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NIVERSITATS- bibliothek

MARBURG/LAHN

inner Zeitung

KttLs-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicher Anzeitzer für Ken Kreis Schlächtern

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Samstag, den 2. Januar 1926

78. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt. ___

J.-Nr. 10951. In der Gemeinde Werdenau, Kreis Fulda, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925.

Der Landrat.

J.-Nr. 10916. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche noch mit der Einsendung der Frage­bogen über die Erhebung der Zahl der Kinder im schul­pflichtigen Alter im Rückstand sind, werden an deren sofor­tige Einsendung erinnert. (Verfügung vom 19. Dezember d.. J.-Nr. 10687 Schlüchterner Zeitung Nr. 152).

Schlüchtern, den 30. Dezember 1925.

Der Landrat. 'I. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 6667 K. A. Für das Jahr 1926 werden die Bullenkörtermine wie folgt festgesetzt:

30. Januar 1926 in Sterbfritz

13. März 1926 in Schlüchtern

8. Mai 1926 in Stcrbfritz

17. Juli 1926 in Schlüchtern

18. September 1926 in Sterbfritz

30. Oktober 1926 in Schlüchtern

18. Dezember 1926 in Sterbfritz.

Schlüchtern, den 24. Dezember 1925.

Der Landrat.

J.-Nr. 6812. K. A. Der Justizobersekretär Voß in Koppenbrügge bei Hameln a. d. W. hat das Personenstands- gesctz nebst Auöführungsvorschriften, Gebührentarif, Mustern, Ueberfuftm ttsw, tr her neuesten Fassung bxgrbeitet. Dgk Buch ist bei dem Herausgeber zum Preise von 2,20 R.-M. erhältlich.

Den Herren Standesbeamten des Kreises empfehle ich die Anschaffung des genannten Buches Bestellungen sind an den Herausgeber direkt zu richten.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des KreisauSschusses.

Betrifft das Dssinfektionswefen im Kreise Schlüchtern

Ich habe Veranlassung die Ortspolizeibehörden des Kreises auf meine Kreisblatt-Bekanntmachung vom 14. Mai 1925 J.-Nr. 2604 K. A. (Kreisamtsblatt Nr. 60 von 192 5) aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 30. Dezember 1925

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Bekanntmachung.

Der VerwaltungSauöschuß des LandeSarbeitsamtS Preußen hat durch Beschluß vom 17. Dezember d. Js. den Beitrags­satz znr Erwerbslosenfürsorge für den Bereich der preußischen Gefahrengemeinschaft vom 1. Januar 1926 ab auf 3% deö GrundlohneS festgesetzt. Bei Lohnempfängern ist der neue Beitrag von Montag den 4. Januar 1926 zu erheben.

Diesem Beschluß ist der VerwaltungSauöschuß deö öffentl. Arbeitsamtes Hanau in seiner Sitzung vom 28. Dezember d. I. beigetreten. Als Grundlohn gilt bei Lohnempfängern der Bruttolohn, bei Gehaltsempfängern das Bruttogehalt.

Hanau, den 28. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des öffentlichen Arbeitsamtes Hanau.

I. V. gez. Dr. Müller, Bürgermeister.

Tgb. Nr. 2577. A. N. Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 30. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des Kreisarbeitsnachweifes.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Dezem­ber 1925 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Eine Einzelmahnung erfolgt nicht.

Bei Meldung zwangstveiser Einziehung sind sofort fol­gende Steuern zu zahlen:

Grundvermögenösteuer mit Stadtzuschlag, Hauszins- steuer, Gewerbesteuer (nach Ertrag), Gewerbesteuer (Voraus­zahlung nach Kapital).

Die einzelnen Steuerzettel sind zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vor n- legen.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925.

Der Magistrat. Gacnßlcn.

Oeffeutliche Mahnung. "

Die am 15. d. M. fällig gewordenen Holzgelder-Raten, sowie die Holzgelder-Rückstände aus verschiedenen Terminen sind, soweit nicht Stundungsgesuche vorliegen, innerhalb 3 Tagen bei der Stadtkasse einzuzahlen.

Weiter angemahnt werden mit einer Frist von 8 Tagen: Hundesteuern, Wassergelder, Schulgelder und andere Abgaben.

Wiederholt wird darauf hingewiesen, daß Einzelmah­nungen nicht erfolgen. Die Reste werden nach Ablauf der Frist zwangsweise beigetrieben.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925. _______________________Der Magistrat: Gaenßlen._______ Allgemeine Ortskrankenkasse Schlüchtern.

Nach den Beschlüssen deö LandeSarbeitöamteS Preußen vom 17.12.1925 und des öffentlichen Arbeitsamtes Hanau a. M. vom 28. 12. 1925 ist der Beitragssatz für die Erwerbs­losenfürsorge ab 4. Januar 1926 auf 3% des GrundlohneS festgesetzt worden.

