Schlümtemcr Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtlich erKuzeiger für Kerr Kreis Schlüchtem
ßcmkunb vertag: tz. Steinfeld Söhne» SesthästsskBcchrchofstr.S * §mnspv.Nr.il»y * postsiherkk.^ankstrera.M.rrroo
Nr. 47
Dienstag, den 21. April 1925
77. Jahrg.
Sprechstunden
beim Landratsamt, Dienstags u.
Freitags, vormitt. von 9—12 Uhr.
Amtliche Betanntmachnngen.
!andratsamt.
RkichMWkutkMlllil, 2. Mim-
Unter Bezugnahme auf meinen Runderlaß vom 3. 4. 925 — Ic 594 — (M. Bl. i. B. S. 379) teile ich nach- chende Verordnung des Reichsministers des Innern vom . 4. 4925 zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung lit.
Zweite Verordnung zurWahldes Reichspräsidenten.
Aus Grund des § 167 der Reichsstimmordnung vom 4. 3. 1924 (R. G. Bl. I. S. 173) wird für den am 26. chil 1925 stattfindenden zweiten Wahlgang der Reichspräsi- mtcnwahl verordnet:
1. Die Abstimmungszeit dauert von 9 Uhr vormittags 16 6 Uhr nachmittags. Die Befugnis der zur Abgrenzung er Stimmbezirke zuständigen Behörde, in Stimmbezirken mit weniger als 1000 Einwohnern die Abstimmungszeit abzu- Irzen (§ 112 Satz 2 der R. St. O.), bleibt unberührt.
2. Die Stimmzettel sollen von hellgrünem Papier sein. Berlin, den 6. April 1925.
Der Reichsminister des Innern.
Dem Vernehmen nach soll in einzelnen Gemeinden bei iteilung von Stimmscheinen eine Streichung der Stimm- mchtigten erfolgt sein Diese Streichung würde gegen die Himmung'des' § 15 R. St. O. verstoßen. Es mußte, >enn auf Grund des inzwischen aufgehobenen § 13 91. St. noch gleichzeitig Stimmscheine für beide Mahlgänge er- «lt wurden, in die für die Stimmabgabe bei dem 1. und . Wahlgang vorgesehene Spalte der Stimmliste oder Kartei : ein Stimmscheinvermerk ausgenommen werden; in solchem alle kann das Wahlrecht im 2. Wahlgang nur gegen Rück- abe des roten Stimmscheines ausgeübt werden. Wurde je- och im Hinblick aus die durch Verordnung vom 17. 3. 925 (R. G. Bl. I. S. 21) erfolgte Aufhebung des § 13 nb des Satzes 2 von K 15 Abs. 1 R. St. O. zunächst nur in Stimmschein für den 1. Wahlgang erteilt, so durfte auch itr die für diesen Wahlgang vorgesehene Spalte der Liste der Kartei mit dem Stimmscheinvermerk versehen werden, »daß in solchem Falle die Wahlausübung im 2. Wahlgang «f Grund der Eintragung in die Liste oder Kartei ohne weißes erfolgen kann, sofern nicht etwa auf Grund der anf- chobenen § 13, § 15 Abs. 1 Satz 2 R. St. O. schon vor tnt 1. Wahlgang allein für den 2. Wahlgang ein Stimmen erteilt war oder nach Ausschreibung der Wahl im 2. Mahlgang ein solcher noch erteilt ist. Die Gemeindebehörden oben solche bei der Erteilung von Stimmscheinen etwa ent- imdenen Unrichtigkeiten ihrer Stimmlisten und Karteien von lints wegen zu beseitigen.
