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Der Wortlaut -es £ocan!c;^e&

Berlin, 21. November (Eig. Mldg.)

2Bic wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, ist der Entwurf eines Gesetzes über die Bc.träge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gestern dem Reichsrat zugegangen. Der Entwurf umfaßt drei Artikel und hat folgenden Worts mt: „Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, l 'S mit Zustimmung des Reichsrates hiermit verkündet w.rd:

Artikel I

Den Verträgen, die dem am 16. Oktober 192a in Locarno unterzeichneten Schlußprvtokoll beigefügt sind und am 1 Dezember 1925 in London unterzeichnet werden sollen, nämlich

1. dem Vertrag zwischen Deutschland, Belgien, Frank­reich, Großbritannien und Italien,

2. dem Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Belgien,

3. dem Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich,

4. dem Schiedsvertrag zwischen Deutschland und Polen,

5. dem Schiedsvertrag zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei wird zugestimmt.

Artikel II

Die Reichsregierung wird ermächtigt, die zum Eintritt Deutschlands in" den Völkerbund erforderlichen Schritte zu tun.

Artikel III

Dieses Gesetz tritt mit dem auf die Verkündigung fol­genden Sage in Äraft

Berlin, den... . November 1925 Der Reichspräsident."

Inhalt und Wortlaut der dem En.wurf beigefügten Anlagen find bereits bekannt.

ll-Sorte und Locarno.

Eine Erklärung des englischen Marineministers.

Der englische Marineminister Dorel hat englischen und amerikanischen Journalisten auf die Frage über seine An­sichten betreffend der Unterseeboote erklärt:

„Wir tragen dem Geiste von Locarno Rechnung, wenn wir die Einschränkung des Schiffbaues vorschlagen. Das Bau­programm von 1925 wird aus 18 Monate verteilt werden. Das gleiche werden wir für das Bauprogramm von 1926 Vor­schlägen, so daß unser Schiffbau um ein Drittel vermindert wird, da das Bauprogramm von zwei Jahren auf diese Weise auf drei Jahre verteilt werden wird. Wir hoffen, daß diese ohne Druck von außen und ohne internationale Abmachungen unternommene Initiative von den anderen Ländern nach- geahmt werden wird, die auf diese Weise den praktischen Weg der progressiven Abrüstung beschreiten würden. Man hat von der Ausschaltung des Unterseebootes als Kriegswafsc ge­sprochen, weil man es als ein Organ der Zerstörung ansicht.

Dasselbe gilt für alle dem Kriege dienenden technischen Mittel, doch ist es sicher, daß vom wissenschaftlichen Staub* Punkt aus das Unterseeboot von Interesse bleibt. Gewisse Studien können nur dank seiner Anwendung gemacht werden. Es ist ein Instrument des Fortschritts, und es kann nicht von der Liste der Errungenschaften der Wissenschaft gestrichen wer­den, die es nutzbar macht, um neue Möglichkeiten -n erforschen Es muß der Entwicklung. d^Kiviliiannn dienen "-----

Äie EnttuaffnmigSsrage.

Berlin, 23. Novbr. Dem Reichstage ist das Deut­sche Weißbuch, „Materialien zur Entwaffnungsnote", zugegangen. Es enthält außer den bereits veröffent­lichten Noten Aufzeichnungen über den Verlauf der zwischen dem 6. und 11 November in Paris und in Berlin in der Entwaffnungsfrage geführten Ver­handlungen. Der hauptsächlichste Inhalt dieses Weiß­buches ist durch die vorangegangenen Verhandlungen über Entwaffnung, Räumung der Kölner Zone und Locarno hinlänglich bekannt. Besonders hervor­gehoben seien nur die Abmachung über Reichswehr- minister und Chef der S e e r e s leitung, die jetzt in ihrer endgültigen Fassung wie folgt lauten: Der Reichswehrminister übt unter dem Reichspräsidenten die Befehlsgewalt über das Heer aus. Das Reichs- wehrmcnisterium, die Oberbefehlshaber der Gruppen

und die Divisionskommandeure unterstehen ihm nn- mittelbar, ebenso die LandeSkoniinandanlen hinnchtlich ihrer besonderen Obliegenheiten. Der Chef der Heeres­leitung gehört dem Reichswehrministerium an. Er ist der militärische Berater des Reichswehrministers und sein Vertreter in den militärischen Angelegen­heiten des Heeres.

