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Schlüchterner Zeitung

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BrfSbn« Ban? Schlächtern, F-rnsprechrr Nr. 65.

LirrMsperre erlischt jede Verpflichtung auf

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Schlüchtern. |

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

M 147

Samstag, 9. Dezember 1922

74. Jahrgang

DaS schon im Sommer von der Reparationskom- ittission neu anfgestellte Kohlenprogramm sieht eine Er­höhung der deutschen Lieferungen um etwa 250 000 Tonnen im Monat, 3 Millionen Tonnen tut Jahre vor. 20 Prozent aller Kohlenmengen, die über 8,3 Millionen Tonnen monatlich hinausgehen, sollen atme liefert werden.

Im bayerischen Landtag trat der Abg. Held energisch für eine sofortige Abhilfe der ungeheuren Zeitnngspa- riervertenerung ein.

Znm denischen Gesandten in Sofia ist der Reserent im Auswärtigen Arat Geheimrar Rümelig ausersehen.

Noch 5 deutsche Kriegsgefangene befinden sich in französischer Gefangenschaft in einem Fort von Toulon. 22 sind in der letzten Zeit entlassen worden.

Die älteste deutsche Zeitung Südtirols, dieBoze- ner Zeitung", hat im 82. Jahre ihres Bestehens wegen sinanzieller Sduvieriafeiten zu erscheinen aufgehört.

VSchCNschau. .

Die Lausanner KouFrenz beginnt merklich ins Wan­ken zu geraten. Sie ist so wie so nicht auf festem Boden üufgebaut, und man wußte im Voraus, daß fein Sturm dazu gehörte, um dieses krampfhafte Friedensgebäude umzuwerfen. Nur ein gewöhnlicher Windstoß genügt schon. Er ist jetzt von türkischer Seite gekommen. Die Meerengensrage, so leicht lösbar sie für ruhig denkende diplomatische Köpfe auch fd etnt, macht doch so große Schwierigkeiten, daß sie die Veranlassung zu einem Ab­bruch der Verhandlungen sein kann. Schuld daran ist England. Es will der Türkei nicht die ihr gebührenden Zugestänötlisse machen, und die Sprache, die Lord Curzon führt, ist eine merklich nervöse. Interessant ist es da nun zu beobachten, wie sich Frankreich zu dieser Frage stellt. Soll es seine turkophile Politik weirertreibe»- Dann macht es sich Errgland zum Feinde. Soll es dem eng­lischen Bundesgenossen treu zur Seite stehen? Dann macht es sich nicht nur die Türkei zum Gegner, sondern es kann auch eine Einbuße von 2 Milliarden Franken erleiden, denn vor dem Kriege hatte auf dem Gebiete der heutiger: Türkei Frankreich teils in Form von Anleihen, teils in wirtschaftlichen Hutcfimlmun'aen diese hohe Summe investiert. Kein Wunder, daß den Frcknzosen die tiaujauuer -Konferenz, mit ho uuti.Äe ä^v -*^i keine Freude bereitet und daß sie sie am liebsten

Sande verlaufen lassen möchten. Ebenso ist es mit der bevorstehenden Londoner Konferenz, zu der Frankreich nur widerwillig geht. Bou ihr verspricht es sich blutwe­nig, müßte es fielt nicht um deutsche Interessen Handelu, die es am liebsten eigenmächtig nach seiner Art lösen möchte. Und deshalb will Poinearee die Londoner Kon- serenz nur als eine Art Vorkonferenz von Brüssel be- ttachtet wissen. Auf ihr sollen nach seinem Wunsch und Willen nur ganz bestimmte Fragen nicht gelöst, sondern nur formuliert werden, von denen dann die Brüsseler Konferenz überhaupt abhäugig gemacht werden soll. Also auch hier wieder ein möglichstes Sinausschlerwen oder Unmöglichmachen unliebsamer Konferenzen.

Frankreich liegt gar itieffts an einer gefunden Lösung der Reparationsfrage. Um das deutsche Pariergeld ist es ihm so gut wie gar nicht zu tun, wenn es auch immer so tut, als ob es der betrogene Gläubiger wäre. Ihm kommt es nur darauf an, Deutschland völlig zu zerrütten, wirtschaftlich wie politisch. Das beweisen ja wieder eitl- mal am deutlichsten seine sogenannten Sühtteforderrm- gett, die nichts als Erpressungssorderungeu sind. Die Blutsummen, die es für Panau und Jngolstadi ver­langt, können in ihrer unverschämten Höhe unmöglich von Deutschland aufgebracht werden. Das weiß Frank- reidj. Auch findet dieses Diktat nicht die geringste Be­gründung durch den Versailler Vertrag. Der bayerische Landtag hat gegen diese neueste frmtwfitoe Erpresser- taktik einmütig protestiert, und die Ministerpräsidenten, die sich soeben in Berlin mit dem Reichskanzler über we­sentliche Finanz- und Wirtschaftsfragen besprochen ha­ben, machten ebenfalls gegen die sogenannte Sühnenote Poincarees energisch Front.

