Einzelbild herunterladen
 

brmkunb »evlug: q.Stanfeti» Söhue* Sesthästsst: Vahlchosttr.S * fernsporNo.^ * Postscheck: dmnkfiWtaM.rrsoo

Nr. 118 (1. Blatt)

Samstag, den 3. Oktober 1925

77. Jahrg.

: Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags : : und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr. i

Amtliche Betanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 8082. In der Gemeinde Ahl ist die Schafräude wieder erloschen.

Schlächtern, den 29. September 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

I.-Nr. 8136. Die Ortspolizeibchörden des Kreises mache ich auf die mit Negierungsamtsblatt Nr. 37 von 1925 er­schienene Baupolizeiordnung für die Städte und Landgemein­den des Regierungsbezirks Cassel aufmerksam.

Die Beschaffung einer Ausgabe in Buchform für die Ortspolizeibehörden werde ich veranlassen und diese demnächst überweisen.

Schlächtern, den 28. September 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Kreisausschutz.

Landwirtschaftliche Schule Schlüchtern.

Der Unterricht in der Landwirtschafts- und der land- wirtschaftlichen Haushaltungöschule beginnt Montag, den 9. November im Gebäude des Lehrerseminars. Anmeldungen sind bis zum 15. Oktober an den Unterzeichneten zu richten. Ncnemtretendc haben bei der Anmeldung Geburtsschein, Leu­mundszeugnis und letztes Schulzeugnis vorzulegen.

Direktor Müller.

I.-Nr. 5019 K. A. Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung in chren Gemeinden zweimal ortsüblich zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.

ätl^üchtcrn, den 50., September 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.

I.-Nr. 4928 K. A. Der Anna Müller aus Heubäeb ist für 10jährige treue Dienstzeit bei Herrn Pfarrer Wolpert in Salmünster eine Kreisprämie von 10 Mark bewilligt wor­den.

Schlüchtern, den 29. September 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Iagdvsrpachrung!

Die Jagdnutzung drö gemeinschaftlichen Jagdbezirks der Stadtgemcindc Schlüchtern wird am Montag, den 1 9. Oktober 1 9 2 5, nachmittags 4 Uhr im Rathaus Stadtverordnetensitzungssaal für die Zeit vom 1. Sept. 1925 bis 31. Januar 1934 öffentlich meiffbietend verpachtet. Die Verpachtungsbedingungen können im Rathaus Dienst- zimmer des Stadtobersekretärs eingeschen, auch von dem unterzeichneten Jaqdvorsteher gegen Einsendung von 1.50 Mk. bezogen werden. Der Gemeindebezirk ist in 3 selbstständige Jagdbezirke eingeteilt, die 787,63 bezw. 451,60 bezw. 199,80 Hektar mnfassen. Zu der Jagd gehören rund 520 Hektar Wald.

Auf Wunsch übernimmt Herr Stadtförster Klotz die Führung zur Besichtigung der Jagdbezirke. Weitere Auskunft erteilt der unterzeichnete Jagdvorsteher.

Schlüchtern, den 28. September 1925.

Der Jagdvorsteher: Gaensilen.

Stadt^ Steinau.

vekanntmuchunst

Gemäsi § 17 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 liegen folgende Beschlüsse und Vereinbarungen vorn 5. Ok­tober d.. ab zwei WocheN lang in der hiesigen Stadt- schreiberei öffentlich aus:

1. ein Beschluss des Jagdvorstehers über die Bildung von zwei selbstständigen gemeinschaftlichen Jagdbezirken aus dem Genreindebezirk Steinau, ,

2. der Entwurf einer Vereinbarung mit der Regierung, Ab­teilung für Soutanen und Forsten, in Eassel, über die Zulegung des Forstorts Schtvadelöberg zum Jagdbezirk Steinau,

3. der Entwurf einer Vereinbarung mit der in 2 genannten Stelle über die Zulegung des Forstorts Eichenhecke zum Eigeniagdbezirk Oberförsterei Steinau.

Während der Auslegungsfrist kann jeder beteiligte Grund - Besitzer beim KreiSauSschuß in Schlüchtern gegen die ge­nannten Beseblüsse und Vereinbarungen Einspruch erheben. Steinau (Kr. ScMiicbtcrn). ben 30. Sept. 1925.

