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Schlüchteruer Zeitung

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; Erscheint 3mal wSchentl. Drahtanfchr.: Kreisblatt Schlüchtern. "Druck u. Verlag Fa. I. Hohmeister, Schlüchtern. VeraMwoctl. ZSchriftleit. H..«. H°hmcisttr, Schlüchtern GefchistZS-ll- »rel- tzbrüderstr. S. Im Falle höherer Gewalt, BetriebSstSrna, H ZEtramsperre erlischt jede Verpflichtung aus GchadeatZatz.

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Amtliches Organ für Stadt and Kreis Schlüchtern

N- 119

Donnerstag, 5. Oktober 1922

74. Jahrgang

Das Benests.

- Die Verfassunggebende evangelische Kirche» versamm lüg hat den V er s a s s u n g s e n tw u r f mit 126 gegen 71 Damen angenommen.

[ Das englische Kabinett hat beschlossen, durch eneral Harrington ein Ultimatum an Kemal auf Räu- wg der neutralen Zone zu stellen.

| _ Kemal hat sein Einverständnis mit einer Dorfriedens- berenz in Mudania erklärt.

|_ Der 10. Oktober ist als Stichtag der Reichs ein- immenfteuer 1922 für den Personalstand festgesetzt worden.

Vorfn'edenskonferenz?

| Die Einladung zu der von Frankreich, Italien und Eng- pd beschlossenen Konferenz, als deren Sitz, weil die erste Utogung zu ihr von Rom ausgegangen war, Venedig ge jhlt werden sollte, hat Mustapha Kemal Pascha abgelehick. enn einer Ablehnung kommt es gleich, wenn er sich, wie ein dlffsches Telegramm inelbet, zu einer Vorkonferenz in Mu- »ija bereit erklärt, auf der erst über die endgültige Friedens- »erenz nach Abschluß eines Waffenstillstandes Beschlüsse tot werden sollen, und weim er auch das Zustandekommen k i e r Konferenz von der Zustimmung der Slationalver- Milung in Angora abhängig macht.

I pst die Meldung des W. T. B. richtig, so ist diese Llb |mmg sogar ein Beweis dafür, daß der türkische General h nicht nur mit dem stolzen Bewußtsein des Siegers an den hhandlungstisch setzen, sondern seine m i l i t a r i s ch e Überlegenheit der Gute nie auch fühlbar t^en will. Denn Mudania liegt am Ufer des Marmara- kre, ungefähr in der Mitte zwischen den beiden neutralen hat, also auf unbestritten türft scheut Gebiet. Ist dagegen k aus anderer Quelle stammen-be Nachricht richtig, nach der

in der neutralen Zone unweit oes Bv-^poeus liegende Is-

13er von ihm gewählte Ort für die Vorkonferenz sein soll, liegt darin ein gewisses E n t g e g e n k v m m e u. Unfalls trägt der kluge türkische Feldherr die größten Be- tten, ju einer endgültigen Konferenz seine Zustim- |ng zu geben, solange nicht das Programm dieser Konfe- M sestgestellt ist und Bürgschaften für die strenge Beobach |«I dieses Programms in seinem Besitz sind.

| Inzwischen kümmert er sich anscheinend nicht um das m von den Westmächten zugerufene Halt. Seine Truppen kn die im Süden der Dardanellen gelegene Festung von ichanak eng umschlossen unb stehen auch in der iltralen Zone am Bosporus. Zu so großem Mißtrauen und her großen Kühnheit, mit der er es offenbart, hat Kemal fei triftige Gründe. Denn er hat im Hinblick auf den Pffenfttllftanb von Gompregne und die Ver Mung der 14 Punkte Wilsons durch dieselben Mächte, die D jetzt Konstantinopel und Thrazien versprechen, das Schwort im Sinn:Wer einmal lügt, bem glaubt man W, und wenn er auch die Wahrheit spricht." Und seine Mheit ist deshalb kein Hasardspiel, weil sich in wunder V^Umwandluna einer viele Jahrhunderte für die t-

patsche Politik maßgebenden Konstellation der Mächte der einstige Feind von Sebastopol und Plewna auf seine Seite stellt und laut erklärt, daß die Meerengen, K o n st a n - tinopel und Thrazien den Türken gehören müssen, weil sie die beste Gewähr für den freien Verkehr in diesen Gewässern bieten, der für die Sowjetrepubliken am Schwarzen Meer eine Lebensfrage ist.

