Schlüchterner Zeitung kreiS'Kmtsbtatt * Allyememev amtlrcherKnzeiger für -err Kreis Ächlüchtem »Mikun» Ne-ta-:tz.Stnnktd Söhne* SesthastsfkVlchlchofstr.S * fernspr-.Ni>.r^9 * postfth«kk:P!<mklrwtaM.r;z«>
Rr 119________________ Dienstag, den 6. Oktober 1925 77. Jahrg.
1 Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
A. III. 7143 b. Auf Grund des $ 34 des Feld- und Forst- polizcigcsetzcö vom 1. April 1880 in der Fassung des Gesetzes vom 8. Juli 1920 (G. S. S. 437) werden die sechs । Eichen am Landweg Oberzell-Züntersbach im Distrikt 40 der Mberförstcre: Oberzell, Kreis Schlüchtern, als Naturdenk- nmler unter Schutz gestellt.
Jede Beschädigung sowie das Beseitigen der Bäume .ist verboten.
Cassel, den 9. September 1925.
Der Regierungspräsident.
J.-Nr. 7731. Die Herren Bürgermeister mache ich auf den in der Sonderbeilage zum Rcgicrungöaintsblatt Nr. 34 von 1925 veröffentlichten Erlaß des Herrn Ministers für Wolkswohlfahrt vom 25. Juli d. Js. betr. Erteilung von Armutszeugnissen aufmerksam.
Die durch den Erlaß vorgeschriebenen Formulare zu Zeugnissen zur Erlangung des Armenrechts habe ich beschafft und werde sie in den nächsten Tagen den Herren Bürger- tmisttrn zugehen lassen. Ich ersuche, sie sorgfältig aufzube- I wahren.
Schlüchtern, den 2. Oktober 1925.
Der Landrat. I. B.: Schultheiö.
J.-Nr. 8105. Der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat unterm 2. Mai d. Js. Allgemeine Bestimmungen über die Erlaubnis zur Erteilung von Privat- unterricht in der Musik erlassen. Danach bedürfen Privat- Musiklehrer künftig eines Unterrichtserlaubnisscheines. Die Bc- . stimmungen sind im Amtlichen Schulblatt Nr. 6 der Regie- s rang zu Cassel abgedruckt und können hier, sowie bei jedem ^EchlMltcr (Muptlehrcr, ersten Lehrers cmgesehen 'roeebenr feie Herren Bürgermeister werden ersucht, etwa in Frage kommende Personen auf diese Bestimmungen aufmerksam mu machen.
Schlüchtern, den 2. Oktober 1925.
| Der Landrat. J. B.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Leberegelfenche betreffend.
J.-Nr. 4980 K. A. Ich mache darauf aufmerksam, »'daß Beihilfen zur Leberegelseuchen- B e h a n d l u n g nicht mehr I gegeben werden, da Mittel hierzu nicht vorhanden sind. Dein liieren Kreisveterinärrat sind jedoch eine größere Anzahl Kap- k scln „Merk'schcö Filixextrakt" kostenlos überwiesen »vorden, l die von diesem auf Verlangen zur Behandlung kranker Tiere 6 abgegeben werden. Den Herren Tierärzten wie den Herren g Viehbesitzern kann ich daher nur anheimgeben, sich dicserhalb I an den Herrn Kreisveterinärrat Krcxa zu ivenden.
Schlüchtern, den 2. Oktober 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
[ Preuh. Katasteramt
ZNM Rundschreiben vom 22. v. Mts. an die Bürger- [ incisterämter wird bemerkt, daß alle seit Einrichtung des I Preußischen Katasters (1876) vorgekommenen Veränderungen I hierher mitzuteilen sind, nicht etwa die aus den letzten Jahren. | Schlüchtern, den 5. 10. 1925. J. A.: Merse.
Stadt Schlüchtern.
Iagdver pachrung!
Die Jagdnutzung des gemeinschaftlichen Jagdbezirks der I Stadtgemeinde Schlüchtern wird am Montag, den 1 9. I Oktober 1 9 25, nachmittags 4 Uhr im Rathaus I — Stadtverordnetensitzungssaal — für die Zeit vom 1. Scpt. ■ 1925 bis 31. Januar 1934 öffentlich meistbietend verpachtet. I Die Verpachtungsbedingungen können im Rathaus — Dienst- I zinnncr des Stadtobersekretärs — eingesehen, auch von dem unterzeichneten Jagdvorsteher gegen Einsendung von 1.50 Mk.