Deutsches Beileid.

Berlin, 23. Novbr. Der Reichspräsident hat dem König und der Königin von England anläßlich des' Ablebens der Königin-Mutter Alexandra seine Teilnahme ausgesprochen.

Der BarmatauSschuß des Reichstages.

Berlin 23. Novbr. Im Barmat-Untersuchungs- ansschnß des Reichstages wurde mitgeteilt, daß das Aktenmaterial jetzt auf 500 große Aktenbündel auge- wachsen sei. Man rechnet, daß die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anklageschrift bis zu Weihnachten fertig sein wird. Bis dahin sollen die parlamentarischen Untersuchungen ausgesetzt werden, da für die weiteren Verhandlungen die gerichtliche Anklageschrift benötigt wird.

Ein Lustmord in Hamburg.

Hamburg, 23. Novbr. In Groß-Borstel wurde ein Sexualmord verübt. Man fand in einer Senkgrube die Leiche eines 20jährigen Mädchens Loges, die am Halse verschiedene Messerstiche aufwies. Der Krimi- ualpolizei gelang es, als Täter einen Bäckergesellen Herwede aus Schleswig festzustellen und zu verhaften. Es handelt sich offenbar um einen Lustmord. Der Täter hat bereits ein teilweises Geständnis abgelegt. Das bedauerliche Opfer stand in dem Rufe eines völlig unbescholtenen Mädchens.

Zum Untergang des englischen U-Bootes.

London, 23. Novbr. Die britische Admiralität be­schuldigt in einer amtlichen Mitteilung den schwedi­schen Frachtdampfer „Vidar", das Unterseeboot „M 1" gerammt und dadurch zum Sinken gebracht zu haben. Es verlautet, daß aus Stockholm eine Depesche vorliege, wonach der Kapitän der „Vidar" zugibt, das U-Boot gerammt zu haben.

Das Sophienhaus in Weimar.

Weimar, 23. Novbr. Anläßlich des 50jährigen Be­stehens des von der Großherzogin Sophie von Sachsen gegründeten Schwesternhauses „Sophienhaus" stiftete die ehemalige Frau Großherzogin 5000 Mark für den Pensionsfonds der Schwesternschaft.

Der Rundfunk in Persien.

Konstantinopel, 23. Novbr. Die persische Re­gierung hat durch einen Erlaß das bisherige Verbot der Einrichtung von funkentelegraphischen Stationen aufgehoben und den Bau einer großen Sende- anlage in Teheran beschlossen. In den Stufen Rescht, Täbris, Hamadan, Jspahan, Schiras und Meschncd sollen kleinere Funkstationen eingerichtet werden.

" Mussolini geht nicht nach London. Nach einer Meldung aus Rom wird die italienische Delegation, die sich zur Unter­zeichnung des Paktes von Locarno nach London begeben wird/ aus dem Führer der italienischen Delegation in Locarno, ISennfor Scialojq, ferner NUI bein MNglicd der gleichen Dclo. gation Marquis Mardici del Dascello und dem Rechtssachver­ständigen Pilotti bestehen.

^ Verschiebung der Paktunterzeichnung? Der „Jntran- sigeant" rechnet mit der Möglichkeit, daß die Unterzeichnung des Sicherheitspaktes in London um zehn bis vierzehn Tage verschoben werden könne, weil die aus diesem Anlaß vorge­sehenen Festlichkeiten durch das Ableben der Königin-Mutw- Alexandra nicht stattfinden könnten.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. November.

Präs, e Lobe teilt mit, daß der Reichsminister des Innern oie Verhaftung der kommunistischen Abgeordneten Heckert, Hörnle, Koenen, Remmele und Stöcker wegen Hochverrates beantragt habe lLcbhafte Pfuirufe bei den Kommunisten). Der Antrag wird dem i Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Die

erste Beratung des Handels- und SchiffahrtSvertrageS mit Italien wird darauf fortgesetzt.

