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Rr. 66 (1. Blatt)
Samstag, den 5. Juni 1986
7« Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Mdratsamt.
J.-Nr. 5263. Die nachgenannten Personen sind gemäß Itr Schiedömannöordnung vom 3. Dezember 1924 (G. S. g. 751/1924) zu Schiedsmännern bezw. SchiedsmannSstell- «tretern gewählt bezw. wiedergewählt und als solche verzichtet worden und zwar:
a) zu Schiedsmännern:
Landwirt und Bürgermeister Wendelin Hummel, Ahl
Landwirt Franz Böhmer, Kerberödorf
Landwirt Eduard Huhn, Ulmbach
Landwirt Heinrich Dietz, Wahlert
b) zu Schiedsmannöstellvertretern:
Landwirt Aloys Wiederspahn, Ahl
Maurer und Landwirt Wilhelm Hagenbach, Kerberödorf Landwirt Augustin Herber, Ulmbach
Landwirt und Müller August Hausmann, Wahlert
Schlüchtern, den 1. Juni 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Sericht des Kreisausschusses des Kreises Schlüch- lern über die Verwalt»«g und den Stand der kreiskommunal-Angelegenheiten im Jahre 1925.
(1. April 1925 bis 31. März 1926.)
(Schluß.)
VIII. Wohlfahrtsaufgaben.
c) Krüppelfürsorge. In Fürsorge standen am Jahresschluß 147 Krüppelkinder. Für 15 Kinder wurde die Heilbehandlung in ben Heilstätten Lindenberg, Herz-Jesu-Heinr md Friedrichsheim Frankfurt a. M. durchgeführt. Zum Krüp- >eltag des Herrn Landeskrüppelarztes waren am 27. Februar 1924? 54 mit Krüppelleiden behaftete Kinder erschienen, in den Schulen oes Kreises wurde den orthopädischen Z^' Bungen die erforderliche Beachtung geschenkt. 2 Lehrkräfte lernen an einem diesbezüglichen Kursus in Cassel teil. Die Gesamtausgaben für die Krüppelfürsorge beliefen sich auf 1000 Mk.
d) Allgemeine Gesundheitö- und Erhelln g ö f ü r s o r g e. Die allgemeine Gesundheitsfürsorge baute ich in der Hauptsache auf die Schuluntersuchungen auf. Es toben 161 Kinder in Solbäder, bezw. Erholungsheimen ent- mdt. Dke pflegerischen Aufgaben der Gesundheitsfürsorge toben von der Kreisfürsorgerin mit 1500 Hausbesuchen nb ben Gemeindeschwestern wahrgenommen. Mit den Schul- "ntersuchungen wurden gleichzeitig an 4 Orten des Kreises Mütterberatungsstunden (Fürsorge für Kleinkinder und Säug- inge) abgehalten. In 2 Orten des Kreises wurden örtliche Leibadeeinrichtungen verbunden mit Kinderspeisungen geför- ut; ein örtliches Solbad wurde neu eingerichtet. Zur Bc- rßigung der Kurergebnisse und zur Behandlung leichterer Äle werden im kommenden Geschäftsjahr 5 örtliche Sol- «adeeinrichtungen gefördert werden. Ganz besonders wurde der ^opfbehandlung durch Verabreichung von Jodtropontabletten ln Augenmerk zugewandt.
Die Gesamtausgaben für die Erhölungöfürsorge belau- m sich auf 14 687 Mk.; hiervon wurden durch den Kreis Bezirksfürsorgeverband) 8500 Mk. getragen.
