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Kreisblatt

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t Erscheint 3mal wSchentl. Drahtünschr.: KreiSblatt Schlüchtern. r :#m4 n. Berlag Fa. L. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. h LGchMleit. H..L. Hohmeister, Schlüchtern. tSrschiiitsstear «rei- | z^ üderßr. 9.Jm Falle höherer «-walt, BerciebSstSrn», ,d. j ^Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Uchadenersatz. | ^waete Lo»«*sv« vs»«r»LD ®mMw c«»® «»« «wwwcr k m «errate« »««»«»» siWe»«:

__Amtliches Organ -für Stadt und Kreis Schlüchtern

St. 122 Donnerstag, 12 Oktober 1922 74. Jahrgang

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Infolge Ausbleibens der Berliner Post kann dieSchlüchterner Zeitung" heute nur in be­schränktem Umfange erscheinen.

Der Vertag.

Ias KeparaLionsproötem.

Eine neue deutsche Wisderaufbaugruppe.

Wir MeVoff. Ztg." melket, fand in der Hamburger Börse eine Besprechung hamburgischer und «srdde»ts4rr Intvstrirller statt wegen Errichtung einer neuen deutsch- ftaazöfischen Wiederaufbau grvppr für Hamburg und Nord- deutschland. Mit frauzöstschen Mandataren ist bereits in Parts verhandelt worden uud zwar soT die Gründung einer Interessengemeinschaft beabfichiigt sein. ES soll gleichzeitig ist Aufnahme von 600 Millionen Franken in Betracht kommen. Die Gründung der Jntereffengemeinschast soll eine weitere demnächst stattfindende Versammlung vorbereitm.

Amerika und die Londoner Wirtfchsftskonferenz

Nach demNewyork Herald" ist die amerikanische Rs gierung überzeugt, daß der Zeitpunkt zu seinem ernsten Ver­such gekommen sei, die Wellfinanzeu wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Die Regierung werde sich deshalb wahrscheinlich an der Londoner Finanz- und Wirtschafts- konstrenz und an der hierbei erfolgenden Abstimmung beteiligen. ,

Die Frage der interalliierte« Schulden.

Senator Lodze hat irr Newyork eine Rede gehalten, in der er inbezug auf die interalliierten Schuld « erklärte, daß die Vereinigten Staaten ihre Schuldner ersuchen würden, in angemeffeser Form Bürgschaften zu leiste», während Amerika für die Rückerstattung Bedingungen von we--gehender Groß- hürzizkrit g-Witzren werde. Barchsu chLt. a. Stelle MWL den Vorsitz in der Reparatiouskommiifion übernommen.

Äus der Heimat

Geldentwertung und Kutsüöergaöe öezw. Gröverträge.

Durch die heutige Geldentwertung sind jene schwer be­troffen, dir Verträge abschlossen, in welchen das künftige Erb­teil in Geld festgelegt wurde. Es handelt sich meistens «m Nachlaßauseinandersetzunge« des noch überlebenden Ehegatten nach dem Tode des anderen Ehegatten mit seinen Kindern. Jedoch entstanden derartige Fälle auch durch bereits vor­handene Testamente, Uebcrgadeverträge u. dergl. Sehr kraß treten diese Fälle insbesondere dann in Erscheinung, wen» es M um Teilung von Grundstücken (landwirtschaftlichen An­wesen, Häusern, Mobilar usw.) handelt, welche dem den- Lmdwirtschafts- oder sonstigen Betrieb Uebernehmenden gegen misprecheude Zahlung des Erbteils tu Geld an die übrige« Erbberechtigten überlassen werden. Es seien hier diejenigen Verträge besonders ins Auge gefaßt, die vor oder während

des Krieges abgeschlossen wurden und erst nach Eintritt der Geldentwettnus zur Ausführung gelangen, weil sie z. B. bestimmen, daß die Teilung zwar sofort tu Kraft tritt, die Auszahlung der Erbteile jedoch erst nach Eintritt des Todes des noch überlebenden Ehegatten erfolgt. Die Fälle liegen daher meistens so, daß der Vertrag in einer Zeit abgeschlossen wurde, als noch keine Geldentwertung eiagetreten war, der in Geld festgesetzte Erbteil bestand in Goldmark. Die Aus­zahlung des in Goldmark festgesetzten Erbteils erfolgt jedoch angenommesüdie Auszahlung war auf 1. April 1922 fällig iu der entwerteten Papiermark.

