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öchlüchtnner Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicherKnzeitzevfür Kar Kreis Schlüchtem
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Nr. 148
(1. Blatt)
Samstag, den 12. Dezember 1925
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Amtliche Bekanntmachungen.
Sandratsamt.
J.-Nr. 10416. Der Herr Medizinalrat (Kreisarzt) wird am Dienstag, dem 15. ds. Mts. von vormittags 10 Hz Uhr in der Gastwirtschaft Bö hm zu Sterbfritz Sprechstunden lten.
Schlüchtern, den 11. Dezember 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Rückzahlung der Saatgutkredite.
J.-Nr. 6357 K. A. Die Empfänger von Saatgut auf otstandskrcdit werden nochmals darauf hingewiesen, daß die Rückzahlung von mindestens 40 o/o des hierfür schuldenden Betrages unbedingt bis zum 1 5. Dezember 1 9 2 5 bei der Kreissparkasse hier erfolgt sein muß. Ueber den Rest ist ein Wechsel auszustellen, der im Februar mindestens zur Hälfte zu bezahlen ist. Der dann verbleibende Rest kann auf Antrag bis zum Herbst 1926 gestundet tverden.
Da der Kreis für den richtigen unb pünktlichen Eingang • der Beträge verantwortlich ist, muß gegen alle Schuldner von Saatgutkredit sofort zwangsweise vorgegangen werden, die bis zum 15. Dezember ds. Js. Abdeckung und Regelung in obiger Weise nicht bewirkt haben.
' Die Herren Bürgermeister werden ersucht, diese Aufforderung in den Gemeinden sofort öffentlich besannt machen zu lassen.
Schlüchtern, den 5. Dezember 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Leberegelseuche betreffend.
_ A-Nr. 6479 K. A. Es wird nochmals darauf hingewiesen, ba^liem Herrn KreiSvetennärrat noch eine größere Anzahl Kapseln „Merk'sches Felirerttakt" zur Verfügung stehen, die auf Verlangen kostenlos zur Behandlung leberegelkran- ker Tiere abgegeben werden.
Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß an die Hergabe von Leberegeldarlehen, wozu nur noch ganz beschränkte Mittel vorhanden sind, für die Folge neben den bisherigen Voraussetzungen, die weitere Bedingung geknüpft wird, daß der Antragsteller seinen gesamten Viehstand mit obigem Leberegelbekämpfungsmittel durch den Herrn Kreisveterinärrat behandeln läßt.
Schlüchtern, den 8. Dezember 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung
Bestellungen auf Weihnachtöbäume Mittwoch, den 1 6. d. Mts. auf dein schreiberei — entgegengenommen.
Steinau (Kr. Schlüchtern), den 10.
Der Magistrat. I.
werden bis zum Rathaus —Stadt-
Dez. 1925.
V.: Traudt.
Bekanntmachung.
Laut Verfügung der Reichsbahndirektion Frankfurt
M. vom 8. d. Mts. wird der Personenzug 825, ab 10,47
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nachmittags Frankfurt a. M. Hauptbahnhof, seither an 12,19 vormittags Gelnhausen an Sonntagen von Gelnhausen bis Fulda versuchsweise durchgeführt. Er wird für die Personen- befördening in 2.-4. Klasse nach den Stationen Steinau, Flieden, Neuhof, Kerzell und Fulda freigegeben, und wird in Steinaxt 12,5 ZvormittagS anhalten.
Wir machen besonders auf die günstige Gelegenheit aufmerksam, und bitten recht zahlreichen Gebrauch davon zu machen.
Steinau (Kr. Schlüchtern), den 10. Dez. 1925.
Der Magistrat. J. V.: Traudt.
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*■ Die Amnestieverhandlungen in Koblenz. Durch die Amnestieverhandlungen soll erreicht werden, daß bei der endgültigen Räumung her nördlichen Zone die wegen politischer Vergehen in den Gesängnissen der betreffenden Zone sitzenden Deutschen nicht in das andere Besatzungsgebiet uberfuhrt werden, da bei der Räumung der Zone die Verfolgung politischer Delikte in diesem Gebiet hinfällig wird. Die Verhandlungen werden, iuic verlautet, keinen abschließenden Eharakter Haben, svndcm es werden nur Vorschläge formuliert, deren endgültige Annahme den beteiligten Regierungen Vorbehalten
Ein Todesurteil.
