Schlüchtmm Zeitung
Kreis-Kmtsbtatt * Kllyememev amtlicher firrznyer für bar Kreis Schlüchtem
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Nr. 94 (1. Blatt) Samstag, den 8. August 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I -Nr. 5813. Der Herr ReichSarbeitSminifter hat angeord- nct, daß die Fleischbeschauer und Trichinenschauer als Angestellte im Sinne des Versicherungsgesetzes für Angestellte anzusehen sind und daher alle Fleischbeschauer und Trichinenschauer, (ebenso Tierärzte, die die Fleischbeschau ausüben), auch wenn sie nur nebenberuflich tätig sind, als versicherungs- pflichtig gelten, wenn nicht eine die Versicherungsfreiheit allgemein begründende Voraussetzung vorliegt.
Der VersicherungSpflicht unterliegen unter anderem nicht diejenigen Personen, die bei Eintritt in die versichcrungs- pflichtige Beschäftigung bereits 60 Jahre alt sind.
Hieraus ergibt sich, daß wohl alle Fleischbeschauer, mit Ausnahme der über 60 Jahre alten, der Angestelltenversi- cherung zugeführt werden müssen.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister des Kreises, jedem hiernach versicherungspflichtig werdenden Fleischbeschauer eine Versickerungskarte auszustellen, in welche die Beitragsmarken regelmäßig cinzukleben sind.
Nach der Höhe des monatlichen Arbeitsverdienstes bestehen für die Versicherten folgende Gehaltöklaffen:
Klasse A bis 50 R.-M.
„ B von mehr als 50 „ 100 „
„ C „ „ „ 100 „ 200 „
Die Beitragssätze werden jeweils im Reichsgesetzblatt veröffentlicht und betragen zur Zeit monatlich:
in Gehaltsklasse A 1,50 R.-M.
„ ,, B 3,00 „
» » C 6,00 „
Die Formulare zu den Angestelltenversicherungskarten und Aufrechnungsbescheinigungen werden den Herren Bürgermeistern demnächst zugetragen.
Auf die :. :ll. :gce.duung der, An.gcstelltrnvcrff^erunK vom 21. November 1924 (R.G.Bl. S. 745) mache ich sonders aufmerksam. Dort sind die Bestimmungen über die Ausstellung der Karten und Aufrechnungsbescheinigungen, über das BeitragSverfahren usw. bekannt gegeben.
Schlüchtern, den 3. August 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
E —.--
J-Nr. 6294. Im Monat Juli d. Js. sind folgenden
Personen Jahrcojagdschcinc erteilt worden:
a) Jahre Sjagdscheine:
Ruppert, Johann, Oberweichcnsteller a. D. Altengronau
Lotz, Heinrich, Gastwirt, Kressenbach
Sommer, Justizobersekretär, Schlüchtern
Händler, Werner, Lehrer, Salmünster
Dehler, Wilhelm, Kaufmann, Schlüchtern
Icber, Ludwig, Oberpostschaffner, Jossa
Zelter, Konrad, Rangierführer, Jossa
Geylnicier, Christian, Kaufmann, Frankfurt a. M.
Preßberger, Förster, Kerbersdorf
Schmidt, Heinrich, Schreiner, BellingS
Henning, Fritz, Holzhändler, Seidenroth
Kern, Wilhelm j>., Frankfurt a. M.
Walther, Karl, Gastwirt, Offenbach a. M.
Kaufmann, Christian, Kaufmann, Offenbach a. M.
b) Tagesjagdscheine:
Dr. Grau, Oberregierungsrat, Bad Brückenau.
Schlüchtern, den 3. August 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 5862. Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 17. Juni d. I., Nr. 4472 — Kreisamtsblatt Nr. 75 — mache ich die Herren Bürgermeister nochmals darauf aufmerksam, daß die Schöffenlisten nach vorheriger vorschriftsmäßiger Auslegung bis zum 1. September d. Js. an das zuständige Amtsgericht einzureichen sind.
Schlüchtern, den 5. August 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 6z54. Auf Antrag der zuständigen Forstoerwaltungs- behörde habe ich dem Hilfsförster Schnitz zu Nicderkalbach die aushilfsweise Mitwirkung bei der Ausübung der Jagdpolizei in den Gemarkungen Heubach, Oberkalbach und Uttrichshausen übertragen.
Schlüchtern, den 3. August 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 6277. Die Herren Snnagogcnältcstcn zu Alten- gronau, Heuback, Hintersteinau, Oberzell, Eckardroth und Sterbfritz "werden hiermit an die alsbaldige Vorlage der Shnagogenrechnung für das Jahr 1924 erinnert.
Schlüchtern, den 4. August 1925.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Prämien-Auszahlung.
