Wüchterner Zeitung
Kreisblatt I
Bezngsprcis monatliit 10.— Mark, srciblcibmd •
| $ durch Oottu inS Haus 1.00 Mark Trägerlohn. An | ' zeigenpreiS i? mm »inspalüg 2. Mk., RMauicn 5.00 Mk.!
: Rabatt nach Tarif. -- Postscheckkonto : Frankfurt a. M. 11402,1
, • $cllHontu: Dresdner Bank Schlüchtern, Fernsprecher Ar. 65. |
- oo®oo®° o «•»•••o» ••««••« (^cjaeo« h« « «•»•• e • • «»• »•« ««»«. WMw^eow^^
Amtliches $5rgon für Stadt und Kreis Schlüchtern
: Erscheint 3mal wöchenti. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. jSrtid u Verlag Fa. $. Hohmeister, Schlüchtern. Verantwortl. ^Schristleit. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Lr-i. tzbrüderstr. S. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung eb ^Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.
«i4««MeH*»«»»9»««»tt*aH«Htt»»«H»»9«MeM««»9M««M*9»«e«raWMV»M
; Rr 73
Dienstag, 20 Juni 1922
74. Jahrgang
Atterlet vom Tage.
24.
: Der Neichsverband der den:n eu land- und forst- wirtschaftliche« Arbeitgeber-Berernigungen tritt am Emir zu einer Taguna in Nlirnbera zusammecr. f Ministerpräsident Poincaree ist nach London
ab-
Vereist.
Die polnische Regierung hat einen Orden für
die
Aufständischen in Oller schienen gestiftet.
71 Menschen sind im Laufe der letzten zwei Wochen der Lippe und der Ruhr ertrunken
Der Prozeß gegen den Freiherr« Hubert von Leo^ Prachting, der sich wegen Landesverrat zu verantworten bar, ist auf den 3. £Vuli vor dem Münchener Landgericht sestgesetzt.
Im Gebiete der Petroleumfelder von Grotzny ist ein schwerer Zvklon niederaeaanaen. Der anaerichtete Schaden ist feh-r aron
Der braMianische Dampfer „Avarex" ist» im Ham-« buraer Hafen unteraeaanaern Die Besatzuna dürftet Wahrscheinlich ertrunken sein.
Europa zerfleischt sich.
Deutschlands roirtsü>aftliche Eurkräftung geht mit -Riesenschritten weiter vor sich. Nicht mehr ist es die Seeblockade, die es unter das Hoch des Hungers beugt, sonder» das srntflutartia steigende Balutaelend. Es sieht das soziale Chaos vor sich, in das jetzt Deutschonerreich M stürze» droht. Es schreit nach Luft in dem luftleeren Balutaterker. Die große Anleihe, die einzige, die Weutschlaird und mit ihm Europa hätte retten können, iüt in Nebel und Rauch verflossen. Und auch die kleine, vor der mrs Gott beMten möge, die nichts als ein Er- drosseluugsinstrmnetrt ist, ist zum Glück in unserem Unglück ebenfalls verflüchtigt.
[ Die Anrauzuränner der Großmächte haben in den Letzten Tagen ihre marnenden Stimmen erhoben. Ohne Verminderung der deutschen Reparationslaften, ohne Urleichterung der Besatzurrgskosten -- sie beringen jetzt Zungesähr sechs Milliarden Goldmark — und ohne die trotze Anleihe kann Deutschland trotz all der angespaun- |eften Sparsamkeit, die uns väterlich anemofohlen wird,
licht mehr lange M^amrecht cüüätte......
on auch ganz Europa mit in den Abgrund. Man ve- enke, daß die Staaten Europas mehr als je jetzt auf- mandcr angewiesen sind. Althellas ging an den unter ich hadernden Stadtrepubliken zugrunde. Das Dentsch- and vor Napoleon I. war wegen seiner inneren Hader- Politik der ohnumchtige Svielball der in sich gefestigten, luslandSstaaten. Der Weltkrieg aber, der Europa von einer weltführenden Höhe gestürzt hat. bot es auf sich anz allein angewiesen. Europa ist tatsächlich jetzt im Großen eine Staatenremrblik geworden, wie es einst im
Kleinen Althellas und Deutschland waren. Und wenn es da an seinem inneren Hader nicht zugrunde gehen will, so müssen seine einzelnen Teile untereinander «egenseitiges Verständnis baden und gegenseitige Rücksichtnahme üben oder sie begehen an sich selber Selbstmord.
