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Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlich er Anzeiger ftir Ken. Kreis Schlüchtem

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Nr. 2

Amtliche Bekanntmachungen

LandraLsamt.

J.-Nr. 12901 In der Gemeinde Klosterhöfe ist die Schafräude festgestcllQworden.

Schlächtern, den 30. Dezember 1924,

Der Landrat.

Kreisnusschutz.

Kreiswohlfahrtsamt^Tgb. Nr. 4128. Betrifft Sprech­tage des Kreisarztes. Der nächste Sprechtag findet am Mittwoch, den 7. Januar 1925 in Schlächtern, von vormittags 9V2 Uhr im Kreishaussaale in Schlächtern statt. Außerdem, findet «».Sprechtag am 24. Januar 25 von vor­mittags 912 Uhr tu Sterbfritz statt.

Ich ersuche alle, die auf Grund der Fürsorgeverordnung zu ihrenMnträgen ein kreisärztlicheö ZeugniS^benötigen, die­se Gelegenheit wahrzunehmen.

Gelegentlich dieser Sprechtage sollen auch die Schulun- tersuchungen vorgenommen werden. Ich bitte deshalb die Herren Lehrer,Uafür besorgt zu sein, daß diejenigen Kinder, bei denen ein Leiden besteht oder vermutet wird, vorgestellt werden. ^Reisekosten werden ersetzt. Auch sind vorschulpflich- tige^Kinder, bet denen sich ein Krüppelleiden bemerkbar macht, zur Untersuchung zu bringen, da gerade diese Leiden erfah­rungsgemäß im Anfangsstadium vollständig zur Heilung gebracht werden können.

Der monatliche Sprechtag in Schlächtern findet regel­mäßig jeden Mittwoch im Monat statt, während der zweite Sprechtag abwechselnd in Sterbfritz und Salmünster abgc- halten wird.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister um ortsübliche Bekanntmachung.

Schlüchtern, den 31. Dezember 1924.

Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamts. von Trott zu Solz.

Stadt Schlüchtern.

Die gesetzliche Miete beträgt für den Monat Januar 1925 66 v. H. der reinen Friedensmiete. Da hier die soge­nannten SchönheitSreparaturen vom Mieter auszuführen find, ermäßigt sich der Prozentsatz um 4. v. H.

Schlächtern, den 29. Dezember 1924.

Der Magistrat. Gaenßleii.

Stresemann über die Räumung Kvins.

Die Pflicht der Alliierten.

Der Reichsaußenminister Dr. Streseinann hat die gesam­ten Vertreter der ausländischen Presse in Berlin empfangen, und ihnen eine längere Erklärung über den Standpunkt der Reichsregierung in der Frage der Räumung der Kölner Zone gegeben.

Stresemann wies einleitend darauf hin, daß es die Pflicht der Alliierten gewesen wäre, schon einige Zeit vor dem 10. Januar die Frage der Räumung eingehend zu prüfen, damit bis zu diesem Datum eine endgültige Klärung hätte erfolgen können. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages könne eine Verlängerung der Besetzung der Kölner Zone nur dann in Betracht gezogen werden, wenn ernstliche Verstöße Deutschlands gegen den Friedensvertrag vorgckom- men wären. Nun hat man, so erklärt Stresemann weiter, die angeblichen Verfehlungen Deutschlands in der Frage der Entwaffnung zum Vorwand genommen, um eine Hinaus- zögerung der Räumung der Kölner Zone zu begründen. Deutschland ist aber im großen und ganzen vollständig ent­waffnet, selbst dann, wenn da und dort einzelne kleinere Ver­stöße gegen die EntwaffnungSbestimmungen, die bei einem z Sechzig-Millionenvolk doch Vorkommen können, gesunden worden sind.

