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chlüchterner Leitung

Amtsblatt * Myememev amtlich er Anzeigev für Kar Kreis Schlüchtem

Nr. 65

Donnerstag, den 3. Juni 1926

78. Jahrg.

MtliHe Bekanntmachungen, emdratsamt.

Volksentscheid am 30. Juni 1926.

4 J.-Nr. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er- ip ich, spätestens am 5. ds. Mts. ortsüblich bekannt zu ttenz daß die Stimmliste für den Volksentscheid in der vom 6. bis einschl. 13. Juni ds. Js. im Geschäftszim- des Gemeinde-(Gutö-)Vorstehers öffentlich ausgelegt wird M daß Einsprüche gegen die Stimmliste bis zum Ablauf ^Li Nuslegungüfrist bei der Gemeindebehörde anzubringen sind. I Die Vorschriften in dem Ministerialblatt für die innere iMmaltung Nr. 25, das den Herren Bürgermeistern und iMsvorstehern bereits zugegangen ist, ersuche ich genau zu bc- feten. Die diesem Ministerialblatt als Beilage angeschlossene Kwrdnung des Herrn Reichsministers des Innern vom 17.

ist sofort öffentlich auszuhängen.

Die Stimnrliste ist vor der Auslegung bei a l l e n Stimm- Urchtigten durch Nachtragung des bei dein Emtragungöver- Wen angewandten Kennzeichens so zu berichtigen, daß man Dicht mehr unterscheiden kann, ob ein Stimmberechtigter am »mtragungöserfahren im März ds. Js. teilgenommen hat eitt nicht.

Schlüchtern, den 1. Juni 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 5142. In der Gemeinde Kerzell, Kreis Fulda, die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Schlüchtern, den 29. Mai 1926. Der Landrat.

Kreisausschutz.

Zericht des Kreisausschusses des Kreises Schlüch- !rrn über die Verwaltung und den Stand der I^reiskommunal-Angelegenheiten im Jahre 1925.

(1. April 1925 bis 31. März 1926.)

(Fortsetzung.)

IV. VerkehrSverhältnisse.

Die Unterhaltung der Landwege erfordert im Berichtsjahr I« Gesamtausgabe von 90 527 Reichsmark. Durch die fort- Ijksetzte Zunahme des Kraftwagenverkehrs wird die Abnutzung Dcr Wegestrecken von Tag zu Tag stärker. Wenn der Zustand

Wege sich nicht noch weiter verschlechtern soll, werden idiliftighin noch erheblich größere Aufwendungen nötig sein. I Die Ausführung der Landwegeneubaustrecken Rabenstein- litobotf, Schwarzenfcls-Landstraße und Sterbfritz-Neuengro- lw wurde weiter betrieben, sodaß sich die Fertigstellung im |He des Jahres 1926 erreichen lassen wird. Um Arbeitsge­legenheit für die Erwerbslosen zu schaffen, ist beabsichtigt, p letztere Wegestrecke bis zur Gemarkung Sterbfritz weiter «iSzubauen.

V. Ueberlandwerk.

An das Ueberlandwerk Fulda-Hünfeld-Schlüchtcrn sind l Gemeinden angeschlossen. Im Jahre 1925/26 sind 11281 396 Kw. im Kreise abgesetzt worden, was wiederum tine Steigerung gegen das Vorjahr bedeutet, die umsomehr Bedeutung hat, als größere Betriebe wie z. B. in Sterbfritz Gummiwerke) stillgelegen haben.

Das Strom-Verteilungsnetz im Kreise umfaßt eine W von

72 Km. Wert 250 566 Mk.

37 Ortsnetze haben einen Wert von 205 187 | 4i Traneformatorenstationen einen Wert von 6528g

Gesamtwert: 521 036 Mk.

VI. Landwirtschaftliche Verhältnisse.

Die landwirtschaftliche Schule in Schlüchtern konnte in- Zuteilung eines 2. Landwirtschaftslehrers wieder zwei Massen eröffnen. Die Oberklasse wurde von 13 und die Uns Klasse von 14 Schülern besucht.

