Schlüchterner Zeitung
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^^>»^i-»d^^«,^^L^^Q^ oGoo^ooöoqogoc^X oe^nxjooqjz •' "/jg/ 90000000 ocmx: oooceev ? Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: KreiSblatt Schlüchtcru. *
Druck u. 8erlag Fa. $. Hohmeifter, Schlüchtern. Beranlwortl. t «Echriitirit. H^L. Hohmeist«, Schlüchtern. GcschSftsstclle Brei- ; xbrüderstr. 9. — Jw Falle höherer Gewalt, BetriebSftSronß eb. I LLtromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Gchadencrsatz. |
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Kr 109 Dienstaft. 12 September 1922
ALerlet V6M Ts^e
Seinen Austritt aus »em Böl kerb und will Nica- ragnu erklären, da es nicht mehr Miskan-e sei, feinen : Anteil an den Unkosten beizusteuern.
I Der amerikanische Senator Borah soll e na lischer- | sests eingeladen werden, um den Enienle-Bölkexn die ; Wahrheit in der Reparationsfrage mit) die Mmnurng - Amerikas bekanntzugeven.
- Der 35. Verbandstag des Verbandes Deutscher j Post- und Telegraphenbeämten findet vom 11. bis 13. September in Berlin statt.
Ein Post- und Telegraphen streik ist nwaeu Gehalts- > forderungen in ganz Polen ausaeoivmcu.
Der Bau eines Tunnels unter den ^iertuel-Kanal i als Mittel zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit wird vom britischen GewerkschaftskongrO gefordert.
Ein Manöver der 4, französischen Kavallerie-Divi- l fjorr findet in diesen Tagen bei Bonn am Rhein statt.
Tausend Mark täglichen Lohn verlangen die Hafen- arbeiter in Ernden. Sie traten bereits in den Streik.
Das Sterben im Blätterwalde geht weiter. Die 40 j Jahre alte „Waibstädter Zeitung" »Baden» und das socialdemokratische „Schwarzwaidechv" in Frestdenstadt stellen ihr Erscheinen ein.
r Ein Zentrums-Antrag im Reichstag verlangt fiir das aesanite Zeitungsaewerbe vollständige Sonntagsruhe von Sonnabend abeuö 10 Uhr bis Montag morgen
6 Uhr durch reichsgesetzliche Regelung.
Sie «lesW-Seigifchen DerfimuHungen.
UeSerreich««g der deutschen Vorschläge.
*» Freitag nachmittag 4 Uhr fand eine Kabinetts» Mas statt, »^ sich außer mit laufenden Angelege«- Heiten auch mit ber Reparationsfrage befaßte. Um 5 Uhr wurde im ReichMranzministerium die Befprechm,« mit des belgische« Delegierte« fortgesetzt. An ihnen nahmen auf deutscher Seite Reichsfinanzminister Hermes und Sie Staatssekretäre Dr. Schröder und Bergmann teil. Den belgischen Delegierten wurden bestimmte Vorschläge vorgelegt, die erörtert und mit den twtwendigen Aufklärungen versehen wurden. Die bel- gischeu Vertreter erklärte»» ■ bctrauf,- »esc ^struMonerr von ihrer Regierung einholen zu müssen. Sie stellten in Aussicht, die Antwort bereits am Sonnabend zu geben. Die deutsch-belgischen Berhaudluugen werden also voraussichtlich am Sonnabend zu Ende gehen.
Die Art der deutschen Vorschläge.
»»Das „Berliner Tageblatt" glaubt folgendes mitteilen zu können: Es verlautet, daß es sich bei den deutschen Vorschlägen um den Plan handelt, Satz Deutschland in England, Holland «nd Amerika Garantiekredite, falls dies möglich sein sollte, aufnehmen will, um damit für die deutschen SÄatzscheine Bürgschaft zu leisten. Ob die für Sonnabend erwartete Antwort aus Brüssel so sein wird, daß die Garantiefrage damit bereits ihre Erledigung gefunden hat, ist zum mindesten höchst zweifel- hast. Wahrscheinlich ist vielmehr, daß die belgischen Vertreter erst nach Brüssel zunickkehreu, dort dem belgischen Kabinett mündlich Bericht erstatten werden und Satz dann eine Zusammenkunft, vielleicht in Brüssel, mit den deutschen Vertretern anberaumt wird, um sich inzwischen über die Stellungnahme der englischen, holländischen und amerikanischen Finanzwelt zu dem Pro- tekt in irgendeiner Weise zu vergewissern.
