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Nr. 27 (1. Blatt)
Dienstag, den 3. März 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Kreisausschutz.
Ablieferung der Biehkadaver an die Abdeckereien.
J.-Nr. 810. Der Gebührcntanf A der von dein Abdeckerei-Unternehmer in Wächteröbach für die abzuliefernden Tierkadaver an die Tierbesitzer zu zahlenden Vergütungen (veröffentlicht im Kreisamtöblatt Nr. 29 von 1923) ist unter II „für Schweine" wie folgt geändert worden: a) bei einem Kadavergewicht von 100—200 Pfd. 1 R.-M. b) „ , „ „ 200—300 „ 2 „
c) , „ „ über 300 „ 3 „
Diese Gebühren gelten gleichfalls für die an die Abdeckerei in Pilgerzell abzuliefernden Schweinckadaver. Schlächtern, den 25. Februar 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Durchschnittspreise s nach dem Bericht des Wirtschaftöl deckereiunternehmer in Hamburg Roßhäute 220/— Ctm. . . . „ 200/219 „ . . .
- — /i99 „ • • • Fohlenfelle....... Rindhäute....... Kalbfelle ....... Fresserfelle....... Schaf- und Lammfelle . . . Ziegenfelle, getrocknete . . . Zickelfelle, getrocknete . . . (A Ul. 536.)
Caffel, am 12. Februar 1925.
Der 9
J.-Nr. 999 K.-A. Wird veröffent Kchlüchtern, den 25. Februar 192 Der Vorsitzende
ür Häute
Verbandes deutscher Ab- für Januar 1925/;
R.-M. 21,50 pro Stck.
„ 16,20 „ „
„ 11,— „ „
„ 5,25 „ „
„ —,47 pro Pfd.
„ /So „ ,/ .
, ,70 „ „
V ,41 » //
„ 2,25 pro Stck.
- —,35 , ,,
i-Präsident.
des Kreis-Ausschusses.
Stadt Steinau.
Gefunden! Eine kleine Geldtasche mit Inhalt.
Steinau, den 26. Februar 1925.
Die Polizei-Verwaltung. Kisseberth.
Der deutsche Geldmarkt.
Der Krieg und die Nachkriegszeit mit der Inflation und ihrem furchtbaren Folgen haben den deutschen Geldmarkt in einer Weise in Unordnung gebracht, wie man es in ruhigen Zeiten und überhaupt nach" menschlichem Ermessen niemals auch nur annähernd für möglich gehalten hätte. Und auch jetzt nach der Stabilisierung der Mark sind ivir noch keines- tveas über den Berg, vielmehr gerade erst wieder im Begriff, unseren Geldmarkt neu zu organisieren, und eine gesunde Grundlage für unsere Gesamtwirtschaft damit zu schaffen.
Die Organisation unseres Geldmarktes ist in erster Linie Sache der Reichsbank, die denn auch sofort an die Lösung dieser Aufgabe herangegangen ist. Welche Faktoren nun dabei' eine Rolle spielten, das zeigte dieser Tage Reichsbankdirektor Dr. Schacht in einem im Hamburger Uebersecklub gehaltenen Bortrag.
