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Schlüchtemer Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Myernemer amtlich er Kirzeiger für Kar Kreis Schlächtern

Nr. 90

Donnerstag, den 30. Juli 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 6042. Die Herren Bürgermeister werden erneut auf die Verfügung vom 22. Februar 1921 J.-Nr. 1213 Kreisblatt Nr. 9 aufmerksam gemacht und ersucht, die Veränderungen (Zu- und Abgänge) zu der Nachweisung der noch nicht schulpflichtigen, taubstummen und blinden Kinder alsbald hierher anzuzeigen.

Schlüchtcrn, den 27. Juli 1925.

. Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6141. Voraussichtlich finden vom 1. bis 6. August d. Js. auf dem Landweg 24 Ortsdurchfahrt Mar- joß und vom 6. bis 8. August d. Js. auf dem Landweg 44 Ortsdurchfahrt Steinau nach Domäne Hundsrück Dampf- walzarbeiten statt.

Der Verkehr auf den beiden Landwegen ist soviel wie möglich einzuschränken.

Schlüchtcrn, den 28. Juli 1925.

_______________________Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 3506. K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden, welche noch mit der Ein­sendung der Verzeichnisse über erhobene Vergnügungssteuern für das abgelaufene Vierteljahr und der Abführung des Kreis­anteils an die Kreiskommunalkasse im Rückstände sind, wer­den an die Erledigung binnen 14 Tagen erinnert.

Schlüchtcrn, den 27. Juli 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. I. V.: Hengsberger.

Betr. Abschluß der Rechnungsbücher für 1924/25.

J.-N 3894. K. A. Die Herren Bürgermeister der Ge­

meinden Ahlersbach, Altengronau, Breitenbach, Elm, Heu­

bach, Joffa, Kerbersdorf, Marborn, Marjoß, Neuengronau, -Neustall, Romsthal, Uerzcll, Uttrichshaufen, Meichersbach und Weiperz werden hiermit an die Erledigung meiner

Kreisblattbekanntmachung vom 8. Juni 1925 J.-Nr. 2997 K. A. (Kreisblatt Nr. 69) betr. Einsendung des Berichts über die Abschließung der Rechnungsbücher für 1924/25, innerhalb i4 Tagen erinnert.

Schlüchtcrn, den 27. Juli 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. V.: Hengsberger.

Der Welt-Lustschiffverkehr.

Eine Rede Dr. Erkeners in München.

Im Rahmen der vcrkehrswissenschaftlichen Woche in München sprach weiterhin Dr. Eckener über die Möglich­keiten des Welt-Luftschiff-Verkehrs. Die Strecken bis 1500 Kilometer bezeichnete der Redner als die Domäne des Flug- zeuges, Ozeanfahrten als Verbindung von Weltteil zu Weltteil seien dem Luftschiss infolge seines größeren Aktionsradius Vor­behalten. Die Gründe, weshalb ein Luftschiffverkehr im nennenswerten Maße bisher nicht aufkommen konnte, erblickt Dr. Eckener in erster Linie in den noch nicht absolut durch­gedrungenen Vertrauen zu der Fahrtsicherheit. Es sei eine der größten Ironien, daß diejenigen Völker, die vom Luftschiffbau nichts verstehen, das einzige Volk, das hierin Erfahrungen besitzt und wirklich einen Weltluftverkehr zu schaffen in der Lage ist, nämlich die Deutschen, daran hindern will, diese Er­fahrungen zum Nutzen der Welt zu gebrauchen.

Die Frage, ob das Luftschiff, die ihm vorbchalteneu Strecken mit größter Sicherheit durchmessen könne, sei vollständig zu bejahen. Die meteorologischen Einflüsse, Gewitter, Blitzein­schlag, Wind, Niederschläge usw. bedrohen in keiner Weise die Fahrtsicherheit. Es ist möglich, ein Luftschiff ungefährdet zu landen. Auch die besonders wichtige Frage, wie es mit der Rentabilität eines Luftschiffverkehrs steht, könne im günstigen Sinne beantwortet werden. Nachdem Dr. Eckener auf Grund seiner reichen Erfahrungen Aufschlüsse über die Ueberwindung unter Umständen auftrctendcn Landungsschwierigkeiten ge­sprochen hatte und hierbei besonders den Standpunkt einer Ber- legung der Abfahrt- und Landezeiten in die Nacht- bczw. Mor­genstunden vertreten hatte, gab er eine genaue Rentabiltäts- bercchnung einer der geeignetsten Strecken für den Weltluft- Verkehr SevillaBueuos-Aires, die bei einem erforderlichen Kapital von 43 Millionen Mark eine Verzinsung von 22% Prozent in Aussicht stellen würde.