Von den ca. 4500 Schulkindern des hiesigen Kreises landen 3000 in Fürsorge; hiervon in dauernder schulärzt- 4er Ueberwachung 300. /
e) Tuberkulosenfürsorge. Im Laufe des Ge- lchäftsjahres wurden 9 an offener Tuberkulose leidende Perlen in Anstaltöpflege behandelt; 10 lungenkranken Kindern tobe ebenfalls Anstaltöbehandlung zuteil. Das Hauptgewicht tobe auf eine gute vorbeugende Tuberkulosenfürsorge gelegt, cn Tuberkulose bedrohten, bezw. verdächtigen Kindern wur- m längere Badekuren gewährt, wodurch sich auch in diesem 4rc die Zahl der kurbedürftigen Kinder gegenüber dem Vor- wesentlich erhöht hat. Von der Kreisfürsorgerin fnnbcn 72O Hausbesuche in tuberkulösen Familien statt, ausschließ- 4 der Pflege der Gemeindeschwestern.
f) Kleinrentner- und Sozialrentners u r - togc. Im Berichtsiahrc wurden 235 Klein- und Sozial- '"tncr laufend unterstützt.
g) W o ch e n f ü r s o r g c. Es wurden 78 Anträge auf Gewährung der Wochenfürsorge gestellt, hiervon mußten 23 belehnt werden, sodaß 55 Wöchnerinnen in Fürsorge gc- "swmen werden konnten. Der Unterstützungöbetrag erreichte le Gesamthöhe von 2794,40 Mk.
h) Erw e rb s l o s e n fü rf o rg e. Die Zahl der zu un- ^stützenden Erwerbslosen stieg in dem Berichtsjahr zu einer W)e, die in den vorhergehenden Jahren bei weitem nicht er- 'üht wurde. Der höchste Stand der unterstützten Erwerbs- 1cn wurde im Februar 1926 mit 989 hauvtunterstützungö- "b 1683 Zuschlagsempfängern verzeichnet. In 6 Notstands- ^iten fanden 307 unterstützte Erwerbslose Beschäftigung nb erhöhtes Einkommen.
Die Ausgaben für die Erwerbslosen betrugen insgesamt 94059,77 Mk. Der Arbeitsmarkt zeigte sich besonders im letzten Halbjahr hindurch wenig aufnahmefähig, sodaß von 1207 Arbeitsuchenden nur 123 Stellen vermittelt werden konnten.
i) Pflegekinderwesen. Im Kreise waren 154 Pflegekinder zu betreuen. Die Pflegestellen wurden durch die Kreisfürsorgerin und die Ortsausschüsse für Jugendwohlfahrt auf Grund der ausgestellten Richtlinien geprüft. Das Prüfungsergebnis ist im ganzen als gut zu bezeichnen, da nur 2 Beanstandungen gemacht wurden.
k) A m t s v o r m u n d s ch a f t. Das Kreisjugendamt ist Vormund über 107 uneheliche Kinder. In 102 Fällen ist der Unterhalt der Mündel geregelt. 5 Prozesse sind noch nicht entschieden. Als Gemeindewaisenrat wurde das Jugendamt in 57 Fällen in Anspruch genommen.
l) I u g e n d g e r i ch t s h i l f e. Diese wurde 34 Jugendlichen durch das Kreisjugendamt gewährt. Hierbei wurde dasselbe in dankenswerter Weise von Geistlichen und Lehrern unterstützt. 6 Jugendliche befinden sich z. Zt. unter Schutzaufsicht und 4 in Fürsorgeerziehung.
m) Vorzugsrenten. Auf Grund des Anleiheab- lösungögesetzes wurden 244 Anträge auf Gewährung der Vorzugsrente gestellt. Von diesen wurden bis zum 1. April 199 durch den Ausschuß für Vorzugsrenten entschieden.
IX. Bauamt.
Im Jahre 1925 wurden 283 Bauerlaubnisanträge genehmigt, darunter befinden sich 17 Stockaufbauten.
Infolge der stabilen Währung war die Bautätigkeit im Kreise etwas lebhafter wie im Vorjahre. Dies wirkte sich auch auf die Inanspruchnahme der Mieteinigungsämter aus. Durch Erwirkung von Baudarlehen konnten 25 Neubauten gesichert werden.
Das Bauamt ist durch die staatliche Wohnungsfürsorge, insbesondere bei Verteilung der aus der sozialen Hauszinöstcuer fließenden Mittel zu Bauhypotheken überaus- stark in Ansorucb genommen gewesen. Eine besondere Denkschrift über den Stand des Wohnungswesens im Kreise ist ausgearbeitet worden und wird noch im Einzelnen vervollständigt werden.
