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Schlüchtemer Zeitung

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Falle HSHerrr Gewalt, Bet, t jede Verpflichtung auf

Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Rr. 137

ANeriei vom Tage.

Das bayerische Gesümtmiuisterinm hat eine Bekannt- machung über die Eiltzchränkung der öffentlicheir Lust­barkeiten in der bevorstehenden Karnevalszeit erlassen.

Als Höchstmaß unserer Leistungsfähigkeit bezeichnete Stresemann 1520 Milliarden Goldmark unter der Vor­aussetzung der AuOebunq der Besatzung und der ein­seitigen Meistbegünstigung.

Der Thüringer Betriebsrätekongreß fordert von der Thüringer Regierung Slnerkeunung der Kontrottaus- schüsset diese hat die Behörden aber angewiesen, keiner­lei Verhandlungen mit Vertretern der Kontrollaus­schüsse einzugehem

Der soeben veröffentlichte Reichsbankausweis zeigt ein weiteres Anschwellen des Papiergeldumlaufs um 47,6 auf 531 Milliarden Mark.

Der 8 Millionenkredit für militärische Vedürfuisie Serbiens ist von der Skuptschina angenommen worden.

In Konstantinopel herrscht große Lebensmittel- kngpvheit. .

Verfall unserer ehemaligen Kolonien

Das Versailler Friedensdiktat hat bekanntlick Deutschland seiner sämtlichen Kolonien beraubt. Die Entente begründete diesen Raub damit, die Deutschen seien selbst noch solcheBarbaren", daß sie gar nicht fähig wären, diewilden Völker" zu kolonisieren und zu zivilisieren. Man kann sich ungefähr das Lächeln, vorstellen, mit welchem diese Begründung gesagt und geschrieben wurde. Denn ernsthaft dürften daran selbst die bissigsten Deutschenfeinde unter den Ententediplo- maten kaum geglaubt haben. Man nahm aber diese Behauptung als Vorwand, uns die Strumen zu neh­men. Um so größer muß der Schmerz jedes Deutschen sein, wenn er erfährt, in welchem Verfall sich unsere früheren Kolonien befinden. Gerade in den letzten Jah­ren vor dem Kriege zogen wir schon sehr schöne Früchte aus ihnen, die die Mühen eines jahrzelm Zangen Flei­ßes darstellten. In ganz kurzer Zeit ist fast alles durch die schlechte Herrschaft der die Kolonien verwaltenden Staaten zugrunde gerichtet worden. Wir müssen bei diesen Berichten ausschließlich aus englischen. ;md iran- ;unWn Quellen nwien, die rmN'Melem Verfall ve- richten. Man kann also sagen, daß die Berichte höch­stens zu wenig geben. Niemals aber zuviel. Die mei­sten großen Handelshäuser in unseren alten Kolonien sind geschlossen. Die großen Verkehrsstraßen sind ver­ödet und werden nur dazu benutzt, die Organe der Be- satzuugeu mit den nötigsten Bedürfnissen zu versehen. Die Pflanzungen werden wieder das, was sie früher gewesen sind: Urwald, sind liefern gar keine Erträgnisse Mehr. Die Eingeborenen selbst verfallen wieder ihrer alten Trägheit und werden durch Alkoholgenuß und andere Segnungen der Ententekultur gänzlich zugrunde gerichtet. Nach einem Bericht der-Information" be­trägt die Kindersterblichkeit in Togo und Kamerun 45 Prozent. Man kann sich also ausrechnen, wann diese Länder überhaupt entvölkert sein werden. Das vor­bildliche Hospitalsnstem her Deutschen mit seinen deut­schen Aerzten und seinen farbiger: Heilgehilfen ist selbst- verstündlich auch in dieser Beziehung verfallen. Die Schlafkrankheit greift überall um sich, da rhr nirgends mehr entgegengetreten wird, und Schulen und 2Mnto= nen haben überhaupt aufgehört. Die Entente hat ge­glaubt, daß man solche riesigen Kolonien übernehmen kann, wie man die Bewirtschaftung eines feinen Land­gutes weiterführt. Das ist natürlich Nicht der Fall, sondern es gehört zur Kolonisation eine langjährige Beschäftigung mit der Psyche der Eingeborenen der ve- treffenderi Landstriche, und man muß sich auch das v>ii- HeÄ sehr mißtrauischen Schwarzen zu er­ringen wissen. Die Entente hat aber die Kolonien nur übernonnnen, um damit ein Geschäft zu machen. Das Geschäft war schlecht und ist Mioluugen. Geglückt ist Nur der Raub an Deutschland. Es ist nicht gelungen, die geraubten Länder in den wirtschastlichsn Verkehr der Welt einzugliedern, sie rentiern sich nicht infolge­dessen läßt man sie völlig verfallen Die Erkenntnis, daß marinier Deutschland unrecht ^ sich auch immer mehr Bahn. So schrieb dasJournal vi।i< ^t am^ 12. April 1920:Die Deutschen haben schulen und stvnnfentinHier gebaut . . . Das von den Drillichen K'L» eingerichtete Hilfswerk stand hinsichtlich der sanitären Einrichtungen und d^s Per- fonals zweifellos auf bedeutend ster Höhe." Aber das bÄt alles n Ä Das Friedensdiktat von Versailles be­steht zu Recht und wenn wir unsere Kolonien vielleicht einmal^nach der Revision des Vertrages, die ja kommen muß, Wiedersehen, so werden wir dort wieder von vorne Anfängen utiissem