J.-Nr. 4079 K.-A. Die Auszahlung der bei der Kreistierschau am 18. Juli d. Jö. in Stein au verteilten Prämien erfolgt gemeindeweise durch die städtische Sparkasse in Schlüchtern.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die Prämiengelder bei der hiesigen städtischen Sparkasse abholen zu lassen und alsbald an die Empfänger zu verteilen.
Die Prämiierungslisten gehen den betreffenden Herren Bürgermeistern durch den Ausstellungsausschuß zu. Schlüchtern, den 6. August 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. V.: Hengsberger.
Stadt Schlüchtern. •
Verfaffungsfeier.
In der Aula des Lehrerseminars in Schlüchtern findet am Dienstag, den 11. August 1925, vormittags 11 Uhr, eine öffentliche Feier der Wiederkehr des Verfassungstages statt.
Vortragsfolge:
1. Streichquartett: Adagio von Beethoven.
2. Chorlied: Dir möcht' ich diese Lieder weihen.
3. Festrede: (Seminaroberlehrer Groß.)
4. Gemeinsamer Gesang: Deutschlandlied.
Die Herren Vorsteher, Beamten und Mitglieder der hiesigen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, die Bürgerschaft und die Vorstände und Angehörigen der Kirchen- und Schulgemeinde, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Innungen, Beamten- und Angestellten-Organisationen werden zu dieser Feier eingeladen.
Schlüchtern, den 6. August 1925.
Der L-rabrirt: > Bürgermeister:
von Trott zu Solz. Gaenßlen.
BekanntmaHung.
In der Zeit vom 10.—12. August d. Js. erfolgt die Reinigung der Schornsteine in folgenden Straßen: Hanaucr- straße, Alte-Bahnhofstraße, Schloßstraße, Wassergasse, Kirch- gasse und Sackgasse.
Schlüchtern, den 4. August 1925.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Die gesetzliche Miete für den Monat August 1925 beträgt 82 v. H. der reinen Friedensmiete.
Sofern die sogenannten SchönheitSreparaturen vom Mieter auSgeführt werden, ermäßigt sich dieser Prozentsatz um 4. v. H.
Schlüchtern, den 7. August 1925.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Die Urliste über diejenigen über 30 Jahre alten Personen, welche zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegt in der Zeit vom 11. bis einschließlich 18. August d. Js. während der Dienststunden im Rathaus — Stadtsekretariat — zu Jedermanns Einsicht öffentlich aus.
Schlüchtern, den 6. August 1925.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Frankreichs Kriegsschulden.
Churchill fordert jährlich 20 Millionen Pfund.
In Londoner politischen Kreisen beschäftigt man sich ein- sehend mit der Frage der Finanzierung der Bergbau-Sub- sidicn und des Flottenbauprogramms.
Man glaubt, daß Churchill auf seinem Standpunkt beharre, daß Frankreich jährlich 20 Millionen Pfund bezahlen müsse. Er habe sich davon überzeugt, daß die Kosten der Kreuzer-Neubauten und der Bergbauunterstützung nicht aus Ltcucrcrhöhuiigcn bestritten werden können. Churchill habe zeänßcrt, daß er versuchen werde, diese Mehrbelastung durch höhere Zahlungen der Schuldner Englands auszugleichen.
Auf dieses Bestreben ist die Haltung Englands gegenüber Frankreich zurückzuführen. Die Differenzen zwischen der englischen und der französischen Auffassung in der Schulden- frage sollen erheblich größer sein, als man eS in Regierung?- kreisen zugeben will. Den optimistischen Erklärungen bcj Vertreters des Schatzamts in der Nutcrhaussitzuug steht man durchaus mißtrauisch gegenüber, denn mau glaubt allgemein, daß es sobald nicht 51t einem günstigen Abschluß mit Frank- reich in der Schuldcusrage kommen wird. Trotz der gegen- fertigen Behauptung des RcgierungSvcrtretcrs weiß man, daß die Schuldeuvcrhandluugcn in ziemlich schroffer Form abgebrochen worden sind. Der Rückgang des französischen Franken au der Londoner Börse wird auf den Abbruch der Londoner Finanzverhandlungen zurückgeführt.