Es ist mir bekannt geworden, daß in verschiedenen Ab- "mmungöbezirken die Abstimmungsvorsteher oder Beisitzer Leichen getragen haben, auö denen ihre politische Einstel- "ng zu ersehen war. Da der Abstimmungsvorstand bei sei- « amtlichen Tätigkeit das Vertrauen der gesamten Bevöl- "ung genießen soll, und da dieses Vertrauen durch das Tra- solcher eine bestimmte politische Gesinnung kennzcichncn- ’i Abzeichen bei politisch anders gesonnenen Bevölkerungs- ’ilen beeinträchtigt wird, ist es überaus unerwünscht, wenn A Abstimmungsvorstand gehörige Personen bei Ausübung Rt amtlichen Tätigkeit derartige Abzeichen tragen. Ich er- che, darauf hinzuwirken, daß dies unterbleibt.
Berlin, den 8. April 1925.
Der Minister des Innern.
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J.-Nr. 3248. Vorstehender Erlaß wird den Herren '"rgermeistern und Gutsvorstehern zur Beachtung mitgeteilt.
Für die Gemeinden Altengronau, Efin, Sterbfritz und ^bach ist die Abstimmungszeit nach der obigen Verordnung 's Reichsministers des Innern auch für diesmal auf die von 9 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Nachmittags festge- Für alle übrigen Stiinmbezirke in den Landgemeinden 8t ich auf Grund des § 112 der Reichsstimmordnung die ’inimgcü auf 10 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags
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io Ich macht noch darauf aufmerksam, daß für diesen ^hlgaitg nur rote Stimmscheine benutzt werden dürfen
b zu den Stimm zetteln, die den Herren Bürgcrmei- | ; in in den ersten Tagen zugehen werden, g r ü n e S Papier wendet worden ist. Etwa noch vorhandene weiße Stimm- t i tinc und Stimmzettel vom 1. Wahlgang sind alsbald zu
>trn: "lichten.
Die Stimmzettelumschläge müssen sorgfältig daraufhin durchgesehen werden, daß sie noch zu Wahlzwecken verwendbar sind.
Schlüchtern, den 18. April 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Bekanntmachung.
Gemäß § 62 f der Reichsstimmordnung werden die von mir gemäß 62 e der Reichsstimmordnung zugelassenen Wahlvorschläge für die am 26. April 1925 stattfindende Wahl des Reichspräsidenten (Zweiter Wahlgang) hiermit veröffentlicht.
Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall, Hannover;
Wilhelm Marx, Reichskanzler a. D., Berlin;
Ernst Thälmann, Transportarbeiter, Mitglied des Reichstags, Hamburg.
Berlin, den 17. April 1925.
Der Reichswahlleiter. Wagemann.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, die in ihren Gemeinden ansässigen Hebammen aufzufordern, sofort zu berichten, wieviel Fehlgeburten, getrennt in den Jahren 1921, 1922, 1923 und 1924 von den Hebammen behandelt worden und wieviel von diesen Patientinnen gestorben sind. Es sind nur solche Patientinnen anzugeben, die nicht einem Krankenhaus überwiesen worden sind.
Gelnhausen, den 17. April 1925.
Der Kreisarzt.
J.-Nr. 1536. Der für Freitag, den 1. Mai und Samstag, den 2. Mai 1925 in F'reiensteina u festgesetzte Vieh- und Krämermarkt ist auf Montag, den 4. Mai und Dienstag, den 5. Mai 1925 verlegt worden.
Schlüchtern, den 16. April 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kretsausschutz.
J.-Nr. 1950 K. A. Am Dienstag, den 5. Mai 1925, Vormittags 9 Uhr findet im Kreishause hicr- selbst eine Sitzung des Kreistages statt.
Schlüchtern, den 16. April 1925. Der Landrat.
Abschätzung der Rechuungsbücher für 1924/25.
J.-Nr. 1995 K. A. Mit Rücksicht auf die in den meisten Landgemeinden verkommenden Aenderungen der Grundvermögens- und Hauszinssteuer für 1924/25 wird hiermit der Termin zur Schließung der Rechnungsbüchcr für das Rechnungsjahr 1924 vom 30. April 1924 auf den 30. Mai 1925 verlegt.
