Schlüchtermr Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtlicherKrtzeLyer firr ken. Kreis Schlüchtem
Kruckunö Verlag: tz. Steinfelö Söhnen Gesthasts^.Dlchnhofste.6 ^ fevnspvrNr.^ ★ poftffyciiüuycmkfiM
Nr. 4 (L Glatt) Samstag, den 9. Januar IM6 78. Jahrg.
Amtliche Betamitmachungen
Landratsamt.
Die Herren iSürgermeifter und Gutevorsteher werden ersucht, sich am D o n n e r s t a g, den 14. ds. MtS. vorm. 9*/2 Uhr zu einer Besprechung in dem hiesigen KreishauSsaal pünktlich einzufinden.
Tagesordnung.
1. Die Erwerbelosenfürsorge und NotstandSarbeiten;
2. Die neue Baupolizeiordnung;
3. Verschiedenes.
Schlüchtern, den 7. Januar 1926.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Nr. 181. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden auf den am Sonnabend, dem 9. d. Mts., in der Aula des hiesigen früheren Lehrerseminars siatlsindenden „Staatsbürgerlichen Bildungstag" nochmals besonders aufmerksam gemacht. Beginn der Tagung vormittags 9'/2 Uhr.
Tagesordnung siehe Schlüchterner Zeitung vom 7. d. Mts. dritte Seite.
Schlüchtern, den 7. Januar 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 10. Im Monat Dezember v. Jö. sind folgenden
Personen Jagdscheine erteilt worden:
a. Jahresjagdscheine.
Lehman», Kurt, Betriebsleiter, Schlüchtern
Gaenßlen, Eduard, Bürgermeister, Schlüchtern
Dr. von Kühlmann, Wirkl. Geheimrat, Ramholz
Walther, Philipp, Schuhmachermeister, Joffa
Zeiße, Apotheker, Sterbfritz
Hengsberger, Amtsgerichtsrat, Schlüchtern
Dr. Hengsberger, Hermann, Gerichtsassessor, Schlüchtern
Hummel, Ludwig, Kellermeister, Brückenau
Momsen, Otto, Katasteedirektoe, Schlüchtern
Schewe, Steueramtmann, Schlüchtern
Augustin, Otto, Oberförster, Ramholz
Hartmann, Michael, Revierförster, Hinkelhof
Michel, Wilhelm, Förster, Rainholz
Wedel, Arthur, Hüfsförster, Ramholz
Koschmieder, Johannes, Revierjäger, Hütten
Preiß, Konrad, Gutvinspektor, Vollmerz
Goll, Otto, Gutspächter, Wahlert
Gauda, Bruno, Geschäftsführer, Schlüchtern.
. ' b. Tagesjagdscheine.
Köhler, Otto, Kreisschätzer, Schlüchtern
Hengsberger, Kurt, Gerichtsaffessor, Schlüchtern.
Schlüchtern, den 4. Januar 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Krsisarztliche Sprechtage.
An jedem ersten Dienstag im Monat werden regelmäßig Sprechtage abgehalten im Kreishause zu Schlüchtern, vormittags beginnend von 9 Uhr 30 Min. Anderweitige, nicht regelmäßige Sprechtage in Schlüchtern werden von Fall zu Fall bekannt gegeben.
Außerdem finden regelmäßig Sprechtage in Gelnhausen statt an jedem Montag und Donnerstag im dortigen Land- ratsamt von 9—12 Uhr. In eiligen und wichtigen Fällen ist der Kreisarzt auch außerhalb dieser Zeit zu sprechen in seiner Wohnung, Gelnhausen, Frankfnrterstraßc 25, nach telephonischer Rücksprache, Tel. Nr. 90.
Gelnhausen, den 1. Januar 1926.
Der Kreisarzt d. KreiSarztbezirkcS Gclnhauscn-Schlüchtcrn.
