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Schlüchtemer Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Myememev amtlicherKnzeLyevfür Kar Kreis Schlüchtem

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Nr. 70 Dienstag, den 15. Juni 1926 78 Jayrg.

UnterhaltungS Beilage

zur

GchlLchterner Zeitung" /Gteinauer Zeitung"

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Sternentränen.

Von Gabriele Hartenstein.

Mit Zeichnung von Erich Svörl, München.

Mutter," fragte das blonde Kind, während es am Fenster stand und mit großen nachdenklichen Augen zum Abend­himmel emporsahwas bedeutet der goldne Regen der Sterne? Stürzen die Lichter vom Himmel auf die Erde, um da zu erlöschen? Heute und gestern sah ich gar seltsam leuch­tende Funken durch das Dunkel gleiten und mir war, als brächten sie mir einen Gruß mit vom lieben Gott."

Betroffen, mit der Lampe in der Hand, blieb die Mutter an der Türschwelle stehen. Welch eine seltsam ernste Sprache führte heute ihr blondes Mädchen wie?

Jetzt schwieg das Kind.

Aber immer noch, wie von heimlicher Sehnsucht gelenkt, hingen die braunen Kinderaugen einem Sterne nach, der größer und strahlender als alle anderen im Abendblau er­glänzte. , .

Es war dunkel geworden im Wohnraum; aber eure geheim­nisvolle Helle legte sich auf die Dinge, durchdrang sie und brächte sie gleichsam zum Leben. Fern und verheißend trat Stern um Stern aus dem Grund der Nacht, und der Licht­kranz, den sie woben, schlang sich vom Sonnenaufgang zum Niedergang, von Pol zu Pol, in ihm vermählte sich Erde und Ewigkeit.

Die Frau zündete die Lampe nicht an in dieser Stunde. Ihres Kindes Frage war ihr in die Seele gedrungen mit solcher Schwere und Eindringlichkeit, als hätte Gott selbst mit heimlicher Mahnung an ihr Herz gerührt.

Einen Augenblick später saß sie in dem breiten Ohrenlehn- stuhl am Fensterkreuz, wo dereinst die Urafyne ihre Geschich­ten erzählte, nahm das Kind auf den Schoß und begann:

Für jeden Menschen, den Gott erschafft, läßt er in der Himmelstiefe einen Stern erblühen; das Reich, wo er nach feinem Tode landet, um von da zu Gott zu gelangen. Die großen Sterne find der Erde näher, als die zahllosen kleinen Sterne im Himmelsgrund, und sie gehören Seelen an, die nahe sind dem Tod.

Ist der Mensch auf Erden schlecht gewesen, dann verdun­kelt der Stern im Augenblick seines Todes, und die Seele des verstorbenen landet in einem Reiche, das verlassen ist und hde wie eine Wüste im Mitternachtsdunkel. Zum freud­losen Schatten geworden, irrt die Seele durch eine Landschaft von Eis und Gestein, bis der Stern mit ihr erlischt.

Nie gelangt eine solche Seele zu Gott.

Das Gestirn aber des guten Menschen zieht seine Seele mächtig an, und darum wohl hört man oft im Volke sagen, daß der Gute früher stirbt als der Böse. Wenn ein Gerech­ter dem Tode nahe ist, dann senkt sein Stern sich, langsam aus dem Abendgrund zur Tiefe, sein Lichtkranz faltet sich auf, als ob liebende Arme sich öffneten, und in dem Augen­blick, wo die Seele die Erde verläßt, stürzen Tränen der Freude, gleißend wie eitel Gold, aus seinem AntlitzSter» nenschnuppen" nennen die Menschen jenen Funkenregen, und andere:Sternentränen"

Ganz gefangen von dem Sinn der Worte, hob das kleine Mädchen den Kopf.

Sternentränen?" fragte es und lächelte und schwieg. Dann, heiß und sieberisch geworden, drängte es die Haare zurück, die wie ein aufgeschlagener Fächer auf seinen Schul­tern lagen, und fragte "heimlich:

Glaubst du, Mutter, daß mein Stern auch goldne Träne» weinen wird bei meinem Tod?"

