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Nr. 74

Donnerstag, den 24. Juni 1986

78. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 592^. Die HanauVachaerLandstraße wird zwischen Schlüchtern und Meden wegen Vornahme von Walzarbeiten vom 5. bis 10. Juli d. Js. für sämtlichen Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Der Verkehr ist von Schlüchtern über HüttenRückers Flicden oder Schlüchtern-HüttenVeitsteinbachNeuhof und umgekehrt zu leiten.

Uebertretungen werden nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1877 (Amtsblatt S. 137) bestraft»

Schlüchtern, den 22. Juni 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Der Saatenstand Anfang Juni.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Schlüchtern.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel (durchschnittlich), 4 gering, 5 sehr gering.

Fruchtarten usw.

Durchschnitts- noten für den

Anzahl der von den Bertrauensmännern des Kreises abgegebenen Noten

Staat

Regs.- Bezirk

1

12

2

3

3-4

4

4-6

5

Binterwetjen

2,7

2,8

1

2

1

Sommerweizen

2,7

2,7

1

Mnterspclz (Singet), 11116 mit Bcimischg.

1. Koggen od. Weizen

3,0

tBinterroggen

3,1

2,9

1

2

1

Sommerroggen

3,0

3,1

1

Wintergerste

2,8

2,8

1

2

Sommergerste

2,7

2,7

2

2

Wer

2,7

2,8

1

2

1

Semenge aus Win- tfgetteibc

2,9

3,0

1

Semenge aus Som­mergetreide

2,7

2,9

Buchweizen u Hirse

Erbsen u. Futter- erbsen aller Art (Peluschken)

2,8

2,8

3

1

speisebohnen (Stan- gkn-, Buschbohnen)

ilcker-(Sau-,Pferde») bohnen

2,6

2,7

Linsen u. Wicken

2,9

2,9

2

1

Kartoffeln

2,9

3,0

Zuckerrüben

2,9

2,9

Futterrüben (Stunt)

3,0

3,0

1

1

Habs und Rübsen

3,0

2,8

1

1

2

KilchS (Sein)

2,8

2,8

1

Klee, auch mit Bei­mischung v. Gräsern

3,3

3,2

2

1

1

Luzerne

3,0

2,9

1

1

1

1

Diesen m Be- oder Entwästerungsanla- S*n (Rieselwiesen)

2,8

2,8

1

1

1

«udere Wiesen

3,0

3,1

2

2

Der Präsident des Preußischen Statistischen Landesamts. Dr. Saengec.

Ttadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Juni 1926 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Meldung zwangöweiser Einziehung sind sofort fol­gende Steuern zu zahlen:

Staatliche Grundvermögenssteuer mit Stadtzuschlag, Hauszinosteuer (das neunfache des bisherigen Grundbetrags) Gcwerbecrtragsstcuer, Gewerbekapitalsteuer.

Gleichzeitig angemahnt werden die rückständigen Holz­gelder, Schulgelder, Waffergelder sowie alle anderen Abgaben. Diese sind, soweit sie sich nicht in der Beitreibung befinden, sofort bei der Stadtkasse einzuzahlen.

Die Steuer, und Abgabenzettel sind zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung ^rzulegen.

Schlüchtern, den 21. Juni 1926.

Der Magistrat. Gacnßlen.

Bekanntmachung betr. Abholung der! Holzzettel.

Im Ansebluß an die Bekanntmachung vom 3. d. Mte. Wird hiermit letztmals an die Abholung der noch bei der Stadtkasse befindlichen Holzzettel mit den, Bemerken erinnert, daß die Erledigung schnellstens zu erfolgen hat.

Schlüchtern, den 22. Juni 1926.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Krisenlust.

(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Kaum ist der Reichstag zusammengetreten, so durch­schwirren wieder alle möglichen Krisengerüchte die Parla­mentsräume und darüber hinaus die Zeitungsspalten. In Verbindung mit den bereits geführten bezw. in Aussicht genommenen Verhandlungen zwischen Reichsregierung und Reichstagsparteien auf schnellste Erledigung der Fürsten- abfindungsvorlage sprach man heute im Parlament wieder von der Möglichkeit einer baldigen Auflösung des Reichs­tages. Reichsregierung und Regierungsparteien halten es für notwendig, daß das Fürstenabfindungsgesetz noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerferien seine restlose parlamentarische Erledigung findet. Von sozialdemokra- tischer Seite sind bereits weitgehende Abänderungsanträge angekündigt worden, die Deutschnationalen sollen solche in Aussicht gestellt haben. Bei den Sozialdemokraten liegt die Absicht zugrunde, durch Verschärfung der parlamen­tarischen Gegensätze auf eine Reichstagsauflösung hinzudrängen, um sich eine günstige Wahlparole zu schaffen. Die Auflösung des Reichstages möglichst in allernächster Zeit mit Neuwahlen im Hochsommer halten die Sozial­demokraten für ihre parteipolitischen Bestrebungen deshalb für besonders günstig, als die Vorbereitungen zu Neuwah­len dann z. T. in die Sommerferien und in die Erntezeit fallen würden, wodurch nach Auffassung der Sozialdemo- ' traten die Propaganda besonders der bürgerlichen Parteien und vor allem auf dem Lande stark beeinträchtigt werden müßte. Diese sozialdemokratischen Absichten könnten Erfolg haben, wenn die Deutschnationalen dem Regie- rungsentwurf ähnliche Schwierigkeiten bereiten würden, wie sie von sozialdemokratischer Seite angekündigt worden sind. Soweit wir unterrichtet sind, sind aber die Deutsch­nationalen nicht abgeneigt, im wesentlichen auf den Boden des Regierungsentwurfes zu treten und diesem zur An­nahme zu verhelfen.