Bon französischer Seite, so erklärte der Minister weiter, ist gegen eine Verquickung der Räumungsfrage mit der Aus­führung des Dawes-Gutachtens Einspruch erhoben worden. Dies ist nach meiner Auffassung völlig unrichtig, denn wenn London nur ein finanzieller und wirtschaftlicher Akkord gewesen wäre, so hätte auch die Ruhrräumung nichts mit diesen Verhandlungen zu tun haben dürfen. Die deutsche Delegation hat aber von vornherein gefordert, daß die Frage der Ruhrräumung diskutiert werde. Ebenso hängt auch die Räumung der Kölner Zone eng mit der Ausführung dieses Gutachtens zusammen. Es geht einfach nicht an, daß die wenigen Rechte, die Deutschland aus dem Friedensvertrag noch übrig geblieben sind, zunichte gemacht werden, und für Deutschland nichts als Pflichten übry bleiben. Heute muß ich zu meinem großen Bedauern sagen, daß. Wenn die Kölner Zone nicht geräumt wird, diejenigen Unrecht hatten, die für das Dawes-Gesetz stimmten und es verteidigt haben, in der Hoffnung, daß endlich di.e Sanktionspolitik damit zu Ende sei.

Eine grenzenlose Enttäuschung.

Mit ganz besonderem Nachdruck erklärte Dr. Stresemann den Vertretern der Presse dann noch folgendes:

Eine Politik, wie sie jetzt mit der Frage der Räumung der Kölner Zone begonnen wird, bedeutet aber für das

Samstag, den 3. Januar 1925

deutsche Volk eine unerwartete und grenzenlose Enttäuschung und schafft eine ernste politische Lage in Deutschland. Die vernünftigen Leute in Deutschland verlieren damit den Boden unter den Füßen, und die Extremen gewinnen wieder Ober­wasser. Wenn die uns bezüglich der Entwaffnung gemachten Vorwürfe bewiesen würden, was ja durch den Reichswehr­minister durch seine Erklärungen widerlegt worden ist, was ändern dann zwanzig- und gar hunderttausend Gewehre an der Tatsache, daß Deutschland tatsächlich entwaffnet ist? Deutschland kann ja nicht einmal die im Friedensvertrag zugestandene Heeresstärke von hunderttausend Mann auf­füllen, weil sich niemand mehr fand, der sich für zwölf Jahre verpflichten wollte. Deutschland mit seinen sechzig Millionen Einwohnern ist so entwaffnet, daß es sich selbst nicht einmal gegen einen Einmarsch von Polen oder der Tschechoslowakei her ernstlich wehren könnte. Wenn trotzdem diese angeblichen Verfehlungen zum Vorwand genommen werden, die Kölner Zone nicht zu räumen, dann kann man sich hier des Eindrucks nicht erwehren, daß wir uns vor dem Wiederbeginn einer Sanktionspolitik der Alliierten gegenüber Deutschland befinden.

Vor einer solchen Politik kann nicht eindringlich genug gewarnt werden, denn die Vergangenheit hat doch geweißt, daß nur auf dem Wege der Verhandlungen, niemals aber durch :ütc Gewaltpolitik eine Einigung erzielt werden konnte. Das Material, das der deutschen Regierung über die angeblichen Verfehlungen bis jetzt zugegangen ist, ist außerordentlich gering. Anstatt des öffnen Konflikts, dem wir durch eine solche Politik nunmehr zusteuern, und der auch die Zusammen- prbcit zwischen Deutschland und den alliierten Ländern auf anderen Gebieten gefährden könnte, fordern wir Verhand­lungen über alle Meinungsverschiedenheiten und Belege über die Ergebnisse der achtzehnhundert Kontrollbesuche, damit wir die Borwürfe unserseits prüfen können.

Wir sind der Auffassung, daß die Differenzen, die sich aus dem Entwaffnungsparagraphen ergeben haben sollen, viel zu gering sind, um eine Grundlage zu bilden zur Abweichung von oer in rwiwon begonnenen Pennn any wqar, oaß oeui- sches Land länger als im Friedensvertrage vorgesehen, besetzt gehalten wird. Streseinann erklärte, er sei überzeugt, man würde auf dem Wege von Verhandlungen sehr schnell zu einer Verständigung gelangen.

Die Wünsche des besetzten Gebietes.

Ein Telegramm an den Reichskanzler.