Frankreich wird stets nervös, wenn es sieht, daß Deutschland nur einigermaßen anfangs, sich zu erholeu. Wirtschaftlich steht ja Deutschland allerdings vor dem Bankerott ober vielleicht sogar schon mitten drin. Aber wenn ihm vom guten Willen des Auslandes nur eini­germaßen Hilfe kommt, so kann es sich aus dem Sumpf doch noch, wenn auch mühsam, herausarbeiteu. Seine in­nerpolitischen Verhältnisse haberr jetzt wieder trotz aller Not einen etwas ruhigeren Charakter angenommen. Das Recht fängt wieder an, in Deutschland zur Geltung zu kommen. Das hat auch der Vorsitzende in dem Leip­ziger Scheidemann-Prozeß ganz besonders hervorgeho­ben. Er hat den beiden jugendlichen Angeklagten, die geradezu in unglaublich gewissenloser und leichtsinniger Weise einen politischen Mord begehen wollten, mit Ent­rüstung ins Gesicht gesagt, daß es geradezu von einem Zynismus ohnegleichen zeuge, wie diese unreifen Bur­schen mit einem Menschenleben umgesprungen seien. Aber Mtm Glück sei jetzt dieser fanatische Attentatswahn­sinn vorüber, und die Rechtsordnung beginne wieder in Deutschland Boden zu gewinnen. Und gerade, daß die­ses erkraukte Deutschland mit seiner bekannten Zähigkeit sich zur Gesundung emporarbeiiet denn Deutschland ist trotz alledem und alledem immer noch ein kerngesun­des Land, wie Heine sagt, gerade das ist unserem west­lichen Nachbarn unliebsam. Wir können seinen frivolen und völkerrechtsverbrecherischen Angriffen nur dann festen Widerstand leisten, wenn in Deutschland wieder, die Achtung vor Recht und volii^cher Ueberzeugung ge­deiht und sich so trotz aller parteipolitischen Meinungs- > Verschiedenheiten nach außenhin eine feste Front bildet.,

M

Derkefirsfraaen im Retdjstage.

192. S

Im Reichstage wurde z bekarmtaegeben, daß zwölf Abgeordnete infolge der i rrschlesischen Wahlen aus dem Reichsparlament ausscheiden, und daß zwei neue dafür eintreten. Die sozialdeuwkrattsche Interpel­lation über die Steigerung bet Lebensmittelpreise soll, wie ein Regierungsvertreter mtstellte, in der nächsten Woche beantwortet werden. Der Gesetzentwurf, der die Kündigungsfristen für bte verlän­gert, wurde dem sozialpolitts chutz überwiesen, nachdem der Arbeiisminister esen hatte, daß in Deutschland 35 000 Schwerbeschädigte vorhanden sind, von denen etwa 9000 dauernd arbeitsunfähig sind. Der Reichstag setzte dann die zweite Lesung des siebe«-

ten Nachtrags zum Haushaltsvlaue fort, und «erkehrsmiuisterinm. Bei den Abteilungen f stratzerr und für Lust- ««d Krastfahrmes Kommunisten Beschwerde über die Entlc Heitern. Darauf wurde der »ksterkums genehmigt. Die des ReichswahlgesetzeS, die

Waffer- rten die von Ar-

Das beste Weihnachtsgeschenk ist das Schlüchterner Heimatbvch Doesgedttttken

von Georg Flewmig.

DerZ «iespruch" schreibt: Ein Heimatbuch von köstlicher Art. Ich bin noch niemals in der Gegend gewesen bet Schlüchtern, aber ich habe sie liebgewonnen durch das Buch Uyd darüber hinaus: die liefen Gedanken von Hei^ und Heimat, von Arvet». wo Aetern, von «Pernerav» mw Familie/

Leben und Sterben, alle Hingen sie an, mah­

nend und tröstend zugleich. Möchte das Buch weit­hin wirken. Die buchkünstlerische Durchbildung ist bewundernswert I

Preis; gebunden 240. Mk., zu haben in den

1070

hresigen Buchhandlungen.

Neuwerkverlag Schlüchtern / Habertshof / Elm.

Neue knWMhMMWeschWe.

