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ßchlüchlemtr Zeitung

Kreis-Kmtsblutt * Myemeiner mntlicherKnzeiyev für den Kreis Schlächtern

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m. 15

Dienstag, den 3. Februar 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 896, Auf Anordnung des Herrn Negierungs-Präsi- denten zu Cassel sind vom 1. Februar d. Js. ab die Mel­dungen über ansteckende Krankheiten zur schnelleren und wirksameren Bekämpfung derselben nicht mehr, wie bisher, an die Ortspolizeibehörden, sondern direkt an den Herrn Medizinalrat (Kreisarzt) einzusenden. Zu diesem Zweck ist es nötig, daß aus den etwa noch im Besitze der OrtSpolizeibe- hörden befindlichen Meldeblättern oder Karten die Anschrift An die Ortspolizeibehörden" durchgestrichen und durch die WorteAn den Herrn Medizinalrat zu Gelnhausen" er­setzt wird.

Die Ortspolizeibehörden ersuche ich Vorstehendes für die Folge genau zu beachten und die Herren Aerzte und die Krankenhäuser sofort zu verständigen. Die den Orts­polizeibehörden etwa noch zugehenden Meldungen sind um­gehend dem Herrn Medizinalrat in Gelnhausen zuzusenden.

Schlächtern, den 28. 1. 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

areisausschuß.

J.-Nr. 443 K. A. Die Wahl des Heinrich Hagemann zum Bürgermeister von Hütten und des Reinhard Kreß zum Beigeordneten von Hütten habe ich gemäß § 55 der Land­gemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt. Die zu Schöffen der Gemeinde Hütten gewählten Adam Merx, Georg Weiß und Johannes Schlem­mer in Hütten sind heute vereidigt worden.

Schlüchtern, den 31. Januar 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 475. K. A. Der neugewählte Bürgermeister Hein­rich Hagemann in Hütten ist zum Standesbeamten des SlandesMittes Hütten anstelle des ausgeschiedenen bisherigen Standesbeamten Fehl ernannt worden.

Gleichzeitig ist der neugewählte Beigeordnete Reinhard Kreß in Hütten zum Standesbeamtenftellvertreter des ge­nannten Standesamtes ernannt worden.

Schlächtern, den 31. Januar 1925.

Der Landrat.

Deutschland und der Völkerbund.

Wie aus Genf gemeldet wird, veröffentlicht das Sekretariat des Völkerbundes soeben die Antwort der schwedischen Regierung auf das Schreiben der Reichsregierung über die etwaige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.

Es heißt darin, die schwedische Regierung habe mit großer Befriedigung den Wunsch der Reichsregierung vernommen, dem Völkerbund beizutreten Die schwedische Regierung und die öffentliche Meinung Schwedens seien der Anschauung, daß Deutschlands Eintritt vor größter Bedeutung sei. Deutschland gebühre die gleiche Stellung im Völkerbund wie den andern Großmächten. Der ständige Ratssitz müsse ihm zugesichert werden. Wenn Deutschland in den Völkerbund eintrete, würde die schwedische Regierung geneigt sein, ihren Einfluß aus» zuüben, damit Deutschland der ständige Ratssitz unverzüglich zugeteilt werde. Die Bedenken, die Deutschland äußere und Die Vorbehalte, die es bei der Teilnahme an gemeinsamen Aktionen des Völkerbundes macht, sucht das Schreiben der schwedischen Regierung zu entkräften. Alle Mitglieder des Völkerbundes hätten sich dieser Bestimmung unterworfen, mit Ausnahme der Schweiz, deren Neutralität durch besondere Verträge geschützt sei.

Es wäre mit dem Pakt nicht vereinbar, mit Deutschland in dieser Beziehung eine Ausnahme zu machen. Die Voll- Versammlung von 1921 hätte ihrerseits beschlossen, im gegebenen Falle die besondere Lage eines jeden Staates bei Anwendung von Sanktionen zu berücksichtigen. Es könne demzufolge auch der besonderen Lage Deutschlands, das durch ^en Friedcnsvertraa entwaffnet ' sei, Rechnung getragen werden. Die schwedische Regierung spricht die Hoffnung aus, daß somit kein Hindernis für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund mehr besteht.

