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NaS Weihnachtsgeschenk für die Beamten

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Außer der Regierungskrise konzentrierte sich in den letzten Tagen das allgemeine Interesie auf die Verhand­lungen, die in den Reichstagsausschüsicn über die von allen Parteien eingebrachten sozialen Anträge geführt wurden. Insbesondere waren es die Anträge auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung, ferner die Besoldungs- fragen. Die Verhandlungen hierüber waren auch von, großer politischer Bedeutung, und zwar deshalb, weil in den Beratungen über das Arbeitsprogramm der kommenden Regierung gerade die sozialen Fragen eine wichtige Rolle spielen. Das hat sich ja besonders gezeigt, als die Sozial- demokraten ihr Programm für die große Koalition ver­öffentlichte.

Die Beratungen im Haushalts-Ausschuß des Reichstages find am Freitag in später Nachtstunde zu Ende gebracht worden. Zur Debatte standen die verschiedenen Anträge der Fraktionen, die sämtlich darin konform waren, daß den Beamten, insbesondere in den unteren Gruppen in irgend einer Form eine Weihnachtsbeihilfe gewährt werden müsse. Die Regierung verhielt sich von vornherein allen Anträgen gegenüber sehr zurückhaltend. Die Regierungsvertreter er- ickienen in dem Haushaltsausschuß, gewappnet mit Stößen statistischen Materials, um den Nachweis zu erbringen, daß das Reich nicht in der Lage sei, den Anträgen stattzugeben. Das Reichsfinanzministerium hatte sich vorher eine gewisse Rückendeckung insofern geschafft, als es bei den Ländern, der Reichspost und der Reichseisenbahnverwaltung nach- gefragt hatte, welche Auswirkungen die Besoldungs- anträge der Parteien auf die Finanzen des Reiches, der Länder und der Verkehrsverwaltungen haben würden. Die Antworten, die das Reichsfinanzministerium erhalten hatte, lauteten durchweg ablehnend. Die Länder erklärten, daß sie die vorgeschlagenen Besoldungserhöhungen nur tragen könnten, wenn das Reich ihnen hierfür die Mittel zur Ver­fügung stellt. Die Reitbahn wies darauf hin, daß sie ge­nötigt sei, die Tarife zu erhöhen, und auch die Reichspost, deren Finanzlage nach dem soeben ausgegebenen Geschäfts­bericht doch gar nicht so sehr ungünstig ist, erklärte die An­träge für undurchführbar.

Zunächst verhielt sich das Reichsfinanzministerium in den Verhandlungen völlig ablehnend. Als es aber sah, daß es sich einer geschlossenen Front sämtlicher Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Kommunisten gegenübersah, erklärte sich die Regierung bereit, etwas zu tun. Sie wollte als erstmalige Zahlung den Beamten der Gruppen 14 ein Viertel der Monatsbezüge, den Be­amten der Gruppen 56 ein Fünftel der Monatsbezüge, mindestens aber den Ledigen 30 Mark und für die Ehefrau und jedes Kind 5 Mark, sowie den Kriegsopfern ein Viertel der Monatsbezüge zahlen. Dieser Vorschlag wurde aber von sämtlichen Parteien, mit Ausnahme der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung a b ge­lehnt. Daraufhin brächte das Zentrum einen Gegen­antrag ein, in dem vorgeschlagen wurde, den Zuschlag zum Grundgehalt für die Gruppen 14 von 12% Prozent auf 25 Prozent, für die Gruppen 56 von 12% Prozent auf 20 Prozent und zwar vom 1. Dezember ab zu erhöhen, und die sich hieraus für Dezember bis März 1926 ergebenden Beträge noch vor Weihnachten auszuzahlen. Dieser Zen­trumsvorschlag wurde von allen Parteien, gegen die Stim­men der Deuticksn Dolksvartei und der Wirtickaitlichen Vereinigung, angenommen. Die praktische Auswirkung dieses Antrags ist folgende: Noch vor Weihnachten soll den Beamten der Gruppe 14 die Hälfte eines monat­lichen Grundgehalts und den Beamten der Gruppe 56 3 0 Prozent dieses Betrages gezahlt werden. Entsprechendes gilt für die Kriegsopfer. In den Monaten Januar bis März 1926 erhalten die genannten die Bezüge wie im Dezember 1925. Vom 1. April 1926 ab wird bartn die beschlossene Erhöhung, der Zuschlag zum Grundgehalt