Der Verband der Stadt- und Landkreffe des besetzten Gebiets hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:

Bestimmt auftretenben Pressenachrichten zufolge soll die. vertragsmäßig auf den 10. Januar 1925 festgesetzte Räumung der ersten Zone des besetzten Gebiets bis auf weiteres ver­schoben werden. Die Besetzung der ersten Zone über den 10. Januar 1925 hinaus werde nicht nur den Interessen des besetzten Gebiets zuwider laufen, sondern müßte auch das Vertrauen der betroffenen Bevölkerung auf Recht und Gerech­tigkeit auf das Schwerste erschüttern. Die Stadt- und Land­kreise des besetzten Gebiets erheben daher nachdrücklich gegen die Besetzung der ersten Zone über den 10. Januar 1925 hinaus Einspruch, und bitten die Reichsregierung dringend, mit allen Mitteln die ihr vertragsmäßig zustehenden Ansprüche auf rechtzeitige Räumung der ersten Zone zur Geltung zu bringen."

Wie weiter aus Köln gemeldet wird, richtete die sozial­demokratische Stadtverordnetenfraktion an - den Oberbürger­meister von Köln, Dr. Adenauer, die Aufforderung, den Stadtverordneten so bald wie möglich Gelegenheit zu geben, in einer öffentlichen Sitzung der Stadiverordneten-Bersamm- lung ihren Einspruch gegen eine Verlängerung der Besetzung und die Forderung auf baldige Räumung in die Welt zu rufen.

Ein Einspruch Amerikas.

Wie aus London gemeldet wird, soll der mehrfach demen tierte amerikanische Schritt in der Botschafterkonferenz offen­bar doch erfolgt sein, allerdings nicht innerhalb der Bot- schafterkonferenz, sondern, die diplomatischen Vertreter Ameri­kas in Europa sollen den Auftrag erhalten haben, im Hinblick auf die großen wirtschaftlichen Interessen, die Amerika selbst in Europa habe, bei den alliierten Regierungen darauf hin- zuwirken, daß eine geeignete Kompromißformel gefunden werde, um die Frage der Räumung der Kölner Zone in Ver­bindung mit einer beschleunigten Räumung des Ruhrgebietes aus der Welt zu schaffen.

Wahlsieg Kemal Paschas.

Paris, 1. Jan. DerMattn" veröffentlicht eine Kvu- stantinopeler Depesche aus englischer -Quelle, nach der die Partei Mustafa Kemal Paschas bet den türkischen Wahlen einen vollkommenen Sieg davongetragen habe.

77. Jahrg.

Wiederaufnahme der Wirtschafte- Verhandlungen.

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Wie aus Paris gemeldet wird, ist die deutsche Delega­tion für die Handelsvertragsverhandlungen, die während der Weihnachtsfeiertage nach Berlin gereist war, wieder in Paris eingetoffen. Es sind Dispositionen getroffen worden, um die Verhandlungen bereits in diesen Tagen wieder auf­nehmen zu können. Die Verhandlungen treten nunmehr in ihr akutes Stadium. Bis jetzt hat es sich in der Hauptsache um Besprechungen zwischen den Sachverständigen der ver­schiedenen Industrie- und Handelszweige gehandelt, die kurz vor Weihnachten abgeschlossen worden sind. Man hat dabei vor allen Dingen versucht, die gegenseitigen Wünsche für die einzelnen Tarifpositionen kennen zu lernen. Zu irgend einem positiven Abkommen ist es jedoch bis jetzt noch nicht gekommen: es stehen vielmehr alle Fragen noch völlig offen, und die Hauptarbeit wird jetzt von den beiden amtlichen Delegationen geleistet werden müssen.

Es.war bereits vor Weihnachten sicher, daß infolge der ungeheuer komplizierten Verbandlungsmaterie es nicht möglich sei, bis zum 1 0. Januar zum Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages zu k 0 m - m e n. Man hat sich auch bereits, wenn auch nicht offiziell, darüber geeinigt, eventuell ein kurzes Provisorium, etwa bis Anfang März, eintreten zu lassen. Auf deutscher Seite hat man sich dabei selbstverständlich auf den Standpunkt gestellt, daß die bisherigen Verhältnisse, die bekanntlich Frankreich ganz einseitige Vergünstigungen einräumten. auch in diesem vorläufigen Verhandlungsprovisorium keine weitere Geltung haben dürfen, sondern daß beiden Ländern gleiche Vorteile zugestanden werden müssen.