Europa steht vor einer Katastrvphe und zerfleischt -sich selber. Deutschland steht drei Sdintte vor dem Ab- mnnb. Deutsch-Oesterreich vereits direkt auf seinem Rand. Die europäischen Staaten aber ü^d aneinander Mit einem unsichtbaren Seile gebündelt Stürzt der eine in den Abgrund, folgen die anderen trotz allen Sträubens mit naa».
. In Oesterreich ist in dieser Woche der vollständige wutfdmftlidie Bankrott eingetreten. Der Brotoreis 'ü
auf 1230 Kronen gestiegen und der Dollar am 22 000.^ Das sind furchtbare Zahlen. Nur drei Lösungen gibt es noch für Deutschösterreich wen« es nicht im Chaos nn-- tergehen will: erstens die Hilfe der ©ntciue, die ihm schon so lange und ost versprocheir worden ist: zweitens Anschluß an Deutschland, den tönt die Verträge von Versailles und St. Germain verrieten, und drittens der soziale Untergang. Europa bat zu wählen. Es spricht mit dem Urteil sein eigenes. Noch könnte die Haager Kmfferenz, die jetzt eröffnet worden ist, manche Unterlassungssünde wieder ant machen. Aber anch sie weist jetzt schort die Merkinale der Genueser Hinfälligkeit auf. Frankreich zeigt sich wieder spröde. Es steht diesmal goirz isoliert da. Iehlt es bei der Hauptkortferenz, dann kommt nur das russische Problem zur Sprache, das le-. bialich in Sonderverhandlungen abgetan werden wird. Ist denn Europa mit Blindheit aeschlagen ? Denkt es nicht an den furchtbaren Spruch, den die Weltgeschichte an großen starken Böllern schon hundertmal vollzogen hat: „Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blind- « hcit"? 1
Abschied von Obersch'iessien.
Zum Abschied von Oberschlesien erlassen der Reichs- präsidetst, die Reichsregieruttg und die preußische Staatsregierung unterm 16. Juni folgenden Aufruf:
An die Oberschlefier: Ein Trauertag ist angebrochen, den zu vermeiden wir drei Jahre heiß stimmten: Ein Teil Oberschlesiens wird heute in einen fremden Staats- oerband einverleibt, ein ^.eil des Landes, dessen Unzer- Ucnubarteit so oft von den Staatsmännern und Sachverständigen aller Länder, am meister aber von den Loerschleöern selbst, betont wurde. Ein kostbares Stüch deuifcher Erde, das in Jahrhunderte langer Arbeit durch deutschen Ileitz und deutsche Tüchtigkeit zur höchsten wirtschaftlichen Blüte gebracht worden ist, wird dadurch vom Ncutterlande losgerisfen. Nach den ersten Irre- densbeöingungen sollte ganz Oberschlesien kurzerhand den Polen vuaewrodjen werden. Einige der wemaeu Aenderungen, die in Versailles durchgesetzt werden’ konnten, war das Zugeständnis der Abstimmung. Dre- Oberfchlesier wissen, unter wieviel Hemmungen und, it aale den, ja mw elM umec. Gefahr fia ^eib und; Leben die deutsche Bevölkerung an vielen Orten abstim- meH mußte. Trotzdem und trotz der wenig verlockenden Lage Deutschlands sprach sich eine groue Mehrheit für das alte Vaterland aus. Nunmehr aber hieß es olvtz- ’ lich, daß Oberschlesien teilbar fei. Vergebens waren, unsere Bemühungen, die Widersacher zu überzeugen, daß nicht mir die Verpflichtungen des Bermrller Vertrages. sondern auch das Gebot der wn'tichaktlichen Ver- mmft die Einheit fordert. Der Genfer Spruch zerschlug diese blühende lebende Orgamsatiou grausam. Gegen diesen Spruch legten wir für alle Zeiten Verwahrung ein.
