben den Voranschlag überschritten, und zwar um rund 20 Millionen RM. Diese Erscheinung ist aber nicht gerade sehr erfreulich, da aus dieser Ueberschreitung gemäß den Bestimmungen des Tawes-Planes eine Mehrzahlungs- Pflicht Deutschlands sich ergibt.
Besonders anschaulich wirkt die laufende Verschlechterung in den Einnahmen der einzelnen Steuerarten bei einem Vergleich des Jahres 1925 mit dem jetzt laufenden Jahre. Dann ergibt sich nämlich, daß die Umsatzsteuer im Januar 1925 noch über 215 Millionen RM. erbrachte, im Januar 1926 dagegen nur noch 118 Millionen RM. und im Mai 1926 sogar nur noch knapp über 60 Millionen RM. Einen ähnlichen Rückgang hat die Lohnsteuer aufzuweisen, deren Erträgnisse zurück- gingen von 126 Millionen RM. im Januar 1925 auf rund 105,5 Millionen RM. im Januar 1926 und auf 82 Millionen > RM. im Mai 1926.
Leider ist mit einer weiteren Verschlechterung der Reichs finanzeu zu rechnen. Zunächst hat sich herausgestellt, daß die im Voranschlag eingesetzten Ausgaben für Vorzügsrentep an Altanleihebesitzer um mindestens 70—80 Millionen RM. überschritten werden müssen. Einen weiteren wesentlichen Posten bilden die Ausgaben für Erwerbslosenfürsorge. Für das ganze laufende Etatsjahr hat das Reich für diesen Zweck nicht mehr als 200 Millionen RM. eingesetzt. Die tatsächlichen Ausgaben belaufen sich aber jetzt — anf den Monat umgcrech- net — schon beinahe auf das Dreifache. Weiter sind noch die Reparationslasten zu erwähnen, die sich mit der Zeit immer mehr steigern. Schließlich sind auch noch in Betracht zu ziehen einige Ausgaben, die vom Reichstag über die zuerst vorgesehenen Beträge bewilligt worden sind.
Wie prekär die finanzielle Lage des Reiches ist. mag das Ersuchen um Genehmigung der Begebung von 400 Millionen RM. Schatzwechseln zeigen. Wenngleich mit diesem Schritt zwar auch nicht — wie vielfach befürchtet worden ist — eine Währungsgefährdung verbunden ist, so ist diese Maßnahme aber doch kennzeichnend für den kritischen Stand der Reichs- finanzen und dafür, daß die bisher vorhandenen Reserven, von denen gezehrt werden konnte, allmählich ihrem (ritte sich zu- neigen. Höchstwahrscheinlich ist ein Fehlbetrag von 5 bis 600 Millionen RM. für das laufende Finanzjahr zu erwarten, wie er auch vor kurzem im Reichstag geschätzt worden ist.
□ Meuterei im Bromberger Gefängnis. Im Bromberger Gefängnis verübten 300 Sträflinge eine Meuterei. Das Ge- fängnis wurde von den Meuterern teilweise zerstört. Der Polizei gelang es, der Aufrührer Herr zu werde».