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Schlüchtmur Zeitung

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bnukunb Verlag: tz.Steiafeld Söhne * SesthästsfkVahnhofstr.ö * Jernspv'.Nr.^ * Postschecks: PxinksuvtaM.rLryo

Nr. 3S (1. Blatt)Samstag, den 3. April 1926 78. Aahrg.

Ostern 1926.

Es ist Frühling, es ist Ostern geworden. Die goldene Sonne lacht vom blauen Himmel, sie färbt die blassen Menschengesichler, sie läßt die ersten Lenzesblumen sprießen und die jungen Blätter Hoffnungsgrün schimmern. Das Jubellied der gefiederten Frühlingssänger schmettert durch die milden Lüfte, durch Wald und Feld und über die Auen und kündet Auferstehung und Leben. Uns Menschen aber ist das Herz leichter geworden, es ist, als sei uns eine Last genommen. Die Erinnerung des Osterfestes an die Auf­erstehung des Heilandes aus dem Grabe bedeutet eine frohe Botschaft für alles, was sterblich ist, und sie wirkt auch heute als ein Trost für die Millionen und aber Millionen von Menschen unserer Erde, die nach Jahrzehnten der Freude und der Sorgen wieder von ihr scheiden müssen. Die Auf­erstehung und ein neues Leben winkt ihnen allen!

An Blumen fehlts noch im weiten Revier, man nimmt geputzte Menschen dafür!", so heißt es im Osterspaziergang, aber diese Worte Goethes treffen in diesem Jahre nicht zu. Die ersten Frühlingsblüten sind in Wald und Wiesen und Gärten schon reichlich vertreten und das junge, frische Lenzes­grün schlingt sich wie ein Kranz um Ostern. Das erfüllt uns mit besonderer Freude, denn nach den sehr milden Winter­monaten des Vorjahres war die Besorgnis groß, daß sie 926 doppelt nachholen würden, was sie 1925 versäumt hatten.

Wir hatten eine Verringerung der Verdienstgelegen- eüen, die Zahl der Erwerbslosen war gestiegen und zugleich alten sich die Kosten des Haushalts erhöht. Wenn dazu noch itr Monate Frost und Schnee gekommen wären, diese Härten es Winters wären schmerzlich gefühlt worden. Dankbar empfinden wir es, daß alles besser geworden ist, als wir es befürchtet hatten. Jetzt zu Ostern fühlen wir es, daß es besser u werden beginnt, daß wir froher der Zukunft entgegensehen ürfen. Die Arbeitslust wächst, je mehr wir den Erfela »iferer Tätigkeit erwarten dürfen, und da meldet sich auch er ideale Aufschwung von Geist und Seele, ohne den alles örperliche Schaffen nur halb ist.

Das Osterfest erscheint uns verheißungsvoll in diesem fahr, nachdem es wiederholt Enttäuschungen gebracht hatte. Her das darf uns nicht mutlos machen; was Schwierigkeiten n sich birgt, das kann nur mit Zähigkeit und Stetigkeit erworben werden. Wenn die Natur sich im Frühling erneut, e kommt diese Verjüngung nicht von selbst, sondern sie stellt >en Sieg der Kraft der Mutter Erde über alle feindlichen Gewalten dar. Schon lange, bevor wir es sehen, ringt sich >rs Leben in der Natur zum Lichte empor, bis es trium­phierend der Sonne zulacht und sein Dasein kündet. So muß es auch bei uns, bei dem ganzen deutschen Volke werden, ton der Kern gesunden Lebens, der in unserem Stamm heckt, ist nicht zu zerstören und wird sich wieder zum neuen Werden aufschwingen. Was wir von der Einigkeit innerhalb der deutschen Nation erhoffen, das wird, so denken wir, auch der Gesamtheit aller Völker früher oder später beschert sein, toe Annäherung und eine Versöhnung zum Zwecke und im Dienste des Völkerfriedens. Schon für die Ostern ist mancherlei erwartet, was aber noch ausblieb. Auch hier h^ißt es, gut Ding will gute Weile haben. Einmal wird der Bölkerfrühling doch kommen, beim die Seligkeit der Oster- fe gilt allen Ländern für alle Zeiten.

Das Veto Brasiliens.

Weitere Erklärungen Chamberlains.