Die Mutter beugte sich hernieder.

Wie wäre es anders möglich, mein sanftes Kind?" Und sie drückte dem kleinen Mädchen mit solcher Inbrunst die Lippen auf die Stirn, als wollte sie ihm mit dem Küste das eigene Leben einflößen.

Wochen gingen vorüber.

Der Lenzsturm brauste durch die Gärten und knickte man- chen Zweig, dem schon die hellen Triebe aufgesprungen waren.

Das kleine Mädchen erkrankte.

Seltsam, wie es dahinsank, ohne Schmerzen zu empfinden; wie die Kinderaugen fremd und fremder wurden und die Lebensröte auf den Wangen langsam erlosch.

Selbst zum Schatten geworden, irrte die Mutter durch die Räume; das Lächeln auf ihren Lippen erstarb und in den Augenhöhlen nistete der Kummer sich ein; mit zitternden Fingern holte sie aus Ecken und Truhen all das schöne Spiel­zeug hervor, das dem Kinde einst Freude bereitet; sie kochte Tee und würzige Suppen, ersann Märchen und Spiele. Manchmal, wenn sie am Bettrand lehnte, sang sie mit zittern­der Stimme Lieder von Nachtigallen und Glockenblumen, als ob ihr Kind noch in der Wiege lüge wie einst, in lächeln­den Lebensträumen.

Das kleine Mädchen aber wollte zur Freude nicht er­wachen; immer schwerer sank sein Haupt in die Kissen, und wie von einem heimlichen Gifte genährt, ermattete der Körper.

Einmal nachts ging die Mutter nicht schlafen. Voll Angst und Unruhe saß sie über das Krankenlager hingebeugt. Das Kind schien zu schlummern; seine Lider waren schwer herab­gesunken, reglos lag die Hand auf der Decke, mit) kaum daß man seine Atemzüge hörte, so leise hob sich die sieche Brust. Aber ein gar seltsames Tönen und Klingen floß draußen durch die Nachtluft, stieß leise an die Fensterschei­ben, drang herein und erfüllte den Raum.

Die Mutter hob das Haupt und lauschte. Stand auf und wankte an das Fenster. Was zog sie so übermächtig an, was ging da draußen vor?

Und während sie den starren Blick zum Himmel wandle, war ihr, als erzitterte das Firmament vom Aufgang bis zum Niedergang, als neigte der ganze gleißende Plan der Gestirne sich mächtig zur Erde.

rues vom Tage.

Reichspräsident v. Hindenburg stattete am Samstag 16 in Nenstrelitz einen Besuch ab.

i Reichstag wurde der Antrag auf Aufhebung bet des völkischen Abgeordneten Kube gegen die Stimmen nisten angenommen.

Polizeipräsidium in Berlin hat bei einem früheren rer des verbotenen Sportvereins Olympia im Ver- Haussuchung festgestellt, daß eine Vereinigung in Kameradschaft die verbotene Vereinigung Olympia sucht. Die Akten sind der Staatsruwaltschaft zu- den.

r Reichstag wurde eine Entschließung angenommen, dereinführung der vierteljährlichen Gehaltszahlung vom 1. April 1927 ab empfiehlt.

dieD. A. 3-" erfährt, hat das Kabinett beschlossen, ge des Auswertungsbegchrens einen Gesetzentwurf n, der baldmöglichst dem Reichstag eingereicht

l Reichstag ist eine deutschnationale Interpellation die aus die Ueberspannung der Hauszinssteuer hin- ne sofortige Neuregelung des Finanzausgleiches mit fordert.

c Ackerbau- und der Finanzminister haben in der Kammer einen Gesetzentwurf zur Sicherung gün- zungen für die Getreide-, Mehl- und Brotversorgung

einer Meldung aus Königsberg i. P. tras der Chef itung, General von Seeckt, in Begleitung des Ober- ! des Gruppenkommandos I, Generals von Loßberg, höherer Offiziere auf dem Truppenübungsplatz Arys Reiterregimenter I und II zu besichtigen.

einem Manifest der englischen Bergarbeitergewerk- gesagt, daß den Arbeitern eine Regicrungsinter- nehm sei.