Ausgehend von der Passivität unserer Handelsbilanz, beschäftigte sich Dr. Schacht mit dem Ausgleich des Passivsaldos, der zum wesentlichsten Teil dnrch Hereinnahme von Auslandskrediten erfolgt sei. Nach seiner Schätzung bewege sich der hierzu erforderliche Betrag zwischen 1% und zwei Milliarden. Die hercingckommcnen Gelder hätten zum großen Teil produktive Verwendung gefunden, zum Teil seien sie aber auch — besonders von den Gemeinden — konsumptiv derbraucht worden. Das Volksvermögen und Volkseinkommen habe sich um 40 Prozent vermindert, wobei besonders das flüssige Kapital betroffen worden sei. Erfreulicherweise habe "ach erfolgtet Währungsstabilisation die Neubildung von Kapital begonnen. Von den Sparkassen, Versichcrungs. Instituten, den Banken und den öffentlichen Kassen könnten gegenwärtig wieder 8—9 Milliarden Mark der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden, was als ein sehr günstiges Ergeb- niS zu bewerten sei. Wichtig sei, die Verwendung dieser Gelder richtig zu organisieren. Die Reichsbank müsse wieder wie früget die Stelle des Spitzenausgleichs sein, und dürfe nicht >n erster Linie als Kreditgeber betrachtet werden. Zur Regn- "erung beS Geldmarktes reiche die heutige Diskontpolitik nicht W. Das Mittet der Kreditbeschränkung müsse beibehalten Herden. Die letzte Herabsetzung des Diskantes würde von den Wirtschaftspolitckern begrüßt, von den WährnngSpolitikern “bet abgelehnt werden. Die Diskontermäßigung hänge von “er Organisierung des Geldmarktes ab. Die öffentlichen Gelder wußten wieder zweckmäßig verwaltet tocroen. Auch die tobateit Gelder müßten wieder langfristige Anlagen suchen. Die Methode des schnellen GeldverdienenS mit größerem Risiko müsse zugunsten der langfristigen Anlagen bekämpft '»erden. Jede Zwangswirtschaft auf dem Geldmärkte sei aber »bzulehnen. Jedoch müsse der Weg der mündelsicheren Anlagen, den man früher eingeschlagen habe, wieder begangen 'teren. Unerläßlich sei schließlich auch die Konzentration des Geldwesens in einer Hand.
Reichspräsident €bert gestorben.
Berlin, den 28. Februar 1925. (Amtlich.)
Der Reichspräsident ist heute vormittag 10 Uhr 15 Min., ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, sanft entschlafen. Am Sterbelager weilten Frau Ebert, ihre Kinder und ihr Schwiegersohn, Dr. Zaenicke, sowie Staatssekretär Dr. Meißner.
Das Reichskabinett ist auf die Nachricht vom Tode des Reichspräsidenten zusamengetreten, um sofort die zunächst notwendigen Maßnahmen zu treffen. Reichskanzler Dr. Luther hat sofort die Halbmastbeflaggung der reichs- eigenen Dienstgebäude angeordnet. Die Beflaggung war bereits in der elftest Vormittagsstunde allgemeine durchgeführt. Auch die Gebäude ausländischer Missionen sowie die Gebäude des Preußischen Staates haben Halbmast geflaggt. Ueber die Begräbnisfeierlichkeiten ist noch nichts bekannt. Die Regelung dieser Frage dürfte neben dem Büro des Reichspräsidenten hauptsächlich dem Reichsinnenminister obliegen. Verfassungsrechtlich tritt jetzt der Artikel 31 der Reichsverfassung in Kraft, der für den Fall der vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bestimmt, daß das Amt des Reichspräsidenten bis zur Neuwahl auto- matisch auf den jeweiligen Reichskanzler übergeht.
Das gestern vormittag erfolgte Ableben des Obersten Beamten des deutschen Reiches kam nicht unerwartet. Der Zustand des schwerkranken Präsidenten war in den letzten Tagen so ernst geworden, daß man auf das Schlimmste gefaßt sein mußte. In den letzten 24 Stunden hatte sich allerdings eine leichte Besserung bemerkbar gemacht, die die Hoffnung aufflackern ließ, daß der Tod doch noch an dem Präsidenten vorübergehen werde. Um so erschütternder wirkte die Kunde von dem plötzlichen Ableben des Präsidenten. Die Todesnachricht verbreitete sich mit Blitzesschnelle in der Reichshauptstadt und man konnte feststellen, daß die ganze Ocffentlichkeit von ihr stark ergriffen wurde. Auf das ganze öffentliche Leben legte es sich wie eine starke Lähmung. Auf den Straßen bildeten sich Gruppen von Passanten, die das ernste Ereignis bewegt besprachen.
