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Schlüchtemer Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Allyememeo amtlich er AnzeLyev für Kar Kreis Schlüchtem

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Nr 61

Dienstag, den 25. Mai 1926

78. Jahrg.

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Amtliche Betanntmachnngen.

Landratsamt.

J.-Nr. 4787. Ende Mai findet wieder wie im Vorjahre <im gemeindeweise Anbauflächenerhebung statt, und zwar sind mit Genehmigung der Herren Minister des Innern und für t Landwirtschaft, Domänen und Forsten neben den landwirt- chaftlich genutzten Flächen auch die übrigen Bodenbenutzungm wie Forsten und Holzungen, Haus- und Hofräume, Moorflä- chm, sonstiges Oed- und Unland, sowie Wegeland, Gewässer usw., also die Gesamtflächen jeder Ortschaft nachzuweisen. Ferner sollen zusammen mit dieser Erhebung die Besitzflächen md Allmenden, die sich im Eigentum der Gemeinden befin­den, für sich besonders angegeben werden, da hierüber bisher [ nichts Zuverlässiges bekannt ist.

Die Erhebungsformulare werden den Herren Bürgermei­stern und Gutövorstehern in den ersten Tagen zugehen.

Sitte Ausfertigung der Anbauflächenerhebungöliste unb die Nachweisung über den Gemeindeflächenbesitz sind sorgfäl­tig auSgefüllt bis zum 5. Juni ds. Js. hierher einzufenden; die zweite Aufstellung der Anbauflächenerhebungsliste verbleibt bei den Ortsbehörden und ist dort aufzubewahren. DieAn­leitungen" auf der Rückseite der Formulare sind genm zu kochten.

Ueber die Erfahrungen, die bei der Erhebung gemacht worden sind und über erhebliche Aenderungen in den Anbau­flächen der einzelnen Früchte ersuche ich, mir bet" Einsendung des Erhebungöformulars und der Gemeindeflächenbesitznach- Weisung zu berichten.

Die genaue Kenntnis der Anbauflächen der einzelnen Fruchtarten ist für die gesamte deutsche Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Die Erhebung, auch die der nicht landwirt­schaftlichen Flächen, ist daher eingehend und sorgfältig vorzu- iichmcn. Vor allem sind folgende Richtlinien zu beachten: Zu kleineren Gemeinden wird es sich empfehlen, die erforder­liche Auskunft von den Betriebsinhabern selbst ernzuholen, in größeren Gemeinden wird neben der Einzelbefragung der größeren Besitzer die Schätzung durch feld- und ortskundige Sachverständige das Gegebene sein. Zur Vermeidung von Stö­rungen und Widerständen gegen die Erhebung sind die Land­wirte darüber aufzuklären, daß die Flächenangaben der einzel­nen, Gemeinden vom Statistischen Landesamt auf keinen Fall zum Zwecke von Steuerveranlagungen usw. preisgegeben wer­den, wie es vielfach noch irrigerweise in landwirtschaftlichen Kreisen angenommen ist. Sämtliche Flächeirangaben der ein­zelnen Ortschaften werden nur zur Zusammenstellung von Kreisergebnissen benutzt.

Schlüchtem, den 24. Mai 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 4866. Der Herr Medizinalrat (Kreisarzt) tvird am Dienstag, den T. Juni ds. Js. von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause Sprechstunden halten.

Schlüchtern, den 20. Mai 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Der Saatenstand Anfang Mai.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Schlüchtern. Begutachtungszlffern (Noten): 1 sehr gut, 2 = gut, 3 = mitte!

(durchschnittlich), 4 gering, 5 = sehr gering.

Fruchtarten usw.

Durchschmtls- noten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern deS Streifes abgegebenen Noten

Staat

StiegS.« Bezirk

1

12

2

28

3

3-4 4

4-6

5

Wintcnvciien

2,8

2,7

1

1

1

ÖintcvfDetj (Sinnet), mir B-lmisLg.

"«tone« od. Weizen

3,0

®intervoggen

3,0

3,0

3

Wintergerste

2,8

2,7

2

1

®«n<ennc nu8 Äin- »getreibe

3,1

2,9

Wlntetrogs und

2,9

2,8

1

1

1

auch mit Bei v.tMfcrn

3,2

3,0

1

2

Luzerne

2,9

2,9

1

2

§Mcn 111. Bc- ober yiuiudncningtiaiila' (Nieselwiesen)

2,7

2,6

1

Wert Wiesen

2,9

2,8

2

1

Der Präsident des

Statistischen

Landetzamts.

Preußischen

Dr. Gaenger.

ztreisausschuh.

Durchschnittspreise für Häute

"ach dem Bericht des Wirtschaftsverbandes deutscher Ab- dcckcreiuntcrnehmer in Hamburg für April 1926.

Roßhäute 220/ Ctm. . .

200/219 n

- /i99 -

Fohlenfelle...... Rindhäute...... Frefserfelle...... Kalbfelle ...... Schaf- und Lammfelle . . Ziegenfelle, getrocknete . . Zickelfelle, getrocknete . . (A III. 1577.) Cassel, am 11. Mai 1926.