Der Jagdvorsteher: Kisseberth.

! Landwirte l Sät Wintergerste! |

Alles gut?

Kr. Kr. Die Konferenz von Locarno, die zu dem Abschluß eines Sicherheitspaktes im Westen führen soll, ist gesichert. Damit könnte sich die Oeffentlichkeit zufrieden geben und das Weitere den Staatsmännern überlassen. Die letzten Tage der Unruhe bieten aber reichlich Gelegen­heit die allgemeine Lage und besonders die Deutschlands zu beobachten, daß es sich verlohnt, doch auf die ausge- tauschten letzten Schriftstücke und ihre Schicksale zurückzu- kommen. Es ist immerhin auffällig gewesen, daß während noch das deutsche Kabinett beriet, in der Nacht von Montag auf Dienstag, und die lange Dauer der Sitzung einige Zweifel am Endergebnis aufkommen ließ, die französische offiziöse Havas-Agentur aller Welt verkündete, daß die Konferenz an dem festgesetzten Tage, dem 5. Oktober, statt- finden werde. Aus England aber kamen gleichzeitig Mel­dungen, wonach wahrscheinlich eine Verschiebung des Termins eintreten würde, was wiederum auf gewisse Schwierigkeiten schließen lasse.

Diese Schwierigkeiten wurden allgemein den E r - klärungen zugeschoben, die von der deutschen Regierung gleichzeitig mit Ueberreichung der Note, worin die Ein­ladung zur Konferenz angenommen wurde, bei den Ententeregierungen abgegeben wurden. Englische und französische Blätter brachten reine Fabelberichte über den Inhalt dieser Erklärungen. Da wir diese jetzt kennen, bestätigt sich die Vermutung, daß mit den Fabelgeschichten Deutschland die Schuld an eventuellen Schwierigkeiten zu- geschoben werden sollte. Es handelte sich, wie wir jetzt sehen, um einen neuen terminus technicus der Diplomatie, den die deutsche Regierung mit ihrer Erklärung eingeführt hat. Es ist keine Note, auch keine Verbalnote, die nach mündlichem Vortrag schriftlich überreicht wird. Auch nicht ein aide memorial, eine Fixierung des Inhalts der mündlich abgegebenen Erklärung, sondern eine Ver­ba I e r k l ä r u n g , die nicht ganz Notencharakter hat, die aber über den Charakter der bloßen Gedächtnisstütze hinausgeht. Ihr Inhalt betrifft die Kriegsschuld­frage und die Räumung der Kölner Zone. Die Art, wie diese beiden Fragen angeschnitten sind, konnte keine gewichNgte 'JCöti rechtfertigen, trte eine eingehende und entscheidende Diskussion Hütte veranlassen müßen, mit dem ganzen Gewicht diplomatischen und politischen Rüst­zeuges. Die deutsche Regierung hat aber selbst erkennen lassen, daß die Lösung dieser beiden Fragen weder Vor­bedingung für die Konferenz sind noch in direktem Zu­sammenhang mit dem beabsichtigten Pakt stehen. Hin­wiederum hat sie aber auch zu verstehen gegeben, daß die Lösung der beiden Fragen infolge ihres moralisch-recht­lichen Gewichts unbedingt Voraussetzungen sind für Inkrafttreten und Erfolg des Sicherheitspaktes. Diesem Gedanken trägt die Erklärung der deutschen Regierung in vorbildlicher Weise Rechnung durch den ruhigen Hin­weis, daß bei Eintritt in den Völkerbund, der von der Gegenseite als Vorbedingung für den Sicherheitspakt ge­fordert werde, Deutschland von der moralischen Last der A l l e i n s ch u l d am Kriege befreit sein muß, da es sich nur als Gleichberechtigte in dem Bunde der Nationen, die ihm diese Schuld aufgebürdet haben, fühlen könne. Ferner könne doch keine Verabredung erfolgen, sich gegen­seitig die Sicherheit zu garantieren, wenn zwischen den beteiligten Staaten noch ein Streit über die Entwaffnung und die damit zusammenhängende Frage der Räumung der Kölner Zone bestehe. Es ist also in der Kriegsschuldfrage von deutscher Seite nicht jener endgültige Widerruf des § 231 des Versailler Vertrages gefordert, den ein Teil der deutschen Presse lärmend begrüßte oder sorgenvoll be­fürchtete. Sicher hätte eine solche Forderung das ganze Paktgebäude erheblich ins Wanken gebracht. Die schrift­lichen Antworten der Franzosen und Engländer schießen am Ziel vorbei, wenn sie sowohl zu der einen wie zu bei anderen Frage erklären, daß sie in keinem direkten Zu< !sli..m«»iMiiii mit her Voktkraae ltünde. was ia auäj deutsche Meinung ist, daß aber beide Regierungen sehr wohl erkannt haben, was Deutschland mit seiner Erklärung hatte sagen wollen, beweist der ruhige Ton ihrer Ant­worten.

