Einzelbild herunterladen
 

Schlüchtemer Zeitung kreis-KmtMatt * Myememer amtlich erKnzeLtztr für den Kreis Schtüchtem Lruikunö Verlag: H.Steiafckb Söhne* «esthöst»si:Vahrchofstr.6 * fevntz»:Vv.l»y * pvstfchelKwsrankstwtirNr.rrryo

Rr. S Donnerstag, den 21. Januar 19X6 78. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschutz.

Betr. Anträge auf Gewährung des Auslosungs- rechts der Reichsanleihen.

Bei der Entgegennahme von Anträgen auf Gewährung der Vorzugsrente habe ich festgestellt, daß viele Antragösteller noch nicht das Auslosungsrecht ihrer Anleihen beantragt hatten, und daß in dieser Beziehung noch Unklarheit herrscht. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß der Termin zur Gewährung des AuslosungSrechtS mit dem 28. Februar 1926 abläuft. Eine Hinausschiebung ist keines­falls zu erwarten. Die betr. Anträge müssen bei der Bank oder Kasse gestellt werden, bei der die Wertpapiere 1920 in Depot gegeben wurden. Diese stellt alsdann eine Bescheini­gung über den Altanleihebesitz aus und auf Grund dieser Bescbeinigung können die Altanleihebesitzer, die im Sinne des Anleihcablösungsgesetzes hilfsbedürftig sind, Anträge auf Gewährung der Voizugsrente stellen.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister die Altanleihebe­sitzer, besonders aber die Vormünder in dieser Angelegenheit aufzuklären.

Schlächtern, den 18. Januar 1926.

Der Vorsitzende deS Kreiswohlfahrtsamtö.

Stadt Schlüchtern.

Wekanntmach««g. Ausschreibung.

Die Verputzarbeiten (: Innenputz:) und die Jnstallations« arbeiten der elektrischen Lichtanlagen in den zwei städtischen Neubauten sollen vergeben werden.

Schriftliche Angebote sind in verschlossenen Briefum­schlägen mit der AufschriftSubmission" bis spätestens Dienstag, den 1. Februar 1926, vormittags 10 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen.

Die Oeffnung der Angebote geschieht in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.

Zeichnungen und Bedingungen können daselbst eingesehen und die Angebotsformulare gegen Erstattung von 2,00 Mark Schreibgebühr für je ein Los in Empfang genommen werden.

Die Zuschlagserteilung bleibt Vorbehalten.

Schlüchtern, den 19. Januar 1926.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Auf die in Nr. 7 der Schlüchterner Zeitung vom 16. Januar 1926 veröffentlichte Verfügung des Herrn Landratö vom 8. Januar 1926 Nr. 51 B betr. Baustoffe zum Schornsteinbau wird hierdurch nochmals besonders hingewiesen.

Schlüchtern, den 18. Januar 1926.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Das Kabinktt der Mitie Brettl

Die neue Ministerliste.

Berlin, 20. 1. Nachdem die Besprechungen zwischen Dr. Luther und den Parteiführern im Reichstag fortgesetzt wurden, ist in der Bildung des Kabinetts eine Einigung zustande gekommen, sodaß folgende neue Ministerliste genannt werden kann:

Die Liste lautet wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört folgendermaßen:

Reichskanzler: Dr. Luther

Reichsaußenminister: Dr. Stresemann (D. Vp.)

Reichsminister des Innern: Dr. Külz (Dem.)

Reichsfinanzminister: Dr. Reinhold (Dem.)

Reichsarbeitöminister: Dr. Brauns (Ztr.)

Reichsjustizminister: Dr. Marx (Ztr.)

Reichswehrminister: Dr. Geßler (Dem.)

Reichspostminister: Stingl (Bayer. Vp.)

Reichsverkehrominister: Dr. Krohne (D. Vp.).

Das Ernährungsministerium ist zur Zeit noch nicht be­setzt. Es wird wahrscheinlich durch einen dem Zentrum nahestehenden Politiker besetzt werden. Falls eine Besetzung jetzt noch nicht erreicht werden sollte, so wird der Reichs­kanzler selbst das Ministerium verwalten. Das Ministerium für die besetzten Gebiete bleibt zunächst unbesetzt, wird aber profisorisch von Dr. Marx verwaltet werden.

Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungs­verleger weiter hört, ist die Deutsche Volkspartei mit der Liste einverstanden. Das Zentrum ist ebenfalls grundsätzlich einverstanden. Dr. Marx wird dein Reichspräsidenten bis heute abend 8 Uhr davon Mitteilung machen.

Die Zustimmung der Parteien.

Berlin, 20. 1. (WTB.) Außer dem Zentrum und der Deutschen Volkspartei stimmte auch die Bayrische Volks« Partei nach kurzer Beratung der Fraktion der vom Reichs­kanzler Dr. Luther vorgeschlagenen Liste zu. Die Sitzung der Demokraten dauert noch an.

Dr. Koch verzichtet.

Berlin, 19. 1. Wie das Nachrichtenbüro der Deut­schen Zeitungsverleger hört, hat der Führer der Demokraten Koch für seine Person auf einen Ministersitz verzichtet, wo­für ihm der Reichspräsident besonderen Dank aussprach. Es ist nunmehr beabsichtigt, dem demokratischen Abg. Külz das Reichsinnenministerium zu übertragen.

** Um die Abfindung der Fürsten. Dieser Tage über­reichten ^ertreter der deutschen Liga für Menschenrechte, der Kommunistischen Partei Deutschlands und anderer Verbände dem Innenministerium den Zulassungsantrag auf Einleitung des Volksbegehrens für völlige Enteignung der Fürsten und legten einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Gleichzeitig Übergaben sie dem Ministerium die beglaubigten Unterschriften von über 9000 Wahlberechtigten aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Weitere Listen mit über 20 000 Unterschriften liegen zur Bestätigung dem Wahlamt in Neukölln noch vor.

^ Reichsbeamtentagung der Deutschen Volkspartei. Im Preußischen Landtag begann die Reichsbeamtentagung der Deutschen Volkspartei. Der Vorsitzende des Reichsbeamten- ausschusses der D. V. P., Abg. Meher-Herford, hieß die Ver- sammelten willkommen. Im Namen der Parteileitung sprach Reichstagsabgeordneter Staatssekretär z. D. Kempkes be­grüßende Worte. Als erster Referent sprach Reichstagsabge­ordneter Morath über Besoldungsfragen. Minister Dr. Strese- man» sprach in längeren oft von stürmischem Beifall unter­brochenen Ausführungen über die außen- und innerpolitische Lage. Regierungsrat Schmid-Stettin sprach über Liberalis- rnuS und Demokratie.

*< König Georg über die Lage in Griechenland. Dem Korrespondenten eines italienischen Blattes erklärte König Georg von Griechenland, daß die Verhältnisse in Griechenland nach wie vor anormal seien. Nur ein Volksentscheid könnte Wandel schaffen. Auf eine Frage des Korrespondenten, weshalb er nicht seine Abdankung ausgesprochen habe, erklärte Konig Georg, daß er das getan haben würde, wenn er davon überzeugt gewesen wäre, daß die Griechen in ihrer Mehrheit in der Tat die konstitutionelle Monarchie verwerfen und ihn als König ablehnen.

*« Französische Truppenverstärkungen in Syrien. Nach einer vomNew Dork Herald" wiedergegebenen Meldung aus Kairo werden demnächst in Beirut französische Truppen­verstärkungen in Höhe von 17 000 Mann aus Toulouse er- wartet. Die französische Regierung habe auf Verlangen des Oberkommissars de Jouvenel beschlossen, die Stärke der fran­zösischen Truppen in Syrien auf 100 000 Mann zu bringen. Gerüchtweise verlautet, der Oberkommissar werde noch in diesem Monat aus politischen Gründen nach Frankreich zurück­kehren.

*< Amerika für die Abrüstungskonferenz. Mit 359 gegen eine Stimme bewilligte daS Repräsentantenhaus 50 000 Dollar für die Delegation der Vereinigten Staaten zur Genfer Vor- konferenz. Bergers Zusatzantrag, die Delegation zu instruieren, auch den Versailler Vertrag in die Erörterung einzubeziehen, wurde als außer der Tagesordnung stehend abgewiesen.

