Schlüchtemer Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeinev amtlich er Anzeiger für Ken Kreis Schlüchtern
druck und Vevlag-.tz.Steinfüd Söhne» Geschäfts^: Vlchnhofstv.6 * fsernspe-.Nr.l4y » poststheckk: srankstwtaM.rLwo
Nr. 29 (1. Blatt).
Samstag, den 7. März 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 1986. Nach einer Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten in Cassel sind die Wählerverzeichnisse für die Reichspräsidentenwahl voraussichtlich v 0 m 1 5. M ä r z d. J. ab auszulegen. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich deshalb, mit der Ausstellung der Wählerverzeichnisse sofort zu beginnen. Nach Möglichkeit sind die bei der letzten Reichstags- und Landtagswahl benutzten Wählerverzeichnisse jetzt wieder zu verwenden; sie sind aber nach den inzwischen eingetretenen Veränderungen zu berichtigen. Formulare zu etwa neu aufzustellenden Listen sind in der Waisenhaus- buchdruckerei in Cassel erhältlich.
Auf das Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten vom 6. März 1924, R.-G.-Bl. S. 168, insbesondere auf die §§ 1 und 8, mache ich aufmerksam.
Zeitungsnachrichten zufolge soll als Wahltag der 29. März festgesetzt werden.
Schlüchtern, den 5. März 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 569. Die Stundenvergütungssätze für die Lehrer an den ländlichen Fortbildungsschulen betragen für den Monat November 1924 in
Ortsklasse C 1.50 R.-M.
„ D 1.45 „ und vom I. Dezember 1924 in
Ortsklasse C 1.95 „
D 1.80 „
Diejenigen Lehrer, die nach dem n. Juli 1921 neu in den Fortbildungsschuldienst eingetreten sind und noch nicht an einem Ausbildungskursus, oder an einem methodischen Lehrgang für ländliche Fortbildungsschulen teilgenommen haben, erhalten nur 80 v. H. der oben angegebenen Sätze. Sie Herren Bürgermeister haben hiernach die Vergütungen für die FortbildungSschullehrer festzusetzen und spätestens am Schlüsse der Unterrichtsperiode zur Zahlung anzuweisen. Schlüchtern, den 4. März 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Der Termin zur mündlichen Erörterung der gegen die Anlage der Francisturbine des Mühlenbesitzers Franz u. Sohn in Niederzell (Städtermühle) erhobenen Einwendungen wird in Abänderung meiner Bekanntmachung vom 14. Februar d. Js., Kreisblatt Nr. 21 vom 17. Februar d. Js., auf Montag, den 1 6. März d. I s., nachmittags 4 Uhr, (Amtszimmer des Bürgermeisters in Niederzell) verlegt.
Schlüchtern, den 5. März 1925.^
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1982. Diejenigen Herren Bürgermeister und Standesbeamten, welche mit der Einreichung der Jmpf- listen für das Jahr 1925 noch im Rückstände sind, werden an deren a l s b a l d i g e Einsendung erinnert.
Schlüchtern, den 5. März 1925.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1988. Die den Ortsbehörden in den nächsten Tagen zugehende Bekanntmachung über den Aufruf und die Einziehung der Neichs - banknoten, deren Ausfertigungsdatum vor dem 11. Oktober 1924 liegt, ersuche ich s 0- f 0 r t an geeigneter Stelle zum Aushang zu bringen. Schlüchtern, den 5. März 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1879. 3n der Gemeinde Edelzell, Krs. Fulda, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schlüchtern, den 3. März 1925.
Der Landrat.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Am Dienstag, den 10. März 1925, nachmittags ^Uhr findet eine Uebung für sämtliche Mannschaften der Pflichtsen erwehr statt. Sammelplatz am Gc- ^teschuppen im Hofe des Finanzamtes.
Schlüchtern, den 5. März 1925.
Die Polizeiverwaltung: Der Ortsbrandmeister:
Gaenßlen. Denhard.