Vor der Heiligkeit des Todes schweigt heute aller Streit und Hader. Das deutsche Volk ist einig in dem Gefühl nationaler Trauer über den Tod des Reichsoberhauptes. Dabei tritt die Person des Verblichenen zunächst völlig zurück. Der Reichspräsident, den die Verfassung selbst aus dem Parteigewirr und Parteigezänk heraushebt, ist uns das S i) m b 0 l der trotz schwerster Erschütterungen uns erhalten gebliebenen deutschen Einheit. Und darum wird es heute vom ganzen deutschen Volk als ein schwerer Schicksalsschlag empfunden, daß der Tod hier mit harter Hand eingegriffen hat. Dieser Schicksalsschlag muß umso schwerer empfunden werden, als zu befürchte» ist, daß die Frage der Madifoigerfrtjnft zu ernsten Erschütterungen unserer mühsam konsolidierten Verhältnisse führen wird.
Unter der Wucht der Todesnachricht tritt, wie bereits gesagt, aller Streit um die Person des Verstorbenen, der in den letzten Monaten teilweise sehr heftig und leider nicht immer mit lauteren Mitteln geführt wurde, zurück. Wir wollen dem Urteil der Geschichte über die Persönlichkeit und das politische Gesamtwert des verstorbenen Reichspräsidenten nicht vorgreifen. Wir wollen aber gern feststellen, daß Fritz Ebert, feitbem er in den Tagen des mili
tärischen und politischen Zusammenbruches auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Reichskanzler Prinz Max von Baden und unter Zustimmung sämtlicher Staatssekretäre mit der Führung der Reichsgeschäfte betraut wurde, sein bestes Können in den Dien st des Wiederaufbaus unseres Vaterlandes gestellt hat. Die ruhige, zurückhaltende Art, in der Ebert seinen verfassungsmäßigen Pflichten oblag, hat auch in weiten Kreisen des deutschen Bürgertums stets Anerkennung und Achtung gefunden. Sein Tod trifft das deutsche Volk in einer Zeit schwerster außen- und innenpolitischer Spannungen. 4
Fritz Ebert wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg als Sohn eines einfachen Schneidermeisters geboren. Er besuchte die Volksschule seiner Vaterstadt und erlernte das Sattlerhandwerk. Schon als Jüngling kam er in enge Berührung mit der Arbeiterbewegung, in der er bald eine bedeutende Rolle spielte. Er wandte sich der sozialdemokratischen Partei zu, in der er stets der gemäßigten Richtung angehörte. In Mannheim schloß sich der junge Ebert der damals aufkommenden Fachvereinsbewegung an. Schon mit 18 Jahren setzte er sich in der Oeffent- lichkeit stark für die Hebung der Arbeits- und Lebensoerhält- nisse der Arbeiterschaft ein. Die Herrschaft des Sozialisten- gesetzes trug ihm verschiedene Maßregelungen seitens der Regierung ein. Anfang der neunziger Jahre gingen die Fach- vereine in den Gewerkschaftlichen Zentralverband über, wo Ebert bald gleichfalls sich hervortat. Im Jahre 1891 leitete er die lokale Redaktion der sozialdemokraten „Bremer Bürger- Zeitung". Von jetzt ab tat er sich als Führer der Arbeiter- massenbewegung hervor. Um diese Zeit tauchten innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung zum ersten Male die radikalen unabhängigen Sozialisten auf, die jeden sozialen Reformgedan- fen verwarfen und ihr Heil in der Weltrevolution erblickten. Ebert lehnte jedoch diese Sonderbewegung ab, er blieb der Führer der gemäßigten Richtung. In Bremen wurde er bald zum Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei Bremens gewählt. Er leitete hier gleichzeitig jahrelang das Arbeitersekretariat, das in erster Linie sich sozialpolitisch betätigte. Ende November 1905 trat er aus dem Arbeitersekretariat aus, nachdem er vorher vo. o^n So".iuweHivüuii|ü,M‘ Parrelag in Jena in den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei gewählt worden war. Ebert wurde nun einer der bekanntesten Reichspolitiker Deutschlands, namentlich nachdem ihn die Arbeiterschaft Elberfeld- Varmens 1912 in den Reichstag hineingewählt hatte. Um diese Zeit nahm er sich sehr der Arbeiterjugend-Bewegung an. Auch die sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung zählte ihn damals zu einem ihrer hervorragendsten Führer. In der Frage des Massenstreikproblems, das damals in der gewerkschaftlichen Bewegung eine große Rolle spielte, vertrat Ebert stets einen vermittelnden Standpunkt. Im Jahre 1911 wurde er auf Vorschlag Karl Legiens, des hervorragendsten Führers der deutschen Gewerkschaftsbewegung, zum Parteivorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gewählt.
