Schlüchterner Zeitung
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KreWAM
Erscheint dreimal wöchentlich. Druck und Berlag Firm« E. Hohmeister, Schriftleitung H-C. Hohrneifter, Schlüchtern Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung oder Stromsverre erlischt jede Verpflichtung aus Schadensersatz.
Amtlicher Anzeiger Kr den Kreis und die Stadt Schlüchtern
Rr. 15 5 Samstag, 30. Dezember 1922 * 74. Jahrgang
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rees hat dann wenigstens die Gefahr einer nnünrrelva ren Besetzung des Ruhraebiets abgewenbet. Wir wol-
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1922 - 1923
, Nnd abermals klingt das Doppelgelaut
„ Der Glocken durch sternhelle Nacht,
Und wieder hat einen begraben man beut* Und eilten zur Taufe gebracht.
Schlaf wechl, Du Toter, nicht grollen Dir wir,
Ob du and) brachtest uns Leid.
Dem Schicksal gilt die Klage, nicht Dir. . Dich zwang die bittere Zeit.
" , Du warst uns ein Hiob mit Kummer und Not, Du gabst uu# Elend und Schmach.
Fahr wohl! Fahr wohl! Nun bist Du tot. — Und Dank folgt dennoch Dir nach.
Du lehrtest un# zähe und tapfer sein,
Und zeigtest mit welker Hand s
Fn brauende, dunkele Nebel hinein. — Da liegt unser Vaterland.
v Ob auch uns umbrauste der Völker Haß
— ynt TOtwcm ttugrstunr:------—r--° ^ ----r—-- Du mobuteft leise: „O laß, o IH,
O lasse Du nicht von ihm!"
Hab Dank, hab Dank, Du altes Fahr, ;i Fahr voll Schnrerz und Leid,
' as uns ein duldender Hiyb war,
< ■ ein in die Ewigkeit!
7 a neues Fahr, Dich grüßen wir,
M i scheuer Hoffnung nur;
Feig' uns — und tausend Dank sei Dir —
Des Aufstiegs rettende Spur.
’ Führ' uns aus finsterer Stacht hinau
Zu neuem Morgenrot,
Dann leuchte Hell auf unserer Bahn
| ' Müller.
Betrachtungen zur JllhresmsnDe
Wenn wir heute an der ^^b^^^^^^^^ einen Rückblick auf das abgelausene Fahr werfen, so werden nur uns D gerade nicht veranlaßt fühlen, ihm eine Tratte nachzu- Minen. Aber deutivch stimmt es uns im ttenlen Her- zen weumüttg, wenn wir itoch einmal an unterem get= fimen rüuge alle Enttäuschungen, Trübsal «ab ^ein vorüber?leben lassen, die es uns gebracht bat. xie Er- keyntuls der politischen und wirtschaftlichen ®eid>ebmne muß Mls bei der ü’itifdte« Würdigung aber auco davon überzeugen, daß wir in erster Linie versuchen muneu, uns durch unsere innere Kraft wieder emporznarberten und daß nur höchstens dabei vorn Auslande iintetitupt tverben können. Das Heil allein vom Auslande zu er= warten, ist ein Phantom, ein Trugbild.
