öchlüchtemer Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtlicherKrrzeiger für Kar Kreis Schlüchtem
Nr. 77
Donnerstag, den 1. Juli 1926
78. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen,
zandratsamt.
Hadeshauptmann in Hessen. Cassel, den 25. Mai 1926 Akt. IV 2922.
5m Anschluß an mein Schreiben vom 2.7. 25. — IV 5041 —
Der Landesausschuß hat auch für das Rechnungsjahr 1926 wiederum eine größere Summe für die Meliorations- Kditgewährung an die kleinere Landwirtschaft pp. unter den tisherigen bekannten Bedingungen zur Verfügung gestellt.
Die erste Zins- und Abtragsleistung wird am i. Oktober 1927 fällig.
Hinsichtlich der Auszahlung der Darlehen tritt insofern m Aenderung ein, als die Darlehen in Raten nach Maß- j«be der ausgeführten Arbeiten nach Vorlage entsprechender, mit Ausführungsbescheinigung zu versehender Rechnungen pr Auszahlung gelangen. Bei Darlehensbeträgen über 1000 RM. muß die Ausführungsbescheinigung von dem »ständigen Kulturbauamt erteilt werden, während für Dar- khn bis looo RM. die entsprechende Bescheinigung von dem »ständigen Direktor der landwirtschaftlichen Schule abgege- m werden kann.
Evtl. durch diese Prüfung entstehende Kosten hat der DarlehnSnehmer zu tragen. Im übrigen legt der Kommu- mllandtag noch besonderen Wert darauf, daß bei der Aus- »Hrung der Arbeiten nach Möglichkeit Personen beschäftigt mrden, die auf Erwerboarbeit überwiegend angewiesen sind.
Im Auftrage, gez. Unterschrift.
I.-Nr. 3473 K. A. Wwd veröffentlicht.
Schlüchtern, den 21. Juni 1926.
Der Vorsitzende des Krewaussedusses.
Kreisausschutz.
J.-Rn 36 9 2 K. A I) Bei der am aS, anb 2 9. M i d. Js. stattgefundenen Körung wurden folgende Schafböcke d» nachstehenden Besitzer a n g e k ö r t:
Des Besitzers
M 8 5-»
"«es
Bemerkungen
Name
Wohnort
Ludwig Orth
Schlüchtern
I
Schäferei der Stadt
2
Heinrich Beck
3
Schäferei der Gemeinde
Niederzell
4
Wilhelm Schmidt
Bellingö
5
Schäferei der Gemeinde
Hohenzell
6
1 der darf nicht
in der Herde von
// // n
Ahl
7
Ahl benutzt werd.
V ,/ //
81
Angckört nur bis
Schäferei der Stadt
Salmünster
9 I02
31. 10. 26.
Sofef Siebert, Bäcker
2 der Bock darf nicht
Schäferei der Gemeinde deorg Leipold
Ulmbach Uerzell
11
12
in der Herde von Salmünster benutzt werden.
// n
Heinrich Herbert
//
13’
8 der Bock darf nickt
Hintersteinau
i4‘
in der Herde von
^lbäfereigenossenschaft
Elm
Uerzell benutzt wd.
Schäferei der Gemeinde
Hütten
16
* angekört nur bis 31. 10. 26,
0 » ,/
Gundhelm
i?
18
5 der Bock darf nicht
duteverwaltung
in der Herde von
Ramholz
19°
Ramholz verwandt
Heinrich Spähn
20"
werden.
Breunings
21’
5 wie vor.
^om Herbert
Weiperz
22°
’ angekört nur bis
Heinrich Böhm
Sterbfritz
23
31. 10. 26.
8 wie vor.
0 angckört nur bis 31. 10. 26.
Schäferei der Gemeinde Genossenschaft
Schwarzenfels Neuengronau
24
25"
Adam Sperzel
Mottgers
26'°
10 wie vor.
Schäferei der Gemeinde
Weicbcrsbach
27"
11 wie vor.
Molb Fehl
Oberzell
28
" angekört nur bis
Adam Schneider
Züntcrobach
29"
13 wie vor.