Stimmnugsumschwung der Pariser Preffe. s» Nachdem noch Kreitaa abend die Pa' i'>"' 'Riäüß« «M___<L . i______jiigg—«ggg
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Dornenwege
Roman von C. Dressel.
Nachdruck t>tt$0fen3
Vtun, Das war eben Anslctus- oder Gemovnyettchacye.
Er pflegte dies Morgenmahl nicht im offiziellen Früh- stiickssaal, sondern in seinem Privatzimmer einzunehmen, um zugleich die Brieffchasten zu erledigen, welche ihm alltäglich M großer Zahl zugingen.
Während er mit dem kräftigen Appetit einer gesunden Mannes die trefflichen Beaffteaks verzehrte, zu den ge- vackenen Eiern kerniges, frisches Weißbrot aß und einen exquisiten russischen Tee trank, wobei er noch Zeit fand, sich aufmerksam in eingelaufene Fachschriften zu vertiefen, trat x Bruder ein. Einigermaßen überrascht bot Herbert ihn» den Atm^engruß. In diesen frühen Tagesstunden sahen die Bruder einander feltei
.. ®ä«ter pflegte die Zeit, welche ihm der Reichstag frei filmest den, Bergungen zu widmen. Er erneuerte frühere erannlMasten und durchsehwarmte mit guten Freunden die h«ib«n Mchte, sodaß er kein FrühauWeher war und sich ge- ^ ."M erst bei dem Bruder einstend, wenn dieser seinen
in.
™8im)tu «an« zu Frida Nard«k antrat, um Miß Daisy M. ber Potsdawerftraße zu gekiten. War Günter frei, so oeuNlgte « sich regelmäßig an dieser Liebespflicht, wenngleich ohiz«Le Hüter der Studentin diese Unterstützuna sehr «verstüsfi, fand, während Daisy sich die Doppeleskorte narurllch gern gefallen ließ.
a'-^ ich Dich?« fragte Günter Hüskch. .Das sieht ja llssuz geschäftsmäßig aus, -' er deutet auf den vor dem vrnder ausgrhäusten Stichel von Briefen und Telegrammen — »rch glaubte, Du wolltest Dich zur Ruhe setzen."
„ Herbett zuckte die Schultern. „Ist auch nicht so ernsthaft w nehuien, das bißchen Korrespondenz. Ein wenig Zeitvertreib. Druden geht man denn doch anders ins Zeug, mein Junge, «eb^chrl- ~ ^ ^ ®M ""^ "^ ErKeckliches vor Dich »Ich kann zufrieden sein. Umsonst arbeitet man bei uns Wjt. Für redliche Mühen der entsprechende Lohn, so halten
1151 Sonst aber — daS nebtrube, aietiae ^mammev-
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über den Äusgana der Berhandlungen zwischen Belgien ! und Deutschland sich aus Berlin äußerst pessimistisch be- ! richten ließen, haben sie Smmabenö früh ihre Haltung
1 geändert, nachdem aus Berlin Nachrichten vorliegen. daß die belgische Delegation im Besitz äußerst ansfiihr- hebet und entgegenkommender Vorschläge von deutscher Seite sei.
Ausdehttung des Stiunes-Abkommens auf Belgien ?
e-^Das „Berliner Tageblatt" meldet: Bei der Zu- faminetttttHft zwischen Stinnes und Beemelmaus sind in der Hauptsache zwei Kragen zur Sprache gekommeu. Willens ist dabei die Möglichkekit einer Ausdehnung des soeben zwischen Stinnes und den französischen Auf- banorganisativneu znstaude gekoumkenen Vertrages auf Belgien ins Auge gefaßt rvorden. Die zweite Krage, die in der Nnterhallnng zwischen Stinnes und Beemel- mans angeregt wurde, dürfte insbesondere Schiffahrtsfrage« (Antwerpen» betroffen haben.