Bei Beginn des Weltkrieges setzte sich Ebert als einer der ersten dafür ein, daß die Sozialdemokratie die von der Regierung geforderten Kriegskredite bewilligte. Während des Weltkrieges selbst trat Ebert stets für einen Verständigungs- stieben ein. Zwei seiner Söhne sind aus dem Schlachtfeld geblieben.
Im Jahre 1918 wurde Ebert mit der Leitung des Hauptausschusses des Reichstages beauftragt. Angesichts des drohenden Zusammnbruches setzte sich Ebert auf das dringende Gesuch des Reichskanzlers Prinz Max von Baden dafür ein, daß die Sozialdemokratie sich an der Regierung beteiligte. Seitdem hat die Sozialdemokratische Partei bestimmenden Einfluß auf die Leitung des Staates erlangt. Ebert selbst trat nicht in das Reichsministerium ein, bei der November-Revolte der Kieler Matrosen veranlaßte er die Entsendung Noskes nach Kiel. Am 9. November gingen die Berliner Regimenter zur Revolution über. Am Tage darauf wurden Ebert unter Zustimmung sämtlicher Staatssekretäre die Geschäfte des Reichskanzlers übertragen. Er übernahm in kritischster Stunde diesen Posten. In einer Proklamation an das Volk verkündete er: „Die neue Regierung wird eine Volksregierung sein." Gleich nach seinem Amtsantritt drängte Ebert mit Anspannung all seiner Kräfte auf die baldige Einberufung einer konstituieren- Ib c n Nationalversammlung. Die Arbeiter- und Soldatenräte wollten ihn bereits damals zum Präsidenten der Republik ausrufen. Ebert lehnte jedoch dies ab, da er über diese Frage nicht die Diktatur einer kleinen Gruppe, sondern das ganze Volk entscheiden lassen wollte. Im Rate der Volks- beauftragten übernahm er Inneres und Militär. Im Dezember 1918 loderte in Berlin der Aufstand der Volksmarine- Division auf. Am 24. Dezember erhielt der General Lequic von Ebert den Befehl zum Angriff gegen die rebellischen Matrosen. Wiederum setzte sich Ebert für die Berufung Noskes zum Gouverneur von Berlin ein, der bekanntlich den Liebknecht- fchen Aufruhr in blutigen Straßenkämpfen erstickte. In der Sitzung der Deutschen Nationalversammlung am 11. Februar 1919 wurde Ebert zum Reichspräsidenten gewählt. Zur Zeit des Kapp-Putsches im Frühjahr 1920 hielt er von Stuttgart aus das Reichs st euer fest in Händen. Am 24. Oktober 1922 wurde Ebert im Reichstage mit 314 gegen 76 Stimmen zum verfassungsmäßigen Reichspräsidenten bis zum 30. Juni 1925 gewählt. In der letzten Zeit war in der Oeffentlichkeit ein heftiger Kampf um die Person des Reichspräsidenten ent» brannt. Diesem Kampf, der nicht immer mit lauteren Mitteln geführt wurde, hat der Tod ein Ende gemacht.