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Kreis-Kmlsblatt * Allgemeiner amtlich erAnzeiyer für Ken Kreis Äcklüchtem
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Nr. 86
Donnerstag, den 22. Juli 1926
78. Jahr«.
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Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 6797. Diejenigen Ortspolizeibehörden, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. April ds. Js. Nr. 4074 — Schlüchterner Zeitung Nr. 51 — betr. die neuen Katasterblätter für die gewerblichen Anlagen, noch im Rückstände sind, werden an die Einsendung des geforderten Berichts nochmals erinnert.
Schlücbtern, den 19. Juli 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Stadt SchMchtern.
Bekanntmachung.
Die Bürger hiesiger Stadt werden ersucht, die Preisrichter der I. I. Weitzel'schen Stiftung
Herr Heinrich Hasenstein
Herr Richard Schmidt
Herr Georg Müller
auf Feldfrüchte, die sich zur Prämiierung eignen, aufmerksam zu machen.
Anmeldeschluß Samstag, den 24. Juli 1926 abends 8 Uhr.
Schlüchtern, den 20. Juli 1926.
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Der Magistrat: Fenner.
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Aufforderung
Die Gemeinden werden an die Abführung der
Kreisfeuerwehrverbandsbeitrage
” -M-die Keeissparkafle TchlLchtec,i bis zum l.Stv tember 1926 aufmerksam gemacht, mit dem Bemerken, daß die abzuführenden Beträge für jede Gemeinde dieselben sind wie in 1925.
/ ' Möller, Kreisbrandmeister.
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Das neue französische Kabinett.
. Herriot — de Monzie.
Nach langen Bemühungen ist es dem französischen Kammerpräsidenten Herriot gelungen, ein neues Kabinett zu bilden. Die Liste der neuen Männer ist folgende:
Ministerpräsidentschaft und Auswärtiges: Herriot (Abg., rad.);
Justiz: Cobrat (Abg., unabhängige Linke);
Finanzen: de Monzie (Senator, rad.);
Inneres: Chautemps (Abg., rad.);
Krieg: Painleve (Abg., soz.-rep.);
Marine: Rene Renault (Senator, rad.);
Handel: Loucheur (Abg., rad.);
Oeffentliche Arbeiten: Hesse (Abg., radO:
Öffentlicher Unterricht: Baladier (Abg., rad.);
Landwirtschaft: Oucuille (Abg., unabh. Linke);
Kolonien: Dariac (Abg., unabh. Linke);
Arbeitsministerium: Pasqnct (rad., Senator);
Pensionsministerium: George Bonnet (rad. Abgeord.).
Die Aufgabe Herriots ist nicht leicht gewet- -. Mehrere namhafte Persönlichkeiten, die der Kammerpräsident zur Mitarbeit aufgefordert hat, haben das Angebot abgelehnt, darunter Barthou, der Präsident der Reparationskominissivn, bem das Finanzministerium angeboten wurde. Er begründe seine Ablehnung mit der Erklärung, daß ihm nur eine ■Mitarbeit an einem Kabinett der nationalen Einigung mög- sei. Auch Poincaro hat sich geweigert, ein Portefeuille m dem neuen Kabinett zu übernehmen. In den Kreisen der ^echtsopposilion wird bereits gegen das neue Kabinett Herriot Propaganda entfaltet. Die Demokratische Union hat eine Abordnung von Senatoren und Abgeordneten zum Präsidenten der Republik entsandt, um ihm zu erklären, daß
Bildung einer neuen Regierung Herriot zu großen Schwierigkeiten und zu einem weiteren Frankensturz führen wurde. Das schlimmste ist, daß zu den Machenschaften der politischen Parteien jetzt auch noch
Volkskundgebungen
^Pnkommen werden. Mehrere Journalisten, die von der ••ii’itfie für Abgeordnete gehalten wurden, sind beim Verfassen
Kammer tätlich angegriffen worden. Vor dem Palais Wourbon staute sich eine vieltausendköpfige Menge, die, wenn l c der Parlamentarier ansichtig iunrbe, in unfreundliche Zu- Ufe ausbrach. Der Sicherheitsdienst mußte außerordentlich Erstarkt werden. Auch vor der Börse sind starke Polizei-
, "igen zusammengezogen worden. Das Publikum ver» ' die Bonds der nationalen Verteidigung so schnell wie m"siuch los zu werden. Es hat ein neuer Sturm auf die
Banken eingesetzt, der auch auf die Provinz über- ^urisfen hat.