Dieser vom Haushaltsausschuß angenommene Antrag hat vorläufig nur theoretische Bedeutung. Selbst wenn der Reichstag dem Antrag zustimmen sollte, wird die Regierung voraussichtlich sich weigern, ihm zu entsprechen. Reichs­kanzler Luther hat im Laufe des Sonnabends die Parteien erneut darauf aufmerksam gemacht, daß auch dieser Antrag wegen seiner Auswirkungen auf die Reichsfinanzen und auch

wegen seiner Wirkung auf die Lohn- und Gehaltsverhälb- niffe in der Privatindustrie untragbar sei. Die Regie­rung ist nach wie vor bereit, eine einmalige Zahlung der Beamten der Gruppen 14, so wie es oben dargelegt worden ist, zukommen zu lassen. Darüber hinaus will sie aber unter keinen Umständen geben. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß das jetzige Kabinett, das sich bekanntlich in Demission befindet und nur noch die Geschäfte weiter führt, garnicht in der Lage ist, eine so einschneidende Maßnahme vorzunehmen. Es wird vielmehr Aufgabe der neuen Regierung sein, die Besoldungsfrage endgültig zu regeln.

Regierung und Beamtengehalter.

Berlin, 13. Dezember. Wie verlautet, wird die geschäftS« führenden Rcichsreaierung den Beschlüsien des Haushalts- ausschusies in der Erwerbslosenfrage zustimmen. Dagegen steht der Reichskanzler den Beschlüssen des Haushaltsaus. schusses über die Erhöhung der Beamtengehälter ablehnend gegenüber. Die Entscheidung in dieser Frage wird in der Montagssitzung des Reichstages erfolgen. Reichskanzler Dr. Luther wurde vom Reichspräsidenten empfangen.

Eine Eingabe gegen die Reichsgetreidestelle.

Köln, 13. Dezember. Der Börsenvorstand der Börse zu Köln, Abteilung Produktenbörse, hat an den Minister für Handel und Gewerbe und an das Reichsministerium für Er- nährung und Landwirtschaft einen Protest gegen die Wieder- errichtung der Reichsgetreidestelle gerichtet.

Zur Mordaffare Rosen. Frau Standtke entlassen.

Breslau, 13. Dezember. Die Ehefrau des Architekten Standtke, Frau Hildegard Standtke, ist aus der Untersuchungs- hast entladen worden. Die Freilassung erfolgte, weil keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht, wie auch kein Fluchtverdacht vorliegt. Der Verdacht der Mitwisserschaft bezw. Teilnahme an der Mordtat bleibt nach wie vor unverändert bestehen. Du Untersuchung nimmt ihren Fortgang.

Einlenken der Alliierten in der Luftfahrtstage

London, 13. Dezember. Nach dem amtlichen englischen Funkspruch zeigt die Note der Botschafterkonferenz in der Lust­fahrtfrage ein Entgegenkommen gegenüber Deutschland. Unter Berücksichtigung der notwendigen Vorbehalte der Alliierten soll eine Lösung in der deutschen Luftfahrtfrage gefunden werden, die den deutschen Wünschen entgegenkommt und dem Völker­bund gerecht wird, der die Luftfahrtkontrolle übernimmt.

Schweres Einsturzunglück i« Amerika.

New Jork, 13. Dezember. Im Theater in Wilmintzto» (Delaware) brach während einer Vorstellung die Decke über der Bühne ein und begrub Schauspieler und Chorsänger unter ihren Trümmern. 12 Sänger wurden schwer verletzt.

Von der hessischen Grönlandexpedition.

Ein Vortrag in der Darmstädter Hochschule.

In der Technischen Hochschule zu D a r m st a d t hielt Herr K. K. E. Krüger, Assistent am geologischen Institut der Technischen Hochschule, der mit Prof. Klute-Gießen die For­schungsreise nach Grönland mitgemacht hatte, einen Vortrag über die Reise, über die wir schon berichteten. Bemerkenswert war die Schilderung der enormen Schwierigkeiten, mit denen die beiden Forscher zu kämpfen hatten, mußten sie doch die Reise größtenteils allein machen, da die angeworbenen Einwohner die Strapazen nicht mitmachen wollten und nach einiger Zeit umkehrten. So mußten denn die Herren ihr Gepäck häufig selbst auf dem Rücken mitschleppen, was besonders schwierig war bei der Ueberschreilung eines Pasies, der vollständig ver­gletschert und vereist war. Schon im Juli herrschten dort 20 Grad Kälte. Bei Ritenberk waren die weit ins Meer hinausragenden Eisberge zu überwinden, schwierig auch die Reise in Eisfjord bei Jakobshavn. Im 14. November schiffte man sich wieder ein nach Kopenhagen, wo die Landung am 28. November wohlbehalten erfolgte. Erwähnenswert ist noch die merkwürdige Verwaltung des Landes. Fischen ist in der 3-Mcilen-Zone verboten, Fremden ist der Zutritt sehr erschwert und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse haben einen über­trieben monopolistischen Charakter.

