Schlüchtemer Stitung
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Nr 153
(1. Blatt)
Donnerstag, den 24. Dezember 1925
77. Jahrg
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 10081. Die Ortspolizeibehörden und die Herren Landjägereibeamten werden hierdurch erneut angewiesen, die strenge Durchführung der Verordnung über Preisschilder und Preisverzeichnisse tont 26. Juli 1923 — siehe Schlüchterner Zeitung Nr. 64 von 1923 — sowie der Verordnung des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel über den Aushang von Preisverzeichnissen in den: Fleischperkaufsstellen vom 16. Februar 1924 — Reg. Amtsblatt Seite 61 — siehe auch Verfügung vom 16. Mai 1924 — Nr. 2353 — Schlüchterner Zeitung Nr. 61 von 1924 — zu überwachen und etwaige Uebertretungen unnachsichtlich zur Bestrafung zu Bringen.
Ich mache noch darauf aufmerksam, daß die sogenannten Spannungspreise, d. h. Preise, die nicht auf einen bestimmten Betrag, sondern auf einen Mindest- rmb einen Höchstbetrag (von.... bis....) lauten, der Mindestpreise (von.... an) im allgemeinen unzulässig sind.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 10724. Die Schuldcpütationen und Schulvor- stände werden davon benachrichtigt, daß dem Seminaroberlehrer im e. R. August Groß hier die kommissarische Verwaltung des Schulaufsichtskreises Schlüchtern vom 1. Januar 1926 ab übertragen worden ist.
Schlüchtern, den 22. Dezember 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 10754. Die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, in welchen sich Waisenkinder befinden, deren
Pflege und Erziehung auf Kosten des evangelischen Waisenhauses ju Hanau gewünscht wird, haben die diesbezüglichen Anträge bis zum 15. Februar n. Js. hierher ciirzureichen
Amrage vtö zum 15, Mvmar n. ^5S. yteryer emzureicyrn, krüher^da ia Ü- 3LtfmßiiW»ij^«4aI^ vorher leoöcy zolcye ocn jäjftsgiiitttfl^ir'^^ ; der^EiemniMourchaus SEstlbe Mueoen untTTrfr-inre*
Gutachtens vorzulegen. Auf die Kreisblattverfügung vom 15. November 1892 — J.-Nr. 8028 — Kreisblatt Nr. 49 wird
hingewiesen.
Schlüchtern, den 22. Dezember 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 10803. In Einraffshof, Gemeinde Schondra, Bezirk Brückenau, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schlüchtern, den 22. Dezember 1925. Der Landrat.
Kreisausschuß.
J.-Nr. 6714 K. A. Am Donnerstag, den 7. Januar 1926 vormittags 1 0 Uhr findet im Krers- Hause hierselbst ein Kreistag statt.
Schlüchtern, den 21. Dezember 1925.
Der Landrat.
J.-Nr. 6678 K. A. Die unbewohnten Grundstückspar- zcllcn Kartenblatt 5 Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 10, 14/4, 15/8, 16/9 sind durch rechtskräftigen Beschluß deö KrewauVchtlsseo vom 17. November 1925 aus dem Gutsbezirk Oberförstern Sterbfritz ausgemeindet und dem Gemeindebezirk Züntersbach einverleibt worden.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1925. ~
Der Vorsitzende des Kreivausschusses. von Trott zu L-o z.
J.-Nr. 6558 K. A. Bei der am 12. Dezember 1925 in Schlüchtern stattgefundenen Bullenkörung sind die „51 ß' bullen nachstehender Besitzer und mit folgendem Crgebms angekört worden: _ «
Freiherrlich von Kühlmann-Stummsche Verwaltung Voll- merz mit 765 Punkten, ,
Johannes Simon, Gundhelm mit 70 Punkten,
Wilhelm Koch, Schwarzenfels mit 70 Punkten, Johannes Schüßler, Schwarzenfels mit 80 Punkten, Derselbe mit 775 Punkten, , -
Heinrich Hildebrand, Schlüchtern mit ^Punkten-
3 Bullen wurden zurückgestellt, 1 Bulle wurde ang - kört.
Schlüchtern, den 21. Dezember 1925^ ^^
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die Heberolle übe- die °°n »« U""»"™ 2^ ferstloielschoftlicher Betriebe für da« -tchr l»25 S 8 ! ^ Umlagebeiträge liegt in der Jett vom -8- '',,- _ bis einschl. 10. Januar 1926 im Rathaus — ^kadt öffentlich aus. , Schlüchtern, den 22. Dezember 1925.
' 7 ' Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Die Hebeliste über die für das Jahr 1925 zur Erhebung kommende Viehseuchenabgaben liegt in der Zeit vom 28. Dezember bis einschl. 10. Januar 1926 im Rathaus — Stadtsekretariat — zu jedermanns Einsichtnahme öffentlich aus.
Schlüchtern, den 22. Dezember 1925.
