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Nr. 133

(1. Blatt)

Samstag, den 7. November 1925

77. Jahrg

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Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 9278. Zwischen der hiesigen Preisprüfungsstellc und der Bäckerinnung sind mit Wirkung vom 1. d. Mts.

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folgende Preise vereinbart worden:

1. Roggenbrot 15 Pfg. das Pfund, mithin 4 Pfund 60 Pfg., 6 Pfund 90 Pfg.

2. Brötchen von 65 Gramm Gewicht 5 Pfg.

(je 13 Gramm 1 Pfg.)

Den Jnnungemitgliedern soll es frei gestellt werden, in

wclchen Gewichten sie die Backwaren herstellen, jedoch dürfen Brote nur in vollen Pfunden und Brötchen nur in einem durch die Zahl 13 ohne Nest teilbaren Grammgcwicht herge- stellt und feilgchalten werden.

Die Bäcker und Verkäufer von Backwaren werden auf die nachstehende Polizeiverordnung vom 13. Februar 1924 betr. Preise und Gewicht für Backwaren erneut hingewiesen.

die

Schlüchtern, den 4. November 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

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Polizeiverordnung.

J.-Nr. 1669. Auf Grund des § 142 des Gesetzes über allgemeine Landesverwaltung vom 30, Juli 1883, der

§§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867, des Artikels 111 des Geldstrafengesetzes vom 27. April 1923 in der Fassung des Artikels 1P der Verordnung auf Grund des Gesetzes über Vermögensstrafen und Bußen vom 23. November 1923 und der §§ 73 und 74 der Reichsgewerbe- ordnung wird für den Umfang des Kreises Schlüchtern mit Zustimmung des KreiSauSschusseS folgende Polizeiverordnung erlassen.

1. Die Bäcker und die Verkäufer von Backwaren haben die jeweiligen Preise und das Gewicht ihrer verschiedenen BaMtareN d«-ch einen von außen sichtbaren Anschlag ,''v Verkaufslokale zur Kenntnis des Publikums zu bringen.

2. Die Bäcker und die Äerkäufer von Backwaren haben im Verkaufölokal eine Wage mit den erforderlichen geeichten Gewichten aufzustellen und deren Benutzung jum Nachwiegen der verkauften Backware zu gestatten.

3. Zuwiderhandlungen werden, soweit sie nicht durch allgemeine Strafgesetze mit höherer Strafe bedroht sind, mit Geldstrafe von 1 bis 150 Goldmark oder entsprechender Haft bestraft.

4. Vorstehende Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Schlüchtern, den 13. Februar 1924.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 9332. Die Herren Bürgermeister und GutSvor- steher werden an die sofortige Einsendung der Ver­zeichnisse der Gebrechlichen erinnert. S. Verfügung vom 27. v. Mts. J.-Nr. 9016 Schlüchterner Zeitung Nr. 129

Schlüchtern, den 5. November 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheiö.

Kssisausschutz.

Kreistagswahl.

J.-Nr. 5745 K. A. Die öffentliche Sitzung des Wahl­ausschusses für die KreiStagSwahl zur Festsetzung der für die KreiStagSwahl zuzulassenden Wahlvorschläge, findet am Donners t a g, d e n 12. November 1925 Vor­mittags 10 U h r im hiesigen Kreistagesaal statt.

Schlüchtern, den 5. Novxmbcr 1925.

Der Wahlleiter.

Leberegeldarlehen betr.

