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Rr. 20
(L Blatt)
Samstag, den 1t. Februar 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 1359. Die Herren Bürgermeister werden an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 22. v. Ms. — Nr. 464 — Kreisamtsblätt Nr. 12 — betr. Einsendung der Uebersicht über die Zahl der die Volksschule besuchenden schulpflichtigen Kinder, erinnert.
Schlächtern, den 10. 2. 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1077. Die Ortspolizeibehörden mache ich auf die im Amtsblatt der Regierung zu Cassel vom 7. d. MtS. unter Ziffer 70 zum Abdruck gebrachte Polizeiverordnung, betreffend Abänderung der Polizeiverordnung über die Meldepflicht der Ausländer vom 19. Juni 1920 aufmerksam.
Schlüchtern, den 11. 2. 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 930. In der zweiten Hälfte dieses Monats wird die Nachprüfung der Fleischbeschauer und Trichinenschauer durch den Herrn Veterinärrat, hier, stattfinden. Der Zeitpunkt der Prüfung wird den Beschauern noch mitgeteilt werden.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Beschauer sofort hiervon in Kenntnis zu setzen.
Schlüchtern, den 12. 2. 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1226. Mit Bezug auf § 2 letzter Absatz der Polizeiverordnung, betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens vom i. September 1906 und die gleichlautenden Bestimmungen der für einzelne Gemeinden gültigen Feuer- löschordnungen ersuche ich die Herren Ortspolizeiverwalter, mir baldigst anzuzeigen, daß die Einreihung der am 1. Januar d. Js. dienstpflichtig gewordenen Personen in der Pflichtfeuerwehr stattgefunden hat.
Schlüchtern, den 9. 2. 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Tgb. Nr. 199 K F., betreffend Beratungstag des Lanveskrüppelarztes.
Sonnabend, den 28. Februar 1925, von vormittags 8'/, Uhr ab, findet im hiesigen Kreishaus die Untersuchung und Beratung der an Krüppellciden erkrankten Kinder des hiesigen Kreises statt. Untersuchung und Beratung erfolgen kostenlos.
Indem ich die Eltern bezw. Vormünder solcher Kinder auf die gesetzliche Pflicht der Untersuchung Hinweise und hiermit einlade, bitte ich auch die Herren Aerzte und die Gemeindeschwestern, dieser Untersuchung beizuwohnen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die betreffenden Eltern und Vormünder auf diese Untersuchung dringend hinzuweisen.
Schlüchtern, den 7. Februar 1925.
Der Vorsitzende des Kreiswohlsahrtsamts.
Betr.: Hergabe von Hauszinssteuerhypotheken.
J.-Nr. 249 B. In die hier geführte Liste auf Erlangung titlet Hauszinssteuerhypothek für den Neubau von Wohnungen haben sich soviel Bewerber angemeldet, daß nur ein kleiner Teil derselben in diesem Jahre Berücksichtigung finden kann. Im Interesse aller Bewerber nehme ich Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die zu betreuenden Gebäude nicht eher im Bau angefangen werden dürfen, bis die für die Hergabe einer Hauszinssteuerhypothek erforderliche Zustimmung des Herrn Regierungö-P.äsidenten zu Castel ein- geholt worden ist und der Antragsteller von mir einen schrit- lichen Bescheid über die Zuteilung einer Hauszinösteuerhypo- stek in Händen hat. Wenn auch im vergangenen Jahre von diesem Verlangen von Fall zu Fall Abstand genommen werden konnte, so geschah dies zur Schaffung eines Ueberganges von früheren zu den jetzigen Bestimmungen. Gebäude, die ^gönnen werden, ohne daß die vorschriftsmäßige Behandlung der Bauvorlagen durchgeführt worden ist, sind von der Betreuung mit einer Hauözinöstcuerhypothek rücksichtslos ausgeschlossen.
