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Schüchterner Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Myememev amtlicher Anzeiger für 6m Kreis Ächlüchtem

-Mikunö Verlag: tz.Steinfietd Söhne * SesthkistsskVahlchofstr.6 * frrnspv.Nr.i^ * Poststh«ktnd!mrksuvI:aM.rrrKo

Nr. 87 (1. Blatt.) Samstag, den 24. Juli 1926 78. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

l Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags; :und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.:

J.-Nr. 6941. Während meiner Beurlaubung vom 26. d. Ms. bis einschl. 31. August d. Js. werde ich von dem RegierungSreferendar Dr. Hausmann vertreten.

Schlüchtern, den 22. Juli 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 7074. Nach Mitteilung der Landwirtschaftskammer in Cassel sind die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher zu Schlüchtern, Steinau, Salmünster, Soden, Altengronau, Heubach, Kerbersdorf, Romsthal, Sannerz, Sarrod, Schwar- zcnfels, Sterbfritz, Ulmbach, Vollmerz, Wallroth, Hundsrück und Lindenberg mit der Ablieferung der 1. Beitragsrate für 1926, die bis zum 1. Juni d. Je. erfolgen sollte, im Rückstände.

Die betreffenden Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher ersuche ich, bis zum 5. n. MtS. darüber zu berichten, daß die Beiträge abgeliefert worden sind.

Schlüchtern, den 22. Juli 1926.

Der Landrat. J. V>: Schultheis.

J.-Nr. 7082. Die Bahnhofsstraße in Schlüchtern wird von der Fuldaerstraße bis zum Felsenkeller wegen Straßen­bauarbeiten vom 26. Juli bis einschl. 10 August d. Js. für sämtlichen Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Der Verkehr ist über die alte Bahnhofsstraße zu leiten.

Ebenso wird die Landstraße von Schlüchtern nach Herolz vom 26. Juli bis einschl. 4. August für sämtlichen Fuhr­werksverkehr gesperrt.

Der Verkehr ist über Elm zu leiten.

Uebertretungen werden nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1877 (Amtsblatt S. 137) bestraft.

Schlüchtern, den 2g. Juli 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Der Saatenstand Anfang Juli.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Schlüchtern.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 = gut, 3 mittet (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering.

Fruchtarten usw.

Durchschnitts­noten für den

Anzahl der von den Bertrauensmännern des Kreises abgegebenen Noten

Staat

Rcgs.- Bezirk

1

12

2

23

3

3-4

4

4-5

5

Winlerweizen Sommerweizen

Wintorspolz (Dingol), auch mit «Betmifdin.

Roggen od. Weizen Winterroggen Sommerroggen Winlergerste Sommergerste Hafer

Gemenge aus Win- tergetreibe

Hamengc aus Som­mergetreide

Buchweizen u. Hirse Erbsen u. Futter-

Mcn aller Art (Peluschken)

^'Mn« (Stan- Gen-, Buschbohnen) ^'^°u-,Pferde.) bahnen '

8i"fcn u. Wicken Kartoffeln Zuckerrüben Futterrüben ifRuut.)

und Rübsen Mach« (ycin) #mK*u4 mit Bei- "Mung b. Gräsern

Luzerne

^f/fu ur Be« aber (Rieselwiejen)

^"dere Wiesen

2,7 2,7

2,9 2,9

2,9

2,7

2,6 2,6

2,8

2,7

2,7

2,6

2,7 3,0 3,0

3,1

3,1

2,9

3,1 2,7

2,5

2,7

2,7

2,7

2,8

3,0

2,5

2,6

2,4

2,9

2,6

2,7

2,7

2,7

2,9

2,7

2,8

2,8

2,9

2,9

2,8

2,5

2,6

1

1

1

1

1

2

1

2

1

2

1

2

2

2

3

1

2

2

2

1

2

1 I

2

2 1

2

1

3

2 3

1 1

1

1

1

1

1

1

1

Der Präsident des Preußischen Statistischen LandcSamtS. Dr. Snengcr.