J.-Nr. 5678. K. A. Ich sehe mich veranlaßt, auf die in Nr. 41 der Schlücbterner Zeitung veröffentlichten staat­lichen Bestimmungen J.-Nr. 2727 Hiermit nochmals hinzuweisen und deren genaueste Befolgung und Beachtung den Viehbesitzern wie den Ortspolizeibehörden zur Pflicht zu machen. Ausdrücklich hebe ich hervor, daß Darlehen nur an kleinere Vieh- und Grundbesitzer und an solche, auch nur zur Linderung der dringendsten N 0 t st ä n d e gegeben werden können. Anträge, bei denen diese Voraus­setzungen fehlen, sind von der Weitergabe hierher auszu- schließen. Dasselbe hat zu geschehen bei solchen Anträgen, denen das vorgcschricbcne AbschätzungSprotokoll der 2>ts- kommission einschließlich Kreistierarzt fehlt. Die Begutachtung eines Tieres durch einen nicht beamteten Tierarzt hat keine Gültigkeit. ,

Der Kreistierarzt muß vor der Tötuug eines lebe^- egelkranken Tieres zur Untersuchung hinzugezogen werden. Ferner hat der Kreistierarzt die Fleischbeschau bei einem wegen Leberegelseuche notgeschlachteten Tiere vorzunehmen.

Schlüchtern, den 2. November 1925.

Der Vorsitzende deS KreiöausschusseS.

Staatl. Kreiskasse.

An die Gemeindektrssen- bzw. Staatsstener- Hebestellerr des Kreises.

Betr. Grundvermögens- und Hauszinssteuer- Rückstände.

Diejenigen Gemeinden, die mit der Ablieferung der Grundvermögens- und HauSzinssteuer, gemäß unserem An- forderungszcttcl vom 19. v. Mts. noch im Rückstände sind, werden dringend ersucht, diese bis zum 12. d. Mts.

zu bewirken. Es wird besonders darauf macht, daß am 13. d. M t s. die Reste gemahnt und außerdem hohe Zuschläge müssen.

Schlüchtern, den 4. November 1925.

aufmerksam gc- gebührenpflichtig berechnet werden

L>taatl. Kreiskasse. Schade.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Geeignete Arbeiter aus Schlüchtern, welche sich bei den Holzfällungsarbiten im Stadtwald Schlüchtern beteiligen wol­len, werden aufgefordert, sich am Montag den 9. d. Mts. vormittags 10 U h r im Rathaus zwecks Ab­schluß des Arbeitsertrages einzufinden.

Schlüchtern, den 4. November 1925.

Der Magistrat. Gaenßlen.

für

Tarif

die Erhebung des Standgeldes auf den Märkten zu Schlüchtern.

1. Für Pferde, Fohlen, Rindvieh pro Stück 30 RPfg.

2. Kälber, Schweine, Schafe und Ziegen

pro Stück 10 RPfg.

3. Für Krammarktstände bis 3 m Frontlänge 50

von 3aj$ ,m . 616 m

1 RÄk.

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6. einzelne Tische bis höchstens 1,5 m Frontlänge 50 RPfg. Der Tarif ist durch Beschluß des Bezirksausschusses in Cassel vom 27. 10. 1925 B. A. 2125 genehmigt.

Schlüchtern, den 4. November 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Die Parteiführer beim Kanzler.

Jnforrnatorischc Besprechungen.

Reichskanzler Dr. Luther hat zusammen mit dem Neichs- außcnminister Dr. Stresemann die Führer der Parteien emp­fangen, die nicht zur Regierungkoalition gehören.

Zunächst wurde der Lbg. Koch als Vertreter der dentokra- tischen Neichstagsfraktion empfangen. Er teilte dem Reichs­kanzler mit, daß die demokratische Neichstagsfraktion ihre Zu­stimmung zum Vertrag von Locarno von einer befriedigenden Lösung der Rückwirkungen abhängig macht. Sie wird sich für eine ehrliche Durchführung der Politik von Locarno und eine Annäherung der europäischen Staaten einsetzen.

