Schlüchtemer Zeitung Kreis-Amtsblatt * Myememev amtlich er Anzeiger für öen Kreis Schlächtern -rmkun- Vevtag.h.SteintÄd Söhne* SefchöstsskVahrchofstr.S * frrnspv.Av.^ * Postscheikk:D!<mksi«!t»M.2rs«,
Str. 8 (1. Blatt )
Samstag, den 17. Januar 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 45. V. Die Wahlerdnung für die Wahl der Mitglieder des Schiedsamts im Bezirk des Oberversicherungsamts Cassel, das auf Grund der Ausführungsbestimmungen zur Verordnung über Aerzte und Krankenkassen vom 14. Nov. 1924, R. G. Bl. I, S. 743, neu zu bilden ist, ist erlassen und kann vom 19. bis 25. d. Mts. während der Dienststunden im Versicherungsamt eingesehen werden.
I * Schlüchtern, den 14. 1. 1925.
Versicherungsamt. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Kreiswohlfahrtsamt Tgb. Nr. 122
Betreffend Sprechtag des Kreisarztes.
Der nächste Sprechtag des Kreisarztes findet am 2 4. Januar 1 9 2 5 vormittags von 9 — 12 Uhr in Sterbfritz statt. Die Untersuchungen finden im ersten Schulsaale statt. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die ; Schulkinder von Sterbfritz, Weiperz, Sannerz und Breu- ningS untersucht werden. Ich ersuche die Herren Bürgermeister, dieses den Herren Lehrern bekannt zu geben. (S. Bekanntmachung in Nr. 2 des Kreisamtsblatts.)
Schlüchtern, den 12. Januar 1925.
Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamts.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
Auf die Kreisblattverfügung des Herrn Landrats vom : 10. Januar 1925 — J.-Nr. 12734 (Schlüchterner Zeitung . Nr. 5, 1925) betr. Beschädigung von elektrischen Leitungen beim Fällen von Bäumen wird hiermit nochmals besonders hingewiesen.
Schlüchtern, den 12. Januar 1925.
Der Magistrat: G-enßlen.
Bekannturachnng.
Vom 15. bis einschl. 31. Januar 1925 findet die i Reinigung und das Ausbrennen der Schornsteine in der Brückenauer- und Fuldaerstraße, Schmiedsgasse und Linsen- : gaffe, Breitenbacher-, Graben-, Kaiser-, Garten-, Dreibrüder- ■ und Hospitalstraße sowie Elmweg, Elmer- und Ahlersbacher- landstraße, Bahnhofs- und Lotichiusstraße statt.
Schlüchtern, den 15. Januar 1925.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Das kommende Reichskabinett.
Eine amtliche Auslassung.
Ueber die Vorarbeiten des Finanzministers Dr. Luther zur Bildung einer neuen Reichsregierung wird amtlich folgendes mitgeteilt:
Die mformatorische« Besprechungen des ReichSministerS Dr. Luther mit den Fraktionsvertretern haben zu einer grundsätzlichen Klarheit über die Art der zu bildenden Regierung gemäß dem bereits bekanntgegebenen Plan Dr. Luthers lVer- trauenSmänner und Fachminister) und über die Personensrage geführt, dagegen sind die Erörterungen innerhalb der Fraktionen über die Form und Art, in der der Regierung die Zu- stimmnug ausgesprochen werden soll, noch nicht in allen Frakttonen abgeschlossen. Von der Erledigung dieser Frage hängt die Bildung der beabsichtigten Mehrheitsregierung ab. Bei dieser Sachlage hat Reichsminister Dr. Luther dem Reichspräsidenten berichtet, daß seine informatorische Aufgabe abgeschlossen sei und daß er bereit sei, die Bildung der Mehr- heitSregierung zu übernehmen, sobald die erforderlichen Fraktionöbeschlüsie dorliegen.
Der Deutschen Demokratischen Fraktion hat Dr. Luther nochmals die Be:e ligung an der Regierung angeboten. Der Vorsitzende, Abg. Dr. Koch, hat dem Minister, vorbehaltlich der Stellungnahme der Fraktion, geantwortet, daß trotze ernster Bedenken die Fraktion bereit sei, eine abwartende Stellung einzunehmen
Die neuen Männer.