Es ist zu erwarten, daß England, nachdem es in der Note vom 23. September schon in inerito Zugeständnisse gemacht hat, die vor vier Wochen noch niemand für möglich gehalten hätte, auch die von Kemal aufgestellte Bedingung der Vor­konferenz, also eine Formfrage, nicht zum Anlaß des Bruches macht. Dazu ist die Scheu vor einem Kriege.viel zu groß, der. selbst wenn er zugunsten Englands entschieden würde, g e - waltige Geld- und Menschenopfer kosten, das Britenreich in seinen Grundfesten erschüttern und unter Zerstörung des mühsam in Paris herbeigeführten Einver­ständnisses mit den Bundesgenossen England vollkommen isolieren würde. Die Annahme der Vorkonferenz ist um so wahrscheinlicher, als nach einer freilich noch unverbürgten Nachricht des Eclair auch Venizelos, dessen Stern wieder auf. zugehen beginnt, die imperialistischen Götter verbrennt, dre er bisher angebetet hat, und sich bereit erklärt, Ostthrazien den Türken unter Sicherstellung der griechischen Bevölkerung abzutreten. Gleichzeitig aber bahnt sich hoch im Norden, in der russischen Handelsempore von Nishnij Nowgorod durch Herriot eine wirtschaftliche Verständigung zwischen Rußland und Frankreich an._ Die Iswestija berichtet darüber und meldet zugleich, daß Herriot versichert habe, die französische Regierung werde dieser freundschaftlichen Annäherung keinerlei Schwierigkeiten be­reiten. Italien aber will seine Truppen aus Konstantinopel zurückziehen, und es ist schon heute ganz sicher, daß kein ita lienisches Blut für die Befreiung der Meerengen im eng-

Es scheint fast, als ob sich eine merkwürdige Rache des Schicksals eine Einkreisung Englands vor- bereitet. Klüger als Deutschland, wird es auf irgendeine Weise den sich bildenden Ring durchbrechen, und die Rede Lloyd Georges an die Presse vom 24. September mit ihren flammenden Warnungen vor den türkischen Greueln sowie die heftigen Artikel der englischen Presse, von denen die heutigen Nachrichten berichten, sind nur Rückzugsgefechte.

Dr. G. M ü h 1 i n g.

Vorkonferenz in Mudania.

Nach einer Meldung der Chicago Tribune aus Smyrna hat Mustapha Kemal vorgestern nach langen Beratungen beschlossen, mit den Alliierten in einer Vorkonferenz zusammenzutrenen, die Anfang nächster Woche ftattfinben, die Waffenstillstandsbedingun- gen erörtern und eine weitere Konferenz in Venedig ober sonstwo in Italien beschließen soll. Laut Meldung des Blattes ist fol­gendes Kommunique ausgegeben worden:

Die Regierung der großen Rationalverfarnm- lung von Angara erklärt sich mit bem in der Rote der Alliierten zum Ausdruck acbruchtcn äu;

unter sorgenden Besrngungen gern etnveritsnsen: Konfiantinopel und Wefi-Thrazien anb sofort der nationalen Regierung zu übertragen. Die Regierung erklärt sich zu einer Bespre­chung mit den Alliierten in Mudania, in der den künftigen Konferenzen vvrqesrbeirrt werden soll, gern bereit. Diese Befchlüffe wurden heute gefaßt unter dem Vorbehalt, daß sie von der großen Nationttlversammlnag zu ratifizieren sind." Kemal erflärte in seiner Antwort auf General Harring - tvns Telegramm vom Mittwoch, daß seine Truppen nicht weiter vordringen würden. Er wünsche keine Zwischenfülle und werde die erste Gelegenheit benutzen, um mit General Harrington persönlich zusammenzutreffen.

Ultimatum an Kemal.

Freitag fand wieder ein Ministerrat in London statt, der sich wie immer in den letzter« Tagen ausschlictz- lich mit der orientalisthen Krisis beschäftigte. Der

Ministerrat beschloss, bevollmächtigen, a n matum zu richten, Stunden die neutrale

den General Harrington zu Kemal Pascha ein Ulti - sofern er nicht in den nächsten Zone räume. Der Wortlaut des

tlltimatums bleibt dem Gutdünken des Generals nn« heimgestellt. Man fürchtet in London, daß der Krieg mit der Türkei^unmittelbar bevorstehe.