Für die dcutschnationale Reichstagsfraktion war der Frak- tionsvorsitzende Graf Westarp erschienen. Ihm berichtete der Reichskanzler über die gestrigen Besprechungen mit den Führern der Regierungsparteien und über den gegenwärtigen Stand der politischen Äge. Die Besprechung hatte nur in­formatorischen Charakter. Den gleichen Verlauf nahm die Besprechung des Reichskanzlers mit den Führern der sozial- demokratischen Neichstagsfraktion Müller-Franken, Brcii- scheid und Hilferding. Auch diesen Herren gab der Reichskanzler Information über bie augenblickliche politische Lage, die noch ergänzt wurde durch Ausführungen des Reichsaußennimisters Dr. Stresemann, der Aufklärung gab über den guten Fortgang der Verhandlungen mit den anderen Mächten. Die sozial- demokrätischen Führer nahmen diese Informationen entgegen, ohne dazu im Augenblick Stellung zu nehmen. Eine Ent­schließung wird erst in der Fraktionssitzung der Sozialdemokra- ten am Freitagnachmittag erfolgen. Ein Empfang der Führer der Völkischen und der Kommunisten war, wie wir weiter aus parlamentarischen Kreisen hören, nicht vorgesehen.

Das Zentrum und Locarno.

Stic Neichstagsfraktion des Zentrums hat nach längerer n&ratung folgende Entschließung gefaßt:

In ihrer sachlichen Stellung zu dem Vertragswerk von Locarno wartet die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichs­tags das Ergebnis der auf die Rückwirkungen bezüglichen Ver­handlungen ab. Sie sieht in den in Locarno getroffenen oder in Aussicht gestellten Abmachungen einen Fortschritt in der Richtung der europäischen Befriedung: sie erachtet jedoch die vorgesehene Regelung nur als befriedigende Lösung, wenn die besondere für die besetzten Gebiete nötigen Auswirkungen gesichert sind. Die Zentrumsfraktion ist der Auffassung, daß das Verhalten der Deutschnaüonalen VolkSpartei gegenüber dem Vertragsentwurf von Locarno ein weiteres Zusammen­arbeiten mit ihr in einer Regierung ausschließt."

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Kommt die europäische Zollunion?

Durch das Vertragswert von Locarno, dessen Aus­wirkungen, wie weite Kreise der Industrie und des Handels glauben, in einem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in den europäischen Industrieländern, insbesondere Deutsch­land, bestehen werden, sind die Hoffnungen derjenigen erheblich gestärkt worden, die das Heil der gesamten Wirt­schaft des Festlandes aus dem Dilemma der Ueberkapita- lisierung in einer europäischen Zollunion erblicken. Die Initiative für die Prüfung des Gedankens der Möglichkeit einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit Europas, der in französischen schwerindustriellen Kreisen besonders stark Wurzel geschlagen hat, wurde bekanntlich von L 0 u ch e u r ergriffen, der dem Völkerbünde auf seiner letzten Tagung den Plan unterbreitete, eine internationale Kommission zu bilden, um zu dieser Angelegenheit nach sorgfältiger Abwä­gung des Für und Wider Stellung zu nehmen. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß dieser Antrag ein greifbares Resultat zeitigen wirb; denn es bestehen besonders in England viel zu starke Widerstände, die sich besonders gegen die Rohstoffversorgung und die Organisierung der Produk­tion richten, als daß derartige Wünsche, die eine vollständige Revolutionierung des europäischen Wirtschaftslebens her­beiführen müßten, sich so schnell erfüllen könnten.

Der Gedanke einer alleuropäischen Zollunion hat auch in Deutschland in letzter Zeit an Boden gewonnen, und es sind nicht die schlechtesten Köpfe unter unseren Wirtschaftsführern, die diese Idee propagieren. Aus den Knebelungen und Hemmungen, der Not der deutschen Wirt­schaft geboren, war es vor kurzem der Generaldirektor des Rheinischen Braunkohlensyndikats, Dr. Silverberg, Der in einem Interview in den LondonerFinancial Times" diesen Gedanken zur Erörterung stellte. Bezeichnenderweise hat sich dieses angesehene englische Blatt jeder Stellung­nahme enthalten.