Ich habe ferner Veranlassung zur allgemeinen Aufklärung darauf hinzuweisen, daß jeder Antragsteller je nach Ne des Falles 2—3000 Reichsmark bares Ge d oder entsprechenden Materialbestand nachweisen muß. Gelingt dieser ^achwcis nicht, so kann eine HauszinSsteuerhypothek eben- a-ls nicht genehmigt werden. Eö ist im letzten Jahre wie- vtvholt vorgekommen, daß Handwerker den Rohbau eines Hauses fertig gestellt und sich hernach wegen Deckung des Rechnungsbetrages an mich gewendet haben. Diesem Erichen konnte ich nicht entsprechen, weil mit der HauszinS- steuerhypothek der Bau bezugsfähig fettig gestellt und
vollständig finanziert werden muß. Praktisch bedeutet diese Bestimmung, daß im Notfalle diejenigen Handwerker, die die letzte Hand anlegten, von mir bezahlt werden müssen, während die Handwerker der Rohbauarbeiten sich anderweit Deckung suchen müssen. Derartige Antragsteller auf Hauszinssteuerhypotheken werden in den fettesten Fällen ihr mit Mühe und Arbeit errichtetes Häuschen behalten können, weil der Zinsendienst für weitere Kapitalaufnahme nicht geleistet werden kann. Die Behörde kann aber derartige unsichere Finanzierungen nicht unterstützen und wir in Zukunft in solchen Fällen die Hergabe der Hauszinssteuerhypothek auch ablehnen.
Die Herren Bürgermeister (GutSvorsteher), ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und persönlich aufklärend in dieser Sache zu wirken, damit Antragstellern und Bauhandwerkern Enttäuschungen erspart werden.
Schlüchtern, den 10. Februar 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.
J.-Nr. 100 Gew. Die Herren Bürgermeister der Gemeinden Salmünster, Ahl, Ahlersbach, Altengronau, Eckard- roth, Klosterhöfe, Marborn, Neustall, Niederzell, Reinhards, Uttrichshausen und Züntersbach werden hiermit an die umgehende Rücksendung der Liste der Veranlagungen nach dem Geiverbekapital 1924 erinnert.
Schlüchtern, den 11. Februar 1925.
Der Vorsitzende des Gewerbesteuerausschusses.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 12. Februar.
Der Anfang der heutigen Sitzung steht ganz unter dem Eindruck deS furchtbaren
Grubenunglücks auf ott Zeche „Munster Stein* bei Dortmund. Präsident Lobe: 9htr Wer einmal in örtliche und persönliche Berührung mit einem schweren Unglück gekommen ist, kann sich den Schrecken und die Angst auZmalen, von denen Hunderte von Menschen, Angehörige der Gestorbenen, in dieser Stunde erfaßt werden und kaum einer von unS kann sich eine Vorstellung machen von den Qualen, unter denen die Opfer ihr Leben verloren. Wir können der Trauer und dem Mitgefühl mit den Angehörigen nur dann würdig Ausdruck geben, wenn wir uns bemühen, soweit menschliche Vorkehrungen dazu imstande sind, solche Furchtbarkeiten zu verhindern, wenn wir den Angehörigen die weiteren Losten zu erleichtern suchen, wenn wir alles tun, denen, die unter solchen furchtbaren Gefahren ihrem Beruf nachgehen müssen, mehr Schutz, Erleichterung und Besserung ihrer Verhältniße zu gewähren. (Das Haus hat sich von den Plätzen erhoben.)
Die 2. Lesung des Haushaltsplanes
Wird dann beim Reichsarbeitministerium fortgesetzt.
Abg. Hoch (Soz.) bedauert, daß die Regierung es nicht für zulässig holte, auf die vielen Anfragen zur Fürsorgepflege zu antworten.
Auf Einzelbeschwerden der Abg. Frau Teusch (Z.) und Schirmer. Franken (Bayer. VP.) entgegnete Ministerialrat Kerschensteiner, daß in einzelnen Fällen vorliegende Härten beseitigt werden sollen.