Johann Weiß
Uttrichshaufen
30
"der Bock darf nicht
^enrad Herbert
Oberkalbach
31
in der Marjoffer
Schäferei der Gemeinde
Altengronau
32
Herde verwandt
^org Weidlein
Marjoß
33“
15 angckört uur bis
34'
31. 10. 26.
II. Abgekört wurden die Schafböcke:
'•) der Gemeinde Ahl 2'/^ Jahr alt,
2-) der Gemeinde Ulmbach il/4 Jahr alt,
3) des Nikolaus Beringer in Neuengronau, iV4 Jahr alt, 4') „ Josef Martel in Mottgero, i*/4 Jahr alt,
3) „ Berthold Fehl in Oberzell, i Jahr alt,
„ Johannes Ullrich in Altengronau, i1/* Jahr alt, ?■) , Johannes Blum in Weicheröbach, 2'/^ Jahr alt.
111. Auf die im Kreisblatt Nr. 12/26 veröffentlichen Bestimmungen der Körordnung vom 2. Dezember 1925 ">ache ich hiermit nochmals aufmerksam und empfehle genaueste Beachtung. Insbesondere gilt dies von dem § 9 a. O., welcher bestimmt, daß es untersagt ist, einen nicht ""gekörten oder einen abgekörten Schafbock derart weiden
oder umherlaufen zu lassen, daß er fremde Schafe decken kann.
Ich ersuche die Herren Landjäger, die Befolgung der Vorschriften unausgesetzt zu kontrollieren, insbesondere bis zum 15. Juli 1926 anzuzeigen, ob noch Böcke in der Gemeinde oder bei Schafhaltern vorhanden sind, die noch nicht gekört worden sind, aber zum Decken fremder Tiere benutzt werden sollen. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Schlüchtern, den 23. Juni 1926.
Der Landrat.
Landwirtschaftliche Schule Schlüchtern.
(Abteilung Mäd ch en klasse).
Mitte Juli sollen in der Seminarküche mehrere dreitägige Obst- und G emüseverwertungS - kurse für Frauen und Mädchen aus dem Kreise abgehalten werden. Die Teilnehmerinnen können dabei die Erzeugnisse aus ihren Gärten und Feldern unter sachgemäßer Anleitung einkochen.
Beginn der Kurse wird noch bekannt gegeben.
Anmeldungen sind zu richten an den Unterzeichneten oder an Frl. Hufnagel-Schlüchtern.
Müller, Direktor.
*
Vorstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht und rege Beteiligung empfohlen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.
Wunsch nach fester Regierungsmehrheit
Die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die Reichsregierung seit langem ständig zu kämpfen hat, um innen- wie außenpolitisch auch nur einen leidlich festen Kurs halten zu könnet,' sind Lei den gegenwärtigen Auseinandersetzungen über die Frage der Fürstenabfindung ganz besonders augenfällig in Erscheinung getreten. Ganz allgemein setzt sich daher auch in den Kreisen der politischen Parteien mehr und mehr die Ueberzeugung durch, daß auf diesem Wege die Dinge sich nicht lange mehr weiter treiben lassen. Die schmale Brücke der Koalition der Mitte vermag auf die Dauer die Belastung nicht zu tragen, der sie durch die Widerstände der beiden starken Flügelparteien ununterbrochen ausgesetzt ist. Daß unter den gegenwärtigen Schwierigkeiten, der man von keiner Seite bisher Herr zu werden wußte, die Frage einer Vertagung der Fürstenabfindungs- frage bis in den Herbst hinein von der einen Seite, von der anderen Seite die Möglichkeit einer Reichstagsauflösung ix die politische Debatte hineingeworfen wurde, kann unter solchen Umständen wenig Wunder nehmen. In Wirklichkeit wäre damit wenig gewonnen. In den weitesten Volkskreisen wünscht man, damit eine endliche Beruhigung eintritt, eine schnelle Bereinigung der Fürstenabfindungsfrage. Daß dieser Wunsch sowohl durch Vertagung wie durch ein« Reichstagsauflösung vereitelt werden müßte, bedarf keiner weiteren Begründung. Und was schließlich bei Neuwahlen herauskommen könnte, ist in hohem Maße als problematisch einzuwerten. Auch in sozialdemokratischen Kreisen wird augenscheinlich zum Teil mindestens an einen irgend wesentlichen Mandatszuwachs nicht geglaubt, sofern der Wahlkampf unter der Parole „Ent- eignung oder Abfindung" sich abspielen würde.. Nur bei einem bedeutenden Mandatszuwachs könnten die Sozial- demokraten eine Regierung der Weimarer Koalition in einem neuen Reichstag erzwingen.