Sind es bisher aber rein wirtschaftliche Erwä­gungen, die einen Abbau der Zollschranken als notwendig erscheinen lassen, so haben neuerdings auch politische Kreise diesen Gedanken aufgegriffen. So hat am 5. 0. Mts. auf der interparlamentarischen Union in Washington der deutsche Vertreter Adolf Braun einen Antrag auf Abbau der -4 >0. äifUKu Zollschranken .m, .legt, den vorzugs­weise damit begründete, daß eine Entspannung des Na- tionalprinzips notwendig sei, das seit dem Kriege auch auf das Wirtschaftsgebiet übergegriffen habe und so weit gehe, das vielfach sogar das Verlangen der Meistbegün­stigung beim Abschluß von Handelsverträgen abgelehnt werde. Der Antrag Braun hat jedoch in Washington keine besondere Gegenliebe gefunden.

Bei der Beurteilung der Frage des Abbaues des euro­päischen Zollsystems mögen Erwägungen rein politischer Natur aus dem Spiele bleiben. Betrachtet man zunächst die Angelegenheit vom rein w i r t s ch a f t l i ch e n Stand­punkt aus, so ist allerdings festzustellen, daß die Industriea- lisierung und Kapitalisierung der Welt während der Kriegs- und Nachkriegszeit in einer Weise fortgeschritten ist, die zu den schwersten Bedenken Anlaß geben muß. Es ist zum großen Teil eine Wirkung des Krieges, der das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch empfind­lich gestört hat. Einmal haben gewisse Staaten mit dem erhaltenen Gebietszuwachs gleichzeitig Industrien und Noh- stoffgebiete gewonnen, deren Verwendung und Ausbeute im eigenen Lande nicht in Frage kommt. Das ist z. V. der Fall mit dem elsässischen Kali, dessen geregelter Absatz nur sichergestellt werden konnte, indem die französischen Kaligruben eine Absatzkonvention mit dem deutschen Kali­syndikat schlössen; ferner ist dies, z. T. wenigstens, der Fall mit der Reparationskohle. Auf der anderen Seite hat be­reits während des Krieges jedes Land, auch das kleinste, versucht, sich nationale Industrien zu schaffen, für deren Bildung normalerweise diese Nationen sonst Generationen gebraucht hätten, und die sie nun, nachdem sich die Lage geändert hat. mit allen Mitteln zu halten versuchen. Dies ist besonders der Fall in Italien, das int eigenen Lande weder Kohle noch Eisen produziert, und den österreichischen Nachfolgestaaten, aber auch in Frankreich und Belgien. Dazu kommt, daß alle diese Länder auf den Export ange­wiesen sind; denn es ist eben die Tragödie des euro­päischen Kontinents, daß seine Bodenerzeugnisse nicht aus­reichen, um die Bevölkerung zu ernähren und sein Import nur durch Export kompensiert werden kann. Der Wirt- schaftskampf als Kampf um die Absatzgebiete muß sich deshalb immer mehr und mehr zuspitzen, und hierin liegt auch die Erklärung für die Schwierigkeiten, die beim Ab­schluß der Handelsverträge mit Frankreich, Spanien und Italien in die Erscheinung getreten sind. Nun ist aber der Kampf um die Absatzgebiete in erster Linie neben der Qualitätsfrage ein Kampf um die Preise, und letzten Endes muß der Staat den größten Vorsprung erhalten, der bei gleich guter Qualität der Waren am billigsten produzieren kann und wenigstens gegenwärtig die günstigsten Kreditbedingungen zu gewähren in der Lage ist.

Führende Wirtschaftskreise sehen deshalb den Ausweg aus diesen unhaltbaren Zuständen einmal in der Ratio­nalisierung der Wirtschaft. Im Rationalisierungs- prozeß befindet sich Deutschlands bereits mitten drin, und die Opfer, die dieser Prozeß bei der Kapitalnot in Deutsch­land fordert und weiterhin fordern wird, sind außeror­dentlich bedeutend. Weiterhin aber glaubt man, durch internationale Konventionen die drohende Gefahr bannen zu können. Und gerade hier ist es bemerkenswert, daß zwischen der deutschen und der französischen These ein grund-