Diejenigen Erbberechtigten, die in Geld abgefunde« wurden oder noch werden, erhalten daher eine nach den heutigen Verhältnissen lächerlich kleine Summe, während auf der an­deren Seite jener oder jene Miterberr, die den landwirtschaft» Häfen oder sonstigen Betrieb übernommen haben, ein 60 bis 80faH?s, mit der Geldentwertung täglich größer werden­des Vermögen erhalten. Schwer sind die Fälle, in welchen minierjährige Kinder und solche Personen benachteiligt' werde», die nach einem arbeitsreichen Leben durch Krautheit oder sonst verursachte ArbeitSnufähigkett unter Zuhilfenahme des Erbteils ihren Lebensunterhalt fristen wollen. Diese Leute, sowie die Mündelkinder fallen dann zumeist der öffevt» lichen Unterstützung zur Last, weshalb es im öffentlichen Interesse liegen wird, wenn diese öffentlichen Unterstützuugen erspart oder wenigstens vermindert werden könnten. Meistens ist eine friedliche Einigung unter den Beteiligten nicht her» betzuführen, d es bedauerlicherweise an der «ölige« Einsicht und dem Verständnis mangelt.

Es wird daher von vielen Seiten beklagt, daß bis jetzt zur Abänderung dieses unerträglichen Mißverhältnisses nichts geschehen ist. Die Regierung und die Abgeordnete« sollten sich dieser Sache annehmen, um ähnlich wie die Pachtschutz- sLdnnuge« des Reichs vom 9, Jnni 1920 (R^G-Vl. Sefts 1193) hinsichtlich der Pachtverträge geschehen, auch hier den gegenwärtigen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Und zwar müßte der Grundgedanke des Gesetzes der sein, daß alle der­artige« Verträge, die z. B. erst »ach dem 1. Ja«. 1919 (Stichtag) zur Ausführung gelangt find oder asch gelangen werden -ezw. zur Auszahlung fällig Wurden oder noch werde«, auf Antrag einer Nachprüfung unterzogen und die Erbteile iu ein richtiges Verhältnis zum Gesamtvermöge« gebracht werden. Die Zahlung der dadurch festgestellte« Ergänzuugs- beiträge wird insbesondere den Inhabern von landwirtschaft lichen ober sonstigen Betriebe« nicht schwer fallen, da die Erträgnisse aus dem Vermöge« der heutigen Geldemwertung im Preise angepaßt sind. Auch die Betroffenen werdeu gut tun, sich an den Gesetzgeber (Reichstag «nd Landtag) zn wenden.

Borausfichtk. Witterung. Aar 12.10. (Douuersmg): Wolkig, zeitweise heiter, kühler, etwas Regen. Abend vielfach heiter.

Am 13. 10. (Freitag): Ziemlich heiter, meist trocken, Nacht kühl, Reif, Tag ziemlich angenehm. Früh kühl.

* Zeitbilder (Vom Herbstwetter.) Kühler werde» jetzt die Tage, seit der Sommer sich geneigt und der Herbst sich wie gewöhnlich mcht von bester Seite zeigt, seit die Sonne täglich früher hinten« Horizont verstatt und die Nacht vielleicht in Kürze schon die ersten Fröste bringt. Morgens bläst Dir auf der Straße, wenn Du aus dem Hanse gehst, gleich der Herbflstnrm um die Nase, daß Du kaum noch grade stehst. Deine Maatelecken schweben flügelgleich um Dich herum oder biegen sich beim Gehen zwischen Deinen Knieen krumm. Sistg pfeift es um die Beine. Manche junge, chik« Nymphe flucht im stillen wie du Türke über ihre dünnen Strümpfe wenn sie auch dabei natürlich freundlich lächelnd um sich schaut, denn sie weiß, im andre« Falle wird sie nie im Lebe« Braut. Meistens pflegt sich bann daneben ei« Gemisch von Schnee und Regen glitschig kühl wie nasse Wäsche noch aus Dein Gesicht zu legen. Deine Stirfelsohlen rutschen zweimal aus bei jedem Schritt. Ins Büro und in die Wohnung bringst Du Schlamm und Unrat mit. Deine Fensterscheiben zittern, wenn der Wind dagegen faucht, kalt und feucht find alle Räume und der Ose« stiakt und raucht. Schnupfen, Reißen, Gicht und Huste« plagen täglich Dich von neuem, nur den Arzt und auch des Dichrer kaun ein richtiger Herbst erfreue«. Walter-Walter

