Schlüchtnner Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlicher Kirzeitzev für tat Kreis Schlüchtem
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Ar. 82 Dienstag, den 13. Juli 1926 78. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Anordnung zur Abänderung der Vorschriften über Regelung der Lehr- lingöhaltung im Fleischer- (Schlächter-, Metzger-) und Wurft- machergewerbe.
Die Ziffer I meiner Anordnung vom 9. Mai 1922, betreffend Lehrlingshaltung im Fleischer- (Schlächter-, Metzger-) und Wurstmachergewerbe (H. M. Bl. S. 109) erhält mit Wirkung vom 1. Juli 1926 ab folgende Fassung:
In jedem Betriebe des Fleischer- (Schlächter-,Metzger-) und Wurstmachergewerbes, sowie in Wurstfabriken darf, soweit die sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ein Lehrling gehalten werden. Ein zweiter Lehrling darf in folgenden Fällen gehalten werden:
1. wenn der erste Lehrling das zweite Lehrjahr vollendet hat,
2. wenn in dem Betriebe ein Geselle dauernd beschäftigt wird,
3. wenn einer der unter Ziffer 111 erwähnten dringenden Ausnahmefälle vorliegt.
Berlin, den 8. Juli 1926.
Der Minister für Handel und Gewerbe, gez. Dr. Schreiber.
*
J.-Nr. 6528. Vorstehende Anordnung wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 7. Juli 1926.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 6343. Die Ortspolizeibehörden mache ich auf die im redaktionellen Teil der Schlüchterner Zeitung Nr. 77 vom 1. Juli d. Js. veröffentlichte Notiz über Ergänzung der Führerscheine auf eine andere Betriebsart oder Klaffe hierdurch besonders aufmerksam.
Trotz der seit dem i. März d. Js. in Kraft getretenen Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr vom 5. Dezember 1925, wonach »He Krafträder — auch solche mit eingebauten Hilfsmotoren — dem Kennzeichenzwang unterliegen, werden immer noch Räder ohne Kennzeichen beobachtet. Führer, die ein Kraftrad mit über 0,72 P. S. Steuernutzleistung fahren, müssen ferner einen Führerschein und eine Steuerkarte bei sich führen. Dem Kraftradverkehr ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Schlüchtern, den 9. Juli 1926.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 6468. Der Medizinalrat (Kreisarzt) Professor Dr. Kersten ist vom 13. Juli bis einschließlich 16. August d. Js. beurlaubt. Sein Vertreter ist der Medizinalrat Dr. Schulze in Hanau, Friedrichstraße 25, der dort Werktags von 9 Uhr ab Sprechstunden hält.
Schlüchtern, den 9. Juli 1926.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
In der Gemeinde Brcitenbach, Bezirk Brückenau, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schlüchtern, den 8. Juli 1926. Der Landrat.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 3812 & 91.
Ordnung betreffend die Erhebung einer Gebühr für die Körung von Zuchttieren im Kreise Schlüchtern.
Auf Grund des Kreistagsbeschlusses vom 7. Mai 1926 und der §§ 4 und 16 des Kreis- und Provinzialabgabcnge- sttzes vom 23. April 1906 (sowie des Gesetzes v. 26. 8. 21. (G. S. S. 49;) wird für den Kreis Schlüchtern nachstehende Gebührenordnung erlassen.
§ 1. Für die Körung von Zuchttieren ist vom Besitzer der Tiere eine Gebühr zu zahlen und zwar
für jeden gekörten Jungbullcn 3 Mark
, , älteren Bullen 3 ,
, „ gekörten Ziegenbock 1 „
, „ „ Schafbock 1 ,
. , , Zuchteber 1 ,
§ 2. Die Gebühr ist sofort nach erfolgtet Körung fällig und an die Kreiskommunalkasse abzuführen.
§ 3. Die Gebühren unterliegen der Beitreibung im Ver- waltungszwangoverfahren.
§ 4. Diese Gebührenordnung tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft anstelle der bisherigen Ordnung vom 6. Mai 1923.
Schlüchtern, den 16. April 1926.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Schlüchtern.
*
Wird veröffentlicht mit dem Hinzufügen, daß die Ord- uung vom Bezirks-Ausschuß zu Caffel am 23. 6. 26 ge- uehmigt worden ist.
Schlüchtern, den 7. 7. 1926.
Der Vorsitzende des Krcio-Auoschuffcs. von Trott zu Solz.
Stadt Schlüchtern.
VekanntmaHung
Gefunden: 1 kleiner Handwagen (Leiterwagen).