| Die Regierungsumbildung.

B. T." bemerkt: Falls nicht unvorhergesehene Erelanisse eintreten, dürfte die Entscheidung über.die Regierungsumbildung im Laufe des Dienstags fallen, het n der Reichskmizler hat die Absicht, in der Sitzung

Reichstages am Mittwow seine programmatischen R eai erun gserklärungen abzugebert und wenn es ihm irgend'iiögUch fein sollte, die neuen Männer seines Ka­binetts im Plenum vorzustellen.

Bor einem Kanzlerwechsel?

In volksparteilichen Kreisen betrachtet man die Stelttmg des Kanzlers als stark erschüttert, nachdem so­wohl die Schaffung der großen Koalition, wie auch die iumtirtelle »inzuziehnng der Deutschen Volkspartei zur Reg eru g Wunsen sei. In den Kreisen der Volks- vartei wird sogar bereits davon gesprochen, daß der KSMMatUeiit'eüK >Mu MM MMmeE an«Sür-n»«

Donnerstag, 16. November 1922

Persönlichkeit mit der Neubildung des Kabinetts beauf­tragen und ihr in der Wahl der Minister vollkommen freie Hand lassen werde. Auch in demokratischen Krei­sen hält man einen Kanzlerwechsel für wahrscheinlich. Immerhin sollen auf Grund der gegenwärtigen Lage die Verhandlungen des Reichskanzlers mit den für die Kabinettsbildung in Betracht kommenden Parteien wei­tergeführt werden.

Der Brief Stresemavus au den Reichskanzler.

Der Brief Dr. Stresemanns an den Reichskanzler über die Stellungnahme des Fraktionsvorständes der Teutschen Volkspartei zur Frage der Regierungsum­bildung und des Eintritts der Deutschen Volkspartei in die Regierung lautet:

Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat me- mals Zweifel darüber gelassen, daß sie Bereit ist, die Kräfte der Partei für ein positives Zusammenwirken auf breiter Basis zur Verfügung zu stellen, wenn eme Uebereinstimmung über die Grundlage der Anyenpoli- nk, über die artgefichis der jetzigen Situation nötigen wirtschaftlichen Maßnahmen und über die mnerpoliti- fdjen Fragen sich erzielen ließe. Auf dieser Grundlage sind die Verhandlungen geführt worden, die innerhalb der Arbeitsgemeinschaft und mit der vereinigten Sozial- demokratie irr den letzten Wochen stattgefunden haben. Aus den: Bericht desVorwärts", des Zentralorgans der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutsch­lands, ersehen wir. daß die Vertreter der Sozialdemo- notie Ihnen Bei den von unserem Zusammensein ge­führten Verhandlungen keinen Zweifel darüber getan sen haben,daß nach ihrer Auffassung ein gememsames Programm mit der Deutschen Volksparter und damit die große Koalition unmöglich sei." .

Diese Haltung der Vertreter der Sozialdemokratte war uns bei den'mit Ihnen geführten Verhandlunger; n.M bekanntgegeben, wir hätten Ihnen sonst Bereits bei diesen Verhandlungen keinen Zwe-fel darüber gelassen, daß die Benennung von Persönlichketten bei der Be­setzung wichtiger Aemter in einem umzubildenden Reichsnumsteriums von uns abgelehnt werden müßte, ivenu diese von uns vorgeschlagenen Per,ön!in)kette!n damit gewissermaßen als außerhalb der Deutschen Vo^lsparrei steherw tuig^e^ wttveu nium-uu w verlangen vön denjenigen Persünlichkeiterc mit denen wir zufammenarbetten sollen, die feste Erklärung. daß sie bereit sind, mit der Deutschen Volksparter zusam» menzuwirken, damit die gegenwärtige unklare Lage, die ohne Schaden des Reiches nicht mehr länger andauern darf, endlich geändert werden kann. Die Schaffung klarer Verhältnisse ist eine unbedingte Notwertdigkeit. Wir können daher nicht die Verantwortung für die Bil­dung eines Ministetsiums übernehmen, das diese Erfor­dernisse nicht erfüllt.