* Schlächter». (Personalien.) Vom Finanzamt Schlüch­tern wurden der Obersteserfekretär Dr. Brechling an das Finanzamt Rüdesheim und der Steuersuperauvrerar Friedrich an das Finanzamt Pforzheim versetzt. An das hiesige Finanz­amt würben versetzt Obrrsteuersekretär Schröder vom Finanz­amt Rüdesheim und Steueraspirant Schmotter vom Finanzamt Taffel-Stadt.

* Franks»rt «> M (Taschendiebe aas der Messe.) Am Montag würben im Messetrabel i«««rhaib zwei Knaben acht goldene Uhren gestohle«. Am Hasptbahnhos gelang es einem Kciminalbeamte», einen Osigalizier aus fristet Tat zu erwischen, als er einem Meßsremden die Uhr aus der Tasche bugsieren wollte. Der Dieb gehört einer internatio­nalen Bande an.

Amtlicher Teil.

J.-Rr. 9422. Mit Bezug aus meine Versüguug vom 14. v. MtS. Nr. 8585 Amtsblatt für den Kreis Schlüchtern Nr. 80 von 1922, erinnere ich die Ortspolizei« bebördm an die Vorlage der Anträge aus Ertellnug der Wauvergewert-sch-ine fite daS Jahr 19*8.

Schlüchtern, den 6. Oktober 1922.

Der Landrat. J. V.: Schultheir.

In der Gemeinde Mosbach, Kreis GerSseld, ist die Masl- und Klauenseuche wieder erloschen.

Schlüchtern, den 9. Oktober 1922,

Der Landrat-

Der funüe in Pulverfaß

Von M. Scheller.

5] (Nachdruck verboten )

Kannst ja am Ende die Suppe auslöffeln, die dir der andere eingerührt hat 1" rief sie ihm im Fortgehen noch zu.

Barner aber hörte nicht mehr die losen Reden, er ging seines Weges wie im Traum. Tratte er deshalb kein Glück bei der Eoe, weil ihm ein anderer schon zuvor- gekommen? Aber die Eve, sie war ja noch das halbe Kind, dem er ja noch kaum von Liebe zu sprechen wagte; dünkte sie ihm doch wie eine kleine Heilige, der er einen Altar in seinem Herzen gebaut, und nun denken zu müssen, daß da einer schwelgte, wo er anbetete, daß einer, wie der Baron, das Mädchen zum losen Spiel gebrauchte; dem die reinsten Gefühle feines Herzens gehörten der Gedanke konnte ihn rasend machen er mußte sich Gewißheit verschaffen, Gewißheit um jeden Preis.

eines der hübschesten Häuser im ganzen Ort war das des Maschinenmeisters Bertuch; mit dem blumenge- schmückten Borgärtchen, das ein zierliches Eisengitter von der Straße schied, und den am Haus sich emporrankende,l roten Kletterrosen war es fast anzusehen wie eine der Villen, die die Oberbeamten des Werkes bewohnten, und auch die innere Einrichtung des Hauses zeigte, daß der Mafchmenmeister Klaus Bertuch ein Mann war, der Sinn für das Schöne hatte und viel auf eine hübsche Häuslichkeit hielt.

Nach dem frühen Berlust feiner Frau hatte er nie wieder an eine Verheiratung gedacht, sondern zur Er­ziehung seines einzigen Kindes, der kleinen Eve, eine entfernte Verwandte, eine Witwe Brigitte Müller, in sein Haus genommen. Und er hakte es nicht zu bereuen «ehabt, sein Wohlstand mehrte sich unter den rührigen Händen der tüchtigen Frau, und Eoe, die sich zu einem bljtz- jAHbtfH Mädel entmictcU hatt», war der gange öt#y

des Vaters; und es war ihm darum die kleine Schwäche zu verzeihen, daß er mit der Tochter, wie sie im Orte sagten, hoch hinaus wollte.