I bezogen werden. Der Gemeindebezirk ist in 3 selbstständige Jagdbezirke eingeteilt, die 787,63 bezw. 451,60 bejm. 1^9,80 Hektar umfassen. Zu der Jagd gehören rund 520 ' Hektar Wald.
Auf Wunsch übernimmt Herr Stadtförster Klotz die ' Führung zur Besichtigung der Jagdbezirke. Weitere Auskunft erteilt der unterzeichnete Jagdvorsteher.
Schlüchtern, den 28. September 1925.
Der Jagdvorsteher: Gaenßlen.
Landwirte! Versichert Euer Vieh bei der Kreisviehversicherung!
Die Befriedung Osteuropas.
Zur Konferenz in Locarno.
E. H. Das Jahr 1925 zeitigte bereits eine greifbare Wendung in der europäischen Ostpolitik, deren Bedeutung nach der Durchführung des Programms von Locarno sich noch mehr geltend machen wird. Diese Wendung läßt sich als Sieg der englischen und teilweise auch der deutschen Ostpolitik über die französische kennzeichnen. Wenn wir hier von „Sieg" sprechen, meinen wir jedoch keineswegs etwa die Erlangung eines dem europäischen Frieden drohenden Uebergewichts der einen oder der anderen Mächtegruppe in der Ostpolitik. Ganz im Gegenteil! So wie die Dinge sich von dem Scheitern des Ostseebundes bis zu Locarno anbahnen, ist es vielmehr eine durchaus im Sinne des europäischenFriedens liegende Entwicklung.
Die Niederlage der französischen Ostpolitik erklärt sich denn auch gerade daraus, daß sie wie um eine Achse um Polen kreiste. Polen war von Frankreich stets als der führende Teil bei jenen immer wieder unternommenen Versuchen gedacht, im Osten Europas eine Mächtekoalition aus den Rand- oder Ostseestaaten zu schaffen. Wäre einer dieser Versuche geglückt, so hätte Frankreich vermittelst Polens eine überragende Bedeutung in der osteuropäischen Politik erlangt. Allein alle diese Versuche scheiterten eben aus dem Grunde, weil darin Polen die Führung zugedacht war. Denn damit glaubten sich die anderen Staaten — und es ist bemerkenswert, wie fest sich diese Ueberzeugung erhielt — in der Gefahr, in eine Politik der Ungewißheit, der kriegerischen Verwicklungen gezogen zu werden. Die ganze außenpolitische Situation um die Ostsee veränderte sich jedoch mit einem Schlage im August dieses Jahres, mit Finnlands Annäherung an Schweden, die begleitet war von einer Absage an die esthnisch-polnische Einladung zu einer neuen baltischen Konferenz in Reval. Auf schwedischer und auf finnischer Seite ist man sich der großen Bedeutung dieser Dinge bewußt. Durch das ganze Schwedenland geht ein Jubel über das Wiederfinden der beiden Nationen, dir ernss-SW Jahre lang ein Staat waren, ein Wiederfinden, das auch feinen äußeren Ausdruck im Besuch des schwedischen Königs und der schwedischen Flotte in der finnischen Hauptstadt fand. Man darf jedoch auch die Einflüsse Englands hinter den Kulissen bei dieser Annäherung nicht unterschätzen. England handelte kraft seines alten, überlieferten Prinzips: keine übermächtige kontinentale Koalition zuzulasien, die sich aber dann bilden würde, wäre ein Bund der Ostseestaaten unter Einbeziehung Skandinaviens, unter französisch-polnischer Führung zustande gekommen.
Mit dem Scheitern dieses Planes, zu dessen Mißerfolg freilich nicht unwesentlich auch die Differenzen Polens mit Litauen und die Indifferenz Lettlands beigetragen haben, dürfte endgültig eine das friedliche Gleichgewicht Europas bedrohende Militärkombination aus der Welt geschafft sein.