Alle nach diesem Termin eingehenden und ausgehenden Gelder für das Rechnungsjahr 1924/25 sind von diesem Tage ab in die Rechnungsbücher für 1925/26 zu buchen und zu verrechnen.
Schlüchtern, den 17. April 1925.
Der Vorsitzende des KreisauSschusses.
Tgb. Nr. 326 J. A. Der nächste Sprechtag des Kreisarztes findet am 25. April d. Jö., vormittags von 9—1 Uhr in Sterbfritz statt. Die Untersuchungen werden im Saale des Gastwirts Georg Böhin vorgenommen.
An diesem Tage sollen die Schüler von Mottgers, Wci- cheröbach und Schwarzenfels untersucht werden.
Die betreffenden Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses den Herren Lehrern bekannt zu geben.
Schlüchtern, den 16. April 1925.
Der Vorsitzende des KreiSjugendamtS.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die gesetzliche Miete für den Monat April 1925 beträgt 76 v. H. der reinen Friedensmiete. Sofern die Schön- Heitsreparaturen vom Mieter ausgeführt werben, ermäßigt sich dieser Prozentsatz auf 72 v. H.
Schlüchtern, den 20. April 1925.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung
Der Unterricht an der gewerblichen Berufsschule beginnt am 2 2. April 1 9 2 5.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß den Unterricht nicht nur die seitherigen Schüler, sondern auch alle zu Ostern 1925 neu eingetretenen Lehrlinge besuchen müssen.
Schlüchtern, den 20. April 1925.
Der Vorstand der gewerbl. Berufsschule. Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Schafpferch-Verpachtung.
Mittwoch, den 22. d. Mts., abends 7Hz Uhr wird im Rathaus der Schafpferch von den beiden Herden verpachtet.
Steinau, den 20. 4. 1925.
Der Magistrat. Kisscberth.
Unsere Wirtschaftslage.
Keine Senkung des Lohnniveaus. — Die Krisis in der Kohlenindustrie.
Im Haushaltungsausschuß des Reichstags erklärte Reichs- Wirtschaftsminister Neuhaus u. a., daß er eine allgemeine Senkung des Lohnniveaus weder für durchführbar noch für wünschenswert halte. Andererseits müsse er sich dagegen wenden, daß das Lohnniveau an einzelnen Stellen in unüberlegter Weise in die Höhe getrieben würde. Dem Anträge, die Preistreiberei-Gesetzgebung aufzuheben, stimmte der Minister grundsätzlich zu. Die von allen Parteien ausgesprochene Verurteilung der Luxussteuer werde er dem Reichsfinanzminister mitteilen und sich um deren Beseitigung bemühen. Die Vorlage der Zolltarifnovelle werde alsbald erfolgen. Zur Frage des spanischen Handelsvertrages bemerkte der Minister, daß er nicht verkenne, daß das Abkommen mancherlei Mängel habe. Trotzdem sei die Regierung der Meinung, daß wir ein endgültiges Abkommen mit Spanien, das dann den Interessen der Ausfuhr und den Schutzinteressen des Weinbaus genügend Rechnung tragen würde, am besten durch Ratifizierung des vorläufigen Abkommens und baldige erneute Verhandlungen erreichen würden.