Die Stellung der Sozialdemokraten.

Die sozialdemokratische Reichstagssrakrcon hat das Ergebnis ihrer Beratungen über die Antwort an die Bürgerliche Arbeitsgenteinschaft in einer Erklärung niedergelegt, die folgenden Wortlaut hat: Die Fraktion erklärt, daß sie an der Forderurig der Stabittsterung der Mark als der nnebtiaften Forderung der inneren und auswärtigen Politik festhält und nur ein Kabinett un­terstützen kann, das diese Politik konseauent vertritt und entsprechende Maßnahmen einleitet. Sie erblickt in der bisherigen Stellungnahme der Dentichen Volkspartei keine Garantie für die Durchführung der StaLilifierungs- aktion und damit für die Forderuna der endgültigen Lö­sung des Reparationsproblems. Die Erklärung ist un­terschrieben von Breitscheid, Müller, Wels und Dittmann.

Prüfung der deutldjen DorhOläge.

-rs-Die Reparationskommission hat, wie aus Paris ge­meldet wird, ihre erste Zusammenkunst nach ihrer Rück­kehr aus Berlin abgehalten. Es war eine nichtöffentliche Sitzung, in der sämtliche Kommissionsmitgliedsr mit Eiiischlutz des amerikanischen Vertreters mit der Prü­fung der Berliner Vorschläge und der zu ihnen gehöri­gen Sachverständigen-Gntachten begannen. Die Bespre­chung hatte den Charakter einer Vorberatung, weil die einzelnen Mitglieder auch ihre persöulichen Beobachtun­gen und Erfahrungen von der Berliner Reise zur Sprache brachten. Der augenblickliche Stand der Repa- rattonsfrage läßt sich nach Mitteilungen von gut unter­richteter Seite dahin zusaunnenfassen, daß die letzte deutsche Note die Herren Barthou und Bradbnry nickt befriedige, daß sie aber den Weg zu weiteren Verhand­lungen nicht absckueide. Der Vorsitzende der deutschen Kriegslastenkommission in Paris, Staatssekretär Fischer, ist, aus Berlin kommend, in Paris eingetroffen, und man nimmt an, daß sich der weitere notwendige Meinungs­austausch etwa in Form eines weiteren Notenwechsels zwischen den beiden Kommissionen vollziehen werde. Von einer akuten Krise in den Verbandlungen dürfte also nicht die Rede sein. Wie aus Kreisen der Reparations- fommiffion bemerkt wird, sieht man als vorläufiges End­ziel der jetzigen Beratungen die Brüsseler Konferenz an.

Die Kriegsentschädigung nnd die alliierten Schulden.

Aus Paris wird gemeldet: Am Quai d'Orsay wurde erklärt, die Beratungen der Reparationskommisfion werden voraussichtlich in 48 Stunden beendet sein. Die Konwttssion werde voraussichtlich feststellen, daß die in Berlin erörterten Fragen von dem alliierten Schulden- problem nicht getrennt werden können, und man des- halb diese auf der Brüsseler Konferenz zu oebaudeüi beabsichtige. Die Brüsseler Konferenz hätt man am Quai d'Orsay für gesichert.

Kompromiß für Zwangsmaßnahmen.

»^Sttt ^einem Variier Artikel derPräger Ppejse"

74. Jahrgang

schreibt Millet, er habe angenommen, ocm oas engaiwe Mitglied der Reparationskommission aus Berlin mit dem Eindruck abgereist sei, daß sich die deutsche Regie­rung über die Alliierten lustig gemacht habe und daß die von Frankreich in Aussicht genommenen Zwangs- matzuahmeu unvermeidlich seien, wenn Deutschland fortfahre, die Finanzkontrolle abzulehnen. Millet setzto hinzu, der französische Delegierte Barthou sei mit dem Mudruck zurückgekehrt, daß die definitive Herabsetzung der deutschen Schulden und zugleich die Bewilligung ei­nes langfristigen Moratoriums unvermeidlich ^i und daß beide Fragen auf der Brüfseler Konferenz erörtert werden müßten. Millet meint weiter, daß auf Grund dieser beiden Anschauungen sich ein Kompromiß vorbe- reite, wozu England Zwangsmaßnahmen zustimmen würde, wenn Frankreich die deutsche Schuld reduziere. Frankreich würde zustimmen, daß die deutsche schuld reduziert werde, auch wenn die Annullierung der intern alliierte« Schulden nicht erfolge. Millet schließt seinen Artikel mit dem Hinweis daraus, daß das. rranzomch- englische Kompromiß in der Sache bestehe, iedoch durch persönliche Schwierigkeiten bedroht sei.

Neuer Vorschlag an die Repko.

Wie aus Berlin gemeldet wird, hat sich die Reichs­regierung in einer Kabinettssitzung mtt dem Repara- tionsproblem beschäftigt. Da dre Reparationskomml,- fion erklärt hat, daß sie auch w^er noch Vorichlage ent­gegennehmen werde, hat das Rerchskabmett den B^ schtutz gefaßt, aus Grund der Sachverständigengutachten mrd im Rahmen der bisher bekannten Richtlimeu einen fest formulierten Borschlag nach Paris z« senden, -t ie Reichsbank wird sich dazu bereit erklären, sich^mrr^eraem großen Teil ihres Goldbestandes an der Aktton aur Stabütsiernng der Mark zn beteiligen.

^DasB. T." berichtet: Der Inhalt der deutschen Note ist aufgebaut auf dem Ergebnis der Beratungerl des zweiten Äusichustes, der seine Verhandlungen am ^onn- taa abgeschlossen hat. Wie weiter bekannt ivrrd, wrccyt die deutsche Regierung den Wunsch nach -luer^endG^ ^ che RMweni-gteu eines .mehrjährige« Morat^ums für die deutschen Bar- und sachlreserungeu au-.

DerLok.-Auz." reilt mit,.soweit er uutttrichtet 'esi verspricht die Regierung Steigerung der Produkt,o«, Ersparnis im Beamtenkörper und Amuahme cmcr nere« Auleihe. Dasür nurd von deuticher «elte die end-, gültige Regelung des Reparationsproblems aeiotöert, Wenn das nicht möglich fein sollte, ersucht ine Recchsre- gterung um ein drei- bis vierjähriges Moratorium»

DieV. Z." berichtet noch im ein "inen über den In­halt der Note: Die Reichsregierung hält eme drei- MH vierjährige Befreiung von allen Barzahlungen auf R^ ÄSM «t Ä K S K'ä»MäW die Sachlieserungex fortzuietzen, soweit sie ohne Jnaw

den Schulden durchsührbar sinö. R» /wem^WMeren Zeitpunkt, wenn die Stabrllsteruncchakttou sich ausge- wirkt habe, könne eine besondere Anleihe für die, Durchs führnng der Sachlei^nnge» »um Zweck des ^3^^ naueö erfolgen. In der Rote ist ferner die Rede von der Aufnahme einer Anleihe, auf der die Barzahlungen auß RevarMonSkouto bestatten weichen kllen, wenn dce Wirkung des Moratoriums inM ^^^ T S

Mark

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Zusammentritt der Reichstages.

265. Sitzung.

Der deutsche Reichstag trat nach einer, mehr als 14- tagigen Pause wieder zu einer Ultzung zummmen. Die Vollsitzung war nur sehr schwach beiuchl.,, Ern Antrag des Reichsministers des Innern auf Ertecmng dsr G^ tcehmigung zur Strafverfolgung der A'/gg. sjoueiu, Fröhlich, Koeue« (Komm.). Dr. Moles und Zubcül l«oz.» wegen Verhinderung von rlbgeoröneteu an der Aus­übung ihres Marrdates wurde dem Geichailsordnuuü^- ausschutz überwiesen. Es handelt sich hier um Vorgänge am Tage der Ermordung Rachenaus. als fub tm Reichs- tagösitzungssaale vor Beginn der Sitzung einige Zwi- N^SS^Ä kleine Gesetzentwürfe gingen an die Auöichüsse. Dann vertagte sich das Haus. Der Präsident schlug vor, die nächste Sitzung Dienstag abzuhalten. Aus der Tages- orduuna steüeu u. a. eine Zentrumsinterpellation über L Ä der deutschen Wissenschaft. Ein Arrtrag Schulz Bromberg (du.), die Entgegennahme einer Erklarnng der Reichsregiernna auf die Tagesordnung zu Ktzen. wurde gegen die Stimme der Rechtsparteien abgelehnt.

Aufstieg.

Lang und steil ist der Pfad, der uns zu Bern Gipfel hinatlfübrt." Bitter klingen dem Ptenschcu tue J^orte,. die ihm der alte Hesiod in seinenWerken und Lagen zürnst, ach, und süß würden sie uns Teutschen errungen, wenn wir sie endlich, endlich uns zurusen könnten! Wa­ren wir bod) überhaupt erst auf dem Pfade, der zum LipfttJstüWsÄtttz^w.eM auch ganz tier untern