X. Schulen.
Fortbildungsschulen und Volksbibliotheken.
Der SchulhauSneubau in Uttrichshausen wurde im Berichtsjahre vollendet. Schulneubauten sind in Angriff bezw. Aussicht genommen in Züntersbach, Hohenzell und Ahl.
In 37 Landgemeinden bestanden ländliche Fortbildungsschulen. In den Gemeinden Ahl und Klosterhöfe ist wegen geringer Schülerzahl der Unterricht ausgefallen. Die Fortbildungsschüler aus Schwarzenfels wurden der Fortbildungsschule in Mottgers zugeteilt.
In der Anzahl der Bibliotheken: 1 Standbibliothek des Kreises mit rund 800 Bänden, 37 VolkSbibliotheken, 2 Wanderbibliotheken und 3 Jugendbibliotheken, hat sich nichts geändert.
Schlüchtern, den 19. Mai 1926.
Der Vorsitzende des KreiSausschusscs. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 3046 K. A. ES liegt Veranlassung vor, die Herren Standesbeamten der Landgemeinden auf die genaue Befolgung meiner Kreisblatt-Verfügung vom 2. November ttz25 — J.-Nr. 5606 K. A. — (abgedruckt im Kreisamtsblatt Nr. 132 von 1925), wonach die 2. Stücke der Zählkarten A und C bis zum 15. jeden ersten Quartalsmonats dein Herrn Kreisarzt in Gelnhausen einzureichen sind, hinzu- weisen. Die in der genannten Verfügung angesetzten Termine sind in Zukunft genau einzuhalten.
Die Zählkarten für die Monate April bis Juni 1926 sind dem Herrn Kreisarzt in Gelnhausen gleich anfangs Juli er. vorzulegen, da der Herr Kreisarzt vom 12. Juli b. JS. ab beurlaubt ist.
Schlüchtern, den 1. Juni 1926. ~
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.
Stadt Schlüchtern.
BekanntmaPung
Die Stimmliste über die am 20. Juni 1926 stattfin- dende Abstimmung zur Durchführung des Volksentscheids über die Enteignung der Fürstenvermögen liegt in der Zeit vom Sonntag, den 6. Juni 1926 bis Sonntag, den 13. Juni 1926 im Rathaus'— Dienstzimmer deö Stadtobersckretäcs — zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten öffentlich aus und zwar an den Werktagen von vormittags 8—12 Uhr und an den beiden Sonntagen von vormittags 10—11 Uhr.
Wer die Stimmliste für unrichtig oder unvollständig balt, kann dies bis zum Ablauf der Auölegungsfrist beim Magistrat schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. So- ivcit die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenkundig ist, hat er für sie Beweismittel beizubringen.
Schlüchtern, den 2. Juni 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Hundesteuermarken betr.
Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.
Auf Grund des § 17 und des § 79 Abs. 2 des Vieh- seuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 519) wird hierdurch mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
1. Sämtliche über 3 Monate alten Hunde müssen mir Halsbändern versehen sein, die Namen und Wohnort des Besitzers ersehen lassen oder an denen eine Steuermarke mit Angabe des Versteuerungsbezirks und der Nummer des Hundes in der Steuerlifte oder eine besondere Erkennungsmarke mit dem Namen des Polizeibezirkes und einer fortlaufenden Nummer befestigt ist.
2. Diese Anordnung tritt am 1. April 1926 in Kraft.
3. Zuwiderhandlungen werden nach § 76 des Viehseu- chengesetzeö bestraft. (A. III. 270/26.)
Cassel, den 17. Februar 1926.
Der Regierungspräsident.
Wird veröffentlicht.
Die Besitzer von Hunden werden aufgefordert, die Steuermarken bis spätestens 15. d. Mts. bei der Stadtkasse gegen Zahlung von 30 Pfg. pro Stück in Empfang zu nehmen. Wird nach diesem Zeitpunkt ein Hund ohne Steuermarke betroffen, dann hat der Besitzer gemäß Ziffer 3 vorstehender Anordnung unnachsichtlich Bestrafung zu gewärtigen.