Neben der landwirtschaftlichen Schule wurde wiederum vergangenen Winterhalbjahr in Schlüchtern ein Lehrgang r Mädchen (sogenannte Mädchenparallelklasse) eingerichtet, p Lehrgang wurde von 20 Schülerinnen besucht. Der Kreis wellte hierfür die WanderlmuöbaltungSlebrcrm zur Verfügung.

Die Simmentaler Rindvieh-(Fleckvieh)zucht hat sich wei- gut entwickelt. Eine am 18. Juli 1925 in Steinau ab- Galtcne Kreistierschau zeigt ein sehr gutes Bild (siehe Kreis- M Nr. 91/25).

Der Körkommission wurden 78 Jungbullen vorgeführt, ^'gekört wurden 56 Bullen der Simmentaler Rasse.

In sämtlichen Orten erfolgte eine Nachprüfung der Gc- ^einbcs^ucbtbulfen durch die KörungSkommission und den ^zirkü-Tierzuchtinspektor.

Die Ziegenzucht (sjlbcrgrauc Rhönziege) machte weiter Fortschritte. DaS Bockmaterial konnte zum erstenmal eigenen Beständen völlig beschafft werden. Es verblieb '°liw noch ein Ueberstand an guten Jungböcken.

Im südlichen Teil deS Kreises traten größere Verluste 111 Rindvieh, Schafen und Ziegen ein, die auf die durch die

nasse vorjährige Witterung stark verbreitete Leberegelkrank­heit zurückzuführen sind. Den Landwirten mußten Staats­und Kreisbeihilfen zur Ersatzbeschaffung von Tieren und zu Behandlungskosten gewährt werden. Der Bekämpfung der Krankheit wurde größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Das Zusammenlegungöverfahren schreitet günstig vor­wärts. Neu beschlossen wurden die Verkoppelungen in der Stadt Steinau und der Landgemeinde Sterbfritz. Die Zu­sammenlegung der Gemeinde Schwarzenfels ist nahezu be­endet. In der Ausführung begriffen sind die Verkoppelungen in Hütten, Mottgers, Soden, Steinau und Sterbfritz.

Als Sachverständige für die Vieh- und Fleischbeschau waren 55 Fleischbeschauer und 56 Trichinenschauer tätig. Die Ergänzungsschau übten der Kreistierarzt und die übrigen Tier­ärzte aus. Die Kosten tragen die Gemeinden.

VII. Gesundheitswesen.

a) Aerzte: Neben dem beamteten Kreiömedizinalrat Prof. Dr. Kersten in Gelnhausen wohnten und praktizierten folgende Aerzte im Kreise:

1) Dr. med. Freudenthal, Sanitätsrat in Schlüchtern,

2) u. 3) Dr. med. Koch in Sterbfritz, Vater und Sohn, (ersterer inzwischen verstorben),

4) Dr. med. Kraushaar, Sanitätsrat in Salmünster,

5) Dr. med. Richels in Steinau,

6) Dr. med. Salditt, Sanitätsrat in Soden,

7) Dr. med. Stern, Sanitätsrat in Schlüchtern,

8) Dr. med. Boerst in Soden,

9) Dr. med. Element in Schlüchtern,

10. Dr. med. Strube in Uttrichshausen,

11) prakt. Arzt Rühl in Steinau, (inzwischen verzogen)

12) prakt. Arzt Both in Sterbfritz,

13) Dr. med. Pohlmann in Salmünster.

b) Jmpfwescn: Die Jmpfgeschäfte wurden durch die Herren Kreiömedizinalrat a. D. Dr. Cauer in Schlüch­tern, Sanitätsrat Dr. Kraushaar in Salmünster, prakt. Arzt Dr. Strube in Uttrichshausen und prakt Arzt Both in Sterb- fritz auSgeführt.

c) Hebammen: Die Zahl der in 18 Bezirken täti­gen Hebammen betrug 25. Die vorgescbricbenen Hebammen- prüfungen hat der Kreiömedizinalrat abgehalten. Neue Nie- derlassungsgenehmigungen mürben im Berichtsjahre nicht er­teilt.

d) K r a n k e n f ü r s 0 r g e: Die Zahl der Krankenpfle- gestationen hat sich gegen das Vorjahr nicht geändert. Die Stationen Heubach und Altengronau waren am Jahresschlüsse immer noch unbesetzt. Weitere Stationen konnten mögen Schwestermangel leider nicht eingerichtet werden.