Der Mißerfolg unserer Ermlluttgsvolltir um Kbut Preis hat unser ganzes Leben, unsere Wirtschasi und Politik entscheidend beeinflußt. Die Erfolge, die in bescheidenem Maße erzielt worden smd. treten dagegen vollständig in den Hrittergrund. Die Entwertung unserer Dlark hat sich das ganze Fahr 1922 bmbuid) fortgesetzt, und schon nach wenigen Monaten war die i Regierung Wirth gezwungen, der Enteilte zu erklären, daß sie nic^mebr imstande sei, die aufgezwungenen EntschädigungSZahlungen zu erfüllen. Die schetnbarÄ Erleichterimgen, die daraufhin von der Entente für dieses Fahr zugestanden worden sind, haben aber keine Besserung unserer Wirtschaftslage gebracht, sondern vielmehr eine rasch vorwürtsschreitende wertere Verichlech- terung zur Folge gehabt. Große «-chrchten unseres Volkes leiden unter der Grideiltiveriung äußerst schwer. Aber auch im Wirtschaftsleben bat die Geldentwertung zu Zustäriden geführt, die durchaus ungeuind sind und bei einet Bessern ich unseres Geldrvertes zu schweren Erschüttenmgen führen müssen. _
Sieben ungeheuer großen Opfern an Lachwerten, Kohlen-, Holz- und Biehliefernugen, mußten^ wir auch schwere Opfer wertvoller Gebietsterle Oberschlesiens an Polen bringen. Dieser Volksgenosse,i in Oberschlesien, die im abgelaufenett Fähre der Freiudlierrschaft uarstr- worfen wölben sind, zu gedenken, ist unlere Pflicht. Aufs neue wollen wir ihnen zurusen, bau sie nicht vergesien hub, und daß das ganze Volk sehnslich A aufden T^ wartet, an dem sie wteber in die große deut,che Volksgemeinschaft mtfaenoimnen werben rönnen. Ethwero Stunden bat auch die Droboolitik PmnrarooS dem bent- fche« Volke gebracht. Mit Heller C"trusinng hat die Bevölkerung am Rhein und an der Ruhr lebe Vergerval- Hmtng Aurücfgewicfcit, und in diesem Kamme um ihr Deutschtmn ist sie aus dem übrigen Reiche heu unter« stützt worden. Die ablehnende Haltung der ^lliirrten, «armntlich sualmrüs. aegenüber den Malten Mli»cge
len Iwffep, auf innner.
Wenn unter dem Druck des Versailler Diktats das alte Wahr nichts gutes gebracht hat, so sind doch auch einzelne Erstolge sowohl innen- als auch annenpoitnsch zu verzeichnen, die zu der Hoffnung auf eine bessere ,>u- funft berechtigen. Fnrrerpolitisch ist d>e Hoffnung heute größer denn ie, daß es gelingen nsi'd nuse- Volk wenigstens in den nationalen Fragen aus de n n-artei- kamps herauszuführen. Dann wird auch der m-ww für ' ‘ ..... Diktats und aeneu die
ente Revision des Geists ist er --------- KrieasschulSlüge energisch mit Aussicht auf Erfolg auf»
genommen werden können,
Der Grundstein unserer ganzen nmeren und äuge ren Politik bis dahin ist tte Entschädigungstrage E haben sich noch in den 'letzten Tagen des alten Fab-es gewisse Aussichten für ein Eingreifen der Verein g en Staaten eröffnet, die unter bestimmten Bedingungen bereit sind, der alten Welt zu Hilfe zu kommen. Mögen sich ihnen auch noch so große Hty dennine entgegen sielten f — r-sitir. ^- ,Ma, Jät «ist2iW'H M'rderLLLLuu mitzuarbeiten, wird einen starken tnvraüfrticu $ ud aus üben. Vor Mem wird dadurch England in feinet ablehnenden Haltung gegenüber den französischen Psit- neu gestärkt. Potnenree hat es denn auch oorge.vW" seine drohende Gebärde fallen zn lassen und sanftere Törre anzuschlagen. Ohne in mmngebrachien Optnurs- mus zu verfallen, kann aber doch behauptet werdet,, daß sich ein Lichtblick für das deutsche Volk zeigt. Wir wollen deshalb den Wunsch aussprechen, daß das neue Führ uns wenigstens vor so schlimuren Enttäuschungen bewahren möge, wie sie uns das abgelausene Fahr gebracht hat, mrd damit die Hoffnung verbinden, daß es unser Volk M innerer Einigung, aus der allein die Kraft zur Wiedererhebung entspringt, führen möge, damit Fichtes herrliches Wort wahr werde: ^ ^ Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
An Deines Volkes Airfersteh'n.
Latz diesen Märchen Dir nicht rauben, Trotz Mem, Mem, was c^fcheh'n.
