Schlüchtemer Zutuns kreis-Kmtsblatt * Myemener amtlich er KirzeLgev für 6m Kreis Schlüchtern Ariukunb vertag: tz.SteinfÜd Söhne* SesthästsstrVahuhofstv.S * Dernspr-.Nr.i^y * PoststhetkP.HAnkfrwtirM.rrr»>
Nr. 66
Donnerstag, den 4. Juni 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsami.
J.-Nr. 4216. Mit der am 16. Juni d. Jo. ftattfin- denden Volks- pp. Zahlung soll auch eine Wohnungsstatistik verbunden werden. Die erforderlichen Formulare gehen den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern rechtzeitig zu. Für jedes Haus ist vom Hausbesitzer, oder dessen Stellvertreter ein Formular auszufüllen, das alle Wohnungen in einem Hause umfaßt. Sollten die Formulare nicht ausreichen, so find die fehlenden Stücke umgehend hier anzufordern.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher dafür zu sorgen, daß die Formulare rechtzeitig in die Hände der Hausbesitzer gelangen, damit sie mit den Listen der Volks- pp. Zählung durch die Zähler wieder eingesammelt werden können.
Die Ablieferung der ausgefüllten Listen der Wohnungs- zählung durch die Zähler an die Drtsbchördcn hat bis zum 22. Juni zu erfolgen. Die Ortöbehörden haben die Woh- nungölisten auf ihre Vollständigkeit und Richtigkeit nachzu- prüfen und unter Beifügung einer Bescheinigung darüber, daß dies geschehen ist, spätestens zum 5. Juli d. Js. hierher einzusenden.
Schlächtern, den 2. Juni 1925
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kretsausschutz.
Gemeindebullenhaltung.
J.-Nr. 2744 K. A. Bei den letzten Nachkörungen der Gemeindebullen ist erneut festgestellt worden, daß die vorgeschriebenen Verzeichnisse über die vorhandenen Bullen nicht geführt werden. Ferner wurde in vielen Fällen dem Kreiszuchtinspektor Dir. Müller keine Mitteilung über den Zugang und Abgang von Gemeindebullen gemacht. Ich ver- jR&f? hiermit nochmals auf meine Kreisblattverfügung vom 28. Dezember 1922. — Kreisblatt Nr. 9 von 1923 — 0 ■ merke, daß ich in Zukunft gegen die Säumigen streng vorgehen werde. Alle seit 1. Januar 1923 eingetretenen und nicht gemeldeten Aenderungen sind bis 10. Juni mitzuteilen.
Schlächtern, den 22. Mai 1925. Der Landrat.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Gemäß § 9 Ziffer 6 der Baupolizeiordnung 11 vom i. 11. 1902 wird hiermit angevednet, daß die Schornsteine in Neu- und Umbauten von ihrer Ingebrauchnahme durch den Bezirksschornsteinfegermeister zu untersuchen sind. Die Kosten der Untersuchung sind mit 1.— Mk. für jeden Schornstein vom Bauherrn unmittelbar an den Bezirksschornsteinfegermeister zu bezahlen.
Steinau (Kreis Schlüchtern), den 29. Mai 1925.
Die Polizeiverwaltung. Kiffcbcrth.
Bekanntmachung.
Es liegt Veranlassung vor, alle Schafhalter nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß das Wegnehmen von Schafen aus der geschlossenen Herde seitens der Eigentümer ohne Vorwissen des Schäfers durchaus unzulässig ist. Bei einem solchen vorschriftswidrigen Vorgehen müßten die Schäfer jede Verantwortung ablehncn.
Steinau (Kreis Schlüchtern), den 30. Mai 1925.
Der Magistrat. Kisseberth.
Die Entwassnunassraae.
Eine Stimme der Vernunft.