Lloyd Georges Privatsekretar erklärte Journalisten, daß Eng­land entschlossen sei, nicht zurückzuweichen und sich auch durch den französischen Widerspruch nicht beeinflussen lassen werde. Lloyd George sei der Ansicht, daß der gegenwärtige Zustand nicht fortdauern könne. Die Türken hätten Dreiviertel der neu­tralen Zone besetzt und näherten sich der Ostküste der Meerenge». Sie hätten eine Linie inne, die etwa 19 Kilometer nordöstlich von Tichanak beginne und 16 Kilometer"südöstlich dieser Stadt ende. Die englischen Streitkräfte hätt?» nur einen Abschnitt von 35,. AUsmetera besetzt, dessen größte Breite 16 Kilometer betrage. Die englische» Streitkräfte seien vollständig eingeschloffen. Die englische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß die Türkei bc» Waffenstillstand vom Oktober 1918 gebrochen habe, wenn sie nicht sofort die neutrale Zone räume. Damit sei der Kriegszustand zwischen Großbritannien und der Türkei wiederhergestellt Mit Ausnahme einiger linksstehender Gruppen, die die Entscheidung der orientalische» Frage dem Völkerbünde übergeben wissen wollen, und die die sofortige Einstellung der Truppenverstärkungen fordern, steht das ganze vereinigte König­reich auf feiten der Regierung Lloyd Georges. Auch in den Dominien macht sich jetzt die S-tinunung für eine kräftige Unter­stützung des Mutterlandes geltend.

Mimster-Verhastungen in Aihen.

Nach einer Havas-Meldung aus Athen find die Minister des ehemaligen Kabinetts: G u n a r i s, Stratos, Protopapalakid, Gudas und Theotokis fest genommen worden. Die öffent­liche Meinung macht sie für die Vorgänge in Kleinasien verantwortlich und verlangt ihre Aburteilung. Man

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Der senke im Pulverfaß.

Von M. SchelIer.

(Nachdruck verbot«.)

Hallo, Freundchen, bläst der Wind von daher?" und ü machte eine Handbewegung nach dem Schlosse 311 »nun, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht ist. Mi dem gestrengen Herrn wohl wieder mal ein Dorn

chge, weil ich ihm neulich über vieles, was faul ist 111 staute Dänemark, ein Licht aufgesteckt habe?"

»Ra, die schöne Gotteswelt ist weit und groß und w chon, wenn es 311m Schlimmsten kommen sollte, ein liQ;^l für den armen Jünger Aeskulaps."

«3a, so ein alter Junggeselle, wie Sie, Doktor, der Mäl sich überalkaUein durch; aber wer wie ich Frau W> n^er hat, und auch nicht mehr der Jüngste ist, was , !?r gleich anfangen, wenn es mal hier drunter und

-geht? Und denken Sie an mich die Zeit uicht aus. Dem Herrn oben ist kein einziges Zu- L Jn*s zu entringen, da heißt es: wer die Machtz hat. ^?® Recht: aber allzu lange gärt es schon unter toiL fetter muffen; ein kleiner Anstoß noch, und es > los.* __

!toe}.Vorläufig aber ist noch Ruhe, lassen wir uns einst- kj" ®«ran genügen und ebenfalls in Ruhe unfern P Mgjoppeii trinken!" Der Doktor schob seinen Arm iia/h ^« Direktors und dirigierte den aufgeregten Herrn ss.^, Er nicht weit entfernten Gambrinushalle, dem Stamm- alter Beamten des Eisenwerke».

^ ^or dem Schlosse war inzwischen auf feurigem Rappen ftieoe nae? Husarenleutnant angesprengt. Als er abge- *ilenh ^ft er mit hochmütigem Kopfnicken dem Herbe«.

Diener die Ziigel zu und bemertte :Der Hektar

6ine 1 Erst in den Stall geführt zu werden." K ^E^ckte Operettenmelodie vor sich hinpfeifend, erstieg w ** Dwhi Sm^rnaläurtrn belegte weiße Marmor-

treppe und passierte den breiten Korridor, i» dessea überall Verachtung und des Bedauerns mit diesem r-chwächling

in die Wand eingelassenen hohen Spiegeln er sich wohl­

gefällig beschaut«; dann klopfte er leicht an eine der breiten eichenen Flügeltüren und trat mit einem:Tag, Papa!" in das Zimmer seines Vaters, des Barons Benno von Rodenftei».

Dieser schaule erstaunt auf:Du. Rolf? Was führt dich so früh heute schon wieder her? Ick deate, du hast Dienst?"