Bekanntmachung
Die Liste derjenigen Einwohner, welche bei der nächsten ^cheichung der Maße und Gewichte eichpflichtige Gegenwände vorlegen müssen, liegt in der Zeit vom 9. bis einschl. ^- März 1925 im Rathaus — Kanzlei — öffentlich aus. Schlüchtern, den 3. März 1925.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Allgemeine Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Bekanntmachung-
Nach Mitteilung des Kreisarbeitsnachweises Schlüchtern ist ab 1. 3. 1925 der Beitragssatz für die Erwerbslosenfürsorge auf % % des Grundlohnes im Bereiche des öffentlichen Arbeitsamtes Schlüchtern festgesetzt. Infolgedessen ändern sich ab 1. 3. 1925 die in unserer Bekanntmachung vom 8. Januar 1924 — Kreisamtsblatt Nr. 5 — bekanntgegebenen Beitragssätze zur Erwerbslosenfürsorge wie folgt:
für die
I.
Stufe
auf wöchentlich
0,03
G.-Mk.
77 ,/
II.
77
7/ 7/
0,05
7/
7/ tr
111.
7/
77 7/
0,06
77
v »
IV.
7/ 77
0,09
77
u n
V.
7/ 77
0/13
// 7/
VI.
7/
77 7/
0,16
77
7/ //
VII.
7/
7/ 7/
0,19
77
#/ n
VIII.
7/
,7 77
0,2 2
// n
IX.
7/ 77
0,25
77
7/ 77
X.
7/
77 7/
0,32
7/
Schlüchtern,
den 3.
3. 1925.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse: C. Preiß, Vorsitzender.
■■■^■■■■■■■■■■■■■■■■■^nBin Des Reichspräsidenten letzte Achrt.
Die feierliche Beisetzung in Heidelberg.
Die Stadt Heidelberg steht völlig unter dem Eindruck der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsidenten. Besonders stark tritt dies in der Altstadt hervor, die selbst in den engsten und kleinsten Gassen reichen Flaggenschmuck angelegt hat, der bei der Harmonie zwischen den badischen und den Reichsfarben besonders eindrucksvoll wirkt. Das bescheiden, aber blitzsauber hergerichtete Geburtshaus des Reichspräsidenten in der W>ff»e<Hafsc, oad _;. dt. S'adrv-rwaltunx sinnig geschmückt ist, ist das Ziel vieler Fremden. Noch stärker ist der Besuch auf dem kleinen, aber malerisch gelegenen Bergfriedhof, der sich sanft an die Abhänge des Geisberges an- lehnt und von dem man einen wundervollen Blick auf die Rheinebene und die blauen Berge der Hardt genießt. Die Grabstätte des Reichspräsidenten ist im letzten Augenblick noch verlegt worden. Sie befindet sich nunmehr hinter dem Krematorium. Ein hohes steinernes Kruzifix bildet ihren Abschluß. Wenige Schritte von ihr ist das Grab der Mutter des Präsidenten. Nicht weit davon liegt auch das einfache, aber würdige Grob Bunsens. Alles umrahmt von Gebüsch, dessen Knospen und zarte grüne Blättchen schon den nahenden Frühling verkünden, während die Kuppe des Geisberges infolge des vorher niedergegangenen Schnees im Sonnensche-n herüberleuchtet. Der natürliche Schmuck wird noch ergänzt durch vier tannumgränzte Pylonen, die an ihrer Spitze geschmiedete Pfannen zur Aufnahme von Pech tragen. Auch die einzige Zufahrtsstraße von dem Bahnhofsplatz nach dem Friedhofe, die Rohrbacher Straße, weist sinnigen Schmuck auf, der am eindrucksvollsten und künstlerischsten am Gewerkschafts- Hause hervortritt. Die Straße ist in den frühesten Morgenstunden mit Tannenreisig bestreut worden, während von den Laternen die Lampengestelle abgenommcn worden sind, so daß die offenen Gasflammen aus den mit Tannengrün umschlungenen Kandelabern herausschlagen.