Die bekannte Londoner Zeitung „Observer" schreibt in einem vielbeachteten Leitartikel:
Stresemann war im Recht, wenn er spöttelnd bemerkte, das; der Verzug Deutschlands nicht sehr schwer sein könne, da die Alliierten fünf Monate brauchten, um über die Natur und Ausdehnung des Verzugs eine Verständigung zu erzielen. Kein vernünftiger Mensch in England und auch nicht in Frankreich sei der Ansicht, das; eine Anzahl nicht augrzcigter Gewehre oder Fcstnngsgcschützc den Frieden bedrohe. Deutschland könne Nieder heute noch morgen einen Krieg beginnen. Seinerseits sei es aber von Ländern umringt, die Heere besitzen, die die Wröfjc der Heere vor dem Kriege übertreffen.
Das Blatt betont, die deutsche Regierung befolgte eine kühle, kluge und aufrichtige Politik, die vom deutschen Standpunkte aus gesehen die beste sei und gegen die vom Standpunkt der Nachbarn Deutschlands nichts eingewendet werden könnte. Die deutsche Regierung nahm angesichts keineswegs geringer politischer Schwierigkeiten und Versuchungen eine kluge und versöhnliche .Haltung ein. Es sei zn hoffen, daß sie bei der Ausnahme der alliierten Forderungen, die die Berliner Bot- chaftcr Dr. Stresemann diese Woche unterbreiten werden, ' ich ebenso klug verhalten werde. Das Blatt ist überzeugt, Chamberlain iverbc die britischen Verpflichtungen mit peinlicher Treue erfüllen.
Die personalabbauverordmmg.
Weitgehende Milderungen.
Wie bekannt, hat die Reichsregierung stets die Absicht gehabt, die durch die Reichsverfassung gewährleisteten wohlerworbenen Rechte der Beamten, die durch die Personalabbauverordnung aus der Not der Zeit heraus eingeschränkt wurden, wiederherzustellen, soweit und sobald die Verhältnisse es gestatten. Dies war bei der Einbringung der Novelle zur Personalabbauverordnung im Januar und Februar dieses Jahres nicht möglich.
In der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse zugunsten der Beamten so geändert daß es der Reichsregierung angängig erscheint, gewisse weitere Milderungen in der Handhabung der Personalabbauverordnung cintrctcn zu lassen. Die Reichs- regierung hat daher in Uebereinstimmung mit den sie stützen-^ den Parteien des Reichstages sich entschlossen, auf die Weiter- verfolgung des dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurfs zu verzichten und eine neue Gesetzesvorlage einzubringen, die in mannigfacher Hinsicht den Wünschen der Beamten weiter entgegenkommt.
In erster Reihe sollen die Abbaubestimmungen aufgehoben sowie Verbesserungen auf pensionsrechtlichem Gebiet vorgenommen werden. Da durch die vorgesehene Neuregelung die beamtenrechtlichen Interessen der Länder und Gemeinden berührt werden, ist der Weg einer neuen Gesetzesvorlage gewählt worden, um dem Reichsrat Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Die neue Vorlage ist bereits dem Reichsrat und den Landesregierungen übersandt worden.
Der SicherheitspaN.
Die Haltung Englands.
Die Agentur Havas veröffentlicht eine offenbar beeinflußte Erklärung über die Stellungnahme der britischen Regierung gur Sicherheitsfrage, wie sie das Memorandum festlegt, das am Quai d'Orsay vor einigen Tagen überreicht wurde. In dieser Erklärung heißt es:
Es besteht keine Schwierigkeit mehr, auf die demschen Vorschläge vom 7. Februar zu antworten. Frankreich wird in etwa 14 Tagen eine Note an die Reichsregierung richten. England erklärt sich in erster Linie bereit, mit allen seinen Streitkrästen die Unverletzlich- keit der Rheingrenze zu garantieren, weigert sich jedoch, militärisch in dem Fall cinzugreifen, daß die Ostgrenzcn durch Deutschland verletzt würden. Seine Haltung wird mit der Tatsache begründet, daß England keine Kontinentalmacht ist und daß es Interessen in fast allen Weltteilen zu verteidigen hat. Seine Dominions würden es nicht zugeben, daß Großbritannien gezwungen wäre, automatisch die territoriale Nnvcrlctzlichkeit irgendeines europäischen Staates, wie etwa Polen, zu verteidigen.