Republikanische Union?
Ein Aufruf Dr. Wirths.
(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)
Der Artikel im „Berliner Tageblatt", in dem der bekannte Parlamentarier und ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth zur Sammlung aller deutschen Republikaner auf» ruft, hat in hiesigen politischen Kreisen außerordentliche Beachtung gefunden. Man sieht in dem Ausruf Dr. Wirths nicht nur eine hochpolitische Kundgebung, sondern auch die noch wichtigere Ankündigung einer hochpolitischen Aktion. Der Artikel beweist, daß Dr. Wirth, nachdem er sich über ein Jahr lang von der Politik zurückgehalten hat, jetzt fest entschlossen ist, wieder die führende Rolle im politischen Leben Deutschlands zu spielen, die er sich selbst vorgeschrieben hat. Sein Auftreten auf der Tagung des Reichsparteiausschusses des Zentrums, das ihn mit seiner Rückkehr in die Zentrumsfraktion gleichzeitig, wenn auch nicht offiziell, so doch tatsächlich und praktisch an die Spitze der Fraktion brächte, war der erste Schritt, der Dr. Wirth auf die politische Bühne zurückführte. Der Aufruf im „Berliner Tageblatt" ist der zweite Schritt. Den dritten und entscheidendsten hat Dr. Wirth in dem Aufruf selbst ange- kündigt. Seine Erklärung, er werde „im kommenden Spätjahr mit einigen Freunden versuchen, eine gemeinsame Basis für die Republikaner zur Vertiefung der Probleme der deutschen Republik und für die politische Auswirkung der republikanischen Bewegung in Deutschland schaffen", bedeutet nichts anderes als die Ankündigung der Bildung einer republikanischen Union, die das Zentrum, die Demokraten und die Sozial- demokraten zu einer sowohl politisch wie auch parlamentarisch eng verknüpften Arbeitsgemeinschaft vereinigen soll. Dieser Entwicklung stehen, was Zentrum und Demokraten betrifft, keinerlei Hindernisse mehr gegenüber, seit es Wirth auf der Tagung des Reichsparteiausschuffes der Zentrumspartei gelungen ist, seine Partei geschlossen hinter sich zu bringen. Mit Befriedigung konstatiert Dr. Wirth in seinem Aufruf selbst, daß seine Arbeit und die Arbeit jene; Krnvve im LenMyi^ welche fest und geschlosien die neue Zeit bejahe, nicht vergebens gewesen ist. Richt umsonst habe der letzte Aufruf des Zentrums — der unter Dr. Wirths hervorragender Mitwirkung zusammengekommen ist — den republikanischen Charakter unseres Staates betont.
Anders liegen die Dinge mit den Sozialdemo- kraten, bei denen bekanntlich zurzeit die Elemente ausschlaggebend sind, die ein engeres Zusammengehen mit den linksbürgerlichen Parteien ablehnen. Deshalb richtet sich der Aufruf Wirths in erster Linie, ja man kann wohl sagen ausschließlich an die Adresse der Sozialdemokraten. Sie für den Gedanken der revublikanischen Union zu gewinnen, darin sieht Dr. Wirth offenbar jetzt seine Hauptaufgabe. Die Aussicht, daß Dr. Wirth bei den Sozialdemokraten Erfolg haben wird, ist durchaus nicht ungünstig. Bekanntlich war schon bisher immer eine starke sozialdemokratische Minderheit zu jedem Bündnis mit der bürgerlichen Linken bereit, und es ist nicht anzunehmen, daß Wirth nicht im engsten Einverständnis mit dieser Gruppe vorgeht, deren Führung offenbar, wie Dr. Wirth selbst rn seinem Aufruf mitteilt, der wegen seiner Energie bekannte Reichstagspräsident Loebe übernommen hat. Schließlich verfügt Dr. Wirth auch über die nicht zu unter- schätzende Unterstützung des Reichsbanners.