Zunächst nimmt Außenminister Dr. Strosemann das Wort. Er erklärt: Wie ich aus den Berichten der Presse ersehen habe, sind in der gestrigen Sitzung des Reichstages bei der Beratung by deutsch-italienischen Handelsvertrages scharfe und beleidigende An- griffe gegen die italienische Regierung und den italienischen 1 Ministerpräsidenten erhoben worden. Ich bedaure, daß die Ge. legenheit der Beratung über icnc Frage wirtschaftlicher Berstän. digung zwischen beiden Ländern dazu benutzt worden ist, um Fragen c fzuwerfen, die in beut Gegensatz der Welt- und Staats, anschauur ihre Begründung finden. Es ist meine selbstverständ- liche Pfliwt, gegen diese Angriffe, namentlich gegen die Form, in der sie erstiM sind, hier Einspruch zu erheben. Ebenso wie wir in Deutschlau' uns dagegen verwahren würden, daß innerdeutsch Verhältnis!' zum Gegenstand der Erörterungen in ausländische, Parlamenten gemacht werden, so scheint es mir auch nicht ange. bracht, dies unsererseits zu tun. So weit in den Reden verschie­dener Abgeordneter Fragen erörtert worden sind, die sich auf die Erfüllung der von anderen Staaten übernommenen internationalen Verpflichtungen gegenüber ihren Minderheiten beziehen, so bürste diese Frage bei einem eventuellen Eintritt Deutschlands in der Völkerbund die Möglichkeit aktueller Erörterung geben und Sie können überzeugt sein, daß die Reichsregierung sich der moralischen Pflichten durchaus bewußt ist, die ihr aus dem kulturellen Zr. sammenhang der deutschen Stämme in der Welt erwachsen. Der Vertrag, den Sie hier beraten, ist zustandegekommen in einem vertrauensvollen Wirken der Unterhändler beider Länder, und ich dürfte bitten, diese Zusammenarbeit nicht durch Erörterungen inncrpolitischer italienischer Verhältnisse von unserer Seite störend zu beeinflussen. (Beifall.).

Abg. Graf Reventlow (Dtschvölk.) hält gute Beziehungen zn Italien für durchaus wünschenswert. Bisher sei aber davon leider noch nicht viel zu merken.

Abg. Stöcker (Komm.) verurteilt ebenfalls die italienische Politik gegenüber den Deutschen in Südtirol. Er spricht sich schloss gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aus. Den Handelsvertrag mit Italien lehnt der Redner ab.

Der Vertrag mit Italien wird darauf dem Auswärtigen Aus- schuß überwiesen.

Das vorläufige Zollabkommen mit der Schweiz und das Uöbercinkommen mit Oesterreich zur Regelung einzelner Sollfragen werden ohne Aussprache, auf Antrag des Abg. Sejeune- Jung (DntÜ) dem Auswärtigen und Handelspolitischen Ausschuss überwiesen.

Es folK die erste Lesung des Gesetzentwurfes über die vor­läufige Regelung des Haushaltes für 1925. Darnach wird der Notetat bis zur gesetzlichen Feststellung des Haushaltplanes ver­längert. Abg. Stöcker (Komm.) protestiert gegen die Notgesetz­gebung.

Abg. Koch-Weser (Dem.) nennt die Borlage einen schlechten Witz, weil der Reichstag sein Budgetrecht nicht preisgeben dürfe. Der Redner beantragt eine Befristung der Borlage bis zum 31. De­zember 1925.

In der zweiten Lesung schließt sich Abg. Dr. Hertz (Soz.) diesem Antrag an.

Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium erklärt, die Regierung beabsichtige nicht, die Rechte des Hauses zu beschränken. Die Regierung habe sich bemüht, die Beratung des Haushaltes zu Ende zu bringen. Das sei aber nicht möglich gewesen, aus Gründen, für die die Regierung nichts könne. Die unbestimmte Frist sei,vorgeskblagLN.^iul möglichst das Haus zur Verabschiedung des Etats zu veranlassen. Wenn eine Befristung notwendig sei, so sollte man den 31. Januar 1926 nehmen. Es wird in zweiter Lesung der 31. Dezember als Endtermin festgesetzt. Die dritte Lesung findet später statt. Das Haus vertagt sich.