Ich habe mich freigemacht davon, Pa, habe keine Angst, daß ich mir ein Verschulden im Dienst zugezogen habe, aber ich »lichte dich sprechen, Pa!" Er ließ sich in einen der breiten Sessel fallen unb klemmte das Monokel in das Auge, um besser in den Gesicht»-«n seines Vaters lesen zu können.

Habe gestern abend scheußliche» Pech gehabt!"

Du hast gespielt, Rolf? Gespielt, trotz meine» aw» drücklichen Verbots?"

O Gatt, Pa, nimm die Sache doch nicht gleich so tragisch!" versetzte mit mokantem Lächeln der Leutnant. Prinz Solms, zu dem wir geladen, hatte das Spiel arrangiert; sich ausschließen und sagen: Vater leidet nicht, daß ich mittue, hätte ja geheißen, sich einfach lächerlich machen, das mußt du doch eiusehen, und i«h hatte Pech, riesiges Pech! Aber die Herren müssen mir Revanche geben, ein andermal werde ich die Scharte auswetzen," für jetzt aber muß ich dich ersuchen, mir zu helfen; denn bis ein Uhr habe ich b^n ausgestellten Ehrenschein einzu- löfen, ich muß also gleich zurückretten."

Der alte Baron war aufgestanden feinem Adlerblick den Sohn fest an. Es junger Mann, fein Aeltester und Einziger, kratische Gesicht umrahmt von dunklem dmaufgewirbelte Schnurrbart auf der

und schaute mit war ein schöner, das feine aristo- Haar; der keck leicht emporge-

worfenen Oberlippe, darunter die blitzenden, weißen Zähne bildeten gleichsam einen Kontrast zu den etwas schwermütig blickenden Augen, ein Erbteil seiner früh verstorbenen Mutter, einer Spanierin: aber die ganze elegante Erscheinung hatte etwas Schlaffes, Energieloses und stand im großen Gegensatz zu seinem kraftvollen Steter, öeüe« Gesicht-züge setzt die gemischten Gefühle der

ansdrückte«, der gar nicht Art von seiner Art war.

Eisig klang daher auch der Ton, mit dem er fragte:

Wie hoch belauft sich dein Verlust?"

Mein Himmel, eine Kleinigkeit für dich, Pa, lumpige

3»an3<ätaMfenb Mark nur 1* '

Und da» nennst du eine Kleinigkeit nur ? So kann nur der spreche», der den Wert des Geldes und der Ar­beit nicht kennt l"

,Pa, ich bitte dich, mache keine große Rederei um diese Summe, geben muht du sie mir doch!"

So, muß ich? Kommst du mir auch mit diesem Wort?* brauste der Baron auf:ick habe vorhin schon dem Direktor gesagt, dass es für mich kein Muß gibt, als der mir Vorstellungen aller Art machte.*

Der Leutnant lochte belustigt auf:Natürlich, Po. in diesem Fall bin ich ganz deiner Ansicht; aber ich denke, bei deinem einzigen Sohn und Erben kann dieses kleine Wörtchen doch zu Reckt bestehen."

Hier wie dort har es für mich feine Geltung: dies rnerke dir ein für allemal, und laß es dir zum letzten Male gesagt sein: ich dulde nicht, daß du mit deiner wahnsinnigen Verschwenöunu ein Hindernis auf meinem Wege bist; denn ich will den Rainen Rodenstem wieder im Glänze des Re chtunis unb des Besitzes selten, wie einst Du weiht auch, daß ich kein anderes Oevensziei kenne, als allen den unserem Geschlechte früher gehörige* Grundbesitz wieder zurückzutausen, und es mirb mir ge­lingen, diesen bis auf das Gut Wanau wieder in meine Hand zu bekommen. Diese - Wartau aber der Llme Rodeustein zurückzudringen, sah deine Sache sein, indem du dich um die Hand der verwitweten Besitzenn, Frei­frau von Grliern, bewirbst."

Ein leichtes Erblassen atte sich bei diese« Worten seines Vaters über die Züge Rolfs gelegt.

Jener aber fuhr fort:Wenn ich dir also noch ein­mal Helfe und deine Spielschuld bezahle, so tue ich es nur unter einer Bedingung Du versprichst mir auf dein Ehrenwort, daß du nie wieder eine Karte a»rührst! versprichst du mir da» r (Fortsetzung folgt.)