Der zweite Erfolg im Sinne der Befriedung Ost- und dadurch Gesamteuropas ist aber die von der deutschen Regierung (unter bestimmten Bedingungen) erklärte Bereitschaft zum Eintritt in den Völkerbund. Hiermit macht Deutschland offiziell auch anderen Koalitionsmärchen — dem Militärbündnis zwischen Deutschland und Sowjet- rußland — ein Ende, das lange genug nicht nur Frankreich, sondern auch England beunruhigt hat.
Daß indessen Deutschlands Freundschaftsverhältnis zu Rußland nicht abgebrochen werden soll, zeigt zweierlei: erstens das Bestehen Deutschlands auf der Nichtanwendung des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts, der ja gerade aus Deutschland ein Aufmarschgebiet für eine etwaige anti- russische Kriegskoalition machen könnte; sodann aber: der gerade vor Locarno zum Abschluß gelangende Handelsvertrag mit Rußland. Mag die französische Presse dieses gewollte Zusammentreffen — einerseits der Bereitschaft Deutschlands zur westlichen Orientierung in Locarno, andererseits sein Festhalten auch an der östlichen Orientierung — als „Macchiavelismus" bezeichnen. In Wahrheit bedeutet dieses Verhalten eine Neuanwendung des Bismarckschen Prinzips der „Rückversicherungspolitik", eines Prinzips, das letzten Endes die Verhinderung einseitiger außenpolitischer Bindungen und somit einen Gleichgewichtszustand anstrebt, der nur im Interesse eines gemeinsamen Friedens liegen kann.
Die beiden größten Staaten Osteuropas, Polen und Sowjetrußland, aber treten nunmehr in eine neue Phase ein: in eine Phase der Isolierung. Man weiß, daß eben infolge der Isolierung Polen eifrig einen Anschluß an Sowjetrußland sucht. Allein es ist vollkommen klar, daß Sowjetrußland in militärischer Hinsicht keinen gleichartigen Ersatz für Frankreich bietet; und nicht weniger ist auf der anderen Seite klar, daß ein polnisch-russisches Bündnis, selbst wenn es zustande kommen würde, eine Lücke durch polnisch-rumänische Verpflichtungen haben würde. In diesem Problem: Sowjetrußland — Rumänien — Polen liegt, solange die beßarabische Frage ungelöst bleibt, der letzte Herd von Verwicklungen in Osteuropa. Das Problem der Befriedung Osteuropas verschiebt sich gleichsam vom Sterben nach dem Süden. Seine Lösung muß die weitere Etappe der europäischen Friedenspolitik sein, bei der Deutschland nunmehr die wertvolle Rolle eines „ehrlichen Maklers" übernehmen könnte.
Der Ministerkongreß in Locarno.
(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)
Man hat eigentlich noch nicht recht erfahren können, wer Locarno als Konferenzort für die Sicherheitspaktoer- Handlungen ausgewählt hat. In Locarno selbst kann man sich nicht recht erklären, welche Gründe es veranlaßt haben, daß sein Name vielleicht mit einem welthistorischen Ereignis, wie es der Abschluß eines Sicherheitspaktes sein müßte, verknüpft werden soll. Mit der idyllischen Ruhe, die das Kurstädtchen bisher auszeichnete, ist es natürlich vorüber. Allein die Vorbereitungen für die Unterbringung der offiziellen und nichtoffiziellen Konferenzteilnehmer, der Journalisten, Politiker, und jener, „die dabei gewesen sein wollen", gaben dem Konferenzort ein neues Gesicht. Auch die Heranziehung vor allem postalischer und polizeilicher Hilfskräfte ■— oder besser Hauptkräfte — geben dem Ort ein neues Relief. Der Bevölkerung wie auch der ver- fchiedensten Behörden Locarnos hat sich eine begreifliche Nervosität und Aufregung bemächtigt.