Montag 11 Uhr: erste Lesung des Vertrages von Locarm

Aus aller Well.

□ Selbstmord eines Reichswehrsoldaten. Der 201t Jahre alte Reichswehrsoldat Erich Richter hat sich in P a s s a u durch einen Schuß ins Herz mit seinem Dienstgewehr getötet. Die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt.

□ Die Oberrheinische Brikettfabrik durch Schadenfeuer stillgelegt. In Mannheim gerieten die in einer Brikett­trommel befindlichen Kohlen in der Oberrheinischen Brikett- fabrik durch Ueberhitzen in Brand. Die aus der Trommel berausichlagenden Flammen entzündeten ein Holzgerüst. Die

Reichsgräfin Gisela.

Roman Ddn E. Marlitt.

62j (Nachdruck verboten.)

Er griff wieder nach ihren Händen und nahm sie zwischen die feinigen. Mit sanfter Gewalt zog er Gisela neben sich auf ein Sofa, sprang aber noch einmal auf, öffnete die Tür nach dem Korridor und überzeugte sich, daß derselbe menschenleer sei.

„Es handelt sich um ein Geheimnis," sagte er zurückkehrend mit gedämpser Stimme, „um ein Ge­heimnis, dem ich nur dies eine Mal Worte geben darf — sie sollen von meiner Lippe zu deinem Ohr gelangen, dann aber muß ihr Klang erlöschen für alle Zeiten... Armes Kind, ich hätte dir von Herzen gern noch ein Jahr der ungebundenen Freiheit gegönnt! Leider trägst du selbst die Schuld — dein unüberlegter Ritt gibt dei- r-’m Leben eine überraschend schnelle Wendung; ich bin gezwungen, da- auszusprechen, was ich am liebsten für immer und ewig verschwiegen hätte . . ."

Er deutete nach dem Bild ihrer Mutter. Jetzt halten sich ihre Augen bereits an das gesümpfte Licht des Zimmers gewöhnt; sie sah die Umrisse der Gegen­stände kräftiger hervortreten; auch die helle Gestalt mit dem blumengeschmückten Haupt hob sie aus dem Schat­ten, die feelenvollen Augen lächelten nach ihr herüber, und man hätte meinen können, die gehobene blumen- gefüllte Hand wolle die blühenden Lieblinge der ver­waisten Tochter zuwerfen.

„Tu warst noch sehr jung, als sie starb — du rast sie nie gekannt," sagte der Minister weich. „Und deshalb konnten wir uns bei deiner Erziehung auch weniger auf ihr Andenken, als auf das deiner Groß­mutter beziehen . . . Aber sie war ein Engel, sanft und fromm wie eine Taube — ich habe sie sehr geliebt!"

Ein ungläubiges Lächeln glitt flüchtig über das Gesicht des jungen Mädchens — er hatte den „Engel" sehr schnell vergessen über dem surienhaften Geschöpf, das dort eben zur Tür hinausgeflogen war.

„Sie ist bis jetzt einflußlos auf dein Leben gewe­sen," fuhr er fort. „Von nun an aber wirst du einem Weg gehen, den sie dir selbst, kurz vor ihrem frühen

Tode, mit fester, sicherer Hand vorgezeichnet hat. Das darauf'bezügliche Schriftstück liegt in A. — es soll in deine Hände gelangen, sobald ich nach der Stadt zurück­kehren werde."

Er hielt inne, als erwarte er irgendeinen unter­brechenden Ausruf, eine Frage seiner Stieftochter; allein sie schwieg beharrlich und erwartete scheinbar gelassen die weitere Entwicklung seiner Mitteilungen. Er sprang in sichtlicher Ungeduld auf und ging rasch einmal im Zimmer auf und ab.

„Du weißt, daß der größte Teil der Völdernschen Besitzungen vom Prinzen Heinrich herstammt?" fragte er, plötzlich stehen bleibend, in so kurzem, unumwunde­nem Ton, als gelte es, mittels eines einzigen Hiebes den dunklen Knoten durchzuhauen.