Naumbura a d. S., 10. Dezember. Das Schwurgericht Na n m b u rg9 verurteilte einen landwirtschaftlichen Arbiter wegen Kindestötung zum Tode. Er hatte sein uneheliches Kind in die Unstrut geworfen. Die Tat war mit Ucberlcgung aekcbcben.
Die Finanzlage der Reichs.
Mehraufkommen an Steuern. — Keine Ueberschüsse.
In der Sitzung des Hauptausschusses gab der Vertreter des Reichsfinanzministeriums an der Hand reichen Zahlenmaterials einen Überblick über die Finanzlage des Reiches Er legte dar, daß die dauernd erforderlichen Aenderungen des noch nicht verabschiedeten Haushalts für 1925 die Beurteilung der Finanzlage sehr erschwerten.
Auf Grund der Erfahrungen der letzten Monate sei das Steueraufkommen für 1925 neu geschätzt. Hiernach würden Länder und Gemeinden rund 325, das Reich rund 100 Millionen mehr gegenüber dem Haushalts-Soll erhalten. Dieses Mehraufkommen bedeutet keine Ueberschußwirtschaft, da die Länder bereits bei Aufstellung ihrer Etats mit einem höheren Aufkommen aus der Einkommensteuer gerechnet hätten und das Reich den Mehrertrag brauche, um seinen Etat überhaupt ausgleichen zu können.
Der Gesamtbesoldungsaufwand an Grundgehältern, Wohnungsgoldzuschüfsen, Frauenzuschlägen, Kinderzuschlägen und örtlichen Sonderzuschlägen für das Reich einschließlich der gemäß Reichsversorgungsgesetz von den Beamtenbezügen abhängigen Renten der Kriegsbeschädigten und KriegLhinter- bliebenen, Reichspost, Reichsbahn, Länder und Gemeinden beträgt nach dem heutigen Stand rund 8,4 Milliarden Reichsmark jährlich.
Der Vertreter des Reichsfinanzministeriums gab sodann ein Bild der gegenwärtigen Kassenlage des Reiches, für die maßgebend sei, daß das Jahr 1925 in der ersten Hälfte höhere Einnahmen gebracht habe, als die zweite Hälfte bringen werde.
Der erste Geschäftsbericht der Deutschen Reichspost.
Die Deutsche Reichspost veröffentlicht jetzt ihren Geschäftsbericht für das Wirtschaftsjahr 1924. Durch das Reichspostfinanzgesetz vom 18. März 1924 wurde die Finanzverwaltung der Reichspost von dem allgemeinen Reichshaushalt abgetrennt und zu einem selbständigen Unternehmen gemacht, das nach kaufmännischen Gesichtspunkten verwaltet und finanziert wird.
In dem Wirtsmaftssühr vorn 1. UptU-jM4-bD> am 31. SO^. . 1925 sind innerhalb des Deutschen Reiches 3937,8 Millionen Briefe, nach dem Auslande aus dem Deutschen Reich« 256,6 Millionen Briefe befördert worden (1923: 1170 Millionen). Im Berichtsjahre wurden 262,2 Millionen Pakete befördert, im Vorjahr dagegen nur 166,5 Millionen.
' Im Luftpo st Verkehr 1924 wurden insgesamt 1620 842 Flugkilometer (1923:879108) zurückgelegt.
Im Postscheckverkehr wurden 78 501,3 Millionen Mark gegen 44 092,8 Millionen Mark 1914 umgesetzt. Ferner wurden im Jahre 1924 45,6 Millionen Telegramme befördert, was eine Abnahme gegen das Vorjahr um 23,1 Prozent beträgt. Im Funkverkehr wurden im ganzen 915 400 Telegramme befördert.
Die Fraltionsberatmigen.