J.-Nr. 3. Die OrtSpolizeibehörden werden an die Erledigung der Verfügung vom 4. Mai 1917, — Kreisblatt 'Jin 37 — betr. Einreichung der Kontrollisten über die im Saufe des Jahres 1925 ausgestellten Fischereischeine erinnert.
Schlüchtern, den 7. Januar 1926.
__Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Ortsausschuß.
Betreffs Obstbaumpflege.
J.-Nr. 101. K. A.
Wie alljährlich, soll auch in diesem Frühjahr zur praktischen Erlernung der Baumpflege ein Kursus verunstaltet werden. Da die praktischen Arbeiten an der Straße Neuen- gronan, Altengronau, Jossa ausMührt werden und auch der lbeorelische Unterricht in einer, der Arbeitsstätte am nächsten liegenden Gemeinde ftattsindet, so werden besonders die Obstzüchter aus diesem Teil des Kreises darauf hinge- wiesen, sich zur Beteiligung anzumelden. Den Teilnehmern entstehen hierfür keinerlei Unkosten.
Da der Tiefstand unb die Unrentabilität des deutschen Obstbaues eine Folge der Gleichgültigkeit und Sortenzüchterei seitens der Landwirte ist, für Obst unb Obstprodukte aber die- selben Summen ins Ausland gehen, wie für Getreide, ist
es wohl im Interesse eines jeden Züchters, wenn die Gelegenheit geboten wird, kostenlos sich diejenigen Kenntnisse anzu- eignen, die eigene Obstzucht rentabel zu gestalten.
Erforderlich ist für jeden Teilnehmer, 1 gute und scharfe Baumsäge, 1 Baumkratze, 1 Baumscheere, 1 Veredlungs- messer und 1 Abziehstein. Die Anmeldung zur Teilnahme kann bis einschl. 16. Januar schriftlich oder mündlich beim Kursusleiter, Herrn Kreisgärtner Holstein in Schlüchtern, Dreibrüderstraße 16 erfolgen. Derselbe gibt auch Auskunft über Beschaffung geeigneter Werkzeuge.
Schlüchtern, den 5. Januar 1926.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
Gemäß Verfügung des Herrn Landrats vom 18. Dezember 192 5 — J.-Nr. 10474 — ist dte Polizeistunde für die Stadt Schlüchtern für Sonnabend und Sonntag allgemein auf 12 Uhr nachts festgesetzt worden.
Schlüchtern, den 6. Januar 1926’
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Bei der gewerblichen Berufsschule mehren sich bedauer- Ueber Weise wieder die Klagen über unregelmäßigen Schulbesuch. Es wird darauf hingewiesen, daß nach § 126 a R. G. O. Lehrmeistern, die ihre Lehrlinge nicht regelmäßig in die Berufsschule schiefen und den Schulbesuch nicht überwachen, wegen wiederholter grober Pflichtverletzung gegenüber den ihnen anvertrauten Lehrlingen die Befugnis zum Halten von Lehrlingen entzogen werden kann.
Schlüchtern, den 5. Januar 1926.
Der Vorstand der gewerblichen Berufsschule: Gaenßlen.
Oeffsntliche Bekanntmachung.
Die HauSzrnsstener sott vorn 1. »tfpriii ab nicht mehr als ein Vielfaches der Grundvermögenssteuer, sondern unmittelbar nach einem Vomhundertsatze der Friedensmiete oder bei nichtvermieteten Gebäuden des FriedenSmietwertS (ortsüblicher Mietzins) erhoben werden.
Damit die Veranlagung rechtzeitig durchgeführt werden kann, wird den Eigentümern der Hauszinssteuerpflichtigen Grundstücke in den nächsten Tagen ein besonderer Vordruck zugestellt werden, dessen sorgfältige Ausfüllung hinsichtlich der ^Fricdensmiete der vermieteten Gebäude oder Gebäudeteile im Interesse der Grundstückseigentümer selbst liegt. Die Vordrucke werden 10 Tage nach ihrer Abgabe abgeholt werden.
Der Vorsitzende des Grundsteuerausschusses.: Momsen.