Ministerialrat Ritter erklärt, er bedauere eS, daß infolge des Verhaltens der Länder in der Unterstützungsfrage einheitliche Grundsätze noch nicht erzielt seien.
Ein Antrag Hoch (Soz.), die Unterstützung an Invalide, ehemalige Angestellte und Arbeiter früherer Heeresbetriebe um 2% Mill zu erhöhen, wird angenommen. Die Erörterung wendet sich dann dem Reichsversicherungsamt zu.
Abg. Dr. Moses (Soz.) erklärt, Gesundheitspolitik sei die Grundlage einer gesunden WirtschatfSpolitik. Das Reichsarbeitsministe- rium müsse sich besonders die Verhütung aller Gefahren angelegen sein lassen, die der menschlichen Arbeitskraft drohen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung gibt Abg. Sollmann (Soz.) eine Erklärung ab, in der er die Angriffe, die von Zeitungen der Rechtsparteien und der Kommunisten gegen die sozialdemokratischen Mitglieder des zweiten Kabinetts Stresemann aus Anlaß der Ruhr- entschädigungen gerichtet worden sind, zurückweist.
Angenommen wird noch ein Antrag LimbertS (Soz.), wonach der ständigen preußischen SichcrheitSk: imission und dem Betriebsrat der Zeche „Minister Stein" vier Reichstagsabgeordnete zur Unterstützung beigegeben werden sollen.
Damit schließt die Sitzung. Nächste Sitzung Freitag 3% Uhr.
Rückgabe des Privateigentums ht Amerika?
Washington, 2. Febr. Der demokratische Abgeordnete Hawcs brächte im Repräsentantenhaus einen Antrag ein, wodurch Coolidge ermächtigt wird, das während des Krieges beschlagnahmte Privateigentum den früheren Eigentümern zurückzugeben.
— Nach einer Meldung aus Straßburg wird von amtliche, französischer Seite ein Dekret in Aussicht gestellt, das verschiedene Paßerleichterungen zwischen Deutschland und Frankreich herbei- führen soll.
Ein furchtbarer Zechenunglück.
Weit über 100 Tote.
.Äuf der Zeche „Minister Stein" in Dortmund ereignete sich ein Zechenunglück, das als eines der größten m der Geschichte der Unglücksfälle des Ruhrgebietes bezeichnet werden muß. Die Meldungen besagen folgendes:
Am Südostfeld der Zeche „Minister Stein", Schacht III, ist Mittwoch abend 8.10 Uhr eine Schlagwetter - Explosion erfolgt, die einen außerordentlichen Charakter angenommen hat. Die Strecken auf der ersten, zweiten und dritten Sohle sind durch Brüche versperrt. Die gleich nach der Explosion eingesetzten Rettungstruppen versuchen, die BrüchH durch- zuarbeite», und an die hinter den Brüchen in zwei Revieren befindlichen Leute heranzukommen. Nur vereinzelte Leute sind gleich nach der Explosion noch lebend zu Tage gekommen. Es besteht wenig Aussicht, von den in der Grube einaeschlosscnen 138 Bergleuten viele lebend zu bergen.
Die Rettungsarbeiten werden von den Rettungsmannschaften sämtlicher umliegender Zechen sowie der städtischen Feuerwehr unter Leitung des Oberberghauptmanns vom Preußischen Oberbergamt Dortmund geleistet. Sie gehen langsam und unter den größten Schwierigkeiten vor sich Krankenschwestern und Sanitätspersonal leisten die erste Hilfe. Nach den letzten Meldungen sind
84 Tote und 8 Verletzte zu Tage gefördert, von denen aber einer seinen Verletzungen erlegen ist. An einer einzigen Stelle wurden 16 Tote gefunden. Die Namensfeststellung der Toten erschwert sich dadurch, daß die meisten bis zur Unkenntlichkeit verkohlt sind. Die Namen von 15 Bergleuten konnten bisher festgestellt werden. Die ganze Unglücksstelle ist abgesperrt. Das Zechentor war an- sanglich
von einer ungeheuren Menschenmenge umlagert,
unter der sich meistens Angehörige der Verwundeten und Toten befinden. Da von der Zechenverwaltung Anweisung gegeben wurde, keinerlei Nachrichten über das Unglück den Draußenstehenden bekanntzugeben, war die Stimmung unter der Menschenmenge außerordentlich erregt.