Das Deutschtum tu Tirol.

Neue Knechtung der Deutschen.

In einer Verordnung der italienischen Regierung wird bestimmt, daß die Verwaltungsbehörden das Recht haben, die Optionen der deusschen Bewohner Südtirols aufzuheben, wenn sich herausstellt, daß d e r O P t a n 1 sich wegen seiner politischen Haltung der italienischen Staatsangehörigkeit unwürdig zeige. In Zukunft können daher auf Grund einer einfachen behörd­lichen Anordnung alle politisch verdächtigen Südtiroler nach Aberkennung der italienischen Staatsangehörigkeit aus» gewiesen werden. Die deussche Presse in Nordtirol sowie die gesamten österreichischen Blätter erheben schärfsten Einspruch gegen diese neue Vergewaltigung des Deutschtums, das durch diese Bestimmung völlig entrechtet wird. Sie weisen daraus hin, daß hierdurch alleDeutschenfürvogelfrei erklärt werden. Das Presseamt der Faszistischen Partei Italiens teilt mit, daß in allen Orten Faszistenvereine gegrün­det wurden, die die Aufgabe haben, die Jtalienisierung dieser Gebiete zu fördern.

Die Landwirtschaft im Saargedlet.

Wachsende Notlage.

Die Bauernschaft des SaargebietS hielt ihre dies­jährige Hauptversammlung ab. Nach einem Rückblick des Geschäftsführers auf das Jahr 1925, das schon eine gedrückte Stimmn» g aufwieS, aber doch noch einige Hoffnung auf eine gute Ernte offen ließ, ist auch diese Hoff- nung durch schlechte Steuerpolitik und nachhaltige Witterungsschäden zunichte gemacht. Der Referent erklärte, daß es unbedingt notwendig sei, die S l e u e r l a st e n auf ein erträgliche« Maß herabzufetzen. Das Grundübel der wirt­schaftlichen Not der Saarbauern liege heute darin, daß das benachbarte Lothringen ein übermächtiger Konkurrent ge­worden sei. Der Lothringer Bauer habe wesentlich geringere Steuern zu bezahlen. Dies gehe schon deutlich daraus hervor, daß die Einfuhr au« dem Westen inS Saargebiet einen ganz bedeutenden Umfang angenomemn habe, deren Wert die Bor- kriegsjahre übertreffe. Unter stürmischem Beifall forderte der Redner die Aufhcbung der Z01lgrc nzc im Osten und eine solche gegen Lothringen.

Die Lage der Reichsbahn.

Stach dem letzten Geschäftsbericht der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft ging der Güterverkehr besonders von Mitte Dezem­ber ab ständig zurück, trotz der Einschränkung und teilweise» Einstellung des Verkehrs auf den Binnenwasierstraßen infolge Hochwassers. So betrug der Rückgang in den Verladungen künstlicher Düngemittel gegenüber dem Vormonat fast 1100 Wagen, gegenüber dem Dezember v. I. sogar über 9700 Wagen, eine Folge der dauernd unzureichenden Abnahme der deutschen Landwirtschaft. Nur in Kali und in Stickstoffen hielt sich der Auslandsabsatz auf zufriedenstellender Höhe.

Der Rückgang der Kartoffelbeförderung belief sich auf etwa 11 500 Wagen gegenüber dem Vormonat. In Brotgetreide und Mehl wurden 1690 Wagen weniger als im Vormonat ver­laden. Die Zuckerrübenverarbeitung ist zum großen Teil be­endet; es waren 20 200 Wagen weniger als im November, dagegen 13 900 Wagen mehr als im Dezember des Vorjahres erforderlich. Der Zuckerversand ging gegenüber dem Vormonat um fast 10 900 Wagen zurück. Die Beförderung von Zement ist von 19 400 Wagen im November auf 8300 Wagen im Dezember zurückgr gangen. Insgesamt ist die arbeitstägliche durchschnittliche Gestellziffer von Wagen um über 21000 gegenüber November gesunken. Infolge Einschränkung der Binnenschiffahrt, zum Teil auch infolge erhöhten Hausbrand­bedarfs wurden für den Kohlentransport etwa 52 000 Wagen mehr beansprucht. Am 16. Dezember wurde eine Gestellung von 28 533 Wagen und damit die höchste Zahl seit Juli 1924 erreicht. Der Bericht weist auf die erheblichen Störungen infolge von Schneeverwehungen sowie auf die Schäden durch Hochwasser hin. Auf einer Reihe von Strecken war Ende Dezember der Verkehr noch unterbrochen.