Auch in Frankreich wußte man bereits vor den Fsier- tagen sehr wohl, daß die Verhandlungen bis zu dem er­wähnten Termin nicht abgeschlossen werden konnten. Es ist deshalb völlig devlaziert wenn die fronst öfiftfie Vr-si? es jetzt so hinzustellen versucht, als ob Deutschland die Nicht- räumung Kölns zum Anlaß nhme, um die Verhandlungen zu verschleppen. Insbesondere tut sich hier das Organ Loucheurs. dasPetit Journal" hervor, das sich bereits vor einiger Zeit einmal sehr heftige Ausfälle gegen die deutsche Delegation erlaubt bot. Das Blatt schreibt heute von neuem, daß die Deutschen offenbar versuchen würden, die Kölner Angelegenheit als politische Waffe auszunutzen. Sie würden diese Angelegenheit dazu be­nutzen, in den Augen der öffentlichen Meiuna der Welt den Abbruch der Verhandlungen zu rechtfertigen. Das Blatt unterstellt Deutschland also wiederum, daß es gar nicht den festen Willen habe, -mit Frankreich zu einem wirtschafts- politischen Arrangement zu kommen. Zum Beweis des Gegenteils genügt der einfache Hinweis auf die Tatsache, daß die deutsche Delegation trotz der bevorstehenden flagran­ten Vertragsverletzung dennoch nach Paris abgereist ist, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Hätte Frankreich in einem ähnlichen Falle etwa ebenso gehandelt wie jetzt Deutschland? Deutschland hatte und hat noch den Willen, seine Wirtschafts- und Handelsverhältnisse mit Frankreich nach dem 10. Januar auf eine neue Basis zu stellen, obwob! ein besonderes zwingendes Interesse hierzu eher für Frank­reich als für Deutschland vorliegt. Denn es sind erst wenige Tage her. seit eine französische Handelsstatistik verofsentlichr wurde, aus der zu ersehen war, daß die französische Ausfuhr nach Deutschland etwa 3 8 Mil­liarden Goldmark betragen hat. Während Deutsch­land nach Frankreich nur für 1.8 Milliar­den eingeführt hat. Diese Zahlen find zu deutlich. Man sollte doch in Frankreich endlich damit auibören. Deutschland andauernd der Jllonalität zu verdächtigen zu­mal es doch Frankreichs eigenstes Jntersie erfordert. Wenig­stens in dieser rein wirtschaftlichen Angelegenheit es mit Deutschland nicht völlig zu verderben. Wir geben zu. daß die französischen Befürchtungen. eS könne wegen der Richi- raumung Kölns doch noch zu einem Scheitern der Verband- lungen kommen, nicht ganz grundlos sind. Die Wirtichafts- Verhandlungen sind ja augenblicklich die einzige Waffe. mit der wir uns gegen das uns drohende Unrecht wehren können. Ob diese Waffe angewandt werden wird. Hängt von der end­gültigen Entscheidung, die die Alliierten treffen werden, ab. Bis jetzt hat die deutsche Regierung bekanntlich noch keinerlei offizielle Mitteiluna über die Nichträumung Kölns imd der ersten Rheinlandzone erhalten. Es lag für sie deshalb auch kein Grund vor. bereits jetzt die Abreise der deutschen Dele- gafion nach Paris hintanzuhalten.

Der neue französische Zolltarif.

Paris, 1. Jan. Wie berichtet wird, ist der neue französische Zolltarif, der :n Krast gesetzt werden soll, wenn der diesbezüg­liche der Kammer bereits t>or$ckgk Gesetzentwurf angenom­men sein wird, den deutschen HandelSverlragsdelegierten mit. geteilt worden. Diese hätten wegen der Erhöhung der Zollsätze für eine große Anzahl von Artikeln Einwendungen erhoben und gebeten, während der bevorstehenden Feiertage diesen Tarif eingehender prüfen zu können, um alsdann im ganzen dazu Stellung zu nehmen.