Die Erklärungen Chamberlains vor dein Völkerbunds- Muß im Unterhaus werden jetzt imEvening Standard" M weiter ergänzt. Nach den Ausführungen des Blattes Hai ^aniberlain mitgeteilt, daß a u ch Frankreich ebenso mrke Vorstellungen gegen die Haltung Brasiliens ? VölkerbundSfragc erhoben habe wie England. Die Witung Brasiliens lasse sich durch die Lage des brasilianischen E<><itspräsidenten in Anbetracht einer Neuwahl erklären. Autschlaud habe, so sagt derEvening Standard" von der Mißleit des brasilianischen Vetos vorher Kenntnis gehabt, N wäre die deutsche Politik durch eine zu optimistische Ein- der Macht Frankreichs und Englands verleitet wor- die Schwierigkeiten zu unterschätzcu. Wie derManchester uardian" berichtet, ist auch die Frage der Rolle des iatitan6 bei der -Haltung Brasiliens zur Sprache " Junten. Chamberlain habe irgendeine Mitwirkung Kulanz ausdrücklich dementiert.

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itwirkung des

» D Großer Waffen- und Munitionssund in Dublin. In lohn wurde in einem in einer belebten Straße gelegenen das größte Lager mit Kriegsmunition entdeckt, das !Malz in Dublin gefunden wurde. Es enthielt 18 Kisten mit Pfaffe«, 300 Granaten, 10 000 Zünder, viele Revolver /Patronen sowie Werkzeug für die Herstellung von Munition.

Wichtige Beschlüsse des Aeichsrats.

Genehmigung des Steuerkompromisses.

In der letzten Sitzung des Reichsrates vor Ostern erklärte sich der Reichsrat mit den Beschlüssen des Reichstages zum Steuermilderungsgesetz einverstanden. Die Vertreter Thü­ringens und Badens erklärten, daß sie sich bei Vornahme einer namentlichen Abstimmung der Stimmabgabe enthalten haben würden. Dann beschäftigte sich der Reichsrat mit den Be­schlüssen des Reichstages zum Etat für 1926. Der Bericht­erstatter wies darauf hin, daß der Reichstag entgegen den von der Reichsregierung und dem Reichsrat aufgestellten Grund­sätzen Neueinstellungen von planmäßigen Beamten und Höher­stufungen vorgenommen habe. Dieses Vorgehen des Reichs­tages sei an sich sehr unerwünscht und für die meisten Länder überaus mißlich. Im Hinblick auf die rechtzeitige Verabschie­dung des Etats soll aber von einem Einspruch abgesehen werden.

Der Reichsrat genehmigte darauf den Etat nach den Beschlüssen des Reichstages und strich im wesentlichen nur die eine Million Mark, die im Etat des Innenministeriums zur Unterstützung kultureller und gemeinnütziger Bereinigungen, insbesondere kirchlicher Bereinigungen, eingesetzt worden waren. Zu der vom Reichsrat beim Etat des Ernährungs­ministeriums genehmigten Position von 30 Millionen Mark zur Stabilisierung der Roggenpreise gab der Vertreter Preu­ßens eine Erklärung ab, in der bezweifelt wird, daß der Zweck dieser Kreditgewährung, nämlich eine gewisse Stetigkeit der Roggenpreise zu sichern, erreicht werden könne. Das vor­gelegte Material der Reichsregierung biete nicht die Sicherheit, daß die neue Gesellschaft auch im Interesse der Allgemeinheit handele.

Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Regierungen der Länder noch Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber der Zusammensetzung dieser Gesellschaft erhalten. Dieser Er­klärung schlössen sich mehrere andere Länder, darunter Sachsen, Baden, Bremen und Hamburg an. Im übrigen wurde kein Einspruch erhoben. Auf Antrag der Ausschüsse wurde aber be­schlossen, gegen den vom Reichstag gleichfalls. in seiner letzten Sitzung angenommen, n Gesetzentwurf zur Aenderung des Finanzausgleiches Einspruch zu erheben. Mit den übrigen Be­schlüssen des Reichstages, dem Gesetzentwurf über die Wirt- schafts-Enquete, der Aufhebung des Staatsgerichtshofes usw. erklärte sich der Reichsrat einverstanden.

KeulsHland und der Völkerbund

Zu den Beschlüssen des Reichskabinetts.