Das Handwerk und bet Stinnes-Bertrag.
Hugo Stinnes hatte eine Unterredung mit dem Ber liner Vertreter des deutschen Handwerks- und Gewerbe- konnnertages, Generalsekretär Herumuns. Der Vertreter des Handwerks bot Stinnes die aktive Beteilisung des deutschen Handwerks an den WieöeraüfbauarbeitW an. Stinnes erklärte, daß ihm diese Beteiligung des Handwerks sehr erwünscht sei. Er werde den ihm zu- stehenden Einslutz auf die MUeruehmerkreise geltend machen, daß das wirtschaftlich organisierte deutsche Handwerk entsprechend seiner Kistungssähigkeit an ben Wiederaufbauarbeiten beteilsgt werde. Die wirtschast- lichen Organisationen des Handwerks werden rmamehr wegen der Ausführung des Planer mit dem Stinnes- Konzern in Verbindung treten.
Ablösung der Erfüllnngspvlitik
Der Berliner Korrespondent des „Mamäester Guar^ diau" telegraphiert seinem Blatt: Der zwischen Stmuer und Graf de Lubersac abeschlossene Vertrag ist von größter politischer Bedeutung. Die Ersütlungspolrtik des Dr. Wirth ist nun rot, und die Initiative für eine deutsch-französische Verständigung ist in andere HärUie übergegangen. Dr. Wirths Regierung ist nur noch eine Fiktion, die weder die dencsch? Politik teilet, noch Leein- G st UM. "^»- i ei- Htii vu Mögtichkett atf~wdutonf-4x^3-4iUi2A^ Vertrag die Bedingungen für eine allgemeine wirtschaftliche Verständigung zwifcheu Deutschland und Frankreich darstelle. Das offizielle Frankreich gewöhne fidi immer mehr an den Gedanketi, daß aus diesem Wege eine Entspannung zwischen den beiden Ländern herbei geführt werden könnte, die in gleicher Weise für Deuisck- land wie für Frarlkreich Vorteile habe.
Ein Appell des NerchskanZlers,
Wie „Der Deutsche" mitteilt, wurden der Generalsekretär des internationalen Bundes der christlichen Ge- werkschäften der Welt, Serrarens aus Utrecht, und ein deutscher Vertreter des Bundes vom Reichskanzler euip- saugen. Der Reichskanzler setzte den Vertretern der christlichen Gewerkschaften die gefahrdrohende wcrtiiyast- hdje Lage Deutschlands auseinander und bat, dazu beu Anfragen, daß die Völker Europas in wahrhaft christlichem Sinne wieder einander näher kämen, um gemeinsam das allen drohende Unheil aus den völlig versaß- reuen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen ab= zu lenken. Die Vertreter der christlichen GerverkMaften erklärten dem Reichskanzler, daß sie festen Willens seien, an diesem erhabenen Ziele mit allen Kräften mit- zuarbeiten.
i ramschen, daS nicht immer rühmliche Millioneuspiel scheint mit i eine blödsinnige Torheit. Es ist mir nie darum zu tun gewesen. ; „Ein souveräner Standpunkt für einen Republikaner?« j Günter lächelte gezwungen. „Dahin bin ich noch nicht gekommen. Ich halle das Geld, viel Geld für ein unerläßliches und unter Umständen selbst angenehmes Uebel — man kann dessen wirklich nie genug haben.«
„Bedürfnissache. Ich finde, der Ueberfluß knechtet genau ; so wie die Armut. Man muß den Reichtum verachten können, i um seines Lebens froh zu werben."
„DaS sind cheoretische Sophismen, Herben. Wer könnt« sich ernstlich Mammons ZwangSgesetz entheben! Mehr aber
i minder tanzen wir alle um das goldene Kalb."