Der Bürgermeister: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung
Die Heberolle über die von den Unternehmern land- und forstwirtschaftlicher Betriebe in der Stadt Steinau zu zahlenden Umlagebeiträge für das Jahr 1925 liegt von Montag, den 28. d. Mts. ab 14 Tage lang zur Einsicht der Beteiligten im Rathaus — Stadtkasse — aus. Einsprüche gegen die Beitragsberechnung sind an den Sekttonsvorstand in Schlüchtern zu richten.
Steinau, den 21. Dezember 1925.
Der Magistrat. Traudt.
Rußland im Lichte der Weltpolitik.
Der russische Volkskommissar des Aeußern, T s ch Lisch e r i n, der sich zur Zeit in Berlin aufhält, hat vor verschiedenen Vertretern der Presse in ausführlicher Form sein politisches Programm entwickelt. Besonders interessant sind zunächst die Aeußerungen Tschitscherins über die russische Außenpolitik.
„Ich möchte mein Befremden aussprechen über die in verschiedenen Presseorganen immer wieder auftauchenden Behauptungen," erklärte Tschitscherin, „daß die Regierung der Sowjetunion in der
Völkerbundsfrage
ihre Haltung geändert habe. Diese Behauptung enthält auch nicht ein Körnchen Wahrheit. Unsere Haltung dem Völkerbund gegenüber ist heute ebenso ablehnend wie
eine Unterwerfung unserer Politik unter die Beschlüsse einer Gruppe anderer Staaten nach wie vor unannehmbar ist. Die Gegensätze zwischen dem Sowjetstaat und den kapitalistischen Staaten Europas sind noch zu groß, als daß eine gemeinsame Arbeit des Völkerbundes möglich wäre." Tschitscherin streifte hierbei auch das Verhältnis zu England. „Die fortgesetzte
feindliche Haltung Englands
uns gegenüber," sagte er, „ist gegenwärtig das größte Hindernis für eine Regelung der allgemeinen Verhältnisse. Wir würden unsererseits eine Regelung der strittigen Punkte zwischen uns und England als sehr wünschenswert betrachten, haben aber den bestimmten Eindruck, daß die englische Regierung für den Augenblick eine derartige Regelung nicht erstrebt. Ueberhaupt möchten wir über alle strittigen Fragen mit anderen Staaten Abmachungen
schließen.
Schiedsgerichtsoerträge
sind aber für uns unannehmbar, da es — unseres Erachtens — keinen unparteiischen Schiedsrichter geben kann zwischen einem Staate, der auf unserer Grundlage aufgebaut ist, und den kapitalistischen europäischen Staaten. Wir schlagen aber eine allgemeine Entwaffnung oder eine Rüstungseinschränkung vor, als bestes Mittel, dem Frieden zu dienen, ohne uns auf den Weg des Schiedsgerichts zu begeben." Uebergehend zu den
Locarno-Verträgen
machte Tschitscherin folgende Ausführungen: „Die Sowjetunion begrüßt es durchaus, wenn Deutschland Erleichterungen in seiner schweren Silage erreicht, und es liegt der Sowjetregierung nichts ferner, als nicht die Besserung der Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten, insbesondere zu Frankreich, zu wünschen. Die Befürchtungen, die die Sowjetunion hinsichtlich des deutsch-russischen Verhältnisses an die Verträge von Locarno knüpfte, haben sich überhaupt niemals auf die Absichten Deutschlands bezogen. Diese Befürchtungen, die noch existieren, beziehen sich lediglich auf die objektive Lage, in die Deutschland durch den Locarnovertrag geraten ist, die einen starken Druck der englischen Regierung auf Deutschland ermöglichen, und dadurch Deutschland selbst gegen seinen Willen nötigen könnte, seine Haltung der Sowjetregierung gegenüber zu ändern. Wir werden mit freundschaftlicher Aufmerksamkeit die Politik verfolgen, die Deutschland nunmehr betreiben wird."
Mit großer Besorgnis blickt Tschitscherin auf die möglichen Folgen der Entscheidung über die
Mossulfrage.
Zur chinesischen Frage schließlich äußerte sich Tschitscherin, daß die Anschuldigungen in der englischen Presse über die Haltung der Sowjetunion nicht der Wahrheit euthorärbeu.
Die gesetzliche Miete für Januar 1926.
Berlin, 22. Dezember. Wie der Amtliche Preußische Presse- dienst mitteilt, Heträgt die gesetzliche Miete vom 1. Januar 1926 ab bis auf Weiteres 84 Prozent der reinen Friedensmiete, bzw. 80 Prozent bei Uebernahme der Schönheitsreparaturen durch die Mieter.
Weihnachten!