Zu der Stellungnahme des Reichskabinetts zu der an Deutschland ergangeucn Einladung, an den Beratungen der Kommission für die Erörterung der Ratsfrage teilzunehmen, verlautet offiziös noch folgendes:

Der Beschluß des Kabinetts ist dahin zu verstehen, daß die deutsche Regierung bereit ist, die Einladung zur Teilnahme an den Arbeiten der Studienkommission anzunehmen. Dieser Beschluß liegt durchaus int Sinne der deutschen Außenpolitik. Bei der Stellungnahme zu der Einladung war zunächst zu be­rücksichtigen, daß die Anregung zur Einsetzung der Kommission von Deutschland ausgegangen ist. Ferner fiel ins Gewicht, daß in der in Genf veröffentlichten Kundgebung der Locarno- mächte die Aufrechterhaltung und die Fortentwicklung der Locarnopolitik als notwendig bezeichnet worden ist.

Es kann hinzugefügt werden, daß von französischer Seite inzwischen Mitteilungen erfolgt sind, die darauf schließen lassen, daß man in Paris das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland so auffaßt, als ob Deutschland tatsäch­lich schon in den Völkerbund a u f g e n o o m m c n worden sei. Es handelt sich dabei nicht nur um Worte, sondern man wird auch damit rechnen können, daß die Abwicklung der Fragen, so z. B. auch die Verhandlungen über die Lnfifahrt, vor einem befriebigenben Abschluß stehen. Auf jeden Fall ent­sprechen die Beziehungen zwischen den Locarnomächten voll­ständig der Kundgebung, zu der sich die Vertreter dieser Mächte in Genf bekannt haben. Wer als Vertreter in die Studien­kommission von deutscher Seite entsandt wird, und in welcher Form Deutschland teilnimmt, ist noch nicht bestimmt worden. Die Entschließungsfreiheit Deutschlands durch die Teilnahme, an den Arbeiten der Kommission wird in keiner Weise bccin" trächtigt, und Deutschland behält nach wie vor freie Hand, seinen Eintritt in den Völkerbund zurückzuziehen, wenn die Verhandlungen sich in einer Richtung entwickeln, in der Deutschland nicht folgen kann.

Die deutschen Jndustrieobligationcn. Die Bank für deutsche Jndustrieobligationcn hat für 62!- Millionen Gold- mark gemäß den Bestimmungen des Jndustriebelastungs- gesetzes auf das Reichsbankkonto des Generalagenten für die Reparationszahlungen für Rechnung des Treuhänders für deutsche Jndustrieobligationcn übcrwicsen. Dieser Betrag stellt die erste Hälfte der für daS zweite Reparationsjahr vorgesehe- neu Jahreszinsleistung von 2% Prozent auf die Fünf-Mil- liarden-Bclastung der deutschen Industrie dar, die dem Treu­händer seinerzeit in Form von JndustriebondL und veräußcr- lichen Obligationen übergeben worden ist. Mit dieser Zahlung sind trotz der schwierigen Lage der deutschen Wirtschaft die zum 1. April 1926 aus der Jndustriebclastnng sich ergebenden Ber- pflichtuugeu frist- und ordnungsgemäß erfüllt worden.

Sie Anschlußfrage.

Der dreitägige Besuch des österreichischen Bundeskanzlers in Berlin hat auch die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt. Besonders die englische Presse greift die Frage auf. Besonders interessant ist dabei ein Leitartikel derTimes", der offenbar amtlich beeinflußt ist.

Das Blatt schreibt, in Deutschland, wie in der Tschecho- flowakei hätte die Reise des österreichischen Bundeskanzlers den Erfolg gehabt, sehr wichtige Verhandlungen in die Weg« zu leiten, die für Oesterreich wegen des Absatzes seiner Erzeug­nisse von außerordentlicher Bedeutung seien. Es sei kein Zweifel, daß Oesterreichs Lage schwierig sei. Das kleine Land könne eine für ein großes Land gedachte Hauptstadt nicht er­halten, aber es geä keine Möglichkeit, die Entwicklung der Dinge umzukehren. Fortschritt und das Vertrauen in Mittel­europa könnten nicht wieder hergestellt werden, ohne daß die österreichischen Nachfolgestaaten sich endlich des gegenseitigen Mißtrauens entwöhnten.