Dann gab Reichskohlenkommissar Dr. Stutz eine Uebersicht über die Kohlenlage. In der Braunkohlen-Jndustric sei noch keine Krise vorhanden, wenn auch die Verhältnisse sich im Sommer durch Ausfall des Hausbrandes verschlechtern würden. Weit schlimmer sei die Lage in der Steinkohlen-Jndustrie. Im Ruhrrevier lägen etwa 7,5 Millionen Tonnen auf den Halden, 1,5 Millionen Tonnen im Handel und auf den Schiffen, also etwa eine Monatsproduktion. Im deutsch-oberschle- sischen Revier und im Waldenburger Revier läge die Produktion etwa eines halben Monats auf den Halden. In Sachsen seien wegen der geringen Förderung wenig Haldenbestände vorhanden. Ausschlaggebend für die schlechte Lage der Kohle sei der Minderverbrauch in der Industrie. Einschließlich der Reparanonskohle fei jegt wieder eine Ausfuhr von 30 Millionen Tonnen im Jahre erreicht gegen 46 Millionen im Jahre 1913. Die Konkurrenz gegenüber der englischen Kohle werde jedoch durch die hohen Frachtkosten erschwert. Für die Unterbringung der durch die Zechenstillegungen beschäftigungslos gewordenen Arbeiter würde nach Möglichkeit gesorgt.
Das Attentat in Sofia.
Furchtbare Einzelheiten.
Wie aus Sofia gemeldet wird, sickern nur ganz allmählich Einzelheiten über das furchtbare Ereignis in die Oeffentlich- keit. Die Kathedrale, die ungefähr 2000 Personen faßt, war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Eine der beiden Kuppeln ist «»gestürzt. Der größte Teil der Todesopfer ist noch unter den Trümmern des eingestürzten Gotteshauses begraben, so daß sich die genaue Zahl noch immer nicht angcben läßt. Sofort nach der Explosion wurde eine Hilfsaktion eingeleitet. Die Straßen in Sofia sind menschenleer. Jeder Wagenverkehr ist verboten. Zahlreiche mit Soldaten besetzte Kraftwagen fahren hin und her. Die Volksmiliz ist mobilisiert. In allen Städten Bulgariens werden Verhaftungen vorgenommen. Die Führer der verschiedenen aus- gehobenen Vcrschwörcrgesellschaften sollen nach Sofia gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt werden. In Nowosagora allein wurden 150 Personen verhaftet.
Die ganze bulgarische Grenze ist abgespcrrt, nur einzelne ausländische Reisende werden durchgelassen. Auch die Telegraphen- und Zugverbindungcn mit dem Ausland sind teilweise unterbrochen. Sang Sofia ist vom Militär abgespcrrt, um der Attentäter habhaft zu werden. Ueber die Untersuchung verlautet, daß eine Höllenmaschine in der mittleren Kuppel der Kathedrale angebracht war. Nach anderen Mitteilungen sollen zwei Kommunisten Bomben in der Richtung des Katafalks geworfen haben, der in der Mitte der Kathedrale errichtet war. Die Panik, die nach der Explosion in der Kirche entstand, läßt.sich schwer beschreiben. Im Gedränge wurden insbesondere Frauen und Kinder niedergetreten. Der größte Teil der Verletzten besteht aus ihnen. Zweifellos hatten die Attentäter geglaubt, daß auch der König an der Einsegnung des ermordeten Kriegsministers unb Deputierten Kosta Giorgiew teilnehmen werde. Sämtliche Zeitungen verdammen das Attentat als einen besonders fluchwürdigen Anschlag und weisen darauf hin, daß seit dem Attentat der Kommunisten auf eine Prozession in Madrid kein ähnliches Verbrechen begangen wurde.
Sämtliche Minister verletzt.
Nach den letzten Mitteilungen über das Attentat in der Kathedrale sind sämtliche Staatsminister mehr oder minder schwer verletzt. Ministerpräsident Zankow hat schwere Verletzungen erhalten und der Innenminister soll im Sterben liegen. Bisher sind etwa 150 Leichen geborgen. Alle ösfeM- lic^n und privaten Krankenhäuser sind mit Verwundeten überfüllt. Unter den Toten befinden sich eine ganze Reihe führender Politiker und militärische Persönlichkeiten.
HeimV Zustand hoffnungslos.
München, 19. April. Geheimrat Dr. Heim's Zustand wird von den zugezogenen Münchener Aerzten als hoffnungslos bezeichnet. Sein Mleben dürste stündlich zu erwarten sein.