Für Deutschland ist es natürlich ganz klar, daß die Vor­bedingungen, die die Regierung des Kanzlers Dr. Marx und namentlich des auch heute noch im Amt befindlichen Reichs- Außenministers Dr. Strcscinann bezüglich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gestellt haben, unbedingt sinngemäß erfüllt werden. Denn man kann von uns uumög- sich verlangen, daß wir durch bedingungslosen Beitritt zuin Völkerbund gewissermaßen nochmals ein neues Schuld­bekenntnis am Ausbruch des Krieges unterschreiben.

Luther an Herriot.

Ein Konferenzvorschlag.

Der neue Reichskanzler Dr. Luther hat die in Berlin an­wesenden Vertreter der ausländischen Presse empfangen uni b^se Gelegenheit benutzt, um sich mit den letzten Erklärungen

Herriots tn der französischen Kammer auseinanderzusetzen. In einer großangelegten Rede wies der Kanzler zunächst aus den ernsten Konflikt hin, der infolge der

Nichträumung der Kölner Zone entstanden ist. Der Kanzler erklärte:Die bisherige Behand­lung dieses Konfliktes durch öffentlichen Notenwechsel, den die Alliierten eingeleitet haben und den die Reichsregierung not­gedrungen hat aufnehmen müssen, ruft in Deutschland natur­gemäß wieder die Erinnerung wach an die fruchtlose Methode der ersten Nachkriegsjahre. Ich glaube, daß der Konflikt seiner Lösung schon viel näher gebracht wäre, wenn die alliierten Regierungen das Verfahren, das auf der Londoner Konferenz einen so sichtbaren Erfolg gezeitigt hat, das Verfahren einer vertrauensvollen Aussprache auch jetzt angewandt hätten. Es läß sich nicht verhehlen, daß in der im letzten Sommer angebahnten Entwicklung ein Rückschlag ein- getreten ist, der hüben und drüben die begonnene Beruhigung der Geister wieder gefährdet. Das ist nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern im Interesse der allgemeinen Welt­politik tief zu bedauern."

Deutschlands völlige Abrüstung.

Der Kanzler kam dann auf die Vorwürfe Herriots zu sprechen, wonach man in Deutschland kriegerische Rüstungen betreibe. Mit Recht sagte da der Kanzler:Was bedeutet es, wenn nach einer Entivassnungsaktion von so riesenhaftem Ausmaß hie und da geringe Bestände an altem Kriegsmaterial oder an überzähligen Ausrüstungsstücken gefunden worden sind? Sie brauchen, um das Verhältnis zwischen unseren Leistungen und den etwaigen Rückständen zu erkennen, nur die Zahlen vergleichen, die Herr Herriot selbst in seiner Rede anführt, wobei ich mich auf Angaben und besonders Zahlen, die ich nicht habe nachprüfen können, nicht festlegen möchte. Der franz.MinisterPräsident sagt, daß mehr als 33000 Kanonen, 23 000 Lafetten, 11 000 Minenwerfer, mehr als 4J4 Millionen Minenwerfergeschosse, mehr als 87 000 Maschineiigewehrc, 4% Millionen Gewehre, mehr als 400 Millionen Kartuschen und ungefähr 10 Millionen . Handgranaten zerstört worden seien. Demgegenüber fallen doch die von ihm erwähnren Funde von 100 000 Stahlstäben für Gewehrläufe, 17 000 Stahlstäben für Masch inengewehrläufe, 10 000 Pistolenläufen und 100 Werkzeugkasten wirklich nicht ins Gewicht. Kein ernster Militär wird sich dazu verstehen, derartigen Dingen irgendwelche militärische Bedeutung beizumessen. Ich kann aber versichern, daß die Reichsregierung fest entschlossen ist, Verstöße in der Entwaffnung, die ihr von den Alliierten nach- gewiesen werden oder sonst zu chrer Kenntnis gelangen, zu beseitigen."

Waffengeklirr."

Weiter erklärte der Reichskanzler:Die Verbündeten, die Amerikaner so hat der französische Herr Ministerpräsident vor- geiicrn aus gerufen sollen wissen, daß Frankreich nicht ruhig sein kann, solange von Deutschland dieses Waffengeklirr hettiber- schalltl" Meine Damen untz ^errcn! Ich bitte Sie um alles in der Welt, woher hören Sie in Deutschland ein solches Waffen- geklirr? Es klingt fast wie Hohn, wenn solche Worte über ein Land gesagt werden, in dem es keine staatlichen RüstungSbetriebe gibt, dessen geringfügige Truppen weder schwere Artillerie noch Flieger noch Tanks besitzen, dessen Festungen geschleift oder völlig unmodern sind und von dem ein Gebiet mit 55 000 Quadrat­kilometer einseitig zugunsten seiner Nachbarn demilitarisiert ist. Ich frage Herrn Herriot, ob er wirklich im Ernste der Ansicht ist, daß die von ihm angeführten Einzelheiten auch nur im enttarnte» sten als ein Beweis für eine Bedrohung der Sicherheit Frankreichs angesehen ivcrden können, ich frage ihn, ob er nicht vielmehr der Ansicht ist, die in letzter Zeit von namhaften Organen der aus­ländischen, auch der französischen Presse, zum Ausdruck gebracht wurde, der Ansicht, daß von irgendwelchen AngriffsmöglichkeitSn in Deuffchland überhaupt nicht die Rede sein kann."