DieTimes" wendet sich dann der Anschlußfrage zu. Die Hauptschwierigkeiten Oesterreichs, so sagt dieTimes", seien durch die hohen Zolltarife der Nachbarstaaten hervor- gerufen. Jedesmal wenn die österreichische Wirtschaft wegen der Undurchdringlichkeit der Tarifmauern notleide, würde der Anschlußgedanke populär. Es wäre gut, sagt das Blatt, wenn dieser Gedanke fallen gelassen würde, wie überhaupt die Hoff­nungen auf Grenzänderungen in Zentraleuropa, da durch den Anschlußgedanken weiter nichts entstände als allgemeine Un­ruhe. So lange aber Oesterreich sich wirtschaftlich unsicher fühle, müsse die Versuchung bestehen bleiben mit diesem Ge­danken zu spielen. An Berliner Stelle betonte man die wirt­schaftlichen Ergebnisse der Berliner Reise Rameks, ober man betrachte diese Verhandlungen als die wirtschaftliche Vorberei­tung einer künftigen politischen Einigung. Das Blatt glaubt aber doch, daß es Ramek bei seinem Berliner Besuch hauptsäch­lich auf die Sicherung besserer Absatzmöglichkeiten für Oester­reich angekommen sei und kommt zu dem Schluß, daß, wenn sich dies erreichen ließe, eine der größten politischen Sorgen be- :;f "t sei.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

; Der Kampf um die Rückgabe.

Die amerikanischen amtlichen Kreise betonen, daß Coolidge möglicherweise sein Veto einlegen würde, falls der neue Plan über die Zurückgabe des deutschen Eigentums nicht ohne Ab­änderung angenommen würde.

Man erwartet, daß gegen den Plan scharf opponiert werden wird. Man befürchtet besonders, daß Borah gegen den Plan Stellung nehmen könnte mit der Begründung, daß er praktisch eine Beschlagnahme des deutschen Eigentums dar- stellc, daß eine solche aber im Widerspruch zu dem amerikani­schen Prinzip stünde, daß das Privateigentum unantastbar sei.

Möglicherlveise ivird die Beratung der Angelegenheit im Senat bis zum Herbst verschoben werden. In diesem Falle bürste die Annahme der Vorlage zweifelhaft sein, da nach den Wahlen die Opposition gegen den Plan zu stark werden könnte. Deutschland ist bei den Beratungen, die zu dem Zustande­kommen des Planes führten, amtlich nicht vertreten gewesen. Ein deutscher Generalkonsul hat nur als Privatperson daran teilgenommen und die Belange der interessierten deutschen Kreise vertreten.

Nach Meldungen aus Berlin hat die Stempelvereinigung der Berliner Banken gemeinsam mit den entsprechenden Bank­vereinigungen im Reiche die Haben-Zinsen für Geld von 15 Tagen bis zu einem Monat von 5h auf 5 Prozent herabgesetzt,

_ . Sieg des Kabinetts Briand in der Kammer.

Paris, 2. April. Die Entscheidung über die Finanz- vorlage fiel gestern erst in den späten Morgenstunden. Ein Antrag auf Abtrennung der Erhöhung der Umsatzsteuer wurde mit 227 gegen 103 Stimmen abgelehnt. Die Regierung stellte hierbei die Vertrauensfrage. Gegen die Regierung stimmten etwa 50 Abgeordnete der Rechten, die Kommunisten, sowie etwa 25 Sozialisten. Vor der Absttmmung erklärten die Sozm- listen durch Vincent Auriol und Löon Blum, daß sie sich der Stimme enthalten würden. Dasselbe erklärte auch der Dele­gierte des Nationalen Blockes. Der Finanzminister ermähnte vor der Abstimmung noch einmal die Kammer, ihre nationale Pflicht zu erfüllen. Großes Aufsehen erregte eine Erklärung Tardieus, er werde, trotzdem er ein Gegner der Regierung sei, für die Regierung stimmen, um der allgemeinen Verwirrung endlich ein Ende zu machen. Damit hat die Abstimmung über die Finanzvorlage mit einem großen Sieg der Regierung ge­endet, den man nach dem bisherigen Verlauf der Dinge nicht erwarten durfte.

-k Kredite der Preußischen Staatsbank. Das preußische Staatslumistcrium Hat beschlossen, daß Kredite der Preußischen Staatsbank nur solchen Unternehmungen gewährt lverden, deren Verpflichtungen vom Freistaat Preußen oder vom Deut­schen Reich garantiert sind. Ferner müssen Preußen oder das Deutsche Reich an bett Unternehmungen, denen Kredite ge­währt werden, mit Kapital beteiligt sein, und zwar sollen ent­weder Preußen oder das Deutsche Reich den maßgebenden E-n- fluß auf die betreffenden Unternehmen ausüben. Vorüber­gehend dürfen Kasfeubestände bei ersten Banken angelegt we» gehend dürfen Bestände bei ersten Banken angelegt werden.