Zum Schluß seiner Ausführungen streifte Dr. Eckener die Frage eines Polarflugcs mit Hilfe der Luftschiffe, die er als besonders geeignet dafür ansprach, den Glauben an die Sicher­heit der Luftschiffe für den Weltverkehr in die Welt zu tragen und zu vertiefen. SeineBegeisterung" für einen Polarflug sei von den Franzosen dahin gedeutet worden, daß der Zeppelin­bau die Polar-Erforschung als Mittel zum Zweck der Her­stellung einer größeren Anzahl von Luftschiffen betrachte. Dr. Eckener wandte sich gegen die von rerschiedcueu extremen Rich- tungen in Deutschland im Zusammenhang mit bcm Polarflug gkgen ihn vorgebrachten Angriffe. Diese Angreifer seien weniger hellhörig, wie die Franzosen. Angesichts dieser Strömungen in Deutschland hält jedoch Dr. Eckener eine Polarfahrt zusammen Mit Amundsen für ausgeschlossen. Er betrachte jedoch einen Polarflug als das beste Mittel, um das zu vollenden, was mit der Fahrt des Z. R. III begonnen wurde: Der Welt Vertrauen Mm Weltluftschiffverkehr zu geben.

England und die Somimons.

Erklärungen Amerys.

Der Unterstaatssekretär für die Dominien, Amery, gab im Unterhaus eine Erklärung über die Lage der Kolonien und Dominien ab. Zuerst setzte er die Gründe auseinander, die zur Schaffung eines Sondersekretariats für die Angelegen­heiten der Dominien geführt haben. Bisher waren die Interessen der Dominien vom Kolonial-Staatssekretär mit vertreten worden. Entscheidend für die Einrichtung des neuen Postens waren die Wünsche der Dominien selbst. In den letzten Jahren, so führte er aus, habe sich tatsächlich eine Um­schichtung des englischen Weltreichs vollzogen.

Die staatliche Energie der jungen Dominien in ihrer raschen Entwicklung ist mit dem Wachsen der Vereinigten Staaten beinahe vergleichbar, mur mit dem Unterschied, daß die englischen Dominien evolutionär in gegenseitiger Ver­ständigung mit dem Mutterland und im Rahmen der Rcichs- eiuheit zu ihrer Größe gelangt seien. Die englische Regierung aber lege in ihrer ganzen Politik den größten Wert auf eine einheitliche Außenpolitik des Weltreichs und in diesem Sinne sei auch die Reichskonferenz im letzten^ zu verstehen gewesen.

Da aber solche Konferenzen nicht oft stattfinden können, sei eine Mittelstelle zwischen Mutterland und Dominien not­wendig, wie sie das neue Staatssekretariat darstelle. Der Mi­nister äußerte sich dann über den Arbeitsbereich des Sekre­tariats. Im letzten Halbjahr habe Australien einen besonderen persönlichen Vertreter des australischen Ministerpräsidenten zur Bearbeitung der australischen Fragen und Wünsche im Sekctariat im Dienst gehabt. In Anbetracht der großen Ar­beitslosigkeit in England war die Mitteilung des Staatssekre­tärs von Bedeutung, daß in den nächsten zehn Jahren allein in Australien 450 000 Auswanderer aus England angesiedelt werden sollen.

Der polnische Korridor.

Ein Luftverkehrshinderms.

Nach esuer MZduug.MBersi^, M sich, dort Arbeit der . Oberpräsident von Ostpreußen auf, um mit dem Handels­ministerium über die Unterstützung einer zu gründenden Ost- preußischen Luftverkehrsgesellschaft zu verhandeln.

Ausgabe dieses neuen Unternehmens würde in erster Linie der Zubringerdienst zu den großen, Ostpreußen berührenden inter- natiolen Luftverkehrslinien sein. Daneben wurde die Ostpreußische Luftverkehrsgesellschaft aber auch eine verstärkte Flugverbindung zwischen der Provinz und dem Reich herzustellen haben. Bei dieser Gelegenheit wird wieder einmal die Frage des Ueberfliegens des Polnischen Korridors erörtert werden müssen.

Obgleich im Versailler Vertrag das Durchreiserecht Deutsch­lands durch den Korridor im Verkehr mit Ostpreußen aus­drücklich sichergestellt ist, haben die Polen das Ueberfliegen des Korridorgebiets verboten, und es ist in der ersten Zeit sogar vorgekommen, daß deutsche Flugzeuge, die auf polnisches Gebiet geraten sind, beschossen wurden. Der Umweg über Danzig bedeutet eine nicht unbeträchtliche Verzögerung im Luftverkehr mit Ostpreußen und darüber hinaus mit Rußland und den Randstaaten.