. R.-M. 14, pro Stck. 10,50

7, ,

4,35 -

,32 pro Pfd.

»,4o , ,

52

,32 »

2, pro Stck.

-,35 - .

Regierunge-Präsident.

J.-Nr. 2883 K.-A. Wird veröffentlicht.

Schlächtern, den 21. Mai 1926.

Der Vorsitzende des Kreiö-Ausschuffes.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung

Der Entwurf einer Ordnung, betreffend die Vergnügungs­steuer im Bezirke der Stadtgemeinde Steinau, Kr. Schlüchtern, vom 18. Mai 1926 liegt von: 22. ds. Mts. ab im Zimmer Nr. 3 des Rathauses zur öffentlichen Kenntnis offen. Gemäß § 13 der Städle-Ordnung für die Provinz «Hessen-Nassau vom 4. August 1897 steht es jedem Bürger frei, innerhalb der nächsten 2 Wochen, vom Tage der Offenlegung an gerechnet, bei dem Magistrate Einwendungen zu erheben.

Steinau (Kr. Schlüchtem), den 21. Mai 1926.

Der Magistrat. Dr. Hausmann.

Gefunden 1 schwarzer Schah Steinau (Kr. Schlüchtern), den 22. Mal 1926.

Die Polizeiverwaltung. Dr. Hausmann.

Stresemann über die Ratssrage.

Die letzten Hemmungen binnen kurzem über wunden."

Reichsaußenminister Dr. Stresemann veröffentlicht in denKulturbeiträgen" einen politischen Pfingst- artikel, der sich vornehmlich mit der Ratsfrage be­faßt. Der Minister betonte, daß auf der Genfer März­tagung nur ein scheinbarer Stillstand eingetreten war.

So ist man fuhr Dr. Stresemann fort an der gleichen Stelle schon im Mai zu einer Ueberein­stimmung der Gedanken gekommen, die hoffen läßt, daß auch die letzten Hemmungen binnen kurzem über­wunden sein werden. Insbesondere hat die klare und anfrichtige Haltnng der deutschen Regierung, die in diesem Punkt von seltener Einmütigkeit in Parlament und Ocffentlichkeit gestützt war, gerade diejenigen Mächte, die in der Ratsfrage ursprünglich in einem Interessengegensatz zu Deutschland zu stehen geglaubt hatten, davon überzeugt, daß Deutschland den größten Wert darauf legt, Seite an Seite mit ihnen an dem Ausbau der Völkergemeinschaft zu arbeiten. Darüber hinaus hat die Maitagung der Stndienkommission in glücklicher Weise die Befürchtung widerlegt, daß Deutschlands Bestreben, seine Politik loyaler Zusam­menarbeit nicht nach irgendwelcher Seite z» begrenzen, die Genfer Einmütigkeit stören könnte. Damit ist auch dem stärksten Zweifler der Beweis geliefert, daß kein Mißdeutungsversuch den klaren Sinn des Berliner Ver­trages entstellen kann, der bestimmt ist, ein wichtigstes Glied zu bilde« in der Reihe der Maßnahmen zur friedlichen Verständigung aller Völker."

Zum Flaggen streit führte der Minister aus Es hieße an der weltpolitischen Befähigung der Ration zu verzweifeln, wollte man öfe Hoffnung aus eine Lösung dieser Symbolfrage aufgeben, eine Lösung im Geiste der Verständigung und auf dem Boden der Verfassung, wie sie der Reichspräsident in seiner Bot- schaft in so klaren Worten als Ziel vorgezeichnet hat.

DieRoten Pfingsten" in Berlin.

Berlin, 25. Mai. Dank den umfassenden Siche­rungsmaßnahmen der Berliner Schutzpolizei ist es am ersten Tage des Roten Frontkämpfertages zu Störun­gen bemerkenswerter Art nicht gekommen. An der Hauptkundgebung der Kommunisten am Nachmittag nahmen etwa 25 000 Personen teil, davon auch zahl­reiche Teilnehmer von auswärts.

Die Massencinffchr französischen Gemüses.

Berlin, 25. Mai. Den Ausschreibungen imRcichs- sinanzministerium zufolge ist das im Zusatzabkommen Dom 8. April 1920 zum deutsch-französischen Handels­abkommen vom 12. Februar 1926 vorgesehene weitere Zollkontingent von 27 000 dz. für frische Küchenge- mädjfe der Tarifnummer 33 durch die Einfuhr bis zum 20. Mai 1926 in Höhe von 18 300 dz., also fast von 70 Prozent in Anspruch genommen.

Spanien ratifiziert den Handelsvertrag.

Berlin, 24. Mai. Wie aus Madrid gemeldet wird, hat der fpanifdjc WirtschaftSrat einstimmig den dentsch-st'anischen .Handelsvertrag ratifiziert, nachdem der Reichstag noch vor den Pfingstferien den Vertrag angenommen hat.

Sie Heerschau der Stahlhelms.

Gewaltiger Besuch der Düsseldorfer Ta­gung.