Der Amerikaner lächelte stolz. „Ich nicht. In der Beziehung bin ich wirklich ein Freier. Ich habe sauer gearbeitet, härter als Du Dir vorstellen kannst, verlöre ich aber heute das schwer Erworbene, ich wiche keiner» Fußbreit von meinen Grundsätze» ab und finge einfach wieder von vorne an, ohne Hast aber auch ohne Rast und könnte bei einer Brotsuppe zufrieden sein.«
„Du hast gut reden.« Günter klopfte ungebulbig mit den blaffen, nervöfen Fingern auf den Tisch. „Denke Dich doch mal an meinen Platz. Tausend Forderungen umstarren mich, unb nur mit einem stichfesten goldenen Panzer kann ich meine Position behaupten.«
„Diese Forderungen heißen vermutlich Starrdesrücksichten, Repräsentation. Lieber Himmel, wenn man Euch zu dein Amt nicht auch die tönenden ©dfeSen stellt, so laßt doch vas Gebimmel. Schließt Euch in Euren vier Wänden bescheiden ein und laßt die spottsüchtige Steugier draußen stehen.« „So urteilt der Blinde über die Farbe. Guter Herbert, von unseren Verpflichtungen schemst Du keinen Schimmer zu haben. Eine exponierte Stellung verlangt auch eine äußere würdige Vernetung. Alan ist, war man scheint.
Das gilt auch in Deinem gelobten Amerika. Auch Ihr feiert Feste und liebt Prachtentfaltung.«
„Wenn wir's dazu haben, gewiß. Daß wir aber der sogenannten Gesellschaft zu Liebe unsere Finanzen ruinieren oder Ueberzeugungen opfern, kommt im Ernst nicht allzu häufig ; vor. Dazu ist der Amerikaner ein zu freier, felbftbew: ;et , und prafuieber Mann. 6e verteilt und kennt nur eine |
74. Jahrgang
Deutli^lands mirf|i6üftlii6ß Hol
Erzwungene Preisherabseßung. Aus DüfselSorf wird gemeldet: Unter dem Druck der Straße haben die Gewerkschaften in Verhandlungen mit der Stadt, den Gefrhäften und der Industrie eine starke Herabsetzung der Preise in Hamborn erzwungen. Die Folge war, daß ein gewaltiger Küuserauörang ecn'etzte, um zu.billigen Preisen recht viel einzuhamstern. Die Geschäfte und vielfach vollkormnen ausverkausü Da diese Art der Preisregelmtg inzwischen auch bereits aus andere Städte überstreift, so sieht man der Enttvickluua der Dinge mit ernster Besorgnis entgegen. _
Der Ausverkauf au der Grenze. Unter Ausnutzung des Marksiurzes wurden an der belgischen und hollän- Sischerr Grenze die deutschen Geschäfte von valutastarken Ausländern fast vollständig ausgekauft. Viele Läden waren, dem „B. T." zufolge, genötigt, zu schließen, weil keine Waren mehr votchanden waren. Die vor einigen Tagen vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz erlastene Berfirgung über die Beschränkung des Ecnzelhandels für Ausländer erwies sich als wirkitngslos, da sich dre fremden Känser von Deutschen gegen Promsron chre Einkäufe besorgen laste«.
Beschlüsse des Reichsrates.
Der Reichsrat stimmte in seiner letzten Sitzung einer Verordnung über die Befchräukuuq der öffentlichen Brotversorgung aus die Minderbemittelten zu, und zwar in ber von Sem Ausschutz beschlossenen Fassung. Da- rurch sollen an der öffentlichen Browersorgung vom 26. Oktober ü. I. an nur noch diejenigen ktlßaben, deren Einkommen im Jahre 1921 30 000 Mark nicht überstie- gen hat, wozu noch für iebeic Angehörigen des Haushalts ein Betrag von 15 000 Mark hinzugerechnet wird (nach der Regierungsvorlage nur 10900 Mark». Für das Jahr 1922-23 soll die öffentliche Brotversorgnag nur denjenigen zugute kommen, die ein Einkomruen haben, das die vorher genannte Summe nicht um das Vierfache übertrifft (nach ber Vorlage nur das Dreifache). — An- genommen wurde ferner mit 40 gegen 23 Stimmen eine Bekanntmachung über die Berwertung von Kleie aus dem öffentlich bewirtfchafteten Betreibe. Den Erzeu- neri^-bie zitm Nmlagepreis,Pb^ haben. »c« Kleie im Verhältnis 1 zu 1 des avgeüüerlen Getreides geliefert werden. Der Preis soll GG Prozent des Roaaen- preifes betragen. — Der RÄchZrar erklärte sich außerdem mit der Vervrduuna über die Erhöhung oon Geldbeträgen in der Unfallversiche'unr und out der Verordnung über die Ausdehnurm der Bersichernngspflichl in der Angestelltenverfichernna »bis auf 900 000 Marks einverstanden. — In ber nächsten Vollsitzung sollen die neuen Postgebühren beraten werden.