Ich frage Herrn Herriot,"

fuhr der Kanzler fort:

Ist er entschlossen, die nördliche Rheinlandzone sofort zu räumen, nachdem die Beseitigung der Deutschland etwa nach» gewiesenen Verstöße in der Abrüstung sichergestellt ist?"

Eine klare Anwort auf diese Frage finde ich in seiner Rede nicht. Es ist zum mindesten doppeldeutig, wenn er sagt, daß die französischen Truppen am Rhein die wichtigste und vielleicht sogar die letzte Bürgschaft für die Sicherheit Frankreichs seien. Diese Doppeldentigkeit wird auch nicht durch die Erläuterung beseitigt, die Herr Herriot jener Stelle seiner Rede gegeben hat, durch die Worte, seine Haltung sei nicht durch den Wunsch diktiert, für un­bestimmte Zeit am Rhein zu bleiben. Sie, meine Damen und Herren, werden es begreiflich finden, daß weite Kreise in Deutsch­land die alliierte Begründung der Nichträumung nur als Bor- wand ansehen und andere Motive dahinter vermuten. Auch in der Presse des Auslandes ist vielfach von diesen anderen Motiven und zugleich von der Möglichkeit die Rede gewesen, ihnen durch ein Kompromiß Rechming zu tragen. Ich kann in dieser Hinsicht mir nochmals klonen, daß die Reichsregierung bisher keine Ge­legenheit gehabt hat, zu der Möglichkeit eines solchen Kompromisses Stellung zu nehmen. Sie würde es, iwmn die Räumung zu einem späteren Termin sagen wir einige Monate nach dem 10. Ja­nuar wirklich garantiert wäre, nicht ohne weiteres abgelehnt haben und würde es auch jetzt nicht ohne weiteres ablehnen. Zu allen solchen Lösungen kann man aber nur gelangen, formt man die Angelegenheit nicht in einem öffentlichen Notemvechsel, sondern auf dem Wege vertrauensvoller Verständigung behandelt. Dazu ist die Regierung jederzeit bereit.

Schiedsgericht, Sicherheit, Abrüstung.

Der Reichskanzler schloß seine bedeutungsvolle Rede mit den Sätzen:

Der französische Herr Ministerpräsident hat seine ganze Politik zusammengefaßt in die drei Worte: Schiedsgericht, Sicherheit, Ab­rüstung. Dieses Programm kann ich für Deutschland akzeptieren. Die Reichsregierung ist bereit, sich dafür einzusetzen, daß bet Schiedsgerichtsgedanke, dessen Verwirklichung vielleicht den wert­vollsten Teil der Londoner Vereinbarungen darstellt, nn inter, nationalen Leben immer allgemeiner zur Geltung kommt. Sir will, wie ich schon betonte, mitwirken an der Herstellung einer Gewähr für die Sicherheit und Freiheit der Völker. Hinsichtlich der Abrüstung hat sie eine gewaltige Vorleistung bewirkt und kann nur hassen, daß der im Versailler Vertrag angegebene Grund für diese Vorleistung, die allgemeine Abrüstung, bald in die Tat umgesetzt wird."

Man darf wohl hoffen, daß diese offenen und unzweideu­tigen Motte des neuen Kanzlers auf fruchtbaren Bode« fallen und endlich den Weg zur Verständigung bereiten möge«.

*

Günstige Aufnahme in Paris.