Die Ursache der Explosion
ist noch nicht geklärt. Gerettete erzählen, daß sie durch die Funken einer Maschine entstanden sein soll. Genaueres wird jedoch erst nach den amtlichen Vernehmungen der Geretteten gesagt werden können. Verwaltung und Vertreter der Bergbehörde, die sofort alle Maßnahmen ringeleitet hatten, erklären übereinstimmend, daß genaue Feststellungen erst gemacht werden können, tvenn die Sohle 1 von den Gasen freigemacht worden sei. Bezeichnend für die Gewalt der Explosion ist die Tatsache, daß von ihr die 1., die 2. und die 3. Sohle betroffen wurden. Die 1. Sohle befindet sich 175 Meter unter der Erde. Sie ist die ausziehende Wettersohle, durch die die Ventilation geregelt wurde. Gearbeitet wird hauptsächlich auf der zweiten und dritten Sohle.
Don den Bcrgungsmaunschasten ist
ein Steiger tödlich verunglückt.
Die ersten Toten wurden um 12 Uhr nachts geborgen. An der Unglücksstelle wurden an mehreren Stellen Aufzeichnungen gefunden, daß einzelne Kolonnen noch mehrere Stunden nach der Explosion lebten. Als der Weg zu ihnen freigemacht war, konnten sie aber nur noch als Leichen geborgen werden. Die Rettungsarbeiten sind vom ersten Augenblicke an mit aller Energei durchgeführt worden. Um 8,30 Uhr abends rückte bereits die erste Rettungsmannschaft heran.
Die Rettungsmannschaften mußten wegen der
Zerstörung der Ventilation
mit aller Sicherung arbeiten, indem sie sich einer Vorhut und ehur Nachhut bedienten. Von der Verwaltung wird betont, daß auf der Zeche
alle modernen, technischen Vorsichtseinrichtungen vorhanden waren, die geeignet erschienen, Unglücksfälle zu vermeiden. Von den zwölf Steigerrevieren sind zwei in Mitleidenschaft gezogen. Der Schacht III,, in dessen Nähe sich das Unglück ereignete, hat lediglich die Bedeutung der Seilfahrt und der Wetterführung. Wenn das Unglück" nicht in der Nähe des Lustschatties, sondern im eigentlichen Abbaufeld passiert wäre, So konnte man sich von den ohnehin schon jetzi ungeheuren lusmaßen des Unglücks gar keine Vorstellung machen. Die Belegschaft der Zeche „Minister Stein" betrug 3000 Mann.
Reichskanzler Dr. Luther in Tortmund.
Reichskanzler Dr. Luthe hat seinen Besuch bei der kadischen Staatsregierung abgebrochen, und sich Donnerstag nachmittag an die Stätte dc Grubenunglücks bcgcbcn.
Vw Karlsruhe sandte der Reichskanzler an den Oberbürgermeister Eichhofs folgendes Beileidstelegramm:
„Die Schreckensnachrn ten von der Katastrophe auf der Zeche „Minister Stein" laben mich auf das tiefste erschüttert. Sprechen Sie bitte den Angehörigen der Opfer meine herzlichste Teilnahme auS, die ich Ihnen sobald als möglich auch persönlich zum Ausdruck bringen werde.
Reichskanzler Dr. Ln ‘6e♦
Landwirte! Klingt die Ackergeräte und
4* die UWE in Ordnung! ❖