Die Welt steht nicht still!

Gegen die Unantastbarkeit der Verträge.

Wie aus Amsterdam gemeldet wird, bringt dasMgemcen Handelsblad" einenDeffentlidje oder Gcheimdiplomatic" über- schriebenen Artikel aus der Feder des bekannten englischen Arbeiterführers und Unterhansmitglicdcs Arthur Henderson, in dem dieser sich scharf gegen die Fortsetzung der Gehcimdiplo- matic ausspricht. Der Verfasser führt darin u. a. aus: Der Friede der Welt erfordert nicht nur die Abkehr von der Praxis des Abschlusses von Geheimverträgen, sondern die Verwerfung der Maxime, daß öffentlich abgeschlossene Verträge als unantast­bar erklärt werden und daß ihre Schwächen und Folgen nicht revidiert werden dürfen. Die Welt steht nicht still. Im Leben des Volkes müssen die alten Gesetze verbessert und neue in Ge­brauch genommen werden. Dieser Prozeß muß sich auch im internationalen Leben fortwährend vollziehen.

*< Der Finanzplan des Reiches. Der Haushaltausschuß des Reichstages beriet den Haushaltsplan der allgemeinen Finanzverwaltung. Der Gesamtüberschuß im Haushalt 1925 der allgemeinen Finanzverwaltung beträgt 3513 Millionen Reichsmark gegenüber einem Gesamtüberschuß von 2238 Mil­lionen Mark im Jahre 1924. An Einnahmen sind für Ein- kommeustcuer 1,7 Milliarden Mark verzeichnet, für die allge­meine Umsatzsteuer und Luxussteuer 1% Milliarden, für Ver­mögenssteuer 500 Millionen Mark, für die Körperschaftssteuer 300 Millionen Mark, für die Beförderungssteuer 282 Millionen Mark. Die Grunderwerbssteuer ergibt im Jahre 1925 nur 15 Millionen Mark gegenüber dem zehnfach höheren Ertrage im Jahre 1924. Die Borsensteuer, die 1924 vier Millionen Mark erbrachte, ist mit Ablauf des 31. Dezember 1924 außer Kraft getreten. Der Ertrag der Börsenumsatzsteucr wurde von 150 Millionen Mark 1924 auf 95 Millionen im Jahre 1925 gesenkt. An Zöllen und Verbrauchssteuern ergibt sich im Jahre 1925 ein Ertrag von insgesamt 1514 Millionen Mark gegenüber 1990 Millionen Mark im Jahre 1924. Aus Steueraufkommen müssen an Länder 2172 Millionen Mark überwiesen Werben.

Vor der Vertagung des Reichstages.

(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter).

In parlamentarischen Kreisen hat am Montag abend die Nachricht, daß der Aeltestenrat des Reichstages schleunigst zusammentreten werde, um sich mit einer vorzeitigen Ver­tagung der Plenarverhandlungen zum 1. August zu beschäf­tigen, große Ueberraschung und nicht geringes Aussehen er­regt. Wenn die Nachricht sich bestätigen sollte, so würde das bedeuten, daß die großen Wirtschaftsgesetze, insbesondere die Zollvorlage, in dieser Session nicht mehr erle­digt würden. Die Regierung soll aber, wie uns aus Re- gierungskreisen zuverlässig mitgeteilt wird, nach wie vor auf ihrem Wunsche bestehen, daß die Zollvorlage noch vor der Sommerpause verabschiedet wird. Auch auf der Rechten machen sich erhebliche Widerstände gegen diesen Plan be­merkbar. So schreibt z. B. dieDeutsche Tageszeitung", das Organ des Reichslandbundes:Wir halten es für aus­geschlossen, daß die Regierungsmehrheit sich zu einem solchen Manöver, das natürlich bei der Landwirtschaft auf allerschärfsten Wider st and stoßen würde, bereit­finden könnte." Bei dieser Gelegenheit darf man daran er­innern, daß genau vor einem Jahre die damals vom Grafen Kanitz überraschenderweise eingebrachte Agrarzollvorlage dasselbe Schicksal hatte, wie dasjenige, das der neuen Zoll­tarifnovelle droht. Heute wie damals denkt man daran, eventuell im September eine besondere Ferientagung von einer Woche abzuhalten, auf der dann dem Wunsch der Re­gierung entsprechend, noch vor Beginn der augenblicklich ausgesetzten Handelsvertragsverhandlungen die Zollvorlage verabschiedet werden könnte. Vor einem Jahre ist diese Ferientagung nicht zustande gekommen. Ob es in diesem Jahre anders würde, muß abgewartet werden.