Schlüchtern, den 12. Juli 1926.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Am Dienstag, den 13. Juli d. Js. nachmittags 5 Uhr wird im Hofe des städt. Anwesens, Fuldaerstraße 47, ein Eber öffentlich meistbietend versteigert.
Der Eber ist auch noch zur Zucht geeignet.
Schlüchtern, den 9. Juli 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung. Ausschreibung.
Die Weißbinder-Anstreicher- und Tapezierarbeiten in den beiden städtischen Neubauten sollen vergeben werden.
Schriftliche Angebote sind in verschlossenen Briefumschlägen mit der Aufschrift „Submission* bis spätestens Montag, den 19. Juli 1926, vormittags 11 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen. Die Oeffnung der Angebote geschieht in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.
Angebotsformulare und Bedingungen können vorher auf dem Rathaus (Kanzlei) eingesehen und erstere gegen Erstattung von 1,00 Mk. für je ein Los in Empfang genommen werden.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlüchtern, den 9. Juli 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
BekauntmaHung
Ausschreibung.
Die Lieferung von ca. 400 Rollen Tapete einschl. der ' erforderlichen Borde für die beiden städtischen Neubauten ; sollen vergeben werden.
Schriftliche Angebote sind in verschlossenen Briefumschlägen mit entsprechender Aufschrift bis spätestens Montag, den 19. Juli 1926, vormittags 11 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlüchtern, den 9. Juli 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Heues Steigen des Rheins.
Auch die bayrischen Flüsse schwellen beträchtlich an.
Die außergewöhnlich heftigen Niederschläge, die neuerdings in den verschiedenen Gegenden des Reiches niedergegangen sindmachen sich, wie aus Köln berichtet wird, jetzt auch am Wasserstand des Rheins bemerkbar. Die starken Zuflüsse kommen besonders von der Lahn, vom Mai« und Neckar. Das Wiesengelände am Tent- zer Jndustriehafen sind abermals überschwemmt. Nach Meldungen vom Oberrhein ist mit einem weiteren Steigen zu rechnen.
Desgleichen meldet München ein unaufhalt- sameS Steigen der bayrischen Wasser- läufe. Es ist zu befürchten, daß sich neuerdings wieder große Hochwasserschäden ergeben werden, wenn sich die Witterung jetzt nicht zum Besseren wendet.
Stündlich treffen neue Hiobsposten über weitere große Uebcrschwcmmuugeu ein. So ist Bad NeuhauS vom Wasser vollkommen eingeschlossen. Ebenso haben Bad Homburg v. d. Höhe schwere Unwetter betroffen.
Abftimmungs-Gcdcnkseiern in Ostpreußen.
Königsberg, 12. Juli. In Erinnerung an den glänzenden AbstimmungSsieg in Ost- und Westpreußen am 11. Juli 1920 fanden am gestrigen Sonntag in ganz Ostpreußen Abstimmungs-Gedenkfeiern statt. Bei der vom Königsberger Rundfunksender verunstalteten Ab- stimmungsfeier hielt der Oberpräsident von Ostprett- tzen eine tiefeindrucksvolle Ausprache.
Neuer deutscher Rekord in Köln.
Köln, 12. Juli. Bei den Deutschen Kampsstuelen warteten die Schwimmer mit einem neuen deutschen Rekord auf. Um 500 Meter mit bei. Schwimmen schlug Beraes-Darmstadt den Leipziger Heinrich in 6:38, im 200-Meter-Rückenschwimmen für Frauen siegte Fraulein A. Rehborn-Bochum, im 3:21,2. Im 200-Meter- Brustschwimmen Fräulein Büns-Hamburg 3:30,2 und im 400 Meter bei. Fräulein Lehmann-Dresden in 6,52.
Frankreichs AuSgleichSmaßnahmen.
Paris, 12. Juli. Für die Ausgleichung deS Budgets werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: lleberprüfung der Einkommensteuer sowie der Ge- schästsumsatzsteucr, Verminderung gewisser Taxen betr. die Uebertragung von Immobilienwerten, Abschaffung deS Gesetzes über Kuponscheine und Erhöhung anderer Steuern, wie der TrauSvortsteuer usw.
Neues vom Tage.
— Die Ratifikationsurkunde zu dem deutsch-dänischen Abkommen über Zollerleichterungen für dänische Erzeugnisse sowie über Erleichterungen für deutsche Handlungsreisende in Dänemark ist heute dem dänischen Geschäftsträger in Berlin übergeben worden. Das Abkommen tritt am 19. Juli in Kraft.
— Wie verlautet, hat die Tschechoslowakei auf die Aufforderung Deutschlands, über eine Aufhebung der Paßvisa in Verhandlungen zu treten, eine ablehnende Antwort erteilt mit der Begründung, daß der Schutz des Arbeitsmarktes in der Tschechoslowakei nicht gesetzlich geregelt sei.