Soeben haben sich die parlamentarischen Führer zweier Parteien, die der gegenwärtigen Regierung angehören, zu der Frage einer möglichen Mehrheitsbildung geäußert. Ihre Auffassung in dieser Hinsicht steht sich diametral gegenüber. Zunächst hat sich der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der D. V. P., Reichsminister a. D. Dr. S ch 0 l z, dahin geäußert, daß für eine konsequente Wetterführung der bisherigen Außenpolitik, deren Marksteine der £ 0 - carnovertrag und der deutsch-russische Vertrag von Berlin seien, die innerpolitischen Grundlagen geschaffen werden müßten durch eine f e st e Mehrheitsbildung, wenn möglich, ohne Sozialdemokratic, aber mit den Deutschnationalen. Dr. Scholz schwebt dabei die Bildung einer bürgerlichen Einheitsfront von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen vor. Im entgegengesetzten Sinne hat sich zu gleicher Zeit, und zwar in Erfurt, auf dem Reichsfrauentage der Demokratischen Partei, der Führer der Demokraten. Reichsminister a. D. Dr. Koch, ausgesprochen. Dr. Koch bezeichnete im Rahmen seiner Ausführungen das Volksbegehren auf entschädigungs- lose Enteignung an sich als politisch unklug. Es sei jedoch völlig unmöglich, die Stimmen der 141/3 Millionen Ia- Sager für die Enteignung zu überhören: „Unsere ganze Politik wird stets darauf gerichtet sein, ausgleichend zu wirken. Ohne Konzessionen ist keine Zusammenarbeit mög- lich. Stetigkeit wird die neue Regierung erst haben, wenn sie sich zur Großen Koalition entwickelt hat." Koch bedauert, daß diese Koalition durch die Weigerung der So- zialdcmokratcn im Januar nicht zustande gekommen sei und bezeichnet diese Tatsache als die tieferen Ursachen der Wirrnisse des letzten halben Jahres.
Neues vom Tage.
— Das Reichskabinett beschäftigte sich mit der durch die Ueber- schkemmung weiter Gebiete hervorgerusenen wirtschaftlichen Katastrophe. Angesichts der außergewöhnlichen Not beschloß das Kabinett, sofort entsprechende Mittel zur Linderung verfügbar zu machen.
— Wie aus Berlin gemeldet wird, wird von der Reichsregie- rung erwogen, Reichskanzler a. D. Dr. Luther für den Sitz im Verwaltungsrat der Reichsbahn vorzuschlagen, der durch den Tod des Geheimrats Arnhold im vorgen Jahre sreigewordeu ist.
— Der völkische Antrag aus Aufhebung des Republikschutz- gesetzes wurde im Reichstag mit 234 gegen 102 Stimmen der Völkischen und Deutschnationalen bei einer Enthaltung abgelehnt. Die von dem Ausschuß vorgeschlagenen Milderungen wurden angenommen.
— Im Auswärtigen Amt in Berlin fand der Austausch der Ratifikationsurkunden des zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetregierung am 24. April 1926 in Berlin unterzeichneten Vertrages und des zugehörigen Notenwechsels statt.
— Nach einer Meldung aus Paris wird General Rollet, der als Befehlshaber der Rheinarmee in Aussicht genommen war, zum Mitglied des Staatrats ernannt werden.
— Im englischen Unterhaus wurde in Beantwortung einer Anfrage von einem Regierungsvertreter erklärt, daß im Zusammenhang mit dem Streik der Bergleute vom 1. Mai bis 24. Juni nach England 585 000 Tonnen Kohle cingesührt worden sind, darunter 221000 Tonnen aus Deutschland.