Die reichste Ausschmückung hat der Bahnhofsplatz erfahren. Der Arladenbau ist in seiner ganzen Ausdehnung mit Tannengrün und Trauerflor ausgeschlagen. Den Abschluß bilden zlvei getvaltige Pylonen, auf denen während des Borüber- ziehen des Zuges Pechflamnien lodern.
Ankunft in Heidelberg.
Ehrfürchtiges Schweigen der auf dem Bahnhof versammelten Bevölkerung kündigte pünktlich um 9% Uhr das Einlaufen des Sonderzuges mit der Leiche des Reichspräsidenten an, dem alsbald Reichskanzler Dr. Luther, Staatssekretär Dr. Meißner, Reichsminister Geßler, Frau Ebcrt und das sonstige Trauer- gefolge entstiegen.
Während die Anwesenden die Häupter entblößten, wurde der Sarg in feierlicher Weise von Landesgendarmen übernommen. Die Pechslammen auf den Pylonen loderten auf und weihevoll zogen die Klänge des Chorals: „Befiehl Tu Deine SUege" über den Bahnhofsvorplatz. Das machtvoll ein= setzende Konzert aller Kirchcnglockcn zeigte den in den benachbarten Straßen Wartenden an, daß der Zug sich nunmehr in Bewegung gesetzt hat. Eröffnet wurde dieser von einer Abteilung berittener Schupo, dann folgten die Freiwillige Feuerwehr von Heidelberg mit ihrer Musikkapelle, Gesangvereine, studentische Korporationen, Abordnungen der Bercine mit ihren Fahnen, starke Abteilungen des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold und eine Kapelle freiwilliger Polizeimusiker. Eine
überwältigende Fülle kostbarer Kranzspenden, die dem Sarge vorangetragen wurden, gaben Zeugnis von der Liebe und Verehrung, die dem Reichspräsidenten auch über das Grab hinaus entgegengebracht werden.
Dem Leichenwagen folgten zunächst die näheren Angehörigen des Reichspräsidenten mit dem Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Reichskanzler Dr. Luther, Reichswehrminister'Dr. Gehler, denen sich zahlreiche Vertreter außer- deut'scher Regierungen,. der Länderregierungen, Vertreter des Reichstages und Landtages, der Stadtrat von Heidelberg, die Rektoren und Senatoren der badischen Hochschulen in vollem Ornat sowie die zahlreichen Vereine anschlosien, während den Abschluß des Zuges wiederum eine Gruppe berittener Schupo bildete.
Nur ein Teil des mächtigen Zuges konnte auf dem Friedhof Aufstellung nehmen, nur ein noch geringerer Teil konnte sich um die Grabstätte scharen, der gegenüber die Heidelberger Sänger auf einer großen Tribüne Aufstellung genommen hatten. Händels gewaltiger Trauermarsch aus dem Oratorium Saul leitete die Friedhofsfeier ein und ergreifend folgte ihm, vorgetragen vom Heidelberger Sängerbund, das Sanktus aus der" deutschen Mesie von Schubert. Sodann trat der badische Senatspräsident Dr. Hellpach an das Grab.
Gedächtnisrede des Staatspräsidenten Hellpach.
Für den Re i ch s rat und das Land Baden sprach der badische Staatspräsident Dr. Hellpach, der dem verstorbenen Reichspräsidenten u. a. folgende Worte widmete:
„Aus den Reihen des Volkes kam er, wie ein echtes Volkskind erprobt zu Lust und Pein; in diesem alten engen Gassen- gewinkel von Heidelberg war er emporgewachsen, Neckar und Odenwald, Schloß und Brücke hatten sich in den regsamen Augen des einfachen Schneiderbuben gespiegelt, das Doppelerbteil kurpfälzischer Wesensart war ihm mit auf den Weg gegeben: Das herzige sonnige Lebensbehagen und das resolute tatkräftige Zupacken im Ernstfälle: Genießen und Wirken, die beiden Seiten jedes vollsaftigen Wesens, dem Dasein sich hingeben und dennoch es meistern!