Die Frage ist nur hier, ob die mündlichen Aueinander- sctzungcn über die deutsche Erklärung nicht doch viel leb­hafter waren, als ihr schriftlicher Niederschlag erkennen läßt. Es muß heiß hergegangen sein. Denn die Gegenseite sollte offenbar die Veröffentlichung der deutschen Erklärung verhindern. Dann war biwoit die Rede, da ein gemein­sames Kommunique mit dem zusammengefaßten Inhalt der Erklärung und der Antworten veröffentlicht werden sollte. Inwiefern die mündlichen Auseinandersetzungen zu der jetzigen Form der Veröffentlichung geführt haben, ist nicht ersichtlich. Vor allem nicht, ob irgendwelche Verän­derungen an den Originalen vereinbart wurden. Möge das die historische Wissenschaft ergründen.

Interessant ist, daß während dieser Auseinander­setzungen von französischer Seite geflissentlich verbreitet wurde, man lege der Kriegsschuldfrage keine aktuelle Be­deutung bei. Man sähe in ihr ein Objekt der historischen Forschung und aus ihr werde sich allmählich eine neue Auffassung der Frage und damit erst eine politische Be­deutsamkeit entwickeln. Hierauf wäre zu antworten, daß Frankreich Zeit hat zu warten, nicht aber Deutschland, dem täglich die Schuld ins Gesicht geschleudert wird. Er­heblich ernster als Frankreich ist England an der Entwick­lung interessiert. Denn mit der Feststellung, daß Deutsch- laud nicht allein schuldig am Kriegsausbruch ist, fällt

die ganze Begründung, unter der England aus die Seite Frankreichs trat, in sich zusammen. England ist zu Unrecht in den Krieg gezogen. Diese Betrachtung gibt eine Er­klärung für den etwas pikierten Ton, der mit einigem Interesse in der englischen Antwort auf die deutsche Er­klärung zu konstatieren ist.

Wenn die Schriftstücke auch noch keine Lösung der, an­geschnittenen Fragen gebracht haben, so doch jedenfalls eine Klärung des Standpunktes der beiden Parteien. Der Abschluß des Sicherheitspaktes muß aber naturgemäß mit der Lösung dieser Fragen parallel laufen.

Die deutsche Deleagtion in Locarno.

Berlin, 1. Oktober. Die deutsche Delegation wird am Frei­tag Berlin verlassen. Außer dem Reichskanzler und dem Außenminister wird sie nur aus dem Staatssekretär von Schu­bert, Ministerialdirektor Dr. Gaus, dem Presieches der Reichs­regierung Dr. Kiep und dem Staatssekretär der Reichskanzlei Kempner bestehen. Dazu treten einige Beamten der Reichs­kanzlei, der Presseabteilung und des Auswärtigen Amtes und das nötige technische Hilfspersonal.

An Berlin.

Um den deutsch-polnischen Handelsvertrag.

Die Auswirkung der Sicherheitskonferenz.

Der Führer der polnischen Delegation bei den deutsch- Polnischen Handelsvertragsverhandlungen hatte in Warschau eine Besprechung mit dem polnischen Ministerpräsidenten Grabski und dem Handelsminister Klarner.