Nach den Meldungen der Berliner Blätter dürfte sich das neue Neichskabinctt folgendermaßen zusammensetzen: Reichskanzler Dr. Luther, Acußcres Dr. S t r e s e in a n n Vpt.), Inneres Schiele (D. Nat.), Finanzen S ä m i s ch (D. Vpt.), Wirtschaft Ministerialdirektor a. D. N c u h a il s (D. Nar.), Arbeit Dr. Brauns (Ztr.), Justiz und die besetzten Gebiete Oberlandcsaerichtspräsibcnt Dr. S ch 0 l I e r (Z.), Wehrminister Dr. Geßler, Reichspostminister Stingl Aayr. Vpt.), Ernährung und Landwirtschaft Graf Kanitz. Für das VerkehrsMiNisterium wird noch kein bestimmter Anwärter genannt.
Die Haltung der Parteien.
Ueber die Haltung der einzelnen Parteien zu dem Kabinett wissen die Bläner mitzuteilen, daß die Regierung unbedingt stuf die Unterstützung der De u tsch na t i 0 na le n , der Deutschen Volk sparte: und der Bahr. Volks-
Partei rechnen kenne. Ueber die Haltung desZentrums schreibt die „Germania", daß das Zentrum der neuen Regierung in völliger Frecheit gegenüberstehe. Zu der Entsendung eines Vertrauensmannes in der Person des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns habe sich das Zentrum lediglich deshalb entschlossen, um die Bemühungen Luthers nicht auch schliern zu lassen, da Dr. Luther ohne diese Mitwirkung des Zentrums keinen Auftrag habe annebmen wollen. Die neue Regierung müsse sich darüber klar sein, daß sie vom Zentrum lediglich nach ihren Taten beurteilt und behandelt werden wird. Die Demokraten werden, dem „Berl. Tageblatt" zufolge, ein Vertrauensvotum oder einen Billigungsantrag nicht unter- stützen, da sie sich durch die Beteiligung Dr. Geßlers im Kabinett in keiner Weise gebunden suhlten. Die „Voss. Ztg." spricht sogar von ein»r scharfen oppositionellen Haltung der Demokraten. Zur Stellung der Sozialdemokraten hemerkt der „Vorwärts", es frage sich nicht, ob das Kabinett Luther bekämpft werden solle, nur wie der Kampf am wirkungsvollsten zu führen ist. Zum ersten Male seit sechs Jahren sei eine klare Situation vorhanden, in der die Rolle der Opposition der Sozialdemokratie zugefallen sei.
Unterstützung der Landwirtschaft.
Eine Verfügung des prenßifchen Landwirtschaftsministers.
Aus einer Verfügung des Preußischen Landwirtschafts- ministers teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit:
Soweit für die Beschaffung von Saatkartoffeln die zur Verfügung gestellten Mttel für diese Zwecke noch nicht Verwendung gefunden haben, dürfen sie zur Versorgung der Landwirte mit Sommerfaatgut, wozu auch Klee, Serradella und andere Sämereien zu rechnen sind, in Anspruch genommen werden. Für die weitere Versorgung mit Saatgut hat der Finanzminister aus preußischen Staatsmitteln weitere zwan- z i g Millionen Mark zur Verfügung gestellt, die von den Landwirten mit sechs Prozent zu verzinsen und im Dezember 1925 zurückzuzahlen sein werden. Die preußische Staats- regierung hat nunmehr also zur Versorgung der Landwirte mit Saatgetreide 5 0 Millionen Mark aus eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt und für diese Summe, sowie : für «yei^u -O-SSiKu#*..:, : .7,'- 1J.j^uionen aun be-. Preußenkaste und zu je 5 Millionen von der Girozentrale und der Landesbankzentrale hergegeben sind, die Herabsetzung des Zinsfußes auf 6 Prozent auf die Staatskasse übernommen. Die Einbeziehung von sonstigen Bedarfsgegenständen bei i Landwirte, insbesondere von Kunstdünger in diese Beschaf- fungsaktion hat sich leider nicht ermöglichen lasten. Der Minister ist jedoch um die möglichst reichliche und günstige Versorgung der gesamten Landwirtschaft mit dem erforderlichen Kunstdünger bemüht.
x Dr. Luther zum Reichskanzler
Berlin, 15. Jan. Der Reichspräsident empfing Donnerstag nachmittag Dr. Luther zum letzten Mal zum Vertrag über seine Bemühungen um das Zustandekommen eines Kabinetts. Auf ®mnb fünftägiger Verhandlungen mit den Reichstagsfraktronen erklärte Dr. Lucher sich bereit, die Kabinettsbildung nunmehr auch offiziell zu übernehmen. Der Reichspräsident hat darauf den bisherigen Reichsfinanz- minifter Dr. Luther zum Reichskanzler ernannt
Dcw Schicksal der Zeppelinwerke.