Oberschlefier, die Ihr heute von uns scheiden müßt, Euch rufen wir die letzteu Abschiedsgrüße zu. Habt Dank für Eure Treue. Die Gefühle, womrt Ihr diesen Tag erlebt, teilt mit Euch das deutsche Volk. Wir be- mühte« uns durch ein Abkommen mit Polen, Euch und §a«z Oberschlefieu nach Möglichkeit zu helfen. Auf klarer Rechtsgrundlage soll Euch vor allem das Gut erhalte« werden, woran Ihr hängt wie nur: ine deutsche K«lt«r- gemeinschaft, die deutsche Sprache, das deutsche Heimat- gefühl.
Oberschlefier, die Ihr bei uns bleibt, die Ihr nach jahrelaugem Dulden und Harren der Sesseln der Fremdherrschaft ledig werdet, seid gewiß, daß wir Euch nach Kräften helfen werben, di -inneren Wunden an heilen.
welche Euch die Jahre der ) cuckuna geschlagen vaven. Uuter dem Schutze des Rechts und der Freiheit werdet Ihr wieder Eurer friedlichen Beschäftigung nachgehen und mit uns an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes- arbeiten. Ihr werdet Euch durch die berechtigte Erbit- reruna zu keinen ungesetzlichen Handlungen verführen lassen. Ihr werdet das in Genf geschlossene Abkommen wahren. Ihr wißt, daß eine Kommission unter neutraler Führung über den Schutz der Rechte der Polen hier und der Deutschen dort wachen wird und daß Ihr Euren Volksgenossen jenseits der neuen Grenze keinen Dienst leisten würdet, wenn Ihr für das Erduldete Vergeltung täten wolltet.
Oberschlefier, in der Schicksalssiunde, die Euer Sek.
SelvreHung Dr. Whigs M den partäflörau
>» Berti«. (B. T) Sounabeud vvrurittaa hat der Reichskanzler Dr. Wirth mit den Führern der Koali- tionsparteien eine längere Besprechung über die parlamentarische Lage gehabt. Insbesondere wurde die Frage der Zwangsanleihe sowie der Erbschaftssteuernovelle und der Getreideumlage erörtert. Bezüglich der beiden erstgenannten Punkte dürften keinerlei besondere Schwierigkeiten zu erwarten sein. Hingegen ist die Auffassung der Parteien in der Frage der Getreideumlage noch immer nicht einheitlich. Die Aussprache des Reichskanzlers mit den Parteien dürste am Montag fortgesetzt werden. Was die Regierungserklärung des Kanzlers über die ReparationsverHanötungen und die damit zusammenhängenden Fragen betrifft, so rechnet man damit, daß sie am Mittwoch erfolgen wird, keinesfalls aber vor diesem Tage zu erwarten ist
BerbilligAugsmatzuahme« für die Brotversorguug.
►* Berlin. Zwischen dem Reichsernährungsminister und dem Reichsfinanzminister schweben gegenwärtig Verhandlungen über Verbilligmrgsmatznahmen auf dem Gebiete der Brotversorgung.
Neuer Schiedsspruch für den Rnhrdergda«.
►* Elle» iRnüri. Der Schiedsspruch deS vom Reichs- arbeltsMlNisteriuM eingesetzten Ausschuffes steht eine Erhöhung der Tariflöhne im Ruhrkohlenbergwerk um durchschnittlich 35 Mark für die Schicht vor und zwar 25 Mark ab 1. Juni und weitere 10 Mark ab 1. Juli.' Als Ausgleich der Lohnerhöhung kommt nach dem Schiedsspruch lediglich eine entsprechende Erhöhung der Kohlenpreise in Frage. Diese neue schwere Belastuu» des Wirtschaftslebens ist aber, wie erklärt wurde, nur erträglich, wenn die Bergarbeiter sich zu dem Ueber» schichtenabkomme« bereitfinden. Hiervon hängt die Durchführung der Kohlenpreiserhöhung ab.
Neues deutsches Botschaftsgebäude in Rom.