Da war nun ein entfernter Verwandter feiner Frau, Ernst Frank, als Ingenieur hier an das Werk gekommen, dessen außerordentliche Tüchtigkeit und Klugheit ihm eine rasche^ Beförderung verhießen; den hatte er zum künfti­gen Schwiegersohn ausgesucht, und es machte ihm darum wirklich Kummer, daß weder Tochter noch Vetter Gefallen aneinander zu finden schienen und Miene machten, feinen schönen Plan zu verwirklichen.

Die Eve war freilich «och ein Kindskopf, aber er hatte schon dem Herrn Pfarrer Auftrag gegeben, sich nach einer guten Pension für die Tochter umzutun, dann konnte man ja immer noch nicht wissen, was kommen würde, der Ernst war eben von anderer, feinerer Art.

In der gemütlichen Wohnstube saßen am sauber ge­deckten Tische nach eingenommenem Abendbrot der Haus­herr und seine Verwandte, Frau Müller, einander gegen­über; der Tochter Platz war schon wieder leer, die hielt ja nimmer lange an einem Flecke aus. - Der Maschinen­meister schien ernsten Gedanken nachzuhängen, und Frau Brigitte störte ihn darin nicht; wußte sie doch, daß er schließlich mit dem, was ihn drückte und geistig beschäftigte, von selbst herauskommen würde, und da begann er auch schon:Weiß nichr, was mit der Eoe ist, da» Mädel ge­fällt mir nicht, ist's dir nicht auch ausgefallen, Brigitte?

Was du dir da mal wieder für unnötige Gedanken machst, Vetter, ein bisset blaß und stiller ist die Eve wohl geworden, aber"

Na, nicht wahr, du gibst «»zu? Das Mädel ist anders als sonst, fein lustiges Schelmenliedel schmettert sie mehr heraus, und was mir am meisten auffüllt, sie ist gar «ich' mehr so zärtlich zu mir, ihrem Vater, und 1 tut, als könnt' sie mir nicht ordentlich ins Auge sehen; so : was Scheues hat sie, so was"

Ach, warum «ich gar! unterbrach ihn die Frau, du meinst wohl am End', sie soll eine Sund auf dem Gewissen Hab'n? Ra, was dir «ich einfallt l Bleichsüchtig wird sie sein» wie die meisten Mädel»; wenn s dich aber

beruhigt, kann ja der Doktor mal vorsprechen, mach' dir drum feine Sorg. Wenn du noch vorhast, das Mädet fortzutun und ihr die feine Benehme lernen zu laiien, ein Luftwechsel soll ja gesund sein; den Ernst aber, den schlag' dir dabei aus dem Sinn, der hat seine Augen ganz woanders. Du tätest viel kluger, du ließest dir am Barner genügen; is ein prächt'ger Mensch, der Wilm, c,at schon ein tüchtiger Stück Geld auf die hohe Kante gelegt, un is wie toll in die Eve verliebt. Un wenn dir der Monteur »ich paßt, na, wenn ihr euch un euer Geld zu- sammeutut, läßt sich leicht auch ein Fabrikherr aus dem Wilhelm machen."

Was du nicht aller spintisierst, Muhnre, der riesen­hafte Barner und meine zierliche Eoe, ein ungleiches Paar könnt s auf Gottes Welt »ich gebn; hab' nimmer gesehen, daß die Klein« nach dem großen, täppischen Gesell aus- schaur!"

Kann ja noch werden, Vetter, wenn auch «ich auf heut und morgen, die Eoe is ja blutjung, noch nich mal siebzehn Jahre alt Will aber doch mal gehn und aus» schaun, wo dar Dirndel stech." Damit erhob sich die Muhme und ging hinaus in den hinter dem Hause ge­legenen großen Garten, wo sie die Gesuchte z« finden hoffte. Und sie hatte sich nicht getäuscht, dorr aus der dichten Bohnenlaude klang es wie leises Schluchzen her­vor ; mit ein paar raschen Schritten hatte Frau Brigitte diese erreicht, und richtig, hier saß die Eve, hatte die Arme auf den Tisch und den Kopf daraufgelegt uud meinte herzbrechend.

Frau Brigitte schlug vor Heller Verwunderung über diese»! Anblick die Hände über dem Kopse zusammen: Ja. Mädel dumme», sag, was sitz'st du denn Da und flennst? Möcht' wissen, was du für Ursach dazu hast!"

Eve aber, ohne Antwort zu geben, schluchzte nur immer heftiger in die vor Augen gehaltene Schürz« bin» ein. -

Wv-tsktzung folgt.)