«nd Händekn sollst Du so, al« lange Von Dir und Deinem Tun allein Das Schicksal ab der deutschen Dinge Nud die Be-antwortuna wär Dein.
Allerlei vom Tase.
DaS lettländische Berkehrsmmisternin- bat mit der deutschen Firma Lmke-Hvsfmaim-Werke einen Vertrag über Lieferung von 40 Schmalspnrlokvmoliven abgc- fcölo^n. ^^^EEitee des Kölner Karnevals hat einstimmig beschlossen, mit Rücksicht aus die Not der Zeit von allen karnevalistischen Veranstaltungen abzusehen.
Die Zahl der «nterftühten Erwerbslose« im Reich ist im November von 24 000 auf 42 000 gestiegen, und zwar die der männlichen von 19 000 auf 84 000 und tue der weiblichen von 5000 auf 8000. Die Zahl der Zu- schlagsempsünger hat sich von 27 000 auf 50 000 erhöht.
Prof. Dr. Kastor in Montevideo, der feine Studien- zeit im Köthener Polytechirikum verbracht hatte, bat der Kn statt 4000 Pesos (10 Millionen Mark) zur Verfü- zung gestellt.
Der bekannte ungarische Großindustrielle Barv« Weiß von Osepel ist gestorben.
Der Staatsarchivar Otto Riedner wurde an Stelle des zurückgetretenen Dr. von Fochner zürn Generaldirektor des Staatsarchivs Bayerns ernannt.
Die Ernennung des bisherigen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, v. Haniel, zum Vertreter der Re-chs cegterung in München mit der Amtsbezeichnung Gesandter wird jetzt offiziell beEiUinuwtpbcu.
Wochenschau.
Das Fest der Liehe und des Friedens ist nun vorüber. Den Frieden hat es nun auch diesmal nicht gebracht. Möge wenigsten# aus ihm nach und nach die Liebe keimen, die Liebe unter den Volksgenossen und unter den Völkern der Welt. In seiner WeihnachtS- botschaft hat der Reichskanzler in kurzen, aber beher- zigenswerten Worten von der View und Gerechtigtei, gesprochen, die Sen Deutschen und den Völkern untereinander nötig sind. Der Dienst am Frieden des deutscheil Volkes und der Welt sollte die Gabe sein, die wir unter den Christbaum legen sollten. Nud wenn auch uns das Weihnachten 1922 noch nicht die Erfüllung bringen könne, so sollte w doch wenigstens eine dringende Ermahnung zum Frieden sein. Zeitige Liebe von Menschen au Menschen, von jedem einzelnen zum
Siächsten und Fernsten, die täte uns jetzt vor allem not Rein menschlich und unpolitisch sollten wir in unserer Pflichterfüllung werden. Das ist nach Cunos Ansicht wirklich national, denn national fein heißt vor allem, Liebe zum Volk haben und an feiner Versöhnung arbeiten. „
Zu gleicher Zeit ist die Enzyklika -es Papstes „De areano coeldt" an die Völker der Welt gerichtet worden. Auch hier eine ernste Mahnung: »ExpectaviSmus lacem, er non erat bonum". Um den Frieden hat Europa wohl in unzähligen Koufereuze« beraten, aber den wirklichen, den rechten, die erlösende Zauberformel, hm bis jetzt noch keine gefunden. Ob es die Pariser wird? Wer kann es wissen? Das, was jetzt von der Lerne während der stillen Weihnachtsfeiertage gekommen ist, klingt noch nicht wie Frieöensevangeliumsakkorde.