_ Berlin. 15. ^anuai Der Berliner Korrespondent der „Tribuna" will rfahren haben, daß zwischen den Zeppelin- Werken und öv- filmischen Regierung Verhandlungen über eine Verlegung < r. Werke aus , .-drichshafen nach dem italienischen Flugftlde Sinisello bei Mailand gepflogen werden. Von der Leitung d.r Friedrichshafener Zeppelinwerke wird hierzu mitgeteilt, daß otefe Meldung unrichtig ist.
Zu den deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.
PariS, 1h. Jan. Ein Teil der Pariser Morgenpresse macht Angaben über den Inhalt der von Trendelenburg überreichten deutschen Gegenvorschläge. Nach dem „Matin" erklärt sich Deutschland bereit, ein provisorisches Abkommen auf Grund der französischen Mindesttarife einzugehen, wenn ihm eine beschränkte ^Meistbegünstigung gewahrt wird die sich jedoch auf die Mehrheit der französischen Einfuhrartikel erstrecken muß. Die Einfuhr elsaß-lothringischcr Produkte nach Deutschland wird erle.chtert werden. Die deutsche Delegation verlangt, daß beide Regierungen während der Dauer des Provisoriums sich aller prohibitiven Maßnahme« enthalten müssen.
General Allen gegen die Ruhrbesetzung.
New Dork, 15. Jan. oeneral Allen, der Befehlshaber der ehemaligen amerikanischen Rheinarrnce, bezweifelte in einer Rede, ob Deutschland fähig sei, die von den Alliierten geforderten Reparationszahlungen aufzubnngcn. Er hält es praktisch für unmöglich, diese Summen aufzubringen. Außerdem betonte der General, daß die Rubrbesetzung ein sehr zweifelhaftes Unternehmen sei, und drückte sein Bedauern darüber aus, daß es der Dawes-Plan unterlassen habe, die Räumung des besetzten Gebietes vorzusehm.
Mordacq abdcrusen.
Berlin, 15. Januar. Der kommandierend. General der BesatzungStruppen Mordacq hat Wiesbaden verlassen. Ueber seinen Nachfolger verlautet bisher noch nichts.
Europas Wiederaufbau.
Die Konferenz der interalliierten Finanzminister in PariS' ist zu Ende, und zwar anscheinend zur vollen Zufriedenheit aller Teilnehmer. Wenigstens erklärte der französische Finanz- minister Elemente!: „Wir beglückwünschen uns alle, daß die Durchführung des Dawes-Planes die offiziellen Vertreter der Vereinigten Staaten nicht nur als Beobachter, sondern als Teilnehmer zu uns geführt hat. Wir haben ein Programm ausgearbeitet, das nicht nur die Erzielung des möglichen Maximums an Reparationszahlungen durch Deutschland bos» siebt, dessen Versagen mit vollem Recht das Weltgewisten aufgebracht hat, sondern das auch die finanzielle und wirtschaftliche Wiederaufrichtung Europas, die durch den Krieg so tief erschütter- waren, vorbereiten kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wohl noch viele Hindernisse überwunden, noch viele Probleme gelöst werden, in deren erste Reihe ich die Regelung der interalliierten Schuldenfrage in einem friedlichen, ja ich möchte sagen, brüderlichen Geiste stelle."
Der Vertreter der Vereinigten Staaten, Botschafter KrüvM, erklärte hierauf, die drei wichtigsten Ereignisse für die Wiederaufrichtung Sure die im letzten Jahr« vollzogen wurden, seien der Dawes-Plan, die Londoner Konferenz und die Konferenz von Paris. Der Erfolg der Konferenz von London und der von Paris fei zurückzuführen auf den patriotischen Wunsch der Staatsmänner, zu einem Ergebnis zu gelangen. Eine neue Aera hebe für Europa an. Er als der Vertreter der Vereinigten Staaten habe Vertrauen zum Dawes-Plan, der auf soliden Geschäftsgrundsätzen anfgebaut sei, und für dessen Gelingen sich das Volk der Vereinigten Staaten lebhaft interessiere.