Wiederaufnahme der Sicherheitsdislussion
(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)
Durch die angekündigte und inzwischen wieder abgesagte Zusammenkunft Briand-Chamberlain ist die Dis- fuffion über die Sicherheitsfrage, die in den letzten Tagen völlig in den Hintergrund geraten war, wieder etwas lebendiger geworden. In hiesigen maßgebenden politischen Kreisen hat man den Eindruck, daß die Beantwortung der deutschen Note vom 20. Juni so bald noch nicht erfolgen wird. Man erinnert sich, daß Vriand alsbald nach Empfang der deutschen Note der Presse mitteilen ließ, er hoffe bestimmt, der deutschen Regierung schon innerhalb 14 Tagen eine Antwort erteilen zu können. In Berlin war man von vornherein gegenüber dieser Ankündigung etwas skeptisch. Heute, nachdem diese 14 Tage vorüber sind, weiß man noch nicht einmal, welche Fortschritte die zwischen Paris und London eingeleitete Aussprache über die deutsche Note gemacht hat. Am Quai d'Orsay vermeidet man es ängstlich, auch nur anzudeuten, wie man sich zu den ganz präzise gefaßten einzelnen deutschen Fragen stellt. Auch in England ist man seit der letzten deutschen Note auffallend zurückhaltend geworden. Nur Belgien, der dritte der am Sicherheitspakt interessierten Staaten scheint bereits zu einer vorläufigen Stellungnahme gekommen zu sein. Vor wenigen Tagen schon las man in der belgischen Presse, daß die belgische Regierung dem Grundgedanken der deutschen Note im wesentlichen z u st i m m e. Nun erfährt man, daß der belgische Außenminister Vander- v e l d e bereits vor einigen Tagen in Paris und London eine Note über die Sicherheitsfrage hat überreichen lassen, in der die Stellung Belgiens gegenüber der deutschen Note präzisiert wird. Französische Blätter wollen über den Inhalt dieser Note wissen, daß Belgien zu einer zukünftigen Aenderung der Bestimmungen des Friedensvertrages insofern bereit sei, als man Deutschland keinen Vorwurf machen dürfe, wenn es den Wunsch habe, gewisse drückende Bestimmungen der Verträge abzuändern. Weiter schließe sich der belgische Außenminister in dieser Note der Ansicht Stresemanns an, daß keine Macht von sich aus ihr Recht
Deutschland interpretieren könne. Das stimm, un wesentlichen mit dem überein, was auch in der belgischen Presse über die Haltung Belgiens zu lesen war. Man kann es verstehen, daß die französische öffentliche Meinung über diesen „Umfall" Belgiens nicht besonders erfreut ist. In hiesigen maßgebenden Kreisen hält man mit einem Urteil über diese angebliche Stellungnahme Belgiens solange zurück, bisauthentischeNachrichten über den Inhalt dieser Note in Berlin vorliegen. Man nimmt an, daß zu der Zusammenkunft Chamberlain und Briand auch der belgische Außenminister Vandervelde hinzugezogen wird.
Wie nunmehr feststeht. istdie Konferenzzwischen Briand und Chamberlain, die heute in London stattfinden sollte, von Chamberlain abgesagt worden. Als Begründung wurde angegeben, daß die englische Regierung augenblicklich zu sehr mit der Kohlen- k r i s e beschäftigt sei. In Wirklichkeit dürfte aber noch ein anderer Grund für Herrn Chamberlain maßgebend gewesen sein. In letzter Stunde war nämlich bekannt geworden, daß Briand die Absicht habe, bei dieser Konferenz außer der Sicherheitsfrage auch noch andere Dinge, so z. B. die Schuldenfrage und die Marokko-Frage zur Diskussion zu stellen. Hierfür scheint die englische Regierung augenblicklich aber nicht viel Neigung zu haben. In hiesigen unterrichteten Kreisen denkt man sich den weiteren Verlauf der Dinge so, daß auf der Konferenz der alliierten Außenminister Anfang der nächsten Woche die Erundzüge der an Deutschland zu übersendenden Note festgclegt werden und daß dann wahrscheinlich von England die Anregung zu einer weiteren Konferenz gegeben wird, auf der dann auch die deutsche Regierung vertreten sein würde. Man glaubt hier nicht, daß die Verhandlungen so schnell von ftatten gehen werden, daß schon vor der Septembertagung des Völkerbundes irgend eine Entscheidung getroffen sein könnte.
M^j &.....
Räumung der SaMonsstadte.
Die Befehle sind ergangen.
Wie aus Paris gemeldet wird, hat nach Kenntnisnahme von dem Ergebnis der zwischen den alliierten Regierungen bezüglich der auf der Londoner Konferenz im vorigen Jahre abgegebenen Erklärungen im Hinblick auf die Räumung der von den alliierten Truppen seit März 1921 besetzten Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort die Botschaftcrkonfcrcnj eine Entschließung angenommen, in der das alliierte mili- tärische Komitee anfgefordert wird, den militärischen Be- satzungsbehörden die für die Räumung dieser Städte not- wendigen Instruktionen zu erteilen.
^er Vorstoß, der ant 8. März 1921 zur Besetzung der Rheinbrückcu köpfe von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort aeführt hat, war seinerzeit nach Ablehnung der auf der ersten Londoner Konferenz geforderten Repararionssummen mit Einverständnis der Ententemächte erfolgt. Infolgedessen bedurfte die Aufhebung der Besetzung wiederum des Emver- ständnisfes dieser Mächte, was in der Entschließung der Sot, schafterkonserenz nunmehr zum Ausdruck gebracht wird.