Großbritannien, sagt Havas weiter, bestätigt jedoch seinen Willen, getreulich die verschiedenen Verpflichtungen zu erfüllen, die es durch die Unterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles, durch die Unterzeichnung des Völkerbundsstatuts und durch die Unterzeichnung der anderen Friedensverträge übernommen hat. Als Grundlage für diese diplomatischen Instrumente gilt nach Ansicht der Engländer das öffentliche. Recht in Europa. Infolgedessen würde England ohne Zweifel in einem Konflikt der genannten Art seine Streitkräfte zu Wasser und zu Lande nicht in Bewegung setzen, aber diplo- ntatifeb die Forderungen des angegriffenen Staates unterstützen, sei es bei direkten Verhandlungen, sei es innerhalb des Völkerbundes. Außerdem gibt England zu, heißt es am Schluß der Havas-Erklärung, daß Frankreich volle Aktionsfreiheit behält, die ihm das Völkerbundsstatut gibt, um die Unverletzlichkeit der östlichen Grenzen zu verteidigen. Die französischen Streitkräfte müssen also in diesem Falle den freien Durchzug durch Deutschland Verlangen.
Die Lage in Marotto.
Neue Kämpfe.
Das Büro Havas meldet, daß die Difsidcndenstämmc und die Dscheballahs bei einem Versuch, gegen Es-Scbt vorzustoßen, zurückgcworfcn worden seien. Feindliche Ansammlungen würden in dieser Gegend gemeldet. Obwohl die Sicherheit gewährleistet sei, bestünde eine große Bedrohung durch die Beni-Mestara, die durch einen andern Stamm unterstützt würden.
Weitere Angriffe der Beni-Derkoul seien gescheitert. Neue Nachrichten bestätigen, daß die Bcni-Eeroual unter der Besetzung der Rifleute sehr zu leiden hätten. Ihre Verpflegung, die von Worden aus bewerkstelligt werde, ioerbe immer schlechter. Rifverstärkungen seien im Bibanergebirge eingetroffen. Der dortige französische Posten fei mit G e w e h r- u n b Maschinengewehrfeuer in der Nacht vom 81. Mai ernstlich angegriffen worden. Der Angriff sei jedoch gescheitert. Im mittleren Frontabschnitt feien die Operationen ohne Zwischenfall fortgesetzt worden. Im Norden des Berges Senhadja würden ziemlich bedeutende A n s a m m - l u n g e n von R i f l e u t c n und Dissidenten gemeldet, so besonders eine Rifabteilung von allein 2500 Gewehren in der Gegend von Moulaz-Ain-Djenane. Im Osten sei die Lage ruhig.
Frankreich lenkt ei«?
(Von unserem Berlin«! Mitarbeiter)
^gierung hat zu dem Entwurf der Antwort, die die zranzopiche Regierung Deutschland auf dessen 4lnregungen in der Sicherheitsfrage geben wollte, Stellung genommen, ^n einer Kabinettssitzung am Freitag wurde
™ ausgearbeitet, das noch an dem- ^en Tage der englische Botschafter in Paris Lord Creve ? Orsay überreichte. Ueber den Inhalt dieses Memorandums wurde ein amtliches Kommunique ausge- geben, das nähere Einzelheiten über den englischen Stand- ^« nicht enthält, im wesentlichen aber als eine m^s^s8 detaillierten Angaben angesehen werden s ^ "Daily Telegraph" kurz vorher über die Be- der entscheidenden englischen Kabinettssitzuna gemacht hatte. Der Satz in dieser amtlichen Reutermeldung, aus den es besonders ankommt, lautet:
»Das englische Kabinett ist über die Stellungnahme, zu der es gelangt ist, völlig einer Meinung. Es kann als sicher angenommen werden, daß England noch immer seinen Standpunkt aufrecht erhält, wonach die Erörterung eines weitläufigen oder unbegrenzten Planes ab- zulehnen ,ek und daß es für einen begrenzten und beschrankten Plan erntritt."