Nach dem Sturz Smiots.

Poincarö der kommende Mann.

Das erst vor einigen Tagen gebildete Kabinett Herriot ist am Mittwoch vor die Kammer getreten und hat sich, wie zu erwarten war, sofort eine glatte Niederlage geholt. Sein Sanierungsprogramm, das besonders den Besitz stärker heran­ziehen wollte, fand nicht den Beifall her Mehrheit. Während der ganzen Kammersitzungkam es zu außerordentlich erregten Vorgängen, worüber eine Meldung aus Paris folgendes besagt:

Das Kabinett Herriot ist mit 237 gegen 290 Stimmen in der Minderheit geblieben. Das Abstimmungsergebnis wurde in der Kammer mit eisigem Schweigen ausgenommen. Nur vereinzelt brächte man Bouillon, der gegen ein Vertrauens­votum gesprochen hatte, Ovationen dar. Auf dem Platz vor dem Palais Bourbon ist es zu noch nie dagewesenen Temon- strationen gekommen. Die Menschenmenge, die von einem starken Polizeiaufgebot nur mühsam zurückgehalten werden konnte, lärmte während der ganzen Dauer der Kammersitzung. Immer wieder ertönte der einstimmige Ruf:Nieder mit Herriot!"Kammerauslösung!"

Das Abstimmungsergebnis wurde draußen mit lauten Bravorufen begrüßt. Herriot und feine Kollegen verließen die Kammer durch eine Hintertür.

Der Präsident der Republik hat die sofort eingereichte Remission des Kabinetts Herriot angenommen und P 0 in - c a r o mit der Neubildung beauftragt. Dieser hat den Auftrag angenommen.

Eine Regierung des öffentlichen Wohles.

Der Sturz des Kabinetts Herriot hatte eine ziemlich große Menschenmenge in den Straßen von Paris mobil gemacht. Vor dem Kammergebäude und vor dem Elysee fanden Kund­gebungen gegen Herriot statt. Zu gleicher Zeit hat die Aktion des sozialrepublikanischen Abgeordneten Morinot, die eit einigen Tagen vorbereitet wurde, den Demarchen des Prä- idemen der Republik eine ganz bestimmte Richtung zu geben, tattgefunden. Die Abgeordneten Astier (Republ. Linke) und Pestche haben sich ins Elysee begeben, um dem Präsidenten eine Eingabe zu überreichen, die die Unicrf&ift bon 230 Abgeord­neten trägt. In ihr heißt es, nur die Bildung einer Regie­rung des öffentlichen Wohls sei geeignet, das Ziel, den Sturz des Franken aufzuhalten, in kurzer Frist zu er­reichen. Eine Regierung des öffentlichen Wohls fei jedoch nur im Rahmen der nationalen Einigkeit möglich. Sie wird aller­dings nicht in ihrer veralteten Formel der politischen Bildung, sondern in der Durchführung des französischen Willens und der französischen Energie ihren Ausdruck finden können. Män­ner, die die schwere Verantwortung der Regierungsübernahme auf sich nehmen, müssen, um rückhaltlos jene Beispiele zu er­zielen, nicht die Beauftragten der politischen Parteien sein, die noch in der Erinnerung an ihre Vergangenheit kämpfen woll­ten, sondern müssen im Gegenteil durch ihren eigenen Wert und durch ihren neuen Geist Kräfte wecken, die dem Lande die Hoffnung und den Willen zur Wiederaufrichtung beibringen. Es handelt sich darum, rasch zu handeln. Die Einigkeit muß in einem finanziellen Programm der sofortigen Durchführung begründet sein. Es scheint uns, daß, was im wesentlichen unsere persönliche Auffassung sein möge, der Sachvcrftändigcn- Plan, der von den SPezialisten in seinen großen Zügen Pro­gressiv aufgestellt ist, es gestatten wird, unverzüglich eine fast einmütige Zustimmung zu erlangen. Wir glauben, daß Ab­änderungen und Ergänzungen möglich sind, wir glauben aber auch, daß eine internationale Kreditorganisa­tion, gegründet auf dem von allen heute empfundenen Ge­fühl der Solidarität zwischen den Völkern, eine gerechte Ver­teilung unserer Schulden ermöglichen könnte. Wir sind außer- dem entschlossen, alle Opfer zu fordern, die die Lage gebietet. Der KlassenegoismuS sowie grundsätzliche Parteirucksichten müssen heute vor den Realitäten an dem Interesse des Landes verschwinden.