Bemerkt wird, daß auch die steuerfrei zu lassenden Hunde mit einer Marke versehen sein müssen.
Schlüchtern, den 1. Juni "1926.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Die Wähler-(Stimm-)listen für den Volksentscheid über Enteignung der Fürstenvermögen liegen in der Zeit vom Sonntag, den 6. bis einschließlich Sonntag, den 13. Juni b. Js. In Rathaus zu jedermanns Ein^ckt aus, und zwar an den ^v.mtagen von 11—12 Uhr vormittags und an den Werktagen während der Dienststunden. Einsprüche gegen diese Listen sind bis zum Ablauf der Auslegungsfrist daselbst anzu- bringen.
Steinau, den 2. Juni 1926.
Der Magistrat. Dr. Hauömann.
Erhöhung der Gemeindesteuern?
Die Klagen der Gemeinden über die Unzulänglichkeit der vom Reich für sie ausgeworfenen Steueranteile wollen nicht verstummen. Auf der anderen Seite sind Industrie, Handel und Handwerk von der Besorgnis erfüllt, daß die Senkung der Reichssteuern sich wohl bald in einer Erhöhung der gemeindlichen Realsteuern auswirken wird.
Zu dieser wichtigen Angelegenheit hat sich nun der Geschäftsführer des Reichsstädtebundes Dr. Haekel, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, folgendermaßen geäußert: „Die Einnahmen der mittleren und kleineren Städte an Eiukommcu- und Körperschaftssteuer für 1926 mindern sich gegenüber 1925 um ettva 12 bis 18 Prozent. Diese Mindereinnahmen werden durch erhöhte Einnahmen aus der Umsatzsteuer, bei der sich die Länder und Gemeinden in weiser Voraussicht der Steuergesetzgebung durch den Finanzausgleich einen Au teil an einem "gesetzlich garantierten Ertrag von 1500 Millionen Reichsmark gesichert haben, noch lange nicht bis zur Hälfte ausgeglichen. Da der Gemeiudefinanzbedorf für 1926 aber nicht geringer ist als für 1925, ergibt sich in der Regel die Notwendigkeit einer Erhöhung der kommunalen Realsteuern. Diese stößt jedoch auf große Schwierigkeiten, da die Gruudbeträge zu der Gewerbeertrags- und Kapitalsteuer für 1926 erheblich geringer ausfallen als für 1925, weil durch die neueste preußische Gesetzgebung die Gewerbesteuerpfliclüi- gen als Entgelt fiir eigene Arbeit von dem Ertrage 1500 Rentenmark (anstatt früher 900 Rentemnark) abziehen dürfen und weil der Steuersatz der Kapitalsteuer auf ein Drittel her- untergedrückt ist. Aus diesem Grunde sind die Gemeinden gezwungen, ihre Prozentzuschläge zu den Steuergrundbeträgen bei der Gcwerbccrtragssteucr erheblich und bei der Kapital- steuer auf das Dreifache zu erhöhen, wenn sie lediglich dieselben Markbeträge erzielen wolletl wie für 1925. Die psychologische Wirkung" dieser Zahlcncrhöhnng der Zuschläge erschwert naturgemäß eine weitere Steigerung derselben zwecks Deckung der Llussälle an den Einnahmen aus der Ev neu und Körperschaftssteuer."
— Der Generaldirektor der Deutschen Rcicbsbabugcsell- schaft, RcicbSminister o. D. und StaatSminister a. D. Rudolf Ocser ist am Donnerstag gestorben.
— In der kanadischen Stadt Riviere bu Coup sind durch eine Fencröbruitst 57 Gebäude vernichtet worden.
— Nach einer Blättermeldung aus Beirut haben die Aufständischen die Zugänge der Stadt DamaSkuS erneut angegriffen. Auf beiden Seiten sollen beträchtliche Verluste zu verzeichnen sein.
— Die amtliche Großhandelsindexziffer ist gegenüber der Vorwoche um 0,4 v. H. gestiegen.