»« Berlin. (L. AI Die Rcichsreaieruna hat die Villa Walkowsku in Rom für 4l4 Millionen Papier-Lire als neues Botschaftsgebäude erworben.
Stapellanf des Dampfers „Aolnmbns".
*ü* Danzig. (B. T.) Auf der Schichauwerft in Danzig lief Sonnabend in Gegenwart des Präsidenten Heineken, des Generaldirektors Dimming und einer taufendköpfi- gen Zuschauermenge der Personen- und Frachtdampfer „Kolumbus", den die Schichauwerft für den Norddertt- schen Lloyd erbaut hat, vom Stapel. Das Schiff ist mit 31 000 Bruttoregistertonneu und über 10 000 Tonnen Wasserverdrängung nnumehr das größte Schiff der deutschen Handelsflotte.
RNwmwMmvvmwmii^^
Dornenwege.
15 Kvman von C Dressel.
(Nachdruck Brrbofen.>
„Wahrhaftig säum zehn. Wie früh ihr aufgebrochei, seid
Tante sitzt sonst gern die halben Nächte auf. Höre T.arivu, Du tomm|t um uberhaupc sonderbar vor. Ist etwas oorgeicxUen?"
„Bewahre. Eberhard wird es Dir morgen bestätigen. -Geh jetzt schlafen, Bäcecchen. Darj id) Dir noch Deine Tropfen geben?"
„Gib her. Hast recht. Kleine) — morgen ist auch noch ein Tag.'
Er stand schwersäklig auf, um in sein Schlafzimmer zu gehen. „Dies verdammte Rheuma,-ich. kann ja kaum die Füße heben," murrte er badet.
Marion trat schnell herzu, ihn mit ihrer jungen Kraft zu stützen. Plötzlich blieb er aufborchend stehen. „Da scheint ja Eberhard ivreder zurück. Seltsam, seine Verabredungen pflegen sich nicht in einer halben Stunde zu erledige«. Sitzen sonst bis zum chelleu Morgen zusauuneu. Schist ihn nun doch gleich zu mir, Marion."
„Laß doch, Päterchen. Sprich ihn morgen früh, geh' lieber schlafen," bat sie mit stockendem Herzschlag.
„Kreuzdonnerwetjer, bin ich denn ein kleines Kind, das man beliebig ins Bett steckt?" fuhr er sie au.
„Ich denk' ja nur an Dein Befinden," stammelte sie, jetzt schneebleich im Gesicht.
„Dia ja, ich weiß." Er streichelte ihre blasse Wange. „Ist aber besser, Du tust mir den Willen, fbtit dieser Unruhe schlafe ich doch nicht. Ich rauche lieber noch mit Eberhard eine Beruhigungs-Zigarre. Gute Nacht, Kind." Der Junge wst Dich sofort ab, verstanden?"
„Zu Beseht, Herr Oberst/' sie lächelte und wäre ihm doch beinah' weinend um deu Hals gefallen, so ängstlich und wunderlich wurde ihr zu Akut. Elch mühsani beherrschend küre sie hinaus.
Sie saud den Bruder in seinem Zimmer vor einer eben wweiunbeten Kerze am Lock litten und out leeren Lu^e»
in die Flammen starren. Tre daneben gehende noch licht- . lose Lampe schien er gar nicht zu sehen Er schaute zu>n Erbarmen aus. Blaß, verhetzt, wie einer, der in ein schreck- j Haftes Gorgonenhaupt geblickt. Die kecke Zuversicht seiner - Hellen Augen wie ausgeköscht. Zwischen den Brauen eine tiefe Falte schinerzlichen Nachdenkens. Die rührte Marion be- । sonders. Bis dahin hatte sie in seinem hübschen frischen Gesicht ja nur die heitere setbstverstäiidliche Lebensfreude, die sorglose Geuußfähigkeit geseheu. Aber sie durfte jetzt nicht nach der Ursache dieser traurigen Veränderung fragen. In aller Hast richtete sie ihren Auftrag aus, indem sie den Bruder dringend bat, dem Vater die Vorgänge des Abends einst» weilen zu verschweigen.