Dabei spielt offenbar die Erwägung mit, daß man eine Erleichterung ihrer Haltung durch eine Erklärung erwartet, die von Seiten des Hohenzol- lcrnhauses vorbereitet worden sein fol'. Gerüchtweise verlautet, daß in dieser Erklärung das Haus Hohenzollern sich dahin aussprechen will, daß es einer weiteren Zerfleischung des deutschen Volkes in der Frage der Fürstenabfindung dadurch zu begegnen hofft, wenn es erklärt, daß es in dem Regierungsentwurf eine geeignete Rechtsgrundlage für die Aus- einandersetzungs - Verhandlungen erblickt. Weiter verlautet gerüchtweise, daß außerdem das Haus Hohenzollern an die preußische Staats- regierung mit einem neuen Vergleichsvorschlag herangetreten sein soll, der über den Vergleich von 1925 noch erheblich zu Gunsten des preußischen Staates hinaus- gehen soll.

Man wird abwarten müssen, ob sich diese Gerüchte bestätigen. Jedenfalls müßte darin der gute Wille des Hohenzollernhauses erblickt werden, dem weiteren partei­politischen Kampf in der Fürstenabfindungsfrage die Schärfe zu nehmen. Es erscheint auch möglich, daß eine solche Erklärung des Hohenzollernhauses die Frage des verfassungsändernden Charakters der Regie­rungsvorlage in ein anderes Licht rückt. Wenn z. B. von Seiten der Fürsten selbst erklärt würde, daß sie in der Regierungsvorlage kein Sonderrecht erblicken, das sich gegen sie richtet, dann wäre die Möglichkeit gegeben, das Gesetz als einfaches Reichsgesetz mit einfacher Stimmenmehrheit anzunehmen. Diese Mehrheit würde dann auch zweifellos, wenn nicht mit Hilfe der Sozialdemokraten, dann mit Hilfe der Parteien rechts der Regierungskoalition erreicht werden.

Die Verschwörung gegen Mustafa Kemal.

London, 22. Juni. Die Morgcnblättcr bringen eingehend» Berichte aus Konstantinopel über das Smyruaer Komplott gegen das Leben Kemal Paschas. Nach dem Konstantinopeler Korrespondent derMorning Post" sollte der Anschlag auf Kemal Pascha während des Aufenthaltes des Präsidenten in Smhrna von einem Abgeordneten und einem Reserve-Offizier sowie zwei gedungenen Banditen ausgeführt tvcrden. Bisher liegen im übrigen keine Beweise vor, daß das Komplott die Wiederherstellung des Sultanats bezweckte. Die Zahl der Ver­haftungen hat nunmehr 200 überschritten.

Erhöhung der Saarbahngiitcrtarise.

Saarbrücken, 22. Juni. Die Eisenbahndircktion des Taargebietes wird die in Aussicht genommene zehnprozentige Erhöhung der Saarbahngütcriarife ab 1. Juli d. I. durch» führen. Damit sind die Tarife in den letzten zwei Jahren insgesamt um rund 40 v. H. gesteigert worden.

Bon der Amerika-Anleihe der Vereinigten Stahlwerke A.-G.

New ?)ork, 22. Juni. Die Bankfirma Dillon, Rcad & Co. wird morgen 25 Millionen Dollar li^prozeutige Bonds der Vereinigten Stahlwerke A.-G. zur Zeichnung anbieten.__

Besuch eines amerikanischen Schulschiffes im Hamburger Hafen.

Hamburg, 22. Juni. Ein amerikanisches Schulschiff, ein Segler von etwa 2000 Tonnen, ist zu einem achttägigen Aufenthalt im .Hamburger Hafen eingelaufen. An Bord bc> finden sich etwa 150 junge Amerikaner, die zu Offizieren der Haudelsmariuc ausgebildet werden.

Neues vom Tage.

Nach einer Meldung aus Berlin hat Reichsinnenminister Dr. Külz die Fertigstellung des Entwurfs eines Ausführungs- gesetzes zu Artikel 48 der Reichsversafsung angeordnet, der die Befugnisse des Reichspräsidenten in außergewöhnlichen Fällen, besonders dann, wenn im Reich die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, regelt.

Im Haushaltsausschuß des Preußischen Landtags erklärte Ministerialdirektor Abegg, daß die durch die Sicherheitsmaß­nahmen anläßlich des Roten Frontkämpscrtages entstandenen Mehrkosten sich auf 58 000 Mark belaufen.

Die deutschnationale Reichstagsfraktion beschloß, zunächst die Entwicklung der Dinge im Rechtsausschuß des Reichstages abzuwarten.

Nach einer Meldung derGermania" hat die Zentrums- fraktion des Reichstags beschloßen, ein Begnadigungsgesuch zu­gunsten der in Trier verurteilten Moselwinzer an die preußische Staatsregierung zu richten.

Am Sonntag, 4. Juli, tritt in Berlin der Parteiausschuß der Zentrumspartei zusammen.

Die wieder ausgenommenen Verhandlungen zwischen der Reichsbahn und den Gewerkschasten über die Nachzahlungen für die Eisenbahner auf Grund der Rechtsgültigkeit des Schiedsspruches find wiederum ergebnislos verlaufen und mußten vertagt werden.

Bei einem durch Explosion entstandenen Brand in einer Teerfabrik bei Köln wurden drei Arbeiter getötet.

Die Interalliierte Rheinlandkommission hat den Trans­port und den Handel mit Jagdwassen und Jagdmunition im besetzten Gebiet, der bisher der besonderen Genehmigung der kommandierenden Generäle der Besatzungstruppen unterlag, frei- gegeben.

Das am 4. Oktober 1924 unterzeichnete Handelsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und Guatemala ist gemäß Artikel III Absatz 2 des Abkommens am 3. Juni 1926 in Kraft getreten. Die Ratifikationsurkunden sind am 12. Juni 1926 in Guatemala auS- getauscht worden.

Die Auffassung führender Parlamentarier über den Volksentscheid.

Der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete, der zusam­men mit Dr. Kahl bei den Ausschußberatungen über das Fürstenkompromißgesetz des Reichstages feine Partei haupt­sächlich vertreten hat, der sächsische Landgerichtsdirektor Dr. Wunderlich, erklärte heute ausdrücklich, daß seine Partei zu ihrem Wort stehe und die Regierungspartei nach­drücklichst unterstützen werde.

Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Kahl- München erklärt folgendes:Vorsorglich habe ich bereits vor dem 20. Juni den Regierungsentwurf über die vermögensrecht- liche Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern auf die Tagesordnung der Sitzung des Rechtsausschusies vom 22. Juni gebracht. Schon darin habe ich, wie übrigens in allen Vorstadien der Verhandlungen seit Anfang des Jabres, meiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß eine Ver­zögerung der Angelegenheit unter keinen Umständen ver­antwortet werden kann. Der Ausgang des Volksentscheids hat meinen Entschluß bestärkt, alles zu tun, um so schleunig als möglich eine endgültige gesetzliche Regelung herbeizu- führen. Der erbitterte Volksstreit muß ein Ende nehmen. Ohne Opfer von beiden Seiten kann das nicht gelingen. Aber alle müssen sich gegenwärtig halten, daß es im letzten Grunde um Höheres geht, als bloß um Vermögenswerte. Die Grundlage zu einer Versöhnung bildet der Regierungs- entwurf. Er deckt sich wesentlich mit dem Kompromiß, um das in mehr als 30 Sitzungen im Rechtsausschuß gerun- St wurde. Er fordert von mir und meinen Freunden an gewiß das Aeuß erste und Letzte, was vor dem Rechtsgewissen zu verantworten ist. Wir sind aber zu ehr­lichen Verhandlungen bereit. Wir erwarten das gleiche von den anderen Parteien links und rechts. Soll wirkliche Befriedung eintreten, so muß eine große Mehrheit die Verantwortung übernehmen. Ob es möglich sein wird. be­darf noch gewissenhafter Erwägung.

Auch in der Zentrumspartei herrscht durchweg die Auffassung, daß nunmehr die Regierungsvorlage in kürzester Frist vom Reichstag verabschiedet werden müsse. An den Ziffern des Volksentscheides kann maii^ nicht vor­übergehen", erklärte der Abgeordnete Dr. S ch u l tz e - Brcslau, der das Zentrum im Kompromißausschuß ver­trat. Nach seiner Ansicht enthält das dem Reichstag vor­liegende Gesetz so viel Bestimmungen, die in jedem Zwei­felsfalle eine Auslegung gegen Fürstenansprüche zulassen, daß der im Volksentscheid zum Ausdruck gekommene Wille einer republikanischen Lösung der Auseinandersetzungs- frage in weitestem Maße Berücksichtigung finden könne.

Aehnlich äußerte sich auch der derzeitige Fraktionsvor- fitzende des Zentrums, Abgeordneter von Güsrard.

Eine Millionen-Anleihe der Provinz Westfalen.

Haacn, 22. Juni. Wie verlautet, ist die Genehmigung für die Ausländsanleihe der westfälischen Städte im Laufe der Woche zu erwarten. Nach holländischen Blattermelduugeu werden bereits in New Ssork Verhandlungen über eine Wer Millioucn-DoNar-Anleihe der LandeSbank der Provinz West falen geführt. Ein Teil her Anleihe wird in den Niederlanden und in der Schweiz zur Ausgabe gelangen.