Friihcinbriichc bei Milchhändlern. Kürzlich ereignete sich in Frankfurt folgender Vorfall: Ein Milchhändler, der frühmorgens mit seinen Angehörigen Milch austrug, ließ seine Tochter 20 Minuten nach dem Weggang in die Woh­nung zuruckgehen. Als das Mädchen die Vorplatztür öffnen wollte, wurde diese von innen aufgerissen und ein junger Mann, 2025 Jahre alt, in grauem Anzug, sprang heraus, stieß das Mädchen zur Seite und rief beim Fortlaufen:Gehe mir nicht nach, sonst schieße ich." Die Feststellungen ergaben, daß der Einbrecher einen Küchenschrank geöffnet und aus diesem drei silberne Herrenuhren, eine Damenuhr in Leder- armband und eine Rolle Pfennigstücke gestohlen hat. Es handelt sich um den Einbrecher, der seit Monaten in gewissen Abständen bei Milchhändlern in den Morgenstunden Woh- nungseinbrüchc ausführt.

A Festnahme eines Brandstifters. Die Kriminalpolizei in Hanau verhaftete den 27jäbrigen Arbeiter Emil Stein- berg aus Tannenberg i. P., der aus dem Arbeitshaus in Ueckermünde entwichen war. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß er int November und Dezember 1924 und im September 1925 in Pommern und Mecklenburg eine Reihe mit Korn gefüllte Scheunen in Brand gesteckt hat.

A Unterschlagungen in einem städtischen Arbeitsamt Beim Arbeitsamt in Kassel hat der frühere Kassierer des Amtes, Gräser, Unterschlagungen'in Höhe von rund 8000 Mark begangen. Er wurde vom Amte enthoben.

Enttäuschte Auswanderer. Einer Familie namens Waltersdorf aus G i e s e l w e r d e r, die vor etwa 12 Jahren nach Brasilien auswanderte und dort in bitterste Not geriet, ist es dank einer Sammlung unter Bekannten ermöglicht worden, mit dem DampferMonte Sarmiento" die Heimreise nach Deutschland anzutreten, so daß sie kurz vor Weihnachten eintreffen wird.

Schwerer Unfall. Auf dem Eidelstedter Ver- schiebebahnhof stießen eine leerfahrende Lokomotive und ein Güterzug zusammen. Die Lokomotive wurde aus dem Gleis geworfen und stürzte um. Ein unter sie geratener Rangierer wurde zermalmt. Der Lokomotivführer, der ebenfalls unter die Maschine geriet, wurde erheblich verletzt. Weitere drei Personen wutden leichter verletzt.

Zur Strandung des DampfersErnst Hugo Stinnes 11". Das Seeamt in Hamburg verhandelte über den Unter­gang des Hamburger DampfersErnst Hugo Stinnes 11" an der norwegischen Küste. Das Seeamt fällte folgenden Spruch: Der DampferErnst Hugo Stinnes 11" ist am 20. November auf Kasiebol bei Vich gestrandet. Er wurde vollkommen zertrümmert. Der Unfall wurde von dem nor­wegischen Lotsen verschuldet, weil er sich in den Feuern geirrt hat. Den Kapitän und den wachthabenden zweiten Offizier trifft kein Verschulden an dem Unfall.

Die Ehefrau erstochen. In Metz-Nord hat ein Trunkenbold, der frühere Fremdenlegionär Aubertin, seine Frau erschlagen. Die Frau war zum zweiten Male verheiratet. Zwischen den beiden war seit der Verheiratung immer ZaM und Streit an der Tagesordnung. Der Mörder, der durch einen Messerstich im Rücken verwundet ist, leugnete zuerst un­erklärte schließlich, er habe in Notwehr gehandelt.