Demzufolge ändern sich ab 4. 1. 1926 die in unserer Bekanntmachung vom 30. 11.1925 Kreiöblatt Nr. 142 bekanntgegebenen Beitragssätze zur Erwerbslosenfürsorge auf die folgenden Sätze:

für die

1. Stufe 0,12 Mark

// n

IL , 0,18

0 n

111. 0,25

// n

IV.0,38 ,

// //

V. 0,50

n //

VI. 0,63 ,

// //

VII. ,. 0,76 ,

// n

V111. , 0,88

// ^

IX. 1,00

v n

X. 1,26 ,

Schlüchtern, den 2. Januar 1926.

Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse.

Die Regierungskrise im Reich.

Zur Halumg der Sozialdemokraten.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Scheidemann nimmt' in einem Zeitungsartikel eingehend zur Regierungskrise und zur Frage der Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an der Regierung Stellung. Er schreibt u. a.:

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird das neue Jahr für die deutsche Arbeiterschaft ein Kampfjahr erster Ordnung sein. l^in Tolerieren der sozialistenreinen Regierung nach den gescheiterten Verhandlungen kann für die Sozialdemo­kratische Partei nicht in Betracht kommen. Doch könnte sie, unbeteiligt an dieser Regierung, dieser dennoch das Vertrauen aussprechen, um ihren sofortigen Sturz zu verhindern.

Man kann einer Regierung, die man nicht mag, trotzdem Technische Nothilfe" leisten durch Stimmenahaltung oder dadurch, daß eine Formulierung des Vertrauensvotums ge­wählt wird, die so aussieht,als ob" . . ., die aber in Wirk­lichkeit nicht gehauen und nicht gestochen ist, gleichviel wie die jetzige Regierungskrise ausgehen mag. Gewiß ist, daß die Frage der Regierungsbildung in der Partei viel eingehender besprochen werden muß als bisher. Von der mehr oder weniger unglücklichen Zusammensetzung der Reichsregierung kann eines Tages Sein oder Nichtsein der Republik überhaupt abhängen.

Hilfe für die Neberschwemmtcn. -

Berlin, 2. Januar. Die deutschnationalen Reichs- tagsabgeordneten Wallraf und Dr. v. Drhander haben im Reichstag einen Antrag auf schleunige Hilfs- und Entschädigungsmatznahmen für die Hochwassergeschädig­ten am Rhein, insbesondere auch aus sofortige Bereit­stellung von Krediten, eingebracht.

Auch der Ausschutz des WahlkreisverbandM Köln- Aachen der Deutschen Demokratischen Partei hat sich an die Reichstags- und die preußische Landtagsfraktion gewandt und sofortige energische Schritte zur Herbei­führung einer Hilfsaktion "für die durch das Hoch­wasser Geschädigten verlangt.

Deichbruch der Maas.

Amsterdam, 2. Januar. Das Wasser der Maas ist weiter gestiegen. Es steht bereits höher als im Jahre 1920. Stellenweise ist die Wasserfläche drei bis fünf Kilometer breit. Bei Niederasselt an der Maas ist der Deich gebrochen. Die Bruchstelle ist 100 Meter breit. Das Wasser strömt unaufhaltsam in das ganze tiefliegende Gebiet ein.

Stresemann an das besetzte Gevter.

Essen, 2. Dezember. ReichSnutzenminister Dr. Stresemann stellte derEssener Allgemeinen Zei­tung" folgenden RcujahrLgrutz zur Verfügung:Die Ncüjahrsglocken grüßen in diesem Jahr das Ruhrgebiet wieder als freies deutsches Land. Der schwere Druck der Besatzung ist glücklich überwunden. Wir hoffen, daß es gelingen wird, im neuen Jahre auch für das noch besetzte Gebiet weitere Erleichterungen zu errei­chen uno in Bälde völlige Befreiung in Aussicht stel­len zu können. Den Deutschen an Rhein und Ruhr ein herzliches Glückauf für 1926."

1926!

R. C. Das alte Jahr ist tot! es lebe das neue! Wie immer das Recht der Lebenden höchstes Gesetz bleibt, so sinkt wieder einmal im Zahlentaumel zeitloser Billionen ein abgelaufenes Jahr in die Schatten der Ereignisse eines kommenden, in denen sich freilich an allen Ecken und Enden sehr sichtbar die harten Silhouetten bereits Geschichte gewordener Tatsachen randen werden. Die Abhängigkeit von entwicklungsgeschichtlichen Zwangsläufigkeiten kenn­zeichnet den mit dem üblichen Silvesterpunsch aus der Taufe gehobenen Jährling 1926 mit ganz eigenen, höchst charakte­ristischen Merkmalen. Er ist mit der Erbmasse zahlreicher Vorfahren belastet, von denen die Einschläge der Jahrgänge 1924 und 1925, des Vaters und des Großvaters des hoff­nungsvollen Sprößlings, als wertvolle Aktiva zu verbuchen sind. So scheinen die Tugenden, die prominentere Väter dem neugeborenen Jahre in die Wiege legten, die Minder­wertigkeiten aus dem Nachlaß gewisser früherer Jahrgänge der europäischen Nachkriegsgeschichte mehr wie auszuglei- chen. Das Horoskop steht außenpolitisch vom deutschen Standpunkt aus gesehen im großen und ganzen also günstig für den soeben vom Zeiger der Weltuhr berührten Ausschnitt, beffen Winzigkeit auf dem großen Ziffernblatt irdischer Zeitmessung nach Ablauf von 365 Tagen der Geschichtsstempel 1926 verbleiben wird.