Neuregelung der Gehälter der Angestettlen.
Im Reichsfinanzministerium haben die Berhand- lungen mit den Vertretern Der Spitzengewerkichmten über Sie Neuregelung der Gehälter tär die Angestellten 3Ct Reichs- uns Staatsbetriebe begonnen. Irn Hinblick auf die bereits erfolgte Festse-zung der Beamteirgebälter und Arbeiterlöbue ist mit einem glatten Verlauf der Verhandlungen zu rechnen. Zu gleicher Zeit fanden Verhandlungen über die Anpassnng der Answaudsent Schädigungen für das Fahrpersonal, der Auswärtszula- gen, der Zulagen für Nachtarbeit usw. an den gesunkenert l^ielSwert statt. Es mürbe eine neue Vereinbarung über die Erhöhung dieser Bezüge getroffen» Im Reichssi- nattÄiuütifferium wirb weiter über Die Erhöbuna der ■KSM'naaEranmaaaaaHaHMMMaMMUiMaMMWBMmmma
Rück^chr — Das Recht aus Arbeit, Die ihn !.. :•_.. überall gefellschaflsfähig macht."
Günter seufzte. „Man könnte Euch manchmal beneiden um Eure Eigentümlichkeiten. Ab« daS ist eS eben, jedes Volk hat die seinen, die unausrottbaren. Bei uns herrscht noch die Tradition. Seiner, der einen hervorragenden Ehrenposten bekleidet, kann aus seiner Repräsentarionshaut heraus. Er muß sie zu Markte tragen mit großem Gepränge. So brauchte auch ich das pompöse, weittragende Geläute. — ES waren die Sterbeglocken meines Herzensglücks,* schloß « in melancholischer Aufrichtigkeit.
Herbett horchre auf. Er ahnte, waS das besagen wollte, denn Güuters einstige Beziehungen zu Marion waren ihm kein Geheimnis mehr. Dergleichen vermutend, hatte er, immer prakttsch und sicher vorgehend, Frida Nardeck, d« getreue Freundin, ganz offen um Aufschluß darüber gebeten und nicht nur seine Ahnung bestätigt gefunden, sondern auch A»flläru»g über die Ursache des Bniches erhalten.
Er wußte, mehr als ein Decenmum war seit jenen Vorgängen verrauscht. Bis vor kurzem hatten die (getrennten einander nicht wiedergesehen, und obwohl sie sich nun in freier Unabhängigkeit lebend unter ganz veränderten, günstigeren Bedingungen begegnet, die eine späte Vereiniaung keineswegs ausschlossen, war diese nicht erfolgt. War ihnen die Vergangenheit in Der Tat nicht eine tute Erinnsamg, dem Leben erstorben, wie ein dürres, «loderndes Blatt? Herbert hatte gesehen, mit welcher höflichen Gelassenheit Marion den Jugendgeliebten in ihrem Hause empfangen und nie, so oft er auch wiederkam, hatte er Anlaß gefunden, Güutrr als Rivalen zu fürchten, ältere Rechte respektieren zu müssen und Marions vollkommene Seelenruhe hatte ihn hvchbeglüM. Hingegen gab es Atomente, in denen er GüuterS nicht so sicher war. Wohl sah er Diesen durch Daisps Kokettieren stark gefesselt, dann wieder schien er auch gegen Marions edlere Borstinr nickt uneuipsitid^jA Und in dem Wnusck hierin völlig klar zu sehen sagte Herbert ;etzl: „Du heiratetest ein vernlögendes Mädchen. Ich weiß nicht, ob diese Ehe eine Notwendigkeit für Dich war. Wurde sie aber ein Unglück, so liegt es hinter Dir. Die zweite Heirat läßt Dir wohl freie Wahl, sofern Du wirklich an ernt neue Edr denkst."
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