Raubmordversuch. Auf der Straße zwischen Nie- kofen und Psalter (Bayern) sprangen zwei hinter einer Telegraphenstange versteckte Burschen einem Radfahrer entgegen und suchten diesen vom Rade herunterzureißen. Diesem gelang es jedoch, zu entkommen, worauf die Burschen dem Radfahrer zwei scharfe Schüsie nachfeuerten, ohne glück­licherweise zu treffen.

Wien bewirbt sich um das Denkmal Walters von der Vogelweide. Der Stadtsenat in Wien beschloß einstimmig, den Bürgermeister von Wien zu ermächtigen, über die Bundes­regierung an die italienische Regierung mit dem Anerbieten heranzutreten, daß die Gemeinde Wien für den Fall, daß sich die Nachricht von der Entfernung des Denkmals Walters von der Vogelweide aus Bozen bewahrheitet, dieses Denkmal über­nimmt und sich verpflichtet, es auf einem würdigen Platz der Stadt Wien aufzustellen.

Verurteilt. Der Schmiedemeister Tobias Schenk aus Stamm He im (Kreis Friedberg) wurde vom Schwurgericht Gießen wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu 2% Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte im Jähzorn seiner Schwiegertochter einen Stich in den Ober­schenkel beigebracht, an dem die Frau verblutete.

Reichsgräfin Gisela.

Roman von E. Marlitt.

71J (Nachdruck verboten.)

Tann fuhr er mit tonloser Stimme fort:Ich bin berufen, verschwiegene Sünden an das Licht zu ziehen, einen überlegenen Feind, eine Geißel der Menschheit anzugreifen und zu vernichten; aber das Schicksal zeigt auch gebieterisch auf ein armes Reh mit seinen unschuldi­gen Äugen, auf ein liebliches Geschöpf, das meine erste und einzige, meine unsterbliche Liebe ist, und fordert: Du sollst es mit eigener Hand verletzen, es soll schmerz- lich leiden durch dich! Gisela", flüsterte er in ausströmen­der Zärtlichkeit dicht an ihrem Ohr,ich habe vor dem Waldhause Ihre Beschuldigung des Jähzornes schwei- 8end hingenommen eS war etwas anderes ich innte es nicht ertragen, daß die Arme des Knaben mein Heiligtum, die vergötterte Gestalt umschlangen, die ich nie berühren durfte. Ich habe in den Stein­brüchen unter tausend Schmerzen der Entsagung Ihre kleinen Hände weggestoßen, während meine ganze Seele mit verkehrender Sehnsucht danach verlangte, Sie nur ein einziges Mal an mein Herz zu ziehen: ich habe noch vor roentg Augenblicken dort drüben, in Ihrem An­blick verloren, gestanden, von dem berauschenden Gedan­ken fast überwältigt, Sie in meine Arme nehmen und hinüber in mein einsames Haus retten zu dürfen . . Das sind Gedanken und Wünsche, die an Wahnwitz streifen ihre Vermessenheit wird grausam gestraft. Ich weiß ja nur zu sicher, daß Sie mich binnen einer Stunde von sich stoßen werden, als einen Vandalen, der Ihre Heiltgenoilber in den Staub gerissen hat! .

,Hch werde Sie nie von mir stoßen das weiß ich. Soll ich durch Sie leiden, so mag es geschehen. Und wenn die ganze Welt Sie um deswillen mit Steinen bewirft ich werde nicht einmal einen anklagenden Blick für Sie haben."

Sie schob sanft lächelnd, während Tränen in ihren Augen funkelten, die kleine Hand durch das Gitter der Banklehne und hielt sie ihm hin er sah es nicht, er hatte das Gesicht in beiden Händen vergraben. Als sie wieder niedersanken, war sein Gesicht so fahl und blutlos, daß es aus dem dunklen Gebüsch fast gespenster- haft hervorleuchtete; aber eS trug auch wieder das frü­

here feste Gepräge einer finsteren Entschlossenheit.

Gräfin, seien Sie hart gegen mich!" sagte er ru­higer.Nicht diese holde Sanftmut ich kann sie nicht ertragen. . . . Das, was ich unter allen Umständen tun muß, erscheint ihr gegenüber nur um so teuflischer. Ich habe Sie vorhin vor einem unvermeidlichen Blitz gewarnt ich kann ihn nicht von Ihrem Haupte abwenden, aber ich will auch nicht, daß er sie unvorberei­tet, unter allen jenen Gesichtern dort trifft . . . Keh­ren Sie nach Greinsfeld zurück. . . Gehen Sie und vergessen Sie mich, der ich verurteilt war, Ihren Weg auf eine so furchtbare Weise zu kreuzen . . . Und nun leben Sie wohl für alle Zeiten!"