Der Papst weist in seiner Enzyklika, die vom himmlischen Heilmittel redet, auf den Klasiertkampf hm, der noch in allen Ländern tief eingewurzelt ist und die tödliche Krankheit der menschlichen SeicUfcban bildet Er vergleicht ihn in einem charakteristischen Bilde mit rrrem Voo.w- ,m/ oer oe, .evrnsnerv des >^tjn zer nagt. Er weist ferner auf die beängstigenden geistigen Schade» des Krieges hin, vielleicht viel schlimmere und verhängnisvollere als die wirtschaftlichen. Mir beachtenswertem Freimut kennzeichnet er den Frieden von Versailles in wenigen, aber umso treffenderen Worten. Er nennt ihn einen verfälschten, der nur auf dem Papier beschlossen worden fei und den Geist der Rachsucht noch mehr verschärfe. Wer denkt da nicht an die Ausführungen Nittis in seinem „Niebergaug Europas"? Auch dort stellt der einzige Kriegs verbündet der Entente den Ver- sait-er Frieden als ein Monstrum der ®et /nafeit und Rachsucht hin. .
Die Enzyklika des Papstes ist nicht nur an die Katholiken, auch nicht nur an die Christen überhaupt, fvndern an alle Völker der Erde ohne Unterschied der Re ruvn gerichtet. Und wenn der Papst auch in feiner Enzm na zuletzt die These besonders hervorhebt, daß der w^re Völkerbund nur das Christentum fein sönne, so wg das auch nicht tendenziös falsch verstanden werden. Er null damit nur die Mächte, die ganz besonders am wr b;.ru stentum pochen, wie Frankreich und England, dara - erinnern, daß die wahre Versöhnung, der wirkliche ^ riefe nur aus der Liebe untereinander kommen könne, die gerade das Christentnm ganz besonders predigt.
Vergleicht man den Friedenschluß von Periwlles des Fahres 1919 mit dem von Paris im Faüre 181a, W f- umt man allerdings zu dem Schluß, daß die Enzylnta des Papstes eine große politische Wabrnerr enthalt, ^le beiden Riefenkrstge, die diesen beiden Fr>edensfminsien voransgegangen sind, fordern geradezu zu cmein Vergleich heraus. Damals hatte Ravoieou ganz Emnpa durch blutige Kriege ins Elend aestürzr, und mchi er allein trug die Schuld, sondern auch das ganze französische Volk, das mit Begeisterung an den unpoiralMi- üben Siegeszügen seines Fmperators te-lnahm. Und trotzdem, wie glimpflich am es stramm! st e-,Grenzn von 1790 und 500 Millionen Entschädigung, das war du einzige Strafe, die der verbrecherische Liege summst Frankreichs erleidet mußte. Und dem Wiener Kongrey und dem Pariser Frieder?- sistutz wohnte TaMeraud a.y gleichberechtigter fZcrtreter Frankreichs aum um von Aber die Heilige sturanz, die angeb: d) icakmurai war, da sie von den drei Siegerfürsten gearnubet worden war ging von dem Stau*/mvit der dnif’liWvu vue< aus. «u war eigentlich ein religiöser Akt. Ganz anders oer Fr-edeus,chlutz von Versailles 1919. Da Janen Demo- kratien am Mouferenstisch, aber neben ibnen der Plan- kratismus. Da war nicht von Liebe und Gerechtrgttu die hiebe, sondern von Stäche und Vergeltung. Und doch war der sogenannte deutsche Fmpermlismus der angeblich von den feindlichen Völkern bekämpf! weraeu sollte, harmlos gegen den französischen Vvnaparras. Und deshalb konnte aus diesem Gewalt und Vintinebai nur neue Gervali per . : gehen, die neue KrregSgefabi eu in sich barg Der Friede von 181 \ der reakttoltür genannte, beachte wirklich Europa den priesen - Fahr- zehnte hindurch. Der Friede von Mü aber, angeblich de der Völferirctbeit und Gerechtigkeit, oat der Welt nur neues Elend gebradn. das eine Fortsetzung des uri^ aec elber ist. Solange nicht dieser Versaitter V riuch- MugSfriebe in einen neuen Versöhnuugsfrieden umge- wandelt wird, in ei-en solchen, wie ihn die papm zm Enzatlika verlangt, olange wird man in Europa man von Frieden und Ge i gkeit reden können. ü. Nt.
PomeareLS SchüchMg.
Sind Paris wird gemeldet: Der frauzösikche A«- traa auf iokortiLe SeitiieUuaa des deutsche« Versageus