Die Haltung der Deutschen Volkspartei.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. S ch o l z eine Fraktionssitzung ab, um zur Frage der Großen Koalition Stellung zu nehmen. Reichsaußenminister Dr. Stresemann wohnte den Verhandlungen bei. Ueber den Verlauf der Sitzung teilte die Fraktion folgendes mit:
Nach einem Bericht ihres Vorsitzenden billigt die Reichs- tagssraktion der Deutschen Volkspartei die von ihren Ver- handlungssührcrn dem Herrn Reichspräsidenten gegenüber eingenommene Stellung.
Auch die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung trat zu einer Sitzung zusammen. Nach der Reichstagsverhand- lung treten außer den Sozialdemokraten auch die Fraktionen der Deutschnationalen und der Bayerischen Volkspartei zusammen. Die Sozialdemokraten haben inzwischen dem Reichspräsidenten den Zwischenbescheid zukommen lassen, nach dem die Fraktion nach der abermaligen Sitzung ihre Stellungnahme zur Regierungsbildung bekanntgeben würde.
Luther wieder beauftragt?
Sobald sich aber in den Fraktionscrklärnngen die Situation einigermaßen übersetzen läßt und Wcitervcrhand- lungen zur Bildung der Großen Koalition Erfolg versprechen, ist mit der Betrauung einer Persönlichkeit durch den Reichspräsidenten zur Führung dieser Verhandlungen zu rechnen. Aber auch dann, wenn die Antworten der Fraktionen du Große Koalition als aussichtslos erscheinen lassen, ist bie Betrauung einer Persönlichkeit mit der Regierungsbildung zu erwarten. Allgemein herrscht die Auffassung, daß tu icbcnt Falle der bisherige Reichskanzler Dr. Luther wieder beauftragt werdest wird.
Ein Aufwcrtungsgesetzcntwurf seitens des Berliner Anwalts- Vereins.
Berlin, 10. Dezember. Auf Grund seiner praktischen Erfahrungen hat der Berliner Auwaltsverein zur Wahrung der Interessen des an der Aufwertung interessierten Publikums ein Auswertungsgesetz in Form eines Gesetzentwurfes nebst kurzer Begründung und einem dringenden Antrag an den Reichstag ausgearbeitet, der empfiehlt, die am 31. Dezember 1925 ablaufende Frist und die hiermit zusammenhängenden Fristen um drei Monate zu verlängern.
Europa unter einem Dach.
Seitdem der Locarno-Pakt in London unterzeichnet und damit die Politik in bestimmte Bahnen gelenkt worden ist, nehmen auch die wirtschaftlichen Zukunftspläne einen hohen Schwung. Wie in der Politik, sollen, so heißt es, auch im wirtschaftlichen Leben die Meinungsverschiedenheiten ausgeschaltet und damit ein Zustand geschaffen werden, der allen Staaten und Völkern zu Wohlfahrt verhilft. In jedem Lande strebt der Nährstand, die Industrie und die Landwirtschaft nach einer lohnenden Tätigkeit und die Regierungen sind bemüht, ihnen einen ausgedehnten Absatz zu sichern. Es ist dabei allerdings unvermeidlich, daß die Konkurrenz sich geltend macht, und es ist daher zweifelhaft, wie sich die Lage in Zukunft gestalten wird.
Um alle Schwierigkeiten zu beseitigen, geht nun der neue Gedanke dahin, aus allen europäischen Staaten ein einziges großes Marktgebiet zu schaffen, dessen Angehörige frei in ganz Europa ihre Produkte feilhalten und verkaufen können. Alle Zollschranken zwischen den einzelnen Ländern sollten fortfallen und somit der Solidität und Leistungsfähigkeit Tür und Tor geöffnet werden.
Der Plan erscheint auf den ersten Blick kühn und abenteuerlich, aber er ist es wohl wert, eingehend geprüft zu werden. Er ist nur im großen Maßstab, vor 1828 schon in kleinem Umfange erzielt worden. Bis 1828 hatten alle deutschen Staaten ihre eigenen Zollsätze und das Warenangebot hatte mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Nacht zum 11. Januar 1828 fielen innerhalb Deutschlands alle Zollschranken und seitdem datiert der Aufschwung in der Industrie und im Handel Deutschlands. Es ist nun wohl die Frage erlaubt, warum der Plan nicht auch in Europa verwirklicht werden sollte.
