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WWerner Zeitung

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 62

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Donnerstag, 25. Mai 1922

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74. Jahrgang

Ium hundertjährigen Bestehen des Areises Schlüchtern.

«gn Rektor G. Maldfeld zu Steina».

IIL Die Verhältnisse im Kreise zur Kurhesstschen Zeit bis zum Jahre 1866.

(Fortsetzung.)

8 Das Geadarmerie «ad Polizeiwefe«.

Das hessische Gendarmeriewese» war bereits kurz vor Errichtung der Kreise neu geordnet worden, und zwar durch Die Verordnung vom 13. November 1820, die in 13 Ka- pttefo und 129 Paragraphen genaue Vorschriften über die Organisation und den Dienst desLanddragonerkorps", wie die Gendarmerie damals genannt wurde, gab. Danach trug das Landdragonerkorps ganz militärischen Charakter und hatte die Aufgabe, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die pünktliche Vollziehung der Polizeigesetze zu fichern- Es setzte sich auS verständigen, zuverlässigen, tapferen und diensitlfahrenen, dem Tränke nicht ergebenen, unbestraften und schreibfertigen Mannschaften der Armee zusammeu und Metzelte sich in zwei Eskadrons. Diese zerfielen wieder in DistriktSkommandoS, welche, je nach Bedürfnis, in Brigaden zu Pferd und zu Fuß etugiteilt waren Jede Brigade sollte wenigstens aus 4 Mann bestehen Das gauzr. KorpS war auf 9 Distrikte verteilt. DistriktSort für unsere Gegend war Hanau. Die Mannschaften trugen dunkelblaue Röcke mir grünen Aufschlägen, Kragen und Epauletts mit graue Beinkleider-

Infolge der Verwaltungsreform Ün Jahre 1821 und der EU Provinz, und Kreisordnung wurde auch dasLand dragsuerkorps" umgestaltet, und zwar in diekurfürstliche Gendarmerie", und in eine Brigade formiert, die auf die vier Provinzen verteilt wurde. Inspekteur wurde der Gene- ralmajor Georg Wilhelm Ludwig von Dalwigk zu Hanau, PLovinzraik-lLMLndgut im Hauauischrv der Oberstleutaant Friedrich von Schmied und zHlstriüsLmtla,««»»«; für unser? Heimat der Rittmeister Georg Vierheilig zu Salmünster, dem baun 1829 der Wachtmeister Konrad Aßmann folgte (bis 1834).

Auch die Uniformen erfuhren eine Arnderung. Sie bc- fianden nunmehr aus dunkelblauen Kolletts mst gelben Kragen, yoncraurote« Aufschlägen und gelben schleife», gelben Knöpfen und poaceaurotrn Achselklappen; ferner aus duakelblauen Litewken mit gleichen Kcage«, Schleifen und Achselