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Schlüchtemer Leitung

Kreis-Kmwblatt * Myemeinev amtlicher Knzeiyev für -eu Kreis Schlechtem

druck unb Vertag: tz. Steinfetd Söhne* SesthastsfkVaynyofstr.ö * ssernspmtw.x^y * Poststheckk: fftankfurta.Al.rrsoo

Nr. 67

(1. Blatt)

Samstag, den 6. Juni 1925

77. Jahrg

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 4534. Der Landweg Oberkalbach-Mittelkalbach wird wegen Vornahnte von Walzarbeiten vom 5. bis einschl. 10. d. Mts. für Autos und Lastfuhrwerke jeder Art gesperrt.

Uebertretungen werden nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1877 (Amtsblatt S. 137) brstraft.

Schlüchtern, den 4. Juni 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 3206. Nachdem sämtliche Mitglieder des Vor­standes der Schuhmacherzwangsinnung für den Kreis Schlüch­tern ihre Aemter niedergelegt haben, habe ich durch Anord­nung vom 6. v. Mlö. J.-Nr. 3206 Kreisamtsblatt Nr. 56 zur Vornahme der Neuwahl des Jnnungövor- standes eine Versammlung aller Jnnungsmitglieder auf Montag, den 8. Juni d. Js., nachmittags 3 Uhr im Sitzungssaal des hiesigen Kreishauses anberaumt.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich nochmals, alle in Frage kommenden Personen von Vorstehendem in Kenntnis zu setzen.

Schlüchtern, den 4. Juni 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 4557. Die Herren Bürgermeister und Lehrer mache ich auf den im Amtlichen Schulblatt Nr. 6 unter Nr. 79 enthalt. Erlaß des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst ».Volksbildung vom 15. Mai d. Js., betr. Volks-, Berufs­und Betriebszählung aufmerksam.

Schlüchtern, den 4. Juni 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

----3t^ 449.;. _.; .««T»ne^ -Spe ich.,j> Bez. Br ^ au, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

[

Schlüchtern, den 3. Juni 1925. Der Landrat.

Kreisausschuß.

J.-Nr. 2644. K. A. Die Kreiskommunalkasse hierselbst ist angewiesen worden, den nachstehend aufgeführten Gc- I meinden, die daneben angegeb. Beträge als Kreisbeihilfe zu j den Unterhaltungskosten der ländlichen Fortbildungsschulen für das Rechnungsjahr 1924/25 zu zahlen:

li

Steinau

566 R.-M

Mottgers

133

R.-M.

Salmünffer

222

Neuengronau

133

77

Soden

295

7/

Niederzell

89

7/

Ahlerobach

102

77

Oberkalbach

"9

77

Altengronau

153

//

Oberzell

134

7/

Bellings

197

M

Reinhards

124

77

Breitenbach

179

Roinsthal

67

7/

Breunings

89

Sannerz

99

77

Eckardroth

43

Sarrod

223

77

Elm

139

77

Schwarzenfels

114

77

Gundhelm

89

7/

Seidenroth

123

77

Herolz

132

77

Sterbfritz

175

77

Heubach

114

7/

Uerzell

9i

77

Hintersteinau

i34

77

Ulmbach

145

7/

Hohenzell

125

77

Uttrichshausen

79

77

Hütten

116

7/

Vollmerz

89

77

Joffa

123

77

Wallroth

133

77

Kerbersdorf

124

n

Weichersbach

126

77

Kressen bach

114

Wciperz

90

ff

Marborn

i3>

Züntersbach

90

Marjoß

77

Schlüchtern,

den

30. Mai

i925-

Der

Vorsitzende des KreisauSschusses.

!

1

ll

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Die Anfuhr von 156 rm Knüppelholz für das ^thaus, die Schule und Gemeindeschwester soll Montag, 'en 8. d. Mts., abends i) Uhr im Rathaus in 14 °fcn vergeben werden.

Montag, den 8. d. Mt»., abends 9 Uhr soll der -chafpferch von den beiden Herden im Rathaus nochmals ^Pachtet werden.

*

Wontag, den 8. d. Mts. soll der Schlagabraum in Distrikten 54 b, 66 und 63 an Ort und Stelle gegen Artige Bezahlung öffentlich meistbietend versteigert werden, ^ammcnkunft vormittags 8 '/, Uhr am Bahnübergang M> Marborn.

Steinau (Kreis Schlürfen»), den 4. Juni 1925.

Der Magistrat. Kissebcrth.

Deutschlands Entwaffnung.

An einen Krieg ist nicht zu denken.

Der Berliner Berichterstatter des Journal des Debats" befaßt sich in einem längeren Artikel mit der Haltung Deutsch­lands gegenüber der Entwaffnungsfrage. Seine Ausführungen entsprechen anscheinend der Auffassung der maßgebenden Stellen in Paris.

Der Korrespondent glaubt, daß Reichskanzler Luther und auch Präsident von Hindenburg sich keineswegs einer vernünf­tigen Regelung der Fragen widersetzen wollen, daß dabei jedoch Schwierigkeiten zu überwinden seien, weil die Volksstimmung nicht entsprechend vorbereitet worden sei. Auch der Reichswehrminister Geßler habe in der Frage der Zeitfreiwilligen sehr energische Worte gesprochen, aber wenn er behauptet, daß gegenwärtig keine Zeitfreiwilligen mehr ausgenommen würden, so müsse man fragen, wieso bei dem Unglück Veltheim Angehörige der schwarzen Reichswehr umgekommen seien, und wieso der bayerische Prinz Albrecht für kurze Zeit in das 19. Infanterie - Regiment ein­treten konnte.

Der Berichterstatter kommt dann weiter auf die verschie­denen Verbände zu sprechen, die angeblich mit der Reichswehr in Verbindung stehen, sagt aber selber, man müsse jedoch zu­geben, daß die drei- bis vierhundertausend militärisch ausge- bildeten jungen Leute keinen modernen Gefechtswert dar- stellten und daß Deutschland auf lange Zeit hinaus nicht an einen Krieg denken kann. Wenn die Soldatenspielerei dennoch fortdauere, so sei dies vor allem damit zu erklären, daß es den Führern dieser Organisationen weniger darauf ankommt, die Revanche vorzubereiten, als vielmehr darauf, eine Rolle spielen zu können und ihre Stellungen zu behalten.

Sie Rheinlandnote überreicht!

' , Berlin, 4. Juni. (Amtlich.)

~ Botschafter Englands, Frankreichs, Italiens, Japans und Belgiens haben heute mittag dem Reichskanzler die Kollektivnote, in der die alliierten Regierungen der Reichs­regierung die Maßnahmen mitteilen, von denen sie die Räumung der nördlichen Rheinlandzone abhängig machen. Der englische Botschafter erklärte dabei: Entsprechend dem am 5. Januar und am 26. Januar befolgten Verfahren, habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz namens meiner Kollegen und in eigenem Namen die gemeinsame Note unserer Regierungen über die Voraussetzungen der Räumung der Kölner Zone auszuhändigen.

Der Reichskanzler nahm die Note mit folgender Ant­wort entgegen: Seit der Uebergabe der alliierten Noten am 5. Januar und 26. Januar, auf die Ew. Exzellenz soeben Bezug genommen haben, nahm die Reichsregierung sowohl bei Beant­wortung jener Noten als bei anderer Gelegenheit wiederholt Anlaß, ihren StandPunktinderFragederRäumung der nördlichen Rheinlandzone darzulegen. Ich nehme aus diese Erklärungen Bezug. Die mir übergebene Note wird von der Reichsregierung unverzüglich geprüft. Die Reichsregierung wird sodann die Entscheidung über ihre weiteren Maßnahmen treffen.

Die Note und ihre Anlagen werden ain Samstagmorgen veröffentlicht.

Sir Verbrauchssteuern.

Herabsetzung der Zuckcrstcucr.

, Der finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Gesetzentwurf zur Aenderung der Verbrauchssteuern.

Der Ausschuß erkannte die in der Begründung des Gesetz­entwurfs von der Reichsregierung gemachte Angabe, daß eine Erhöhung der Steuern mit dem Gesetzentwurf grundsätzlich nicht verbunden sei, nicht an. Bei der Zuckcrstcucr empfahl der Ausschuß der Regierung die Herabsetzung der Steuern auf 16 Reichsmark für 100 Kilogramm. Ferner wurde beschlossen, die Fälligkeitstermine für die Verbrauchssteuern anf den zwan­zigsten Tag des Monats zu legen, der auf den Monat folgt, in dem die Steuerschuld entstanden ist. Den übrigen Bestimmun- gcn des Gesetzentwurfs wurde zugestimmt. Darmff behandelte der Ausschuß die Frage der Erhebung einer Sondcrstcucr aus die seit 1913 gewachsenen bzw. erhaltenen Vermögen in Ver- bindung mit der Denkschrift des ReichSfinanzministcriums über den Ausbau der Besteuerung von Jnffationsgewinncn. Der Ausschuß gelangte nicht zu einem einheitlichen Gut­achten. Er unterbreitete vielmehr die Ansichten der Mehrheit wie der Minderheit der Reichsregierung.

Die Anschlußfrage.

Paris, 4. Juni. In hiesigen politischen Kreisen wird er­zählt, daß die deutsche Regierung in Rom neue Vorschläge unterbreiten ließ, die darauf abzielten, Italien in der öster­reichischen Anschlußfrage günstiger zu stimmen und eine Ver­ständigung zwischen Rom und Paris über die Garantie der deutschen Ostgrenzen zu verhindern. Obgleich Berlin hierfür besonders vorteilhafte Zugeständnisse angcbotcn haben solle, habe Mussolini es abgelchnt, in eine Diskussion cinzntreten.

Erneute Besprechungen.

Obwohl die amtlichen Stellen in London nach wie vor eine außerordentliche Zurückhaltung in ihren Aeußerungen über den gegenwärtigen Stand der Dinge zeigen, kann den­noch alles, was insbesondere aus Paris über angebliche Zugeständnisse Englands berichtet wird, als verfrüht oder unrichtig bezeichnet werden. Nachdrücklich Wird darauf hin- gewiesen, daß die englische Regierung keinerlei Vereinbarungen oder Verträge abschließen könne, die England zu einer Teil­nahme an einem europäischen Konflikt verpflichten würden. Der Pariser Korrespondent desManchester Guardian" teilt mit, England habe auf die Frage, ob der Begriff der Gegen- seitigkeit in bent Sicherheitspakt den Sinn habe, daß ein fran- Shstscher Einmarsch in das neutralisierte Rheinland in Erfül­lung der militärischen Verpflichtungen Frankreichs gegenüber Polen und der Tschechoslowakei als ein Bruch eines "Sicher­heitsvertrages betrachtet würde, die Antwort erteilt, daß eine solche Möglichkeit keinen Bruch bedeuten würde. Diese Ant­wort habe die gegenwärtige allgemeine Erleichterung und^ Freude in Frankreich verursacht.

In London wird jedoch, wie von zuständiger Stelle mit­geteilt wird, nach wie vor an dem Standpunkt festgehalten, daß man über derartige Einzelheiten zurzeit noch keinerlei Meinung kundgeben könne, da die Verhandlungen bisher lediglich akademischer Natur gewesen f4ien. So heißt es in einer Meldung des halbamtlichen Reuterbüros ausdrücklich:

Es ist nicht zutreffend, -daß irgend welche spezielle Inter­pretation oder Ankündigung bezüglich dessen, was geschehen wird, vorliegt. Die Diskussion hat noch nicht den Punkt erreicht, wo man in Einzelheiten angeben kann, was in bestimmten Eventualitäten geschehen wird, abgesehen von den Möglichkeiten, die das Rheinland betreffen. Sie Erörterungen beschäftigen sich noch mit den allgemeinen Grundsätzen, und die englische Regierung ist nur festgelegt auf die Aeußerungen, die Chamberlain im Unterhaus getan hat, wonach England den Gedanken eines Paktes über die westliche Grenze annimmt, an dem England mitzuarbeiten bereit ist, und dessen Ver- vMMung-'n darauf.beschränkt sind, die chocfOch: Grenze zu garantieren, um einen zukünftigen Krieg zu verhindern.

Es scheint nun allerdings, als ob die englisch-französischen Verhandlungen schon in nächster Zeit mehr auf Einzelfragen eingehen werden. Nach Pariser Blättermeldungen hat Briand mit Äerthclot und Laroche eine Note ausgearbeitet, die eine sehr ausführliche Antwort auf das britische Garantievertrags­memorandum darstellt. Die Antwortnote soll besonders aus­führen, weshalb Frankreich in seinem Antwortentwurf auf das deutsche Angebot betont, daß Tchiedsgcrichtsvcrträgc auf keinen Fall die territorialen Vertragsbestimmungen zum Gegenstand haben dürfen. Es bleibt abzuwarten, ob man nun­mehr über die rein akademischen Erörterungen hinauskommen wird.

Die Lage in Wna.

Reine Gefährdung der Teutschen.

Mit einigem Recht befürchtete man, daß bei den Unruhen m China auch die zahlreich wieder dorthin zurückgekehrten Deutschen in Gefahr geraten seien. Erfreulicherweise ist das nicht der Fall, wie ein soeben ei «getroffenes Telegramm des deutschen Gesandten in Peking, Dr. Boye, bestätigt.

In dem Telegramm des Gesandten heißt es u. a., es könne gesagt werden, daß irgendwelche Besorgnis für das Leben deut­scher Untertanen nicht besteht. Auch dürften deutsche Interessen in China nicht als gefährdet erscheinen. In dem Telegramm Dr. Boyes wird u. a. gesagt, das Diplomatische Korps beabsichtige, aus die Protestnote der chinesischen Regierung in versöhnlichem Sinne zu antworten. Die chinesische Regierung ihrerseits beabsich­tige, eine aus hohen Beamten bestehende Untcriuchungskommission nach Schanghai zu entsenden. In Berliner gutunterrichteten Kreisen glaubt man, daß die internationale Verwaltung in Schanghai die Stadt vollkommen in Händen hat. Die ganze Bewegung trage nicht nur einen fremdenfeindlichen, sondern auch einen ausgesprochen antikapitalistischen Charakter mit politischem Hintergrund.

Nach einer Meldung aus Schangbai nimmt die gegen die Ausländer gerichtete Bewegung ständig zu. Sämtliche den Ausländern gehörende Fabriken sind in Mitleidenschaft gezogen. Etüm 3000 Streikende haben die japanischen Eis Werke angegriffen. Die Polizei feuerte in die Menge hinein. Eine Person wurde getötet und fünf verletzt. Die An grifft gegen einzelne Ausländer dauern an. Eine Anzahl Auf­rührer hat mehrere Straßenbahnwagen mit Steinen angegrif­fen und eine Anzahl Frauen verwundet. Vier Abteilungen von britischen Marinesoldaten und Matrosen wurden gelandet.

Forderungen der Aufständischen.

Wie weiter aus Peking gemeldet wird, haben die Studen­ten, die man als die eigentlichen Urheber und Leiter des ganzen Aufftandes betrachten muß, int Verlaufe verschiedener Ver­sammlungen zahlreiche Anträge angenommen. Sie fordern u. a. den Rücktritt des englischen Konsuls in Schanghai und die Todesstrafe für die Polizisten, die im Verlauf der Unruhen Studenten getötet haben. Sie bestehen darauf, daß die wirt­schaftlichen Beziehungen mit Großbritannien und mit Japan strenger kontrolliert werden, und verlangen die Zurückziehung aller in englischen und japanischen Banken untergebrachten Depots. Endlich verlangen sie, daß britischen und japanischen Staatsangehörigen keine Lebensrnittel verkauft werden, und daß die in englischen und japanischen Häusern tätigen chinesi- schen Angestellten ihren Dienst dort aufgeben.