Natürlich sind die Schwierigkeiten groß, die in den finanziellen Verhältnissen der verschiedenen Staaten begründet sind. Seit der Jahrhundertwende ist wiederholt der Plan ausgetaucht, eine Zollunion zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn herbeizuführen, aber es ist bei dem Projekt geblieben. Für ganz Europa sind die Hemmnisse auch bedeutender.
""Aber es feigst -mnh-uicht au-Grüuüeu^. die^ ernstlich dafür sprechen. Da ist, wie schon erwähnt, die Herstellung eines großen Marktgebietes, das dem Nährstand des ganzen Erdteiles in gleichem Maße zu gute kommen muß, ferner der Hinblick auf die Konkurrenz des durch seine Rohmate- ralien und seine Kapitalien gewaltigen Amerika. Wenn die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika einen übermächtigen Waren-Jmport nach Europa zeigen, so bleibt für Europa nur eine Notwehr übrig, wenn es nicht eine amerikanische Handelsprovinz werden will: Dann wird der Augenblick gekommen fein, Europa unter ein Dach zu bringen, damit seine Interessen in entsprechender Weise gewahrt werden können.
Zur Abfindung der Sohenzollern.
Der Standpunkt des ehemaligen Königshauses.
Der Generalbevollmächtigte des vormals regierenden preußischen Königshauses betonte in einer Erklärung über den Vergleich zwischen dem preußischen Staat und dem Hohenzollernhause, daß sich das Königshaus in weitgehendem Maße bereit gezeigt habe, der finanziellen Lage und den kulturellen Interessen des Staates, sowie der allgemeinen Wirtschaftsnot Rechnung zu tragen. Es habe auf einen Wert von 70 bis 80 Millionen Mark verzichtet.
Die Vermögenswerte des ehemaligen Königshauses kämen 49 Köpfen zugute. Seit bent 1. Januar 1924 erhalte das Königshaus monatlich 50 000 Mark, die aus den Erträgen der Krongüter genommen würden. Der ehemalige Kaiser habe bisher lediglich einen einmaligen Betrag von 32 Millionen Papiermark und 24 000 Gulden vom preußischen Staat erhalten, was einem Wert von 1 Million Goldmark gleichkomme. Durch die Entwertung und Kriegsfolgen sind rund 100 Millionen Goldmark verloren gegangen.
Nach dem Vergleich erhält das Königshaus rund 300 000 Morgen Landbesitz, der einen Reinertrag von 500 000 Goldmark abwirft. Ferner erhält das Königshaus eine Barentschädigung von 30 Millionen Goldmark. Bei einer Verzinsung von 10 Prozent ergibt dieses Kapital eine Einnahme von 3 Millionen Mark. Hiervon gingen 50 Prozent Steuern ab, so daß einschließlich der Einnahmen aus dem Grundbesitz das gesamte Königshaus jährliche Einkünfte von 2 Millionen Goldmark habe. "Der Staat erhalte nach den amtlichen Schätzungen insgesamt Vermögenswerte im Betrage von 665 Millionen Mark sowie bie-188 Millionen Mark betragende Kronrente. Das Hohenzollernhaus erhalte dagegen, gleichfalls nach amtlicher Schätzung, insgesamt Vermögenswerte von 180 Millionen Mark, also ein Sechstel oder 17 Prozent der gesamten Bermögenssubstanz.
Die englisch-französische Spionageafsare.
Paris, 10. Dezember. Der „Matin" berichtet, unter den in der Wohnung der drei Engländer beschlagnahmten Gcf>äck. stücken sei nichts gefunden worden, was einen Spionagefall aks vorliegend gelten lassen könne. Nichts berechtige zu dem Schluß, daß die Angeschuldigten mit den Nachrichtenstellen ihres Landes in Verbindung getreten seien. Man erwarte daher, daß die Angeschuldigten bei ihrem nächsten Verhör einen Antrag aus vorläufige Freilassung stellen Werdern _ . _