Wie auch immer die Beschlüsse des Aeltestenrates aus­fallen mögen, soviel ist sicher: die Wahrscheinlichkeit, daß der Reichstag vor Mitte August das noch ausstehende Arbeits- programm (Steuergesetze, dritte Lesung des Etats, Am­nestievorlage, Zollvorlage) erledigen dürfte, ist nicht sehr groß. Die letzten Plenarverhandlungen, die regelmäßig vor fast leeren Bänken langweilig und interesselos verliefen,

,. deutlich gezeigt, daß es im l^a^ wird, den Reichstag bis zum 15. August in beschlußfähiger Zahl zu- sammenzuhalten Besonders bedauerlich ist es, daß gerade von den Regierungsparteien sich bereits ein Teil der Abge­ordneten in die Sommerferien begeben hat. Gerade die Regierungsparteien müßten doch bei diesen bevorstehenden Entscheidungen vollzählig vertreten sein, da es sonst der Opposition ein leichtes ist, bei wichtigen Abstimmungen bie Beschlußunfähigkeit des Hauses herbeizuführen. Gestern konnte bei einer Abstimmung festgestellt werden, dag Regierungsparteien bei rund 270 Abgeordneten nur 169 Anwesende aufbringen konnten.

Es bestehen aber auch sachliche Schwierigkeiten, bic eine Tagung des Reichstages über den 1. August hinaus als unwahrscheinlich erscheinen lassen. Es ist nicht nur bie Zoll­vorlage, deren Verabschiedung in Frage gestellt ist, auch die Steuergesetze sind noch lange nicht unter Dach und^ach. Die größten Schwierigkeiten bereitet insbesondere die ^rage des F : na : zausgleichs. Hier ist mit dem entschiede­nen Einspruch des Reichsrats gegen die Kompromißbe- schlüsse der Regierungsparteien zu rechnen. Schwierig wird die Frage besonders dadurch, daß die Bayr. Volkspartei in dieser Frage nicht mit den Regierungsparteien geht son­dern sich aus die Seite der Bayerischen Regierung stellt Es finden in diesen Tagen erneut Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und den Parteien statt. Ob eine Verstand!, aung zustande kommt, ist zweifelhaft. Im letzten Augem blick haben sich auch noch gewisse Schwierigkeiten hinsichtlich der Lohnsteuer eingestellt. Auch hier müssen noch ein- mal Verhandlungen stattfinden, um eine andere Losung zu finden. ,

Bis jetzt war vorgesehen, daß die zweite und dritte Le­sung der Steuergesetze noch in dieser Woche erledigt werden inlite Ob das aber angesichts der schon erwähnten Tatsache, batz die Regierungsparteien so schlecht vertreten sind, mög­lich ist, muß bezweifelt werden. In parlamentarischen Krei­sen nimmt man an, daß der Reichstag versuchen wird, unter allen Umständen das vorgesehene Arbeitsprogramm, mit Ausnahme der Zollvorlage, bis zum 1. August zu erledigen. Die Regierung dürfte vielleicht nachgeben, wenn die Siche. ruua geschaffen wird, daß die Zollvorlage in einer befände- ren Tagung im Herbst, etwa Anfang September, ver­abschiedet wird. Die Regierung könnte sich damit um so eher abfinden, als ja an dem Zustandekommen der Vorlage selbst nicht mehr gezweifelt werden kann. Die Verhandlun­gen im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages haben ergeben, daß eine sichere Mehrheit für das Zollkompromrß v vorhanden ist.

Gesichts der schon erwähnten Tatsache, teten so schlecht vertreten sind, mog*

*« Die englisch-französischen Schuldenvcrhandlungcn. Die Verhandlungen zwischen den nach London goecks Regelung der französischen Kriegsschulden an England gckoinmcncil ftan,osi- scheu Sachverständigen mit dem britischen Schatzamt haben im Londoner Schatzamt begonnen. Wie verlautet werden die Er- örterungen sich '" der Richtung bewegen daß gleichzeitig mit ben französischen Zahlungen an Amerika ebenfalls entsprechende Zahlungen an Großbritannien erfolgen wer^n Es werde nicht damit gerechnet, daß die Besprechungen alsbald zu einem A^. fdiluf- gelangen werden. Wahrscheinlich werde Eaillaux nach London kommen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen

werde.