VIII. Wohlfahrtsaufgaben.

a) Kriegsbeschädigten- und H i n te rb lieb e - nenfürsorge: Im Berichtsjahr wurden bearbeitet: 54 Anträge auf Rentenerhöhung, 32 Anträge auf Kapitalabfin­dung, 46 Anträge auf Elterngeld, 23 Anträge auf Beamten- schein.

Neuanträge auf Beschädigtenrente wurden nur noch ver­einzelt gestellt. In feste Arbeitsstellen wurden aufgrund dcö R. V. G. und des Schwerbeschädigtengesetzes 7 Schwerbe- scbädigtc untergebracht; 2 Schwerbeschädigte befanden sich in Berufsausbildung, 14 Anträge auf den Beamtenscbcin wur­den bewilligt. Von einem landwirtschaftlichen Betrieb wurde für die Einstellung eines Schwerbeschädigten eine Abfindung von 20 Ztr. Kartoffeln, 5 Ztr. Getreide und Hz Ztr. Hülsen- früchte erreicht; mit einem Arbeitgeber mußte eine gerichtliche Austragung herbeigeführt werden. Die Unterbringung der Schwerbeschädigten stand unter dem Druck der Wirtschafts­krise. An Darlehen und Rentenvorschüsse für Kriegsbeschä­digte unb Kriegshinterbliebene wurden ca. 15 000 Mark ver­ausgabt. Die Arzt- und sonstige Heilbebandlungskosten der Kriegübinterbliebenen wurden ausschließlich aus der bei dem hiesigen Amt bestehenden Krankenkasse (§ 23 des R. V. G.) und aus Mitteln des BezirkSfürlorgeverbandeS in Höbe von 7617,35 Mk. bestritten. An Zusatzrenten für bedürftige Schwerbeschädigte und Kriegsbinterbliebenen wurden über 130 000 Mk. verausgabt. 12 hilfsbedürftigen, aber begabten Kindern wurden allmonatlich zur Durchführung der Berufs­ausbildung Unterstützungen von jährlich 1 500 Mk. gewährt.

b) Allgemeine- und Anstaltsfürsorge: Im Geschäftsjahr 1925/26 wurden unterstützt: 147 hilfsbedürf­tige Personen, die sich in Prkvatpflege befanden, mit 16 440 Mk., 60 in AnstaltSpflege unteraebrachte hilfsbedürftige Kreis- eingesessene mit rund 30 000 Mk.

ES ist ein sozialer Ausschuß von 3 in der Fürsorge er­fahrenen Personen, der jeweils erweitert werden kann, einge­setzt worden, der die UnterstützungSanträge begutachtet.

(Schluß folgt.)

Stabs Schlächtern.

vekanntmaMung

Die Stimmliste über die am 20. Juni 1926 stattfin- dende Abstünmung zur Durchführung des Volksentscheids über die Enteignung der Fürstenvermögen liegt in der Zeit vom

Sonntag, den 6. Juni 1926 bis Sonntag, den 13. Juni 1926 im Rathaus Dienstzimmer des Stadtobersekretärs zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten öffentlich aus und zwar an den Werktagen von vormittags 8l2Uhr und an den beiden Sonntagen von vormittags 1011 Uhr.

Wer die Stimmliste für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist beim Ma­gistrat schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. So­weit die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenkundig ist, hat er für sie Beweismittel beizubringen.

Schlüchtern, den 2. Juni 1926.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Elternbeiratswahl der Stadtschule.

Die vorgeschriebene zweite Elternversammlung findet am nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in Klasse 111 der Stadt­schule statt. Tagesordnung: Bekanntgabe der Satzungen und der Wahlordnung; Wahl des Wahlvorstandes.

Alle Väter und Mütter der die Stadtschule besuchenden Kinder werden zur Teilnahme an dieser letzten Versammlung vor der Wahl hierdurch öffentlich eingeladen. Die Wähler­liste liegt vom 31. Mai bis 13. Juni im Lehrerzimmer zur Einsicht aus. Der Schulleiter: Flemmig.

Landes Renlerei.

Oeffentlichr Mahnung.

Die noch rückständigen Brandsteuer - Umlage - Beiträge müssen innerhalb 8 Tagen entrichtet werden, widrigenfalls zwangsweise Beitreibung erfolgt.