Das ist genau dasselbe, was der „Daily Telegraph" etwas weniger diplomatisch und zurückhaltend, als dies ein amtliches Kommunique tun darf, in folgende Worte gekleidet hat: „Die französische Regierung wird (in dem Memorandum) darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie setzt und zwar in allernächster Zeit wählen muß, ob sie sich an dem Abschluß eines Sicherheitspaktes mit England, Belgien und Deutschland und zwar auf Grund des materiellen Inhalts der deutschen Vorschläge, und ausschließlich beschrankt auf die Westgrenzen, beteiligen will oder ob sie es vorzieht, die Sicherheit Frankreichs durch ein Militär- oündn's mit Polen, Belgien und der Tschechoslowakei her- beizufuhren, an dem England sich unter keinen Umständen irgendwie beteiligen würde. ... Die englische Regierung wird Frankreich darauf aufmerksam machen, daß, wenn sich das Pariser Kabinett zugunsten der militärischen Ein -
" ,H n g D'e u r s ch I a n d c entminet.: sich ■ nglanb sich die Formulierung einer anderen eüropäqdjen Politik vorbehält und Frankreich nicht länger auf englische Unter stützung im Falle eines Kontinentalkrieges rechnen könne."
Die englische Regierung entzieht sich hier also mit aller Entschiedenheit dem von Herrn Briand gemachten Versuch, England in das Netz des von Frankreich errichteten Systems militärischer Bündnisse, insbesondere im Osten zu verflechten. Diese Form einer Allianz ist für England ebenso undiskutabel, wie das von Frankreich protegierte Genfer Protokoll, dessen endgültige Ablehnung übrigens von England auch bei dieser Gelegenheit wieder unzweideutig ausgesprochen wird. England hat sich, wie es bereits Chamberlain in seiner bekannten Unterhausrede getan hat, durchaus zu dem Grundgedanken der deutschen Anregungen bekannt, d. h., auch für England kommt es zunächst darauf an, die E a - rantierung der West grenzen sicher zu stellen.
Die Frage erhebt sich, was Frankreich nun tun wird. Wird es England nachgeben und gleichfalls sich bereit erklären, auf der Basis der deutschen Garantievorschläge vom Februar dieses Jahres zu verhandeln, oder aber wird es vorziehen, in dieser für die Befriedung Europas entscheidenden Frage weiter eine Politik der Isolierung zu treiben und den Sicherheitspakt endgültig zum Scheitern zu bringen? Die Beantwortung dieser Frage ist im Augenblick nicht leicht. Sie ist es besonders deshalb nicht, weil gleich nach Eingang des englischen Memorandums im französischen Außcnministcrium durch verschiedene offiziöse Kanäle als Auffassung des Quai d'Orsay durchsickerte, „daß die Antwort der britischen Regierung die französische These in den wesentlichsten, Punkten befriedigt" und daß nunmehr keinerlei „fundamentale Meinungsverschiedenheiten" bestehen. In der Tat, diese Auslegung der englischen Antwort muß überraschen. Was will Herr Briand? Sieht er ein, daß er sich doch zu sehr vorgewagt hat und bereitet er nunmehr allmählich den Rückzug vor?
Wie dem auch sei, auf die Entwicklung der Sicherheitsfrage kann man jetzt erst recht gespannt sein. Irgendwelche Entscheidungen wird man aber vor der Völkerbundssitzung in Genf Mitte Juni, auf der Briand und Chamberlain sich treffen, wohl nicht erwarten können.
Neuer Kredit für Oesterreich.
Wien, 2. Juni. Wie der „Morgen" melbct, hatten die in den letzten Tagen zwischen der österreichischen Regierung und den Vertretern des Völkerbundes, insbesondere die mit Gene- ralkommiffar Dr. Zimmermann geführten Verhandlungen zunr Ergebnis, daß sich der Generalkommissar Dr. Zimmermann bereit erklärte, bei der nächsten Völkerbundstagung im Juni zu befürworten, daß ein Betrag von 18 Millionen Dollar aus Kreditrelten für Oesterreich freigegeben werde. Dieser Betrag soll für die Elektrifizierung der österreichischen Bundesbahnen nerivenbet werden. Dr. Zimmermann knüpfte die Freigabe an die Bedingung, daß mit diesem Betrage das Juvestitionspro- gramm von fünf Jahren best ritten werde. In maßgebenden österreichischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Befürwortung Dr. Zimermanns genügen loerbe, um die Freigabe zu erlangen.