linier diesen Umständen ist es durchaus wahrscheinlich, daß die große Wirthsche Idee der republikanischen Union im Spätherbst Tatsache wird-_____
Fortsetzung der Frankenbaisie.
Berlin, 20. Juli. Aus London wurde gegen 2 Uhr ein Kurs von 237,50 französischer Franken für ein Pfund Sterling gemeldet. Devise Brüssel notierte 219.
Die Pariser Presse zum Kabinett Herriot.
Paris, 20. Juli. Die Aufnahme der neuen Regierung durch die Presse ist, von wenigen Linksblättern abgesehen, die denkbar schlechteste. Die Rechtsblätter, wie das „Echo de Paris" und der „Gaulois", nennen die neue Regierung eine Herausforderung an das Land. „Echo de Paris" bezeichnet die Auflösung der Kammer als dringend notwendig. Der „Gaulois" iveist auf die Schwierigkeiten auf außenpolitischem Gebiet hin.
Englische Blätter zum französischen Kabinett.
London, 20. Juli. Der Pariser Korrespondent der „Times" schreibt, man könne sich gegenwärtig unmöglich vorstellen, in welcher Weise Frankreich aus seinen Schwierigkeiten herauskommen solle. Die Lebensdauer des neuen Kabinetts werde zweifellos in hohem Maße von dem Stand des Frankenkurses in den nächsten Tagen abhängen. Der Pariser Korrespondent der „Financial Times" sagt, dem neuen Kabinett werde nur eine kurze Lebensdauer vorausgesagt. Die Verwirrung der politischen Lage werde verschlimmert durch das Bewußtsein, daß eine weitere Inflation jetzt unvermeidlich sei und beinahe zwangsläufig eintreten werde. Dies sei die wahre Ursache für deii gestrigen Frankensturz.
Amerika und der französische Kabinettswechsel.
Washington, 20. Juli. Hiesige Regierungstreue befürchten, daß das Ende des französischen Kabinettswechsels noch nicht abzusehen sei. Die Stabilisierung des Franken könne kmrm stattfinden, bevor nicht Frankreich auf das Pro- gramm des Sachverständigen-Ausschuffes zurückkomme,
Neues vom Tage.
— Reichskanzler Dr. Marx wird am kommenden Donnerstag einen mehrwöchigen Urlaub antreten.
— Wie es heißt, hat der Polizeiobcrst a. D. Müller-Brandenburg gegen die kommunistischen Landtagsabgeordneten Fischer, Schultze und Genossen, mit denen er am Samstag vormittag im Thüringischen Landtagsgebäude einen Zusammenstoß hatte, Straf« antrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt.
— Am Donnerstag und Freitag werden, wie der „Vorwärts" berichtet, zur Durchführung des Arbeitsbeschafsungsprogramms der Reichsregierung in Berlin Besprechungen zwischen Reich und Ländern stattfinden, an denen auch die Spitzen des Städtetages sowie der Verwaltungsrat für Arbeitsvermittlung teilnchmcn werden.
— In einem Beschluß des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands wird der Zusammenschluß aller im Bergbau und in seinen Nebenbetrieben beschäftigten Arbeiter zu einem Bergbau- Jndustrie-Verband und die Einleitung entsprechender Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Organisationen gefordert. Durch die großen Betriebszufammenschlüsse im deutschen Bergbau seien die in verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen organisierten Bergarbeiter bei Kämpfen um Lohn und Arbeitsbedingungen benachtettigt.