„Ja, Papa!" entgegnete Gisela, den Kopf neigend.

„Du weißt aber nicht, auf welche Weise sie in die Hände der Großmama gekommen sind?"

„Man hat nie mit mir darüber gesprochen; aber ich kann mir selbst sagen, daß sie die Güter getauft haben wird," versetzte sie vollkommen ruhig und harmlös.

Ein häßliches Lächeln zuckte um den Mund Seiner Exzellenz. Er setzte sich rasch wieder nieder, ergriff die schlanken Hände, die gefaltet auf den Knien der jungen Dame lagen, und zog sie vertraulich an sich heran.

„Komm einmal her, mein Kind," flüsterte er, „ich habe dir etwas zu sagen, das voraussichtlich dein un­schuldiges Gefühl für einen Augenblick erregen wird . . . Aber ich füge ausdrücklich hinzu, daß dergleichen Fälle zu Tausenden Vorkommen, und daß die Welt sie sehr — nachsichtig beurteilt ... Du bist achtzehn Jahre alt; man kann und darf nicht immer Kind bleiben hinsichtlich gewisser Begriffe — die Großmama war die Freundin des Prinzen . . ."

„Das weiß ich, und so wie ich dieses Freundschafts­verhältnis beurteile, muß er sie verehrt haben wie eine ; Heilige!"

„Nun denn," sagte er nach einer kurzen Pause . stirnrunzelnd, indem er sich mit einer ungeduldigen i Bewegung wieder niederließ, „wenn du es durchaus so willst, die Großmama war also die Heildge des Prin­zen — Er liebte sie so abgöttisch, daß er in den Zeiten

seiner höchsten Verehrung ein Testament verfaßte, in dem er seine Verwandten verstieß und — die Gräfin Völdern zur Universalerbin einsetzte."

Jetzt kam eine lebhafte Bewegung in die Züge des jungen Mädchens — sie hob unterbrechend die Hand. — „Natürlich hat die Großmama gegen eine solche Ungerechtigkeit energisch protestiert!" sagte sie mit atem­loser Spannung, aber doch mit unerschütterlicher Zu­versicht.

„O Kind, es kommt ganz anders, als du denkst: . . . Das muß ich dir übrigens sogen, die ganze West würde gelacht haben, wenn die Großmama in deinem Sinn gehandelt hätte. Gegen die Annahme einer halben Million protestiert man nicht so ohne weiteres, Lieb­chen! ... In diesem Fall ist das Verhalten der Groß­mama, welche die Erbschaft ruhig annahm, nicht im entferntesten anzutasten — der Fehlende war Prinz Heinrich, nicht sie! . . . Dagegen kommen wir jetzt an einen Puntt, den auch ich nicht entschuldige —"

„Papa, ich möchte lieber sterben, als diesen Punkt hören," fiel das junge Mädchen mit vollkommen klang­loser Stimme ein. Sie saß da mit blutlosem Gesicht und zuckenden Lippen und lehnte den Kopf an das Sophapolster zurück.

„Herzenskind, es stirbt sich nicht so leicht . . . Du wirst weiter leben, auch wenn du diesen Puntt kennst, und wenn ich dir raten soll, so suchst du ihn möglichst schnell wieder zu vergessen . . . Das Testament des Prinzen lag also bereits seit Jahren da, und sein Verhältnis zu deiner Großmama blieb ein ungetrübtes, öis sich plötzlich böswillige Einflüsterungen zwischen die beiden Menschen drängten — es geschah öfter, daß sie in Groll voneinander schieden ... Da gab die Gräfin Völdern einen großen Maskenball in Greins- feld: der Prinz war nicht erschienen — man hatte sich wieder einmal gezantt . . . Plötzlich gegen Mitternacht wird der Großmama gesagt, Prinz Heinrich liege im Sterben — wer ihr die Nachricht zngefltistert hat, weift bis heute niemand. — Sie stürzt aus dem Saal, wirft sich in einen Wagen und fährt nach Arnsberg — deine Mutter, damals ein siebzehnjähriges Mädchen, das den Prinzen geliebt hatte wie einen Vater, begleitete sie "

(Fortsetzung foHt >