„Ja, ja", versetzte Eberhard ungeduldig, „aber missen j muß er's doch einmal. Da ist morgen nicht besser wie heilte. Alterieren wird's ihn gleichviel, das kann ich nicht ändern.*
Nun glitt doch über Marions Lippen die bestürzte Frage: »Mein Gott, was ist denn nur geschehen?"
„Eigentlich was Wundervolles. Ein hoher Preis fiel mir zu, der mich ja selig macht. Aber auch meine Medaille hat eine Kehrseite--" Er seufzte, fuhr sich ratlos über das dichte kurz verschnittene Haar und starrte wieder trübsinnig in die Kerzenflamme.
„Wird's bald, Eberhard?" rief der Oberst scharfe herüber.
„Sofort, Papa!" gab er zurück. Dann raunte er eilends der Schwester zu: „Frida hat mein Wort. Taute hingegen ivill mir den schwindsüchtigen Äff', die Bella, an den Hals hängen, sonst — — Du verstehst."
„O, Golt, was wird daraus? Sag's ihm nicht, — nicht gleich", flehte Marion mit erhobenen Händen.
,„Nicht, wenn es sich irgend vermeiden läßt. Aber reden und doch nicht reden. Gottddonner! fo’n verdeubelten Knoten baut man einfach durch. Ich bin Soldat, aber sein Diplomat. Tas habe ich Taute Diua auch gezeigt."
Ein erneuter, überaus heftiger Ruf erscholl hier, dem Eberhard nun ungesäumt folgte.
Marion suchte ihr Schlafzimmer auf. Sie war todmüde. Vielgestaltige Pflichten hatten sie feit der Morgenfrühe den UM\am *a* in Atijpatpiuug gehalten, d^u M gewaltig»» |
seelischen Erregungen Der letzten Stunden, — ihre Verve» drohten zu versagen. Selbst ihr sunger kräftiger Körper spürte die Wucht der Ueberlaft.
Während sie mit jchweruiüng schwachem Sätteln ihr hübsches Gesellschaftskleid abstreifle, kam von neuem eine groß« Unruhe über sie. Unmöglich, sich mit dieser quälenden Angst niederzulegen und das Gespinst ihrer Sorgen im Dunkel der Nacht verworren fottznweben zu unheimlichen Gebilde».
Denn an Schlaf war jetzt nicht zu denken, wenigstens «ichip bevor sie Eberhard noch einmal gesprochen und er ihr bal Erstaunliche seiner Verlobung mit Frida wie das ernste Zep» wiirsnis mit der Tante aufgeklärt.
Sie zog ein bequeme» Neglig» an und begab sich in ihr Boudoir, wo sie sich fröstelnd in einen Sessel lauerte, Eberhards Rückkehr ermattend.
Und aus dem Schweigen der 9lacht trat wieder die Sorge an sie heran, die große ernste, die sie bis dahin nicht gekannt jene grausame, die nicht allein alle Lebensfreude trübt, sondern selbst die Lust und Fähigkeit zur Arbeit und damit des Scheu» Hauptbedingung ertöten kann.--
Sie sah sie zitternd nahen, die dunklen Gewalten, welche ihrer Jugend goldene Sonne verlöschen würden.
Frida und Eberhard. Die Vereinigung beider mochte den Tod ihres eigenen Glückes bedeuten. Wenn jene schließlich auch vielleicht ohne Unterstützung der Tante heiraten konnten, sofern nur Fridas Vater, den man einen gut fituierten Man» hieß, damit einverstanden war und Eberhard fest genug, mit den allzu verschwenderischen Gewohnheiten zu brechen, so hing doch ihre eigene Zu kauft, wie der Vater immerfort betonte, nur zu sehr von dem Woblivollen der Taute ab, das sie 1^ mit Eberhard zerfallen, ganz sicher entziehen würde.
Wie mochte aber der träufelnde Vater, der sich so freudig in diese Vorstellung twienigehbi, nun die Vernichtung diese« Hoffnung tragen? Eine heiße Angst stieg in Marion auf, fast mehr noch um den alten Mann ol» um ^r junges ^ö» ssihrdetes Glück.
(Focisepung foulte