— Dem französischen Kammerpräsidenten Herriot ist es gelungen, ein neues Kabinett zu bilden.
— „Daily Telegraph" zufolge stieg die Zahl der Arbeitswilligen in Warwickshire auf 4500 in 15 Gruben, im Cannock- Chase-Bezirk arbeiten 1000 Mann in neu» Gruben.
— Bei einem Zusammenstoß von zwei Motorrädern in der Nähe von Hamburg wurden drei Personen getötet, eine vierte schwebt in Lebensgefahr.
— In Chicago wurden zwölf Personen von der Hitze getötet.
— Aus allen Teilen Südwestdeutschlands laufen Nachrichten über zahlreiche Todesfälle infolge Badens im Rhein ut.: ,.uicn vceoenflufsen ein. So sinv gestern uno Beute allein 20 Personen ertrunken.
— Eine seit Mittwoch vergangener Woche vermißte junge Frau aus Eberbach a. Neckar ist am Sonntag mit ihren beiden kleinen Kindern im Stauweiher des Jtterkraft- werkes geländet worden.
— In Kalkutta ist es am Dienstag wiederum zu Zusammenstößen gekommen. 12 Polizisten wurden verwundet, ein Hindu getötet und sieben durch Schüsse Verletzt.
— Nach den bisherigen Feststellungen stehen in der Provinz Sachsen mit Ausnahme des Eichsfeldes und des Kreises Nordhausen 175 000 Morgen Acker und 232 000 Morgen Wiesen unter Wasser.
— Der Vorsitzende der früheren Tscheka, Dserschinski, ist am Dienstag plötzlich im Alter von 49 Jahren verschieden.
Der englische Sergarbeiterflreik.
Neue Hoffnungen.
Wie der Amtliche Pressedienst mitteilt, erwartet man von der Unterredung zwischen Premierminister Baldwin und den Jndustrievertrctern des Vereins christlicher junger Männer über den Bergabeiterstreik keine direkten Ergebnisse; aber die Zeitungen legen dieser Besprechung eine gewisse Bedeutung bei.
Angesichts der Antwort des Premierministers an den Bischof von Lichfield, der den Vermittlungsvorschlag der Kirchenfürsten überreicht hat, sei es klar, daß die Regierung jeden Borschlag, der auf eine weitere Rcgicrungsuntcrstütznng des Bergbaues gegründet ist, zurückweisen werde. Die Tatsache, daß der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter an den Vorschlägen der Kirchenfürsten selbst mitgearbeitet habe, werde aber als ein Fortschritt gegenüber ihrer früheren Stellungnahme angesehen.
Obgleich die Arbeirer früher auf dem Standpunkt standen, daß es für sie unmöglich sei, über die Borschläge der Bcrg- Werksbesitzer zu verhandeln, sei man der Ansicht, daß der Schritt der Kirchenfürsten zu einer Vcrhandlungsgrundlagc ühren werde. Bis fetzt hatten sich die Bergarbeiterführer ent» chieden geweigert, einen Vorschlag zu beraten, der irgendwie >ie Arbeitsbedingungen berühre. Durch die Borschläge der Kirchenfürsten scheine eine Aenderung in dem starren Festhalten der Arbeiterführer sich vorzubereiten, weswegen man neue Hoffnungen hege, die Verhandlungen wieder aufneh neu zu können.
Der König von Rumänien in Paris.
Paris, 20. Juli. Der König von Rumänien ist heute vormittag in Paris angekommen und wird, wie angekündigt, eine Badekur in Frankreich gebrauchen.
Austausch der Ratifikationsurkunden des Moffulvertrages in Angora.
Angora, 20. Juli. Im Ministerium des Aeußern wurden zwischen dem Minister des Aeußern Tewsik Ruschdi Bei und dem britischen Botschafter Lindsay und dem Delegierten des Irak Fettah Bei die Ratifikationsurkunden des Moffulvertrages ausgetauscht.