Während die „Heeresfolae" der eigentlichen Delegationen, vor allem rund 100 Journalisten aus aller Welt, bereits seit fast 8 Tagen in Locarno eingetroffen ist und sich entsprechend betätigte, kamen die Hauptbeteiligten erst im Laufe des Sonnabend und Sonntag in Locarno an. Das Eintreffen der einzelnen Delegationen bedeutete für Locarno fast regelmäßig eine Sensation. Obwohl die deutsche Delegation ihr Quartier abseits im Hotel Espla- nabe aufgeschlagen hat, während die übrigen Delegationen, Engländer, Franzosen und Belgier, — auch die Polen und Tschechen haben dort eine Reihe von Zimmern belegen lagen — sich das zentral gelegene Palace Hotel auswählten, galt das Hauptinteresse der Bevölkerung der deutschen Delegation, die am Sonnabend abend den Konferenzort erreichte. Sie begab sich vom Bahnhof in beriitgeftellten Automobilen sofort in das Hotel.
Das Verhandlungsmaterial war innerhalb des Reichskabinetts bis in den letzten Stunden vor der Abreise der .^MMgLJ'orbereitet worden doch arbeit,t-v bit Mit- glie er der Delegation auch während der rund 2-iftlnbigen Eisenbahnfahrt noch an der Zusammenstellung der Unter- lagen. Allerdings hatte das Reichskabinett noch in seiner Freitag-Sitzung ganz bestimmt» Gesichtspunkte für die Konferenz aufgestellt, an die sich im einzelnen die deutsche Delegation halten wird. Die neuerliche Erklürnno der deutschen Regierung in der Kriegrschuldfrage, wie sie am Sonnabend durch das Amtliche Telegraphenbüro verbreitet wurde, läßt bereits erkennen, daß die deutsche Regierung auch in Locarno Gelegenheit nehmen wird, um mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen, daß sich das deutsche Volk moralisch nicht an das 1919 in Verfallt«» erzwungene Schuldbekenntnis gebunden fühlt". Dabei macht sich die deutsche Regierung die Auffassung der Alliierten zu eigen, daß der Zustand, wie er durch den Versailler Vertrag berbeiaefübrt wurde, nicht geeignet ist, einen wirklichen und dauernden Frieden zu verbürgen. Erst freie Verein- barungen der in Frage kommenden Völker können den wahren Frieden und eine Aussöhnung der Völker herbei, führen. Das kann solange nicht geschehen, als die Alliierten sich weigern, offiziell anzuerkennen daß der Artikel 231 des Versailler Vertrags nach den bisherigen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung nicht aufrecht zu erhalten ist.
Die Ankunft der Deutschen.
Am Sonnabend abend gegen 7 Uhr traf in Votcmm die deutsche Abordnung mit Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann an der Spitze im Automobil direkt in ihrem Hotel Esplanade ein. Das war die erste U e b c r r a s ch u n g, die die deutsche Delegation den Locarnoern bereitete. Man hatte nämlich in Vellinzona den Zug verlassen und sich für den kurzen Rest der Reise des Automobils bedient. Offenbar haben Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann dem zu erwartenden ftndrang von Neugierigen an dem offen daliegenden. schwer abzusperrenden Bahnhof Locarno entgehen wollen. Jedenfalls wartete das Heer der ausländischen Journalisten vergeblich auf dem Bahnhof Lo carno auf die Ankunft der deutschen Delegation.
Der französische Außenminister Briand in Be- Leitung von Bcrtyclot, Fromageot und Leger traf entgegen seiner ursprünglichen Absicht anch bereits am t-onuabend in Locarno ein. Die übrige« Mbordnun- gen hielten im Laufe des Sonntag ihren Einzug.
Alle
Borbereitungen Locarnos
sind beendet, der große Sitzungssaal im GerichtS- gebäude ist für die Verhandlungen in umfassender Weise hergestellt. Allerdings rechnet man in diesem Sitzungssaal nur mit einer EröffnungS« und einer Schlußsitzung, die eigentlichen Verhandlungen werden sich wohl in den Salons der Hotels abspielen. Die Frcmdensaisvn LocarnoS hat ihren iätzen Abschluß gesunden, da die Hotels den meisten Gästeu haben hin- digen müssen, soweit diese nicht vorgezogen haben, von sich aus zugehen. Die Stadt hat sich festlich geschmückt und Flaggeuschmuck angelegt. Am Sonntag abend, dem Vorabend der Konferenz, erstrahlte der Kai tu der herrlichsten Illumination. Am Sonntag war der Tag der
Preffeempfängc.