— „New Aork Herold" meldet von der spanischen Grenze, daß General Weyller, General Aguilera und mehr als 100 Offiziere wegen Beteiligung an dem kürzlich aufgedeckten Komplott gegen das spanische Direktorium verhaftet wurden.
— Aus dem Hochwassergebiet der Elbe liegen weitere beunruhigende Meldungen vor. Wittenberge ist durch das Steigen der Stempenitz und Löcknitz weiter bedroht. Bei den Dörfern Handow, Wusrow und Lanz hat die Löcknitz 7- <0$ Morgen überschwemmt. Starkes Wachsen des Hoch- wassers ist noch aus dem Kreise Lüchow zu melden.
— In Göttingen fuhr ein Motorradfahrer mit Begleiterin gegen einen Eisenbahnzug, dessen Herannaheu er nicht bemerkt hatte. Beide waren sofort tot.
— Das Reichskabinett hat beschlossen, sich neben den allgemeinen im Rahmen der Erwerbslosenfürsorge geplanten Schritten an Maßnahmen zu beteiligen, deren Inangriffnahme in der besonders schwierigen Lage der Pfalz begründet ist. In Frage kommt u. a. eine Beteiligung an dem geplanten Brückenbau über den Rhein bei Marau und Speyer.
— In der Nord-, Nordostschweiz und in Südbaden wurden am Montag Abend gegen 11 Uhr mehrere heftige Erdstöße wahrgenommen. Besonders in der Rheingegend und Bodensee war das Beben sehr stark. Die Häuser erzitterten unter der Heftigkeit der Erderschütterung.
— Der Vollzugsrat der englischen Bergarbeiter hat einstimmig beschlossen, sich jeder Erhöhung der Arbeitszeit und Herabsetzung der Löhne zu widersetzen.
Die Abrüstung-frage.
Große Schwierigkeiten.
In Genf trat die gemischte Kommission der vorbereitenden Abrüstungskonferenz im Völkerbundspalais zusammen. Deutschland war durch Staatssekretär von Möllendorf vertreten.
Die Kommission, die den Auftrag hat, die ganzen wirtschaftliche Probleme der industriellen Rüstungssragc zu bearbeiten, begann sofort mit der Generaldebatte. Fast sämtliche Redner wiesen auf die großen Schwierigkeiten hin, eine Ver- glcichsbasis für die militärischen Ausgaben der Staaten zu finden. Auch Staatssekretär von Möllendorf unterstrich die Notwendigkeit, eine neue Vergleichsbasis zu schaffen, da es nicht angängig sei, die Ausgaben derjenigen Staaten, die über ein stehendes Heer verfügen, mit den Ausgaben der anderen Staaten, die nur eine Miliz hätten, in Parallele zu stellen. Auch wäre bei einem Vergleich der militärischen Budgets zu berücksichtigen, daß diese Staaten keine Rüstungsindustrie hätten und daher alles aus dem Ausland einsührcn müßten.
Die gemischte Kommission wird in zwei täglichen Sitzungen ihre Arbeiten fortsetzen und hofft, sie am Samstag ab* schließen zu können. Der Marineaustchuß beschäftigte sich mit der Frage der Geschützkaliberals einen Vergleichsmaßstah für die Tatsache zu berücksichtigen, daß durch überseeische Besitzungen und Mandate die Flotte vielfach zu einer Verteilung ihrer Kräfte gezwungen sei.
Sitzung des Ruhr-Untersuchungsausschusses des Reichstages.
Berlin, 29. Juni. Der Ruhr-Unterfückungsaussthuß des Reichstages hielt eine kurze Sitzung ab und beschloß .tut eine Beweisaufnahme in der Frage der Uebcrschreitung des Etatsrechtes zu verzichten. Der Vorsitzende stellte fest, daß, wenn auch eine Etatsübersckreitung vorliege, sich jedoch kein Anlaß biete, den in Frage kommenden Regierungsvertreiern subjektive Vorwürfe zu machen. Am Donnerstag will der Ausschuß seine Feststellungen treffen und damit seine Arbeiten zum Abschluß bringen.