*
Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 8. Januar 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung
Der VerteilungSplan des Jagderlöses für das Pachtjahr (1. Dezember 1924 bis 30 November 1925) liegt vom 11. d. Mts. ab zwei Wochen lang im Rathaus — Stadt- schreiberei — zur Einsicht offen.
Steinau, am 7. Januar 1926.
Der Jagdvorsteher. Dr. Hausmann.
Karols politische Gründe.
Zum Thronverzicht des rumänischen Kronprinzen.
Der dänische Journalist Bogholm veröffentlicht im „Matin" eine Unterredung mit dem Exkronprinzen Karol, die in den ersten Dezcmbmtagen auf bem Schloß in Sinaja stattfand unb aus der hervorgeht, daß für den Thronverzicht nur politische Beweggründe maßgebend geworden sind.
Der Prinz erklärte, er halte Bratianu für eine Gefahr für Rumänien. Deshalb wolle er in der Hauptsache mit Unterstützung der Bauern einer nationalen Regierung zum Siege verhelfen. Die Regierung sei ihm feindlich gesinnt. Er erinnerte daran, daß man es abgelehnt habe, ihm während der Reise des Königspaares nach Frankreich die Regentschaft anzuvertrauen. Deshalb habe er auch beschlossen, eines Tages dem Throne zu entsagen.
Das solle aber nicht eine Waffenstreckuug bedeuten, sondern das Signal zu einem Kamps zwischen zwei einander gegenüberstehenden politischen Richtungen. Alle sogenannten Staatsmänner vergäßen, daß sie nur da seien, um dem Lande zu dienen. Aus dieser Erkenntnis heraus habe er es für seine Pflicht gehalten, sich an die Spitze der Rcformbcwcgung zu stellen, die auf die Erneuerung der Nation abziele. Die Schulfrage sei entscheidend, weil nur mit Unterstützung der Jugend ein Erfolg erzielt werden könne. Auf die Frage, ob er sich zum Faszismus bekenne, antwortete der Prinz ausweichend.
Zur Regierungskrise.
Am Dienstag, den 1. Dezember, ist in London der Vertrag von Locarno unterzeichnet worden, und sofort nach der Heimkehr nach Berlin überreichte der Reichskanzler Dr. Luther dem Reichspräsidenten von Hindenburg das Rücktrittsgesuch des Kabinetts. Zwischen beiden Staatsmännern bestand ein Einvernehmen darüber, die Krisis durch die Bildung einer festen parlamentarischen Mehrheit von der Deutschen Volkspartei bis einschließlich der Sozialdemokratie zu beenden, und so wurde die Ernennung eines zweiten Ministeriums Luther binnen weniger Tage erwartet. Der Plan zerschlug sich an der Haltung der Sozialdemokraten, denen die Persönlichkeit Dr. Luthers als Kanzler nicht angenehm war, aber auch die übrigen Politiker, welche der Reichspräsident mit der Zusammenstellung der Ministerliste beauftragte, hatten keinen Erfolg, da die Sozialisten keine Milderung der weitgehenden Forderungen ihres Regierungsprogramms bewilligen wollten. ES waren dies der Zentrumsführer Fehrenbach und der Demokrat Koch. So stehen die Dinge heute noch, da die Linkspartei auf ihrem Standpunkt unverrückt beharrt. Wenn erneute Besprechungen mit dem Reichspräsidenten keine Wendung geben sollten, so ist anzunehmen. daß Dr. Luther selbständig an die Bildung eines überparteilichen Ministeriums herantreten wird.
Die Sachlage ist nun so: Kommt dieses Geschäftsministerium Luther zustande, so hat es jede Partei bei vorliegendem Anlaß in der Hand, gegen die Reichsregierung ein Mißtrauensvotum zu beantragen, um sie dadurch zu Fall zu bringen. Wenn es Dr. Luther nicht gelingen wird, ein lebensfähiges Kabinett zustande zu bringen, so wird auch ein anderer Politiker schwerlich Glück mit einem solchen Versuche haben.
Das deutsche Volk könne nicht ruhig zusehen, wenn es in noch schwerere Verhältnisse gestürzt würde, als die sind, unter welchen es heute schon leidet. Für das, was durch einen inneren Konflikt geschehen kann, ist keine Partei in der Lage, die Verantwortung zu übernehmen.
Arbeit und Sparsamkeit sind in den Berliner Neujahrsreden als Leitmotiv für die Zukunft bezeichnet worden, und daran muß festgehalten werden. Die Beschaffung von Arbeit jfUUili^. alsseitigeu-Fri-dem bedingt^ amb ist die Gelegenheit zur Tätigkeit geboten, so werden sich Arbeitslust und Arbeitsfreudigkeit von selbst einstellen. Sparsamkeit auf allen Gebieren ist aber eine Vorbedingung zur preiswürdigen Lieferung. Wir wissen ganz genau, daß wir nicht Ausgaben machen können wie es uns beliebt, sie sind uns vielmehr durch die Verpflichtungen vorgeschrieben, die wir gegenüber unseren Gläubigern haben. Da muß sich denn ein jeder nach der Decke strecken und er muß davon absehen, finanzielle Ansprüche an die Reichskasse zu stellen, die zu erfüllen Diese nicht in der Lage ist.
Luther wieder in Berlin.
Ein neuer Versuch zur RcgierungsbildunA.
Reichskanzler Dr. Luther ist von seinem Weihnachtsurlaub wieder nach Berlin zurückgekehrt.
Reichspräsident von Hindenburg wird ihn bereits in den nächsten Tagen mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragen. Dr. Luther wird sich dann sogleich mit den Mittelparteien in Verbindung setzen, um sie zum Eintritt in sein neues Kabinett zu bewegen. In unterrichteten politischen Kreisen rechnet man damit, daß diese Parteien sich angesichts der schädlichen Auswirkungen der langen Kabinettskrise Herrn Dr. Luther nicht versagen werden und daß ein solches Kabinett im Reichstag auch eine Mehrheit finden würde. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Entscheidung zu, die der Parteivorstand des Zentrums mit den beiden Zentrumsfraktionen in der für Sonntag anberaumten Zusammenkunft treffen wird.
Wie in Zentrumskreisen verlautet, würde Dr. Luther, falls er schon vorher an die Parteien beraittretcn sollte, voraussichtlich gebeten werden, sich mit der Beantwortung bis nach Sonntag zu gedulden. Voraussichtlich werden die Sozial- demokratcu auf Betreiben ihres koalitionsfreundlichen Flügels noch einmal über die Frage der Großen Koalition abstimmen, jedoch wird angesichts der Vereinzelung der Koalitionsfrcnndc innerhalb der Partei damit gerechnet, daß die Große Koalition abermals abgelehnt wird. Diese Entscheidung dürfte auch für die weitere Haltung der Mittelparteien von besonderer Be- dentung sein.
Koch für die Große Koalition.
In der LandesversannnlUng der Deutschen Demokrati« schen Partei Württembergs und Hohenzollern trat Reichsminister a. D. Koch am Schluß einer zweistündigen Rede in nachdrücklicher Weise für die Große Koalition ein, indem er u. a. ausführte, daß sich die Parteien angesichts der Aufgaben und Bedürfnisse der Zeit verständigen müßten. Auf sozial- demokratischer Seite sage man allerdings, die Zeit dafür ist noch nicht gekommen. Ob aber die Deutsche Volks- partei auch späterhin noch bereit sein werde, in eine Große Koalition eiltet treten, erscheine etwas Zweifel- Haft. Ein kluger Politiker werde eine solche Gelegenheit, wie sie sich jetzt biete, ergreifen, bamit Deutschland endlich einmal in stabile Verhältnisse komme. Es sei verkehrt, sich in den Schmollwinkel zu stellen. Hätten sich die Sozialdemo- traten nicht auch in Preußen in der Großer, Koalition durch..