Nun kehrt er, ein Menscherralrer, nachdem er die Heimat verlassen, da Gott ihm rechte Gunst erwies und in die weite Welt sandte, in Die Heimat zurück. Aber nicht zu einem friedlichen Lebensnachmittag, wie er ihn sich so manchesmal ge- träumt, sondern nur noch zur ewigen Ruhe seiner sterblichen Ueberrcste; zurück in die Neckarheimatstadt, zu der ihn schon während der letzten Jahre das Heimweh mit allen innersten, stetig wachsenden Kräften zog.
Nun enrpfängt ihn die Erde dieser wundervollsten aller deutschen Begräbnisstätten des Bergfriedhofes zu Heidelberg! „Tue die Sohlen von Deinen Füßen, denn hier ist heiliges Land!" Weitet sich hier nicht der Blick des Trauernden bis ins Raumlose, wenn er vom Neckar zum Rheinc hinüber, von den leise schon wieder knospenden Hügeln des Odenwaldes zu dem Bergblau ans Himmelblau sich schmiegenden Kämmen der pfälzischen Hoardt schweift? Weitet sich nicht der Blick des Andächtigen bis ins Zeitlose, wenn er durch die efcuumspon- nenen sanft geschwungenen Reihen der Grabsteine wandert und von halbverwitterten Tafeln die fürstlichen Namen des Geistes ablicst? Vielleicht kann nur noch ein deutscher Friedhof an Fülle großer deutscher Gräber mit diesem sich messen, der des heiligen Johannes zu Nürnberg, wie wohl nur noch eine deutsche Stadt an Fülle des vergangenen Geistes etwa mit Heidelberg sich vergleichen mag; Weimar, das ja auch durch unseren Toten fürs jüngste Deutschland eine verjüngte Be- deu.ung empfing. Du aber, Friedrich Ebcrt, indem wir Dich in diese erlauchte Totenstadt geleiten, bist unter den Edlen des Geistes kein Fremdling und fern Eindringling.
Reichstagsabgeordneter Müller-Franken rief dem verstorbenen langjährigen Freunde Abschiedsgrüße nach und hob den schweren" Verlust hervor, den auch die Sozialdemokra- tische Partei durch das Hinscheiden des Reichspräsidenten erlitten habe. Dann sprachen der Präsident des Badischen Landtages, Dr. Baumgartner, und der Vorsitzende des M- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Abg. Lei Part, im Namen der Gewerkschaften.
Heidelbergs Abschiebsgraß!
Im Namen der Stadt Heidelberg sprach dann Ober- bürgermeister Dr. Walz:
„In den kleinsten Verhältnissen mißgewachsen, ist der Reichspräsident emporgcstiegen durch eigene Kraft bis zur höchsten Stelle im Reiche, in schwerster Zeit dazu berufen, das Schicksal des ganzen deutschen Vaterlandes maßgebend zu bestimmen. Als Sohn unserer Stadt war er geboren in der engen Gasse in der Nähe der alten Stadtkirche. Die Gasse selbst bot wenig Lust und Licht. Sie führt hinab zum Ufer des Flusses, wo der Blick sich weitet auf das herrliche Tal und die grünenden Berge. Wem es vergönnt Ivar, hier seine Jugendjahre zu verleben, der erwirbt, wenn nur sein Herz auf dem rechten Fleck sitzt, in seinem Innern ein Gut, das ihn schirmt gegen die äußeren Schwierigkeiten des Lebens und ihn hinüberführt aus dem Alltag zu einer höheren Weltanschauung.
Dieses Gut besaß auch unser Mitbürger, an dessen Bahre wir heute stehen, als er hinauszog in den Kampf ums Leben. Er bot es Deutbar bewahrt bis an fern Ende. Seine Arbeit und sein Wirken hat auch seine Baterstodt mit Stolz erfüllt.