Die Rede des Reichskanzlers Dr. Lucher hat, wie am» verschiedenen Pariser Pressebesprechungen unzweideutig her- vorgeht, einen günstigen Eindruck gemacht, und nach der Erc Nouvelle" zu urteilen, den Beifall der französischen Regierungskreisen gefunden. Das Blat stellt fest, daß Dr. Luther für die Versöhnung arbeite und eine ehrenhafte Ver­handlungsbasis Vorschläge. Mit gewissen Vorbehalten greift er auf die Formel zurück, die Herriot in Genf zur Geltung gebracht habe. Die Rede Herttots habe chre Wirkung getan. Die sehr energische und klare Haltung des Ministerpräsidenten habe es Dr. Luther ermöglicht, sich der Umklammerung der Monarchisten zu erwehren. Er lade zu Besprechungen ei» und deute in ziemlich klarer Weise die Grundsätze an, die er als Grundlage für die Aussprache ausgestellt habe. Frankreich müsse so schnell wie möglich in zustimmendem Sinne ant­worten, um festzustellen, ob es möglich sei, die Polittk der beiden Länder in Einklang zn bringen. Mit Ausnahme der Rechtspresse, die der Rede Luchers mit starkem Zweifel begegnet, sehen die Pariser Morgenblätter im allgemeinen in der Rede den Ausdruck des deutschen Verständigungswillens.

Ausnahme von Auslandskrediten

Eine Notverordnung des Reichspräsidenten.

Die Verordnung des Reichspräsidenten über die Aufnahme von Auslandskrediten durch die Länder, Gemeinden und Gcmeindeverbände vom 1. November 1924 läuft mit dem 31. Januar ab. Inzwischen haben die Länder gegenseitig ver- einbart, sich bei der Aufnahme von Auslandskrediten an gemeinsam aufgestellte Richtlinien zu halten und deren Ein­haltung auch von ihren Gemeinden nnd sonstigen öffentlichen Verbänden zu fordern.

Die Durchführung dieser Vereinbarung erfordert aber bei einigen Ländern die Erweiterung 'des bestehenden AufsichtS- rechtes, die möglichst rasch, zum Teil auf dem Wege der Landcsgcsctzgebung durchgeführt werden soll, um bis dahin keine Lücke in der einheitlichen Kreditpolitik gegenüber dem Ausland eintreten zu lassen, die durch den Ablauf der Verord­nung vorhanden wäre. Um dies zu verhindern, hat der Reichs­präsident auf Vorschlag der Reichsregierung eine für vier Wochen geltende Notverordnung erlassen, da eine entsprechende Gcsctzcsvorlage, die im übrigen dem Reichsrat zugegangen ist, nicht mehr rechtzeitig verabschiedet werden kann.

Die Verordnung besagt, daß die Gemeinden und Gemeinde- Verbände zur rechtsgültigen Aufnahme von Krediten im Aus­lande oder zur rechtsgültigen Begebung von Anleihen im Auslande der Zustimmung deS Reichsfinanzministers bedür­fen, soweit sie in dieser Hinsicht nicht nach den landeSgesetz- lichen Vorschriften der Aussicht und der Genehmigung unter­liegen. Der Reichspräsident ging dabei von der Erwägung aus, daß die Durchbrechung der bisherigen einheitlichen Polittk der Inanspruchnahme des ausländischen Kredit- marktes, die möglicherweise in der Zwischenzeit bis zur vollen Geltung der vereinbarten Richtlinien in allen Länder», seitens einzelner Länder erfolgen würde, geeignet sein könnte, die allgemeinen Währungs- und Finanzbelange zu schädigen.

Oberpräsident a. T. Dr. von Hegel gestorben.

Magdeburg, 1. Februar. Im Alter von 75 Jah­ren ist gestern der frühere Oberpräsident der Provinz Sachsen, D. Dr. Wilhelm v. Hegel, Vorsitzender deS Evangelischen Presseverbandes für Deutschland, des Evangelischen Reichselternbundes, der Luthergesell­schaft, des Verwaltungsrates der Deutschen Evangeli­schen MissionShilfe in Magdeburg, gestorben. Die evan­gelische Kirche verliert in ihm einen ihrer chrakterooll- sten Führergestalten.

Haftbefehle gegen Kommunisten.

Karlsruhe, 1. Februar. Nördlich der LudwigS- festc in Rastatt fanden spielende Kinder Sprengmuni- tivn. Auf Grund der daraufhin vorgenommenen po­lizeilichen Nachforschungen und Haussuchungen hat sich der Verdacht herausgestellt, daß Mitglieder der Kom- munistischen Partei diese Sprengstoffe vergraben ha­ben. Die Staatsanwaltschaft hat gegen mehrere Per­sonen Haftbefehle erlassen und die Angelegenheit dem ObeLreichsanwalt überwiesen.