Im deutschen Gemüt spricht jetzt wieder, wie schon fest Jahren nicht, eine laute und freudige Stimme. Endlich feiern wir wieder ein glückliches Weihnachten. Vor 12 Jahren war es das letzte vom Licht durchströmte, von Sang und Klang erfüllte, von Leben und Freude verschönte Christfest. Dann folgten die Sorgenjahre von 1914 bis 1918, und die Nachkriegsjahre hemmten die Weihnachtsstimmung im deutschen Herzen. Was geschehen war, konnte nicht gelindert werden, aber jeder fühlte, daß uns etwas fehlte. Kein Wunder, denn nirgendwo wird Weihnachten mit solcher Innigkeit gefeiert, wie auf deutschem Boden. Christmesse, Krippe und der lichtumflossene Tannenbaum umgeben es mit einem poesivollen Reiz und zum Himmel klingt das „Ehre sei Gott ch der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." Friede, Versöhnung und Seligkeit. Das ist unser Weihnachten und soll es bleiben.
Aber die Weihnachtsfreude kann nicht auf ein Land und ein Volk beschränkt bleiben, denn Friede, so heißt es, auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen. Der Weihnachtsglanz in dem bescheidensten Heim ist doch nur ein Wiederstrahlen der Vereinbarung und Versöhnung aller Länder und Völker. In diesem Jahre, in dein vor wenigen Wochen in London der Sicherheitsvertrag von Locarno unterzeichnet worden ist, wuchs nun die Hoffnung auf die Wiederherstellung eines aufrichtigen Völkerfriedens stark an und aus allen Ländern wurde der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß eine neue Aera von Frieden, Ruhe und Ordnung beginnen werde. Wie ein Sphärenklang wogte diese Kunde auch durch die deutsche Seele und jetzt zum Weihnachtsfest wiederholt sich das in verstärktem Maße. Wann das Ziel aller Bestrebung erreicht werden wird, wissen
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Nur heute nn*
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>er' Freude das Gelübde wiederholen, daß wir
nach unseren Kräften Alles tun wollen, um zu einem wahren Völkerweihnachten zu gelangen. Wir denken, daß alle Nationen erkennen, daß der echte Friede und die wahre Versöhnung nicht Dinge der Politik, sondern der Herzens- Überzeugung sind. Wenn sich die Völker wieder nähertreten, so müssen sie zur Grundlage ihrer Verhandlungen das Vertrauen wählen und das Mißtraucü ausschalten. Die Kerzen des Weihnachtsbaumes sollen in alle Länder hineinleuchten von Liebe, Freude und Einigkeit.
Man hatte erwartet, daß dieses Jahrhundert ein solches der Kultur und der Ideale sein werde. Statt dessen aber haben sich die verschiedensten Gegensätze breitgemacht. Weihnachten ist nicht die Zeit, Rechenschaft über das abzulegen, was unerfüllt geblieben ist, sondern die Hoffnung soll gelten, daß im zweiten Vierteljahrhundert sich verwirklichen werde, was im ersten nur Schein geblieben ist. Der großen Menschheit ist das Leben karg an Freude geworden und wenn wir Versäumtes wieder einholen und gutmachen wollen, so sollte es hier geschehen.
Das kostbarste Gold der Erde ist die Liebe. Menschlichkeit, Wärme und Leben sollen wieder regieren und den Egoismus in die Flucht schlagen. Dann haben wir gewon- neues Spiel, im Kampf um unseres Daseins höchste Güter,
Hilfe für die älteren erwerbslosen Angestellten.
Berlin, 22. Dezember. Der Sozialpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates hat folgenden Antrag seines Arbeitsausschusses einstimmig angenommen:
1. Allen älteren erwerbslosen Angestellten — insbesondere den über 40 Jahre alten mit eigenem Hausstand — ist eine sofortige einmalige Unterstützung von mindestens hundert Reichsmark zu gewähren; 2. den gleichen Betrag allen älteren erwerbslosen Angestellten zu gewähren, insbesondere den über 40 Jahre alten mit eigenem Hausstand, die der Erwerbslosen- fürsorge nicht unterstehen; 3. bei der Festsetzung des Betrages den Familienstand unb die Dauer der Erwerbslosigkeit zu berücksichtigen; 4. die Dauer der Erwcrbsloseuunterstützung für die älteren Ange teilten bis auf 52 Wochen zu erhöhen.
Die Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses sind der Reichsregierung sofort übermittelt worden.
Die Notverordnung zum Grundvermögensstcuergesctz angenommen.
Berlin, 22. Dezember. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich mit der von der Regierung vorgelegten Notverordnung zur Aenderung des Grund- Vermögenssteuergesetzes. Die Regierung hielt das Vorliegen der Voraussetzungen für die Regelung durch die Notverordnung für gegeben. Finanzminister Dr. Höpker-Äschoff erklärte, daß die Steuer am 15. Januar fällig sei und, wenn die Regelung erst nach Wiederzusammentritt des Landtages erfolge, die notwendige Zeit für die Vorbereitungen fehle. Außerdem em= falle vom 1. Januar ab die Grundlage für die Erhebung. Darauf wurde die Notverordnung ohne tveitere Beratung nach den Beschlüssen der dritten Lesung angenommen.