Nach Ablauf obiger Zahlungsfrist werden außerdem die gesetzlichen Zuschläge mit eingezogen.

Schlüchtern, den 2. Juni 1926. LandeS-Renterei.

Was wir schaffen müssen!

Im Verlaufe des Monats Mai ist, wie vor Pfingsten im Reichstage von der Regierung mitgeteilt worden war, eine Milderung der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen gewesen. Diese regere Beschäftigung hat sich wohl auf Arbeiten bezogen, die für den Jnnenmarkt bestimmt waren, denn der Export nach bem Auslande hat bei uns leider nachgelassen. Der Rückgang ist noch nicht so bedeutend, daß er zu ernstlichen Bedenken An­laß geben müßte, immerhin dürfen wir nicht darüber einfach hinweggehen. Für alle Staaten ist die Aufrechterhaltung des Standes des wirtschaftlichen Lebens von höchsten! Wert. Wir Deutschen find mitunter hierüber leichtherziger, iudesieu nicht aber leichtsinniger, fortgezogen als angemessen ist, und es emp­fiehlt sich, die Dinge so ernst zu nehmen, wie sie es wirklich verdienen.

Die Engländer, denen es bei ihrem notorischen Reichtum ziemlich egal sein könnte, ob sie jährlich einige Millionen Pfund Sterling mehr oder memger einnehmen, dürfen uns als ein Beispiel dienen, das zu beachten wir allen Anlaß haben. Die Verhandlungen zwischen den englischen Grubcuverivaltun- gen und ihren Arbeitern sind bekanntlich, auch wenn der Generalstreik abgebrochen ist, noch nicht zu einem Ausgleich über die Lohnhöhe gekommen. Die Londoner Zeitungen geben fortgesetzt ausführliche Darlegungen über den Ausfall an Ein- nahrucn im Kohlenbetrieb und in der damit zusammenhäugeu- den Industrie und bedauern aufrichtig diese Einbußen für das wirsschafiliche Leben. Sie weisen darauf hin, daß die Hoffnun­gen, die die Bergleute auf den Ausstand gesetzt hatten, sich in das Gegenteil Vcrivandclt haben, denn die wirtschaftliche Lage des ganzen britischen Volkes ist in Mitleidenschaft gezogen worden.

Wenn das reiche England sich solchen Dingen hingibt, so hat das verarmte Deutschland erst recht allen Grund, jedem Hinabgleiten auf der schiefen Ebene der Einnahmcscukungcn entgegenzutreten und jedes Mittel aufzubieten, ba« eine Wen- dung zum Besseren herbeizusiihrcn geeignet ist. Seit dem letz- ten Herbst ist von der Reichsregierung betont worden, daß wir die Produktion vermehren und die Preise senken müssen, um die Ausfuhr nach bem Auslande zu steigern. Wir gebraucfym mehr Geld, ganz unbekümmert darum, ob die jetzt wieder be­gonnenen Erörterungen über die zu hohen Dawes-Zahlungen zu einer Revision dieses Vertrages fuhren werden oder nicht, denn wir müssen dem Wettbewerb standhalten, falls wir nicht von der Konkurrenz überrumpelt werden wollen.

Im verflossenen Jahre haben die teueren Lebensmittel- Preise mehrfach eine Agitation für die Arbeitseinstellung zur Folge gehabt, die sich uamcntlich im Baugewerbe geltend machte und ein flottes Fortschreiteu der Wohuungsbauicu hemmte. In diesem Jahre hindert der Mangel an Kapital die Unter- nehmungslust.

Wir müssen eine stärkere Produktion zu schaffen suchen, denn nur diese kanu Verhilligungen herbeiführen, die wiederum die Qia^fragc steigern. Es soll damit nicht gesagt sein, daß wir unsere Produktion verschleudern wollen, aber der inter­nationale Marktpreis ist eine Macht, die nicht ohne tveilereS ansgeschaltct werden kann. Die Ungewißheit, die sich in An- gebot und Nachfrage geltend macht, zeigt uns, unsere Stellung zu wahren, denn sie ist ba8 Fundament für die Zukunft. Was wir bis jetzt geschaffen haben, ist nur ein Anfang.