Verfassungsänderungen?

Antrag« d« Densschnassonalen.

Auf der Reichsgründungsfeier der Deusschnationalen Volkspartei kündigte Graf Westarp in seiner Festrede an, daß die Deusschnationalen eine Reche von Anträgen im Reichstag einbringen werden, die eine Einschränkung der Befugnisse des Reichstages und somit der Wichtigkeit der Parteienherrschaft mtstreben. - -

Sei den Anträgen handelt es sich um die Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und um Abschaffung des Art. 54 der Reichsverfassung, wonach der Reichskanzler bei jedem Miß­trauensvotum einer Reichstagsmehrheit zuriichutretcn ge­zwungen sei. Verlangt werde das Recht für den Reichs­präsidenten durch Entlassung bezw. Ernennung des Reichs. Kanzlers eigene Politik zu treiben, wie es z. B. in Amerika üblich sei.

Im Reichsrot müsse Preußen den Vorsitz erhalten. Schließ- lich werden die Anträge eine Herabsetzung der Zahl der Reichstagsabgeordneten fordern, da Deutschland es sich in der jetzigen Notzeit nicht leisten könne, daß 2000 Männer und Frauen in den Parlamenten des Reiches und der Länder Diäten bezögen. Für den Reichstag käme man am praktischsten zu einer Verminderung der Sitze, wenn man das Wahlalter auf 24 oder 25 Jahr« hinaufsetze.

Englands Flottenrüstung.

Was Lord Bridgeman sagt.

Der Erst« Lord der Admiralität, Bridgeman, erklärte in einer Rede, die gegen die Regierung gerichtete Anschuldigung, sie beginne einen neuen Wettbewerb mit anderen Nationen der Welt im Kriegsschifssbau, sei völlig unberechtigt.

Großbritannien sei das einzige Land, daS, obgleich eS mehr als andere von der See abhänge, Neubauten bis zum letzten möglichen Augenblick verzögere. Es sei nicht allgemein bekannt, daß die anderen großen Seemächte, nämlich die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien, nach dem Kriege und mit Ausnutzung der Erfahrungen aus dem Weltkrieg über 300 Kriegsschiffe vom Kreuzer abwärts gebaut hatten, während der britische Beitrag nur 11 betrage.

Während wir, fuhr Bridgeman fort, bestrebt und willens sind, auf jede Verminderung einzugehen, soweit dies mit der Sicherheit unseres Landes vereinbar ist, und die Rüstungen zu beschränken, sei es zur See oder m Lande oder in der Luft, müssen wir, so lange andere Länder forssahren, sich zu be- waffnen, auf jeden Fall so lange Vorsorge treffen, damit wir nicht im Stich gelassen werden.

Deutsche Aentenbanl.

Zinsermäßigungen.

Der Verwaltungsrat der Deutscheil Reiücnbank und der BerwaltungSrat der Derrsschen Rentenbankkreditanstalt haben den Zinsfuß aller an die Personalkreditinstitute gegebenen Kredite entsprechend der Diskomermäßigung der ReichSbank mit Wirkung ab 12. Januar 1926 um 1 Prozent gesenkt mit der Maßgabe, den Zinssatz für den letzten Kreditnehmer grund­sätzlich auf 1254 Prozent zu ermäßigen.

Gleichzeitig nahm der Verwaltungsrat bet Deutschen Rentenbamkreditanstalt das Angebot der Golddiskontbank an, durch das der Deusschen Rentenbankkreditanstalt größere Beträge gegen Ausstellung von Hvpothekarschuld. scheinen zwecks Gewährung von 7^prozentigcn zu zirka 98K Prozent zur Auszahlung gelangenden hypothekarisch ge­sicherten landwirtschaftlichen Darlehen zur Verfügung gestellt werden sollen.