Er erklärte, daß die Verhandlungen mit Deutschland einst­weilen aus Politischen Gründen nicht fortgesetzt würden. Zahl­reiche politische Momente würden sich jetzt aus die Wirtsckmfts- Verhandlungen auswirken, insbesondere jetzt, da die Konferenz in Locarno nunmehr Tatsache geworden sei. Er betonte, daß es unmöglich sei, diese politische Situation zu unterschätzen, da die polnische Delegation dauernd unter dem Eindruck der be­ginnenden Paktverhandlungen stehe. Der Ministerpräsident erklärte, daß er anderer Ansicht sei. Es wäre nicht ratsam, wieder den Abschluß der Verhandlungen mit Deutschland auf- zuschieben. Die wirtschaftliche Lage Polens verlange unbedingt v-. ' «i^lsvertrag mit Deutschland uns Polen wäre sogar nicht abgeneigt, gewisse Zugeständnisse, besonders in der Mcist- begünstigungsfrage, an Deutschland zu machen. In diesem Sinne wurden auch dem Führer der Handelsdelegation neue Instruktionen erteilt.

Deutschland und Rußland.

Zur Warschauer Reise Tschitscherius.

Die Moskauer Presse gibt einmütig ihrer Genugtuung über den freundlichen Empfang Tschitscherius in Warschau Ausdruck.Jsvestija" weist darauf hin, daß die Besserung der Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Polen von allen wahren Freunden des Friedens als ein Mittel betrachtet werden müßte, um die im Sicherheitspakt enthaltene Kriegs­gefahr unschädlich zu machen.

Die deutsche Prelle habe recht, wenn sie Tschitscherins Durchreise durch Warschau ruhig behandelt. Die Gefahr des Sicherheitspaktes für die Beziehungen zwischen Sowjetrußland und dem Deutschen Reich bestehe nicht darin, daß Deutschland zu einer militärischen Aktion gegen die Sowjetunion ausocnutzt werden könnte, denn Deutschland sei entwaffnet. Die Gefahr liege vielmehr darin, daß England die Randstaaten zur Be­kämpfung der Sowjetunion und

Deutschland als Aufmarschgebiet

gegen Rußland im Falle eines russisch-polnischen Krieges aus- zunutzen versuchen Werbe. Deutschland, das am wenigsten von neuen Kriegsschrecken wissen wolle, müßte Verständnis zeigen, für die Bemühungen der Sowjetdiplomatie, die bestmöglichen Beziehungen mit Polen hcrzustcllcn. Denn gute Beziehungen Sowjetrußlands zu Polen würden bewirken," daß Deutschland bei einem Zusammenstoß zwischen Sowjetrußland und Polen nicht zur englischen Schanze gemacht werden könne.

Dies alles beweise, daß Tschitscherins Empfang in Warschau nichts weniger als irgendeine deutschfeindliche Demonstration sei, sondern derselben Sache der Konsolidierung des Frie. denS diene, der die deutsche Regierung sogar ein so schtveres Opfer bringe, wie die wiederholten Verzichte auf Elsaß- Lothringen.

Die Sowjetunion beantworte den Sicherheitspakt nicht mit Waffeugeklirr, sondern mit einer Festigung der Beziehungen zu ihren Nachbarn und allen Ländern, die den Weltfrieden fördern wollen.

Tschitschcrin bei Strescmann.

Zu Ehren des russischen Außenministers gab der Reichs­kanzler Dr. Luther ein Frühstück. Anschließend hatte Tschitschcrin mit dem Reichsaußenminister Dr. Strcscniann eine Besprechung, bei der die Frage des Sicherheitspaktes im Vordergrund stand. Daneben kamen auch die gegenwärtigen Verhandlungen über den Abschluß eines 'Handelsvertrags, pro -nums zur Sprache.

Herabsetzung des englischen Bankdiskonts auf vier Prozent.

London, 1. Oktober. Wie amtlich gemeldet wird, hat heute die Direktion der Bank von England den Bankdiskont um % Prozent aus vier Prozent herabgesetzt. Am 6. August war er bereits von 5 aus -IM Prozent herabgesetzt worden.