Ministerpräsident Herriot hielt schließlich noch eine Ansprache, nachdem Winston Churchill und der Vertreter der japanischen Regierung gesprochen hatten, und ei Härte folgendes: Diese neue Konferenz, die zu wirksamen Ergebnisse« gelangt sei, trage .entscheidend zu dem Friedenswerk bei, Pl dem Frankreich alle Völker aufgerufen habe. Das Bestreben seiner Regierung sei, in der Welt normale Arbeitsbedingungen, Vertrauen und Sicherheit wiederherzustellen. Diese Anstrengungen setze Frankreich trotz aller Hindernisse fort, um alle Völker im Interesse eines allgemeinen und endgültigen ,7L»cv^nL« , iUilv:. :t6^i jit.ütlügen. Sie 4 ^lzSstütz-. «Äsf rung habe aber trotzdem das Recht, ihre ganz besondere Zuneigung der großen Familie zuzuwenden, deren Bildung der große Krieg herbeigeführt habe, der großen Familie der Alliierten. Die Tast-sie, daß diese Familie der Miierten einig bleibe, sei das H,. . 'tunterpfanb der progressiven Wieder- Herstellung der Ordnum in Europa und in der Welt, Sie Frankreich mit Her; und Geist erstrebe.
Auch die Pariser Presse begrüß: die auf der Konferenz erzielte Einigkeit. Der DempS" ist besonders darüber zufrieden, daß Anicrika seit fünf Jahren zum ersten Male wieder an gemeinsamen Beratungen offiziell teilgenommen habe. Das „Journal des Debats" hebt hervor, daß die Vereinigten Staaten nahezu auf S( ganzen Linie gesiegt hätten. Obwohl sie den Versailler Ver " nicht unter^ichnet hätten, lämen sie in den Genuß der A.. .»träten des Tawes-Planes und der durch die Ruhrbesetzung erstellen Einnahmen. Sie könnten so vollständig ihre Bcjatzungskostcn und ihre Kriegsschäden wieder einbringen. Vielleicht werde man Vorbringen, daß diese bevorzugte Lage etwas unmoralisch sei, besonders deshalb, weil es sich um ein Land handele, in dem sich das Gold der ganzen Welt angesammelt habe, während der Krieg die Tascheii der anderen Kriegführenden geplündert habe. Tas Blatt hält es jedoch für klug, daß man der Beharrlichkeit des Staates nachgegeben habe?durch dessen Intervention der Krieg entschieden worden sei. Es fet nur zu wünschen, daß Amerika sich mit den Alliierten nunmehr vereinigt, um über die strikte Ausführung des Dawes-Planes zu wachen.
Wert Handelsflotte
Abkommen zwischen Reedern und ReichStegsi-uug.
Die schon seit einer Reihe von Wochen in Berlin zwifch« der Reichsregierung und den Reedereien geführten Verhandlungen wegen einer WttcvstüDmgsaktion für den deutschen Schiffbau haben nunmehr zu einer Einigung geführt.
Danach soll von beide« Seiten, also von feiten des Verbandes deutscher Reeder u- ? von der Reichsregierung jährlich ein Betrag von je 50 L llionen Mark für die Zwecke der Erhaltung" der deutschen Schiffahrt zur Verfügung gestellt werden. Da es sich dieser Aktion in erster Linie darum handelt, der Werstindustrie Bcschästtgungsmöglichkrit zu verschaffen, um weitere Arbeitcrentlafsungm zu verhüten, wird der vom Reich zur Verfügung zu stellende Betrag auf dem Etat für Erwerbsloscnfürforqc erscheinen. Der Zinsjab beträgt bis mr Indienststellung der mit diesen Gktbern zu erstellenden Schiffe lk Prozent; der nach der Indienststellung von den betreffenden Reedereien aufzuwendende Zinssatz ist endgültig noch nicht vereinbart, «nd wird sich „nach den dann gültigen Sätzen des Geldmarktes unter Berücksichtigung der besonderen Lage der Schiffahrt" richten. ,
Als Maßstab für die Jnanfpruchnah»!« des Retchs- kredits und des von den Reedern aufzubttngendcn gleiche» Betrags soll der augenblickliche Schiffsbestand dienen, wobei von vornherein ein" Ausgleichsfonds den Bedürfnissen der- jeitigeit kleinen Reedereien Rechnung tragen föll, die hinsichtlich des geringen Umfangs ihrer Tonnage und ihrer finanzier schlechten Lage als besonders notleidend anzusehen sind. Von besonderen, an die Veloilligung der Kredite geknüpften Bedin- gingen des Reiches in der Richtung einer stärkeren Einfluß- nahme hat man Ab stand genommen.