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öchlüchlermr Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Allyemeiner amtlich erKnzeiyer firr Herr Kreis Schlüchtem

druck und Verlag: tz. Steinfeld S6hne^ Geschäftsft^.Vcchnhofstv.^ fcmfpnUr.W postschtt^:^anksrwtaM.rL

Nr. 89 Dienstag, den 28. Juli 1925 77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 5976. Der Herr KreiSmediziualrat wird am 5. August d. Js. von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause Sprechstunde abhalten.

Schlüchtern, den 24. Juli 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6120. Die durch meine Verfügung 00m 8. d. Mts. J.-Nr. 5564 (Kreisamtsblatt Nr. 81) ange- ordnete Verkehrösperre des Landwegs MottgeröWeichers- bach bis zur Staatswaldgrenze hinter Weichersbach wird mit Wirkung vom 28. d. Mts. ab wieder aufgehoben.

Schlüchtern, den 27. Juli 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 3755 K. A. Die Vergnügungssteuerordnung für den Kreis Schlüchtern ist vom Bezirksausschuß am 29. Juni 1925 wie folgt erneut genehmigt worden:

1 Auf Grund des Beschlusses des Kreistages vom 2. Mai 1923 wird gemäß § 5 des Preußischen Ausführungsgesetzes zum Landessteuergesetz vom 13. Februar 1921 (Gesetzslg. S. 268) in Verbindung mit § 6 des durch Gesetz vom 26. Au­gust 1921 (Gesetzslg. S. 500) geänderten Kreiöabgabenge- setzes vom 23. April 1906 (Gesetzslg. S. 159) und der Reichsratsbestimmungen vom 7. Juli 1923 (Reichsgesetzbl. I, S. 583) in der Fassung vom 10. April 1924 (Reichsgesetzbl. I, S. 411) für den Kreis Schlüchtern folgende Steuerord­nung erlassen:

§ 1.

Der Kreis erhebt von allen im Kreise «schlüchtern ver- anstalteten Vergnügungen eine Kreissteuer, und zwar:

1) in den kreisangehörigen Gemeinden und in den Städ­ten Steinau, Salmünster und Soden in Form der Beteili- gung mit 20 0/0 und in der Stadt Schlüchtern in Form der Beteiligung mit 10 0/0 an dem Ertrage der Gemeindevergnü­gungssteuer. Die Gemeinden (Städte) haben am Anfänge eines jeden Vierteljahres die Höhe der im vorausgegangenen Vierteljahre aufgekommenen Gemeindevergnügungssteuer dem Kreisausschuß anzuzeigen und den Kreisanteil zu überweisem

2) in den Gutöbezirken nach Maßgabe des Artikels II der Bestimmung des Rcichöratö vom 7. Juli 1923 (Reichs- gesetzbl. S. 583) in der Fassung vom 10. April 1924 (Reichsgesetzbl. S. 411) unter Berücksichtigung der folgen­den Aenderungen:

§ 8 Absatz 1 erhält folgende Fassung:

(1) Die Steuer beträgt für jede ausgegebene Einzelkarte 30 0/0 des Eintrittspreises oder Entgelts (§ 6)

§ 17 erhält folgenden neuen Absatz:

(6) Für Apparate der zu la und b bezeichneten Art, die vorübergehend (z. B. bei Kirchwcihfcstcn) aufgestellt werden, finden die Bestimmungen der Absätze 14 keine Anwendung.

§ 2.

Die Erhebung der Steuer im § 1 Nr. 2 erfolgt durch den Gutsvorsteher im Auftrage des Kccisausschusses.

Steuerbefreiung und Ermäßigung kann der Krcisaug- schuß auf Antrag gewähren.

§ 3.

Bei Pferderennen, die zur Förderung der Landespferde­zucht dienen, darf die Steuer nach § 8 und § 15 nur bis zu 10 ö. H. betragen.

Im Benehmen mit der Landwirtschaftökammer vcran- staltete Tierschauen sind steuerfrei.

§ 4.

Diese Ordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft.

Schlüchtern, den 24. Juli 1925.

Der Kreisausschuß des Kreises Schlüchtern.

Der englisch« Bergarbeiterstreik unvermeidlich.

London, 27. Juli. Der Sekretär des Bergarbei- wrverbandes gab bekannt, daß für den kommenden Mittwoch eine Konferenz der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer in Aussicht genommen sei. Jedoch sehe er nach ver augenblicklichen Sachlage keine Möglichkeit, einem «treik aus dem Wege zu gehen.

Ein hübsches Teil u.

, Warschnu, 27. Juli. Die erste polnische Jndu. Fe= und Landwirtschaftsausstellung in Graudenz cm ^te mit einem Defizit von 50 000 Zloty.

Die britisch« Einheitsfront.

Paris, 27. Juli. Der Londoner Mitarbeiter det «'Journal des Debats" schreibt, dass eine Ablehnung »es Sicherheitspaktes durch die Dominions möglich sei on diesem Falle würde man in London den Stande s^nkt der Domonions einnehmen, um die diploina, "Iche Einheitsfront des britischen Imperiums zur Si- >herheit Englands nicht zu gefährden.

Sinladuna nach Genf zum September?

Ehamberlains Antwort an Briand.

Eine englische Blätterstimme will wissen, die An­sicht des Außenministers Chamberlain stimme mit Briand darin überein, daß Gens der richtige Ort sei, um über Deutschlands Ersuchen zu beraten, zeit­weilig von der Pflicht entbunden zu werden, den fran­zösischen Truppen die Erlaubnis zum Durchzug durch deutsches Territorium unter Artikel 16 des Völkerbun­des zu erteilen. Chamberlain macht sich jedoch nicht endgültig die französische Ansicht zu eigen, daß Deutsch­lands besondere militärische Position nicht auch im /Völkerbundsrat besprochen werden könne. Dem englischen Botschafter in Paris sind von Chamberlain Instruktionen in der Frage der Sicherheiten zugegangen, zum Zwecke, dem französischen Außenminister in Sachen der deutschen Zwischennote eine informative Antwort zu erteilen.

Der LondonerSunday Times" zufolge wird in diesen Instruktionen hervorgehoben, daß sich die eng­lische und die französische Regierung über zwei Punkte in vollkommener Uebereinstimmung befinden:

Erstens sind sie nicht bereit, die indirekte deutsche Forderung einer Erleichterung der ge­genwärtigen Bcsatznngslage im Rheinland in Er­wägung zu ziehen, und zweitens stimmen die bei­den Regierungen ebenfalls darin überein, daß die Frage der Ergreifung von Sanktionen gegen­über irgend welchen künftigen deutschen Repara- tionsverfchlungcn im Londoner Schiedsprotokoll des vorigen Sommers schon vollständig geregelt wurde.

Pariser Meldungen sprechen davon, daß eine Kon­ferenz für den Monat August zur Besprechung der Sicherheusfragen nicht in Betracht komme. Es sei vor­erst noch eine Reihe von Schwierigkeiten zu beseitigen. Hingegen würde es Frankreich gerne sehen, wenn der deutsche Außenminister im September nach Genf komme, um dort mit Briand und Chamberlain die noch verbleibenden Fragen zu erörtern.

Eine Rede Baldwins.

London, 27. Juli. Baldwin hielt? vor Mitglie­dern der konservativen Partei in Liverpool eine Rede, in der er betonte, daß in der Sicherheitsfrage noch Punkte von Bedeutung zu erledigen seien. Bis zur Herstellung normaler Verhältnisse in Europa sei noch ein weiter Weg.

Die Friedensbedingungen für Abd el Krim.

Noch keine Antwort.

DerPetit Parisien" berichtet über den bei Abd el Krim unternommenen Schritt, um die Friedensbedingungen Frank­reichs und Spaniens bekanntzugeben. Nachdem die Konferenz in Madrid diese Bedingungen festgesetzt habe, sei ein Brief an Abd el Krim entworfen worden, der ihm mitteilte, die Friedensbedingungen seien ausgearbeitet, wenn er wolle, könne er davon Kenntnis nehmen.

Dieser Brief sei einem Emissär anvertraut worden, der auf einem dem spanischen Reeder Eschevarietta gehörenden Schiff abgercist sei. Er sei in der Alhucemasbucht angetommen, an Land gestiegen, und habe einer Persönlichkeit der Umgebung von Abd el Krim den Brief übergeben. Das sei vor zehn Tagen geschehen. Was die französischen und spanischen Ab­gesandten, die beauftragt seien, Abd el Krim die Friedens- bedingungen mitzuteilen, wenn er den Wunsch äußere, sie kennen zu lernen, anbetreffe, so seien sie noch nicht nach dem Rifgebiet abgereist.

Abd el Krim habe bis jetzt noch keine Antwort auf den ihni überreichten Brief gegeben. Weder die französische noch die spanische Regierung hätten irgend welche Mitteilung erhalten. Die an Privatpersonen gerichteten Briefe, seien sie auch noch so authentisch, könnten nicht als eine Antwort aufgefaßt werden. Es sei möglich, daß noch eine Mitteilung an Abd el Krim ergehen werde, damit kein Zweifel über seine Absichten bestehe, bevor Frankreich und Spanien verstärkte militärische Kräfte einsetzten.

Inzwischen aber habe die Konferenz von Madrid ihre Arbeiten beendet und General Primo dc Rivera werde nach dem Rif abreisen, während sich Marschall Pctain nach G Na und Tewan begebeu werde, um mit dem Vorsitzenden «es Direktoriums über die französisch spanische ZusammenaA it, die demnächst in Erscheinung treten werde, zu beraten.

Reichskanzler Tr Luther in Wr^ auf Foyr.

Berlin, 27. Juli. Reichskanzler Dr. Luther ist in Beglertung des MinisterialrateS Böhmer mittels Flugzeuges in Wyk auf Führ eingetroffen.

Die Räumung »er Sanktionsstc7>e.

Berlin, 27. Juli. Ein Bericht aus Düsseldorf besagt, daß dort bereits zum größten Teile der Ab^ug der französischen Artillerie erfolgt ist. Da zudem im­mer weitere, bisher besetzte Gebäude freigegeben wer­den, besteht die Vermutung, daß die Räumung der so­genannten Sanktionsstädte bis zum 15. August zur Durchführung gekommen fein dürfte.

Gespannte deutsch-polnische Beziehungen.

Die alarmierenden Nachrichten über die bevorstehende Ausweisung der deutschen Optanten aus Polen lenken erneut die Aufmerksamkeit auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Ueber die Frage der Optan­tenausweisung ist zwischen den beiderseitigen Re­gierungen wiederholt verhandelt worden, ohne daß ein Einverständnis herbeigeführt werden konnte. Von deut­scher Seite vertritt man die Auffassung, daß die in Polen lebenden Deutschen, die seiner Zeit für die deutsche Staats­angehörigkeit optierten, nicht zwangsmäßig ausge­wiesen werden dürfen. Das internationale Schieds­gericht fällte jedoch feiner Zeit einen Spruch, der den deutschen Standpunkt a b l e h n t e. Man hatte jedoch auf deutscher Seite immer gehofft, daß Polen mit den ange­kündigten Ausweisungen nicht Ernst machen würde.

In dem abgetretenen Posen und Westpreußen lebten bei Kriegsende 1 200 000 Deutsche. Blühende Dörfer, sau­bere Städte, große Landstraßen und gut regulierte Flüsse zeugten von deutscher Kulturarbeit. Mit ihr hob sich auch der Lebensstandard des polnischen Teils der Bevölkerung. Es wird von polnischer Seite nicht bestritten, daß diese beideneroberten" Provinzen in kultureller Beziehung an der Spitze der Landschaften des heutigen Polens stehen. Die brutale Unterdrückungspolitik Polens hat es zuwege gebracht, daß in dem kurzen Zeitraum von sieben Jahren über 1 Million Deutsche diese ihre Heimat verlassen haben. Nun sollen auch diejenigen Deutschen, die zwar im Lande blieben, aber sich die deutsche Staatsangehörigkeit erwar­ben, aus dem Lande getrieben werden. Auf Anweisung der polnischen Regierung sollen am 1. August die deutschen Optanten, die keinen Grundbesitz haben, abwandern. Hier­bei handelt es sich um 15 000 Personen. Am 1. Oktober sollen dann diejenigen Deutschen folgen, die zwar Grund­besitz haben, aber im Gebiet einer Festung liegen. Am 1. Juli nächsten Jahres wird der Rest der deutschen Op­tanten ausgestoßen werden. Im ganzen handelt es sich um ungefähr 35 000 Deutsche.

Die deutsche Regierung hat bisher eine große, vielleicht allzu große Zurückhaltung beobachtet. Sie ist aber selbst­verständlich nicht geneigt, diesen Schlag ohne jede Gegen­maßnahme hinzunehmen. Falls Polen mit der Auswei­sung Ernst machen sollte, wird sich Deutschland gezwungen sehen, die in Deutschland lebenden polnischen Optanten ungefähr 10 000 an der Zahl gleichfalls über die Lan­desgrenze zu befördern. Diese Maßnahmen sind also ledig­lich auf die Jntransigenz Polens zurückzuführen.

Auch im deutsch-polnischen Zollkrieg ist noch keine Entspannung eingetreten. Die letzte Antwort­note der polnischen Wirtschaftsdelegation auf die deutschen Vorschläge kann zur Wiederaufnahme der Verhandlungen als Grundlage nicht dienen. Polen will davon nicht ab= sehen, daß Deutschland ein großes Kontingent oberschlc- ischer Kohle hereinläßt und auch der polnischen Viehein- uhr seine Absatzmärkte öffnet.

Wirtschaftlich machen sich die Folgen des Zollkrieges ür Polen bereits an allen Enden bemerkbar. Die an und ür sich schon schlechte Wirtschaftslage im polnischen Ober- chlesien erfährt eine weitere Verschärfung. Die Betriebs­räte der oberschlesischen Werke haben bereits in einer Ver­sammlung in Kattowitz einstimmig die Einstellung des Wirtschaftskrieges verlangt. Wie gering der Kredit Po­lens im Ausland ist, beweist auch die Tatsache, daß die vor kurzem in Newyork aufgelegte polnische Anleihe nur bis zu 40 Prozent gezeichnet wurde, also ein überaus ungünstiges Ergebnis hatte. Wenn auch die deutsche Ausfuhr nach Polen beträchtlich ist, so können wir trotzdem der weiteren Entwicklung der Dinge mit Ruhe entgegensehen.

Zu allem kommt die Frage des Sicherheits­paktes, dessen immer stärker werdende Aussicht auf Ver­wirklichung eine wahre Angstpsychose in Warschack erzeugt hat. Der Gedanke, daß der Sicherheitspakt einer Revision der deutschen O st grenzen Raum läßt, wirkt auf Polen wie ein rotes Tuch. Bei all den verantwort­lichen Mächten, die das ausgeschwemmte Staatsgebilde im Osten geschaffen haben, wird denn auch mit Eifer für den Bestand Polens agitiert. Kurz nach der Ueberreichung der deutschen Note sprach schon der polnische Pariser Botschafter bei Briand vor. Skrzvnski, der Außenminister Polens, unternimmt einen Werbefeldzug in Amerika. Vor einigen Tagen meldete der Draht, daß er von Kellogg und auch vom Präsidenten C 0 0 l i d g e empfangen wurde. Er wird nicht vergessen haben, auf die Bedrohung Polens durch Deutschland" binzuweisen. Diese ganze Agitation ist der beste Beweis dafür, welch schlechtes Gewissen Polen hat.

Alle diese Punkte lasten gegenwärtig die deutsch-polni­schen Beziehungen als gespannt erscheinen. Man ist jedoch in polnischen Kreisen der Ansicht, daß von selbst eine Be­ruhigung wieder eintreten wird.

Neuer Ricsenbrand bei Stettin.

Stettin, ,27. Juli. Ein Waldbrand von riesiger Ausdehnung entstand in der umfangreichen Trehbi- ner Gutsforst des Gutsbesitzers von Puttkammer. Bit jetzt sind etwa 2000 Morgen Hochwald und Schonung vernichtet.