Entichlicßung Brasiliens, aus dem Völkerbundsrat .;,.. .. .»uaco.'cr Mr. »u

ischen Nationen bestrebt feien, sich immer mehr enn chließen und nunmehr auf dem Wege seien, einen udc zu bringen, dessen Grundlage die Monroe-

Krlin fanden am Sonntag Mittag Kundgebungen >er den Volksentscheid statt, die im allgemeinen tten gingen. Nur an einzelnen Stellen kam es Reibereien, die die Polizei jedoch sofort beilegte. inal Faulhaber ist incognito in Newyork eilige­

rer Schweiz, in der Umgebung von Chaux de etc ein Wirbelsturm, durch den etwa 27 Häuser Personen getötet und viele verletzt wurden.

Berlin wurde am Sonntag das deutschnationale dem Hindenburgbrief zum Volksentscheid polizci- 1 Anschlagsäulen entfernt.

Mannheim-Neckarau wurde in der Nacht zum 'i einer Messerstecherei ein Bäckcrmcistcrssohn so tzt, daß er bald darauf verstarb, und ein Bäcker- 1 elf Messerstiche schwer verwundet.

Vorwärts" ruft unter der ParoleMassen Anhänger des Volksentscheids in Berlin für nd zu Kundgebungen auf.

wem hannoverschen Dorfe wurde ein Einbrecher, ar Schuhe gestohlen hatte, von den Ladeninbabern ädern verfolgt und gestellt. Der eine der r wurde durch einen Hcrzstich getötet, der andere it, während der Täter entkam.

) will Deutsch-Afrika behalte«- inem Festessen der Englisch-Ostafrika:..,.., ng in London, erklärte der britische Koloiiial- l in e r y, die Bevölkerung Ostcifrikas brauche befürchten, daß das früher zwischen dem nd dem Süden Euglisch-Ostafrikas gelegene ebtet wieder abgetreten werden könnte, ne v 0 llk 0 mmen falsche Auffassuug ffs des Mandatsgebiets.

nglische Mandat über das ehemalige Deutsch- tei keineswegs nur ein vorübergehender Be­ides, es bedeute nur gewisse Verpflichtungen, nd bei der Verwaltung deS Gebietes über- save.

standat über das ehemalige Deutsch-Ostafrika ht Englands aus dem Bersailler Verträge.

Schlächtern, den 9. Juni 1926.

Der Landrat. J. V.: Schulthciö.

J.-Nr. 5529. Diejenigen Herren Bürgermeister und Utsvorsteher, welche mit der Einsendung des Verzeichnisses 'er die von Privathengsten abstammenden Fohlen noch im ückstande sind, werden hiermit daran erinnert.

Schlüchtern, den 10. Juni 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheiö.

Totcu schloß. Ein Vorbeimarsch der Tradittonskomvn»« gute, der die ehemaligen unter Führung ihrer Offi­ziere folgten, schloß die ergreifende Feier am Gefalle­nendenkmal.

ReichSkreditgarantie für Gebrüder Mannesmann.

Berlin, 14. Juni. Der HauShaltsansschuß stimmte der Uebernahme einer Kredit - Garantie zu, um die Erhaltung des Marokko-Besitzes der Gebrü­der Mannesmann in deutschem Besitz sicher zu stellen.

s Handelsprovisorium mit Frankreich. Der Vetter w suchen Delegation bei den deutsch-französischrn Wirt- schasisverhandlungen in Paris, Ministerialdirektor Posse, üt in Berlin cingetroffcn. Die Reichsregierung hatte ihn, wie bereits gemeldet, angesichts der jüngsten Entwicklung der genannten Verhandlungen zur Berichterstattung nach Berlin gebeten. Ministerialdirektor Posse wird in der Kabinetts sitzung zum Vortrag erscheinen. Ob das Kabinett schon sofort einen Beschluß fassen wird, inwieweit dem französischen Antrag auf Abschluß eines Provisoriums zugestimmt torrden soll, ist noch ungewik.