Unter riesiger Beteiligung aus allen Teilen des Reiches ging in Düsseldorf am ersten Pfingstfeier- tage der siebente deutsche Frontsoldaten­tag von statten.

Schon am Pfingstsonnabend abends wimmelte es von Teilnehmern in den außerordentlich farbenfroh geschmückten Straßen der Stadt. Ein Menschengewoge, wie es Düsseldorf seit langem nicht mehr zu verzeich­nen hatte. Aus vielen einzelnen Gruppen marschier­ten die Abteilungen zum Sammelplatz zum großen Zapfenstreich, der annähernd 50 000 Mann ver­einigte. Vor dem Bundesführer und den Ehrengästen spielten sämtliche Kapellen den großen Zapfenstreich.

Später fanden in drei großen Sälen Düsseldorfs Begrüßungsabende statt, auf denen Bundes­führer Seldte-Magdeburg die Gäste und Kamera­den begrüßte und den Dank an die Stadt, die Regierung sowie an die Gauleitung und Ortsgruppe Düsseldorf für die glänzende Vorbereitung zum Ausdruck brächte.

Die deutschen Frontsoldaten komme«, so betonte er, nicht als Romaniker an den Rhein. Sie haben in den vier Jahren des Krieges klarer sehen gelernt und Seele und Augen geschärft. Sie sehen den Rhein nicht als Grenze Deutschlands, sondern als deutschen Strom. Das soll er auch bleiben. Nach dem Ab­singen des Deutschlandliedes schloß der Redner mit einem Heil auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen des deutschen Vaterlandes und des Frontsoldaten» bunves.

Ein überwältigendes Bild bot am Pfingst- sonntag der ungeheure Vorbeimarsch der Teilnehmer an dem Bundespräsidenten, dessen Beteiligungsziffer mit 100 000 nicht zu hoch ge­griffen ist. Im Zuge, dessen Vorbeimarsch volle drei Stunden währte, bemerkte man rund 2500 Fah­nen. Den Besuchern des Frontsoldatentages wird dieser Zug, der den Höhepunkt der DLsscldcrf.r Tagung darstellte, für alle Zeiten unvergeßlich blei­ben. Desgleichen auch die überaus begeisterte Anteilnahme der Stadt Düsseldorf, deren Bevölkerung nichts versäumt hatte, in weitestem Maße Herzlichkeit und Gastfreundschaft zu bezeugen.

Die Düsseldorfer Tagung hat einen in jeder Weise würdigen, besonnenen und ruhigen Verlauf genommen, sodaß es nirgendswo zu Zwischenfällen oder Störun­gen kam. Am Pfingstmontag folgte dann eine zweite, gleichfalls gewaltige Stahlhelmheerschau in der rheinischen Metropole Köln, wo den Besuchern ebenso ein sehr würdiger Empfang bereitet wurde.

Pilsuvski gibt nach.

Warschau, 25. Mai. Einer Meldung der Militär­zeitung ^Polska Zbrojda" zufolge hat Pilsudski den Wünschen und dem Drängen breiter Massen nachge­geben und sich bereit erklärt, daß man seine Kandi­datur zum Staatspräsidenten aufstellt.

Schweres Eisenbahnunglück in München.

Viele Tote und Verwundete.

Auf dem Münchener Ostbahnhof fuhr Pfingstmontag abend ein Zug auf einen dort haltenden Personenzug auf, sodaß mehrere Wagen des letzteren zertrümmert wurden. Bis­her wurden 24 Tote festgestellt und 60 bis 70 Schwerverletzte sowie eine größere Anzahl Leichtverletzter geborgen. Die Un- glücköstättc bietet einen entsetzlichen Anblick, da die Verletzten und Toten zum Teil aus den Wagen herausgehauen, teilweise auch durch Schmeißapparate aus ihrer Lage befreit werden müssen. Genaue Zahlen lassen sich erst nach Beendigung der Aerfräumungsarbeiten angeben. Wie noch der LandeSdienst des Süddeutschen Korrespondenzbüros erfährt, handelt es Heb bet dem Unglück um den Personenzug 814 (Salzburg-München) und den Personenzug 820 (BerchteSgaden-München), wobei Personenzug 814 auf letzteren von hinten auffuhr. SanirälS- mannfchaften und Eisenbahner sind an der UnglückSstelle mit den schwierigen Aufräumungsarbeiten beschäftigt.

Abd el Krim soll ein Schreiben an den Gcncralgouvcr- neur von Marokko gerichtet haben, in dein er seine Unterwerk fung und die Annahme der von Frankreich und Spanien ge­stellten Bedingungen angeboten hat.

Während eines UebungöflugeS stießen zwei Armceflug- zeuge bei Nara zusammen. Ein Flugzeug verbrannte, das an­dere brach entzwei. Beide Flieger wurden getötet.

Am Pfingstmontag spielten in Berlin mehrere Kinder in einem herrenlosen Kahn auf der Dahme. Das Boot ken­terte. Zwei 13iährtgc Schüler ertranken, während die anderen Kinder gerettet werden konnten.