Angriffe aus Ausländer in Paris.

In Paris haben sich neue Angriffe auf Fremdenautos abgespielt. Ein mit 50 Reisenden besetztes Auto wurde von heimkchrenden Arbeitern umringt. Nur durch die Geistes- gegenwart des Chauffeurs konnte ein schwerer Zwischenfall verhindert werden. In einem anderen Stadtviertel wurden Ausländer von Frauen, die aus der Markthalle kamen, mit Rüben und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen beworfen.

Poineares Auftrag.

Paris, 22. 7. Der Präsident der Republik hat die Schritte für die Lösung der Ministerkrise rascher unternom­men, als man gestern Abend dachte. Bereits um Mitter­nacht wurde Poincare nach dem Elysee geladen und mit der Bildung der Regierung beauftragt. Poincare bat diesen Auftrag angenommen und wird sich heute im Laufe des Vormittags seine Mitarbeiter wählen.

Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung.

Paris, 22. 7. Wie gemeldet wird, ist das Zustande» kommen des Kabinetts Poincare stark in Frage gestellt. Albert Sarraut und Paul Boncour, auf deren Mitarbeit Poincare besonderen Wert legte, haben abgelehnt; der erstere offenbar deshalb, weil er selbst auf das Ministerpräsidium reflektiert. Briand dagegen erklärte, er sei bereit, in ein Kabinett der Nationalen Einigung einzutreten, wenn er ba^u aufgefordert werde, was aber bis 6 Uhr noch nicht der Fall gewesen sei.

Neues vom Tage.

Reichskanzler Dr. Marx hat an Staatssekretär Dr. Kempner anläßlich seines Ausscheidens aus bet Reichskanzlei ein Abschiedsschreiben gerichtet, in dem er ihm in herzlichen Worten den Dank für seine bisherige Tätigkeit ausspricht.

Wie dieD. A. Z." meldet, gibt die Kopenhagener Zeitung Ekstrabladet" angeblich in Hofkreisen bestimmt austretende Ge­rüchte wieder, nach denen Kronprinz Fredrik von Dänemark beabsichtige, auf seine Rechte als Thronfolger zu verzichten.

Nach einer Meldung aus Braunschweig hat, wie erst jetzt bekannt wird, der Reichstagsabgeordnete Hampe aus Gesundheits­rücksichten sein Amt als Vorsitzender bet Deutschhannoverschen Partei niedergelegt.

Das französische Kabinett Herriot ist von der Kammer gestürzt worden. Die Neubildung des Kabinetts hat Poincare übernommen.

Bei Fez in Marokko entgleiste ein Personenzug. Bis jetzt wurden 7 Tote und 20 Schwerverwundete gezählt.

Nach einer Reutermeldung aus Moskau beschloß das Frauenkomitee des Zentralrats der Arbeitergewerkschasten, zur Unterstützung der britischen Bergarbeiter einen Betrag von 235 000 Rubel zur Verfügung zu stellen.

Die aus Amerika zurückgekehrte Riege der D. T. wurde vom Reichspräsidenten empfangen.

Aus Amerika wird Rekordhitze gemeldet. In den West­häfen von Nordamerika sind bisher 80 Personen dem Hitz- schlag zum Opfer gefallen.

Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 21. Juli ist gegenüber dem Stande der Vorwoche um 1.4 v. H. zurück­gegangen.

Raoul Peret ist zum Nachfolger Herriots als Kam­merpräsident gewählt worden.

Bei Stans in der Schweiz fuhr ein mit sieben Per­sonen besetztes Auto in einen Wagen der Engelbergbahn hinein. Das Auto geriet in Brand; 2 Personen wurden getötet, die aiu^TM schwer v, rletzt.

DieRote Fahne" ist wegen Abdrücken eines den Reichspräsidenten beleidigenden Gedichtes auf vierzehn Tage verboten worden.

Preußen und die Hohenzollern.

Berlin, 22. 7. Wie eine Korrespondenz berichtet, hat der Generalbevollmächtigte der Hohenzollern, v. Berg, neue Vorschläge ausgearbeitet, in denen er bei einer Reihe strittiger Objekte von seinen früheren Forderungen zurücklritt. Es handelt sich dabei um Grundbesitz, der bet Säkularisationen an die Hohenzollern fiel, sowie um mehrere Gcbäudekomplcxe, die repräsentativen Zwecken dienten.

Chamberlain sagt nein!

Deutschland hat noch nicht abgerüstet.

Auf eine Anfrage nach dem Charakter der kürzlich von dem Leiter der Interalliierten Militärkontroll­kommission der deutschen Regierung übermittelte Note in der letzten Unterhaussitzung erwiderte der Staatssekretär des Aeußern Chamberlain, angesichts der jüngst von der Presse über diesen Gegenstand gebrachten Meldungen sei er dem tatsächlichen Sachverhalt nachgegangen. Das Ergebnis sei so gewesen, wie er vermutet habe, daß nämlich in der letzten Zeit keine Noten besonderen Charakters von der Militarkontrollkommission an die deutsche Regierung gerichtet word-n seien. Der Abo. Rennie Smith fragte: Können wir annehmen, daß der Zustand der Abrüstung in Deutschland vollkommen befriedigend ist?" Chamberlain erwiderte:Nein! Ich bebaute sagen zu müssen Nein!"

^ Mutige Stratzenkämpse in Wien. Im Anschluß an ein Versammlung der Republikanischen Vereinigung sowie der ehemaligen Kriegsteilnehmer und Kriegsopfer in Wien kam es bei einer Straßendemonstration zu schweren Zusammen- stößen mit der Polizei, da sich der Zug nicht aufloien wollte. Die polizeilichen Absperrungen wurden an mehreren Stellen durchbrochen. Die Polizei mußte mit gezogener Waffe vor gehen und erst nach einem schweren Hani«cmenge gelang es, die Demonstranten abzudrängen. Die Polizeunaunsti'afteu haben mehrere Verwundete zu verzeichnen.

+. Einführung des Goldfranken in Belgien. Ueber die von Belgien beabsichtigte Einführung der Goldbuchungen wird gemeldet, daß diese vielleicht noch Ende der Woche statt« finden werde. Die«ihre Bclgiquc" schreibt, man studiere diese Angelegenheit, tvelche indirekt zum Goldfranken fuhren könne, mit peinlichster Sorgfalt. Besonders U^rde man darauf bedacht sein, so zu operieren, daß der Goldfranken den Papierfranken nicht schädige, was jedoch sehr schwer erreich- bar sein wird. Der Goldfranken soll vorerst in den Opera­tionen mit dem Ausland angewendet werden und sich auf neue und nicht auf alte Transaktionen bezieht. Der Papier- franken behalte seinen Relativwert dem Goldfranken gegen über Auch tvcrde diese Rechnung auf Goldbasis als .Anes der Mittel angesehen, das zur Lostrennung des belgischen dom französischen Franken viel beitragen werde. Das wird sich iedvch in der Praxis erst zeigen müssen. Nebrigenö wird die Regierung nur stufenweise Vorgehen.