»*$)tcVoss. Btg." lneldet aus Berlin: Die Verhand­lungen unter den stiliierten über das Entschädignngs- problew treten in das Stadium ihrer Entscheidung. Die Reichsregierung hat daher eine engere KommisMon aus den Reg erungsmitgliedern gebildet, die unter Vorsitz des Reichskanzlers neue Reparationspläne vorbereitet. Sie ist mit tzervvrrageuöcn Vertretern der deutschen Wirtschaft in Verhalldlungerr eingetreten, r'.ln die In­dustrie für eine Mitwirkung an dem neuen Reparauous- plalt zu gewinnen. Die Verhmtölungen sind unter streu- ger Währung der Vertraulichkeit geführt worden und übrigens bisher auch noch nicht abgeschlossen. Der Hauptgedanke werde der sein: einerseits aus dem Wege der Verhandlungen mit den Alliierten z« einer Begren­zung und Renseftsetznug der Entschädiguttgsverpflichtuu- gen Dentschla; ds z« gelangen in einer Höhe, die der jat- ' sächlichen Lei st »«sfühiMeit Deutschlands angepaßt wäre, andererseits durch graße Finanztransaktionen Zahlun­gen an die alliierten Gläubiger, vor allein Frankreich, in erheblichem Umfange und in ganz kurzer Frist zn bewir­ken. Es war die Rede von einer ausländischen Aule He in Höhe von 2-1) Milliarden Goldmark, die zum Teil auf Reparntionskouto geleistet, zum Teil zur Stützung und Smbilisierung der Mark verwendet werden sollte. Der Zinsen dienst für diese Arrlethe sollte von der Industrie übernommen und garantiert werden. Ausftiürl che Er­klärungen wird vielleicht der Reichskanzler in der Sit­zung des Auswärtigen Ausschusses abgeben, die für Sonnabend anberaumt worden ist.

Mussolini für Herabsetzung der Zahlungen.

'>^ Dem faszistischerrGiornale de Roina" zufolge wird Mussolini in Lvnoen die Herabsetzung der deutschen E»t- schädigungszahlungen auf eine vernünftige Höbe vor­schlagen, unter der Voraussetzung, daß gleichzeitig Ame­rika und England die Schulden Italiens entsprechend ermäßigen.

Warimng Amerikas.

Staatssekretär Hughes hat, wie in Londoner politi- schell Kreisen verlautet, durch den englischen Botschafter in Amerika der englischen Regierung mitteilen lassen, daß Amerika zu der bevorstehende» Brüsseler Konferenz sich zurückhaltend stellen müsse angesichts des peinliche« Eindrucks, den die bisher bekannt gewordene« franzö- sischen Pläne auf die amerikanische Regierung gemacht hätten. Amerika würde England bei der Lösung der Entschädigungsfrage nur dann unterstützen können, wenn diese nach friedlichen wirtschaftlichen Gesichtspunk­ten erfolge, In politischen Simsen glaubt nuuu daß die Reise des englischen Botscimfters in Berlin mich Landen . im Zusammenhaitgj. mit der amerikanischen Mitteilung steht.

flnuaOwig der Steuern an die Geldentwertung.

Am Steuerausschuß des Reichstages betonte der Reimsnnanzmintster Dr. Hermes die Notwenb gkeil einer Anpassung der Steuern an die Getoenrwerullrg und die Erreichung einer schnelleren Einzahluug der Steuern. Er teilte mit, es sei beabsichtigt, diese Frage in einem besonderen Gesetz zu regeln. Allerdings werde tue Abänderung des Gesetzes über die Zwange n nie itze schon vorher geregelt werden müssen. Die neuerliche An­passung der Einkommensteuer geschehe in einem vorlie­genden Gesetzentwurf. Die Anpasiung der Vermögens­steuer und der Erbschaftssteuer soll dem GesetzwiwMrs Vorbehalten bleiben, der im allgemeinen die Auswirkun­gen der Geldentwertung bei der Steuergesetzgebung be­rücksichtigt und der in Kürze verfielest werden .wird. Weiterhin werde eine anderweitige Aenderung der Voc- sanisten des 8 5b a des Einkommensteuergesetzes, die die sogenannten Ueberteuerungsrücklage« behauoelk, in Aussicht genomllrem In weiten Kreisen werde das je luge Zahlungsoroblem als ungerecht empfunden-, da Lohn- und Gevaltsernpfänger den Lohnabzug und damit eine Einkommensteuer unmittelbar und mit dem glc Tu Gelde bezahlen, in welchem sie Lohn und Gehalt emp­fangen, während die übrigen Steuerpslichuaen Hrer Steuerpflicht erst später mit schlechterem Gelde genügen. Der Reichsfinanzminister beabsichtigt daher, ein Gesetz dahingehend zur Regelung vorzuschlagen, daß jeder Steuerpflichtige gleichzeitig mit der Steuererklärung den Betrag einzuzablen hat, den er nach eigener Steuererklä­rung schuldet. Nach der Rede des Finanzministers setzte eine längere Generaldiskusston über die Regierungsvor­lage ein.

Die aMierteu Meereugenforderirntzen.

Auf der Lausanner Konferenz gab Lord Curzorr die alliierten Forderungen in der Meerengenfrage bekannt, denen folgendes zu entnehmen ist: 1. Freiheit der HaudelssSiffaSrt ohne irgendwelche Beschränkung der Tonnage in Friedenszeiten wie in Kriegszeiten, falls die Türkei neutral bleibt. Wenn die Türkei nicht neu­tral ist, gilt die freie Durchfahrt nur für die neutralen Schiffe, sofern sie keine Konterbande führen. 2. Die Zahl der Kriegsschiffe einer Macht darf im Schwarzen Meer niemals diejenige. der._ftölitten Seemacht eines Merstaates überschreiten. Ist dieTürkei nicht neutral, so besteht die Möglichkeit der Durchfahrt nur für die neutralen Kriegsschiffe. 3. Zum Zweck der Entmilitari- sterung einer genau zu bestimmenden Zone soll eine aus je einem Vertreter der Uferstaaten, des Schwarzen Meeres, Frankreichs, Englands, Italiens, Griechen­lands und der Bereinigten Staaten bestehende Kommis­sion ernannt werdem 4. Gewährleistvng des Schutzes Konstantinopels nach später festzusetzenden Modalitäten.

Die Vertreter Frankreichs und Italiens stimmten den Ausführungen Curzons zu. Der amerikanische Ver­treter erklärte sich als Anhänger der völligen FrecheU des Handelsverkehrs. Der fugoslavische Vertreter schloß sich ebenfalls der Auffassung der Alliiertett an. 2.W- Ücherin wies sehr lebhaft Curzonr Ausführungen zurück.

Russisch-ttaire»ischer Ks«fl»t.

Die Sowjetregierung ließ in Odessa das Büro des Pester Lloyd schließen und versiegeln und drei ttalie- nische Schiffe mit Ladung mft Beschlag belege«. Die Schifte sollen frei gelassen werden unter der Bedingung, daß Italien den Sowjewertretern gestattet, auf «ormale Weise HauZcl mit Itglien z« treibe« mrd nrcht langer russischen Staatsbesitz inst Beschlag zu belegen.

^ Aus Stadt und KrNr ^

Urotest gegen die Kr«rröeste»er.

Der Sturm >er Eutrüstvng über die Gt»erbeste«er, bei zur Zeit durch alle Proviuzex Preußens zieht, fand euch in nvferem Kreise in der am Donnerstag nachmittag in der BvrnhaU« in Schlüchtern stattgestmdenm Protekverfammlvuj gegm die Gewerbesteuer einen stmken Widerhall. Herr Schuhmachermetster Schickedanz eröffnete die Versammlung, dankte für den zahlreichen Bkfnch und begrüßte die Anwe­senden mit einigen -erMchen Worten. Er legte den Zweck der Versammlung dar und erteilte hieraus dem Shvdikvi der Handelskammer in Hanau, Herrn Dr. Benz, welcher is dankenswerter Weise das Referat überkomm eu hatte, bat Wort. In folgerichtig aufgebautem Borttag führte dieser die ausmerksamen Zuhörer tu bal Gebiet der Gewerbesteuer, ihre Eutstehung, Abänderungen, Mrknugea uud Verbeffe- rungen ein. Auf das Eiukomme« aufgebaut bedeutet ste eine Doppelyeuer. Die von Verfechtern der Gewcrbesteun so gern hervorgehobtt'e Abwä!zb«keit auf d«n V?rb^auLer ist plastisch nicht durchsthrbar wegen Koukurreuz, übermäßig langem Kreditgewähren, ungleichmäßig hoher Zrschlüge usw. Eine Soudersteuer ist ste, weil »ur ei» Teil btt Erwerb stände von ihr betreff«: werden. Die KiLffeucinteckurg ti verwerflich, weil wohl die Zuschläge aber rkt: dir Grenzen der vier Klaffe» höher gesetzt werd u. Die Last dieser Steuer wird »och manchen Gewerbebetrieb ßilkges, was eine Unbedingte Gefährtung der Gemeinde« zur Folge haben wird. Es muß rastlose Beseitigung der Gewer bester er verlaugt pnhch. Ist dieses z»r Zeit nicht n-ögl'ch, so mrß

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