— Die französische Regierung erzielte in der Kammer ein Vertrauensvotum mit 269 gegen 247 Stimmen.
— In amerikanischen Marinekreisen verfolgt man mit Interesse die Beratungen des neuen Marineetats in Tokio. Die Beratungen ergeben, daß der neue Etat Kreuzerbauten dorsieht. Der neue Etat belauft sich auf 300 Millionen Jen, das sind 80 Millionen mehr als der vorjährige.
— Einer Blättermeldung aus Bukarest zufolge hat eine bulgarische Bande den rumänischen Ort Satul Vochia überfallen. Die Angreifer haben 28 Tote und 31 Gefangene verloren.
— Auf der Hamburger Werft der Vulkanwerke ist ein für Bordeaux bestimmtes in einer Rekordzeit von 94 Arbeitstagen fertiggestelltes Schwimmdock von 25000 t Tragfähigkeit vom Stapel gelassen worden.
— Eine durch einen Blitzschlag in das Munitionsdepot am Denmarkfee (New Versey) hervorgerufene Explosion zerstörte das gesamte Arsenal und 30 Häuser der Umgebung. Ueber 100 Personen sollen umgekommen sein.
— Bei dem Rennen am Sonntag auf der Avusbahn ereigneten sich verschiedene Stürze infolge des nassen Wetters. Eine Person wurde gelötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt.
— Der portugiesische General Gomet Costa soll auf eiaem Kriegsschiff auf eine Insel im Atlantischen Ozean verbracht werden.
— Wie die „Wiener Neueste Nachrichten* aus Belgrad berichten, soll sich König Boris von Bulgarien unter geheimnisvollen Umständen, die als Flucht gedeutet werden, ins Ausland begeben haben. In politischen Kreisen herrscht die Anschauung, daß Bulgarien am Vorabend einer neuen Revolution stehe.
— Londoner Blätter berichten über ernste bulgarisch- rumänische Grenzzwischenfälle. Rumänische Truppen sollen bereits tief in bulgarisches Gebiet eingerückt sein.
— Schwere Wolkenbrüche haben in der Hersfelder, Eichs- felder und Coburger Gegend großen Schaden angerichtet.
Das Reichsehrenmal bei Serla.
Die Entscheidung des ReichsratsauS- ausschusses.
In schier überirdischem Frieden breitet sich unweit Weimar, von prachtvollen bewaldeten Bergen und Wie- sengründen eingeschlossen, das liebliche Badestädlchen Berka aus, das als klimatischer Kurort weithin einen hohen Ruf genießt.
Diesem kleinen, anmutigen Badcstädtchcu mit seinem geheimnisvollen, feierlichen Frieden wird aller Boranösicht nach die große Ehre zuteil werden, Deutschlands Reichsehrenhain zu bergen, den Hain, der mit seiner andachtsvollen Stille unsere Seele einschließen soll in die Erinnerung an die Besten unseres Volkes, an unsere braven Kriegsgefallenen, die starben, auf daß Dentschland lebe.... . „
Der Reichsratsausschuß für das Reichsehren m a l gibt jetzt über seine in Weimar stattgehabte Sitzung folgenden offiziösen Bericht heraus:
„Der Ausschuß zur Vorbereitung der Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkriege Gefallenen hielt am Ende seiner B e s i ch t i g u n g S r e i s e in Weimar unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. K ü l z eine abschließende Sitzung ab. Die Reise hat den Ausschuß vom Rhein über die Wesergegend bei Höxter und Rinteln nach GoSlar, Eisenach, Koburg, Augustenburg und Bad Berka bei Weimar geführt. Jede einzelne der besichtigten Gegenden wies st a r k e Momente zugunsten einer Helden ehrung auf.
Der Ausschuß kam in Weimar zn folgendem Entschluß: AlS Ehrung für die gefallenen Helden des Weltkrieges schlägt der Ausschuß in erster Linie einen Ehrenhain im Herzen Deutschlands vor, wie er in der Gegend von Bad Berka bei Weimar gegeben ist Dabei würde von gewichtigen Stimmen auch daS Projekt der Toteniuscl bei Lorch am Rhein für eine würdige Form der Hcldcnchrnng gehalten. Wie zuverlässig verlautet, wird nunmehr die ReichSregierung schon in den nächsten Tagen die endgültige Entschei- dnng treffen. Die Ausführung deS Berkaer Projektes dürfte nach der Stellungnahme deS Ausschusses als gesichert anzuschen sein."