Sie sprang auf.

Gehen Sie nicht!" rief sie.Ich kann nicht hart sein... Ich will mit Ihnen sterben, wenn «S sein muß . . ."

Bei diesen herzerschütternden Tönen wandt« er sich jäh um. Mit einer fast wilden Gebärde streckte er die Arme nach ihr aus, als wolle er sie in der Tat erfassen und in sein einsames Haus retten; aber auch ebenso schnell ließ er die Arme wieder sinken. Gleich darauf war er im Gebüsch verschwunden.

28. Kapitel.

Das lange, rauschende, endlos scheinende Musik­stück schloß mit einigen schmetternden Mkorden. Man verließ die geplünderten Büfette; auch der Fürst erhob sich und schritt in Begleitung des Ministers über die Wiese.

Mein Herr von Oliveira," sagte er sehr heiter zu dem Portugiesen, der plötzlich in seiner Nähe zwischen zwei Eichen hervortrat,Sie erscheinen sehr pünkt­lich; aber schelten muß ich Sie doch, daß Sie meinen vortrefflichen Champagner nicht besser zu würdigen wissen ich habe Sie nicht unter meinen Gästen gese­hen ... Ist Ihnen Übel? . . . Sie sehen bleich, fast möchte ich sagen erregt aus, wenn es nicht widersinnig wäre, sich einen Herkules, wie Sie, nervenerschüttert zu denken."

Ein Windstoß fuhr in diesem Augenblick rauschend schend durch die Eichenblätter und bog die Flammen der Fackeln tief seitwärts.

Ach, es scheint wahrhaftig Ernst zu werden!" rief der Fürst verdrießlich.Ich werde Sie wohl bitten

müssen, lieber Baron, mir für den Rest des Festes Ihren Saal einzuräumen; die jungen Leute dürfen doch nicht um ihren Tanz kommen!"

Der Minister berief sofort einen Lakaien zu sich und schickte ihn mit den nötigen Befehlen nach dem weißen Schlosse.

Ein halbes Stündchen Zeit wird uns ja wohl der Isegrim in den Lüften noch lassen," meinte der Fürst lächelnd zu den Damen, die sich um ihn scharten. ,Jch bin der Ansicht, daß die Erzählung des Herrn von Oliveira inmitten der Waldbäume und unter drohen­den Wetterwolken weit mehr pikanten Reiz erhalten wird, als im wohlgeschützten Ballsaale Sie haben das Wort, Herr von Oliveira!"

Der Fürst ließ sich unweit der Büste des Fürsten Heinrich nieder. Mit vielem Geräusch und abermals laut aufbrausender Fröhlichkeit wurden Stühle und Bänke herbeigetragen: ein weiter Kreis bildete sich um den Fürsten noch einige Minuten schwirrten die Stimmen durcheinander, rauschten die Seidenroben und klapperten die zusammenrückenden Stühle dann wurde eS plötzlich so erwartungsvoll still, daß man daS Knistern der Fackel hören konnte.

Der Portugiese hatte sich mit verschränkten Armen an die Rotbuche gelehnt, welche die Büste des Prinzen Heinrich beschattete. Die unruhigen Lichter spielten Über sein Gesicht hin es schien vollkommen unbewegt, wenn auch noch eine tiefe Blässe auf seinen braunen Wangen lag.

In diesem Moment erhob sich auch Gisela; sie schritt unbemerkt am Saum des Waldes hin und blieb neben einem mit Geschirr beladenen Tisch stehen, auf dem noch der Kasten mit Olivetras Juwelen stand . . . Obgleich sie lautlos unter den, einen tiefen Schatten werfenden Aesten hingeglitten war der Portugiese hatte sie doch geseben. Er konnte eine tiefe Bewegung in seinen Zügen nicht ganz verbergen; ein heißer, angstvoll bit­tender Blick flog zu ihr hinüber. Sie lächelte ihm zu und stützte die Hand fest auf den Tisch das.süße Lächeln, die ganze Gestalt mit dem hochgetragenen Haupt war beseelt von dem Gedanken:Mag kommen, was da wil.! Ich bin stark und mutig und halte un­erschütterlich zu dir, den ich liebe!"

(Fortsetzung folgt.)