Brächte das Jahr 1924 mit dem Dawes-Plan die endliche Vereinigung der Reparationsstreitigkeiten für Deutschland, so stand das Jahr 1925 im Zeichen von L 0 c a r n 0. Bildet das Werk von Locarno nur die logische Fortsetzung des Dawes-Abkommens, so ist dessenungeachtet um Locarno fast noch zäher gerungen worden, als um oen Dawes-Plan. Monatelang kamen die Verhandlungen nicht um einen Schritt vorwärts, und Ende Juni, gerade als die Sonne im Zeichen des Krebsep, dem Symbol der Rückläufigkeit stand, schien das ganze Werk auf das äußerste gefährdet. Nun, um die Jahreswende, da die Sonne durch das Zeichen des Steinbocks zur Umkehr gemahnt wird, steht die Welt im Zeichen des abgeschlossenen Vertragswerkes. Und wie die Sonne nach trüben Nebel-

. .. .-i jür» wieder a.u Hl.me1 a-nwineigi, so jenen auch wir moas neve Jahr hinein mit neuen Hoffnungen auf hellere und freundlichere Zeiten.

Mit den Verträgen von Locarno wurde ein sieben­jähriger Krieg nach dem Kriege gegen Deutschland zum Abschluß gebracht. Mag man zu den Dawes- und Locarno-Verträgen stehen, wie man will, daß sie zunächst der Entrechtung Deutschlands ein Ende machten, kann als geschichtliche Tatsache von niemandem ernstlich bestritten werden. Darüber hinaus aber ist den Locarno-Verträgen um deswillen eine weltgeschichtliche Bedeutung zuzusprechen, ' weil sie sich als ein erster praktischer Versuch darstellen, zwischen ganzen Völkergruppen Streitigkeiten auf einem schiedsgerichtlichen Wege auszuräumen. So schüchtern, so tastend, ja selbst noch mißtrauenbeladen dieser Versuch auch eingeschätzt werden mag, unbestreitbar bleibt die Tatsache eines Anfanges. Aus dem Nichts wurde ein Etwas, und damit wurde aus dem Nichts die unerläß­liche Voraussetzung für ein mögliches Mehr erschaffen. In Deutschland erwartet man naturgemäß, daß der im Jahre 1924 eingeleitete und im abgelaufenen Jahre fortgesetzte Befriedungsplan im neuen Jahre in energischer Weise weiter ausgebaut wird. Hier winkt dem Tatendrang unserer früheren Gegner ein voller Strauß neuer Blüten in der Durchführung der sehr notwendigen weiteren Rück­wirkungen im Sinne des auch von unseren Kontrahenten so hoch gepriesenenGeistes von Locarno". Sehr bald muß sodann "im neuen Jahre die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund akut werden, ein Ereignis, das dem Jahre 1926 seine entscheiden» Bedeutung verleihen dürfte. Daneben aber haben die Schultern des jungen Jahres noch eine ganze Reihe ander,! schwerer Dinge zu tragen, vor allem die Internationale Abrüstungskonferenz mit ihrer Vorkonferenz und bie Internationale Wirtschaftskonferenz, für die das Gelände durch ausgiebige Vorbesprechungen ebenfalls geklärt werden soll. Handelt es sich auch in diesen Konferenzen zunächst um tastende Versuche, so beweisen jedenfalls auch sie die fortschreitende Erkenntnis, daß nur ein gründlicher Abbau der Haßpolitik und des wirtschaft­lichen Egoismus die Völker Europas noch aus dem Sumpf herausziehen kann, in den sie durch den Irrwahn einer in der Menschheitsgeschichte einzig dastehenden Nachkriegs- psychose geraten sind. Daß diese Psychose leider noch längst nicht beendet ist, zeigt insbesondere das geradezu patho­logische Wüten gegen die nationalen Minderhei­ten. Ehe diese Kulturschande nicht beseitigt ist, kann von einer Befriedung Europas selbstverständlich nicht die Rede sein, und deshalb gilt es für Deutschland, sobald unser Eintritt in den Völkerbund vollzogen ist, mit allen legalen Mitteln die volle Gleichberechtigung für unsere deutschen Stammesbrüder zu erstreiten, die außerhalb der Grenzen des Reiches heldenmütig für ihr Deutschtum sümpfen und leiden.

Innenpolitisch gehen wir in das neue Jahr mit weniger rosigen Hoffnungen. Der bedenklich latente Charakter der R e gierungskrise läßt im Augenblick leider noch in keiner Weise erkennen, wie sie schließlich erträglich beendet werden könnte. Das ist umso bedenklicher, als die ständige Verschärfung der deutschen Wirtschaftskrise und die damit in Zusammenhang stehende wachsende Arbeitslosig keit unbedingt eine Politik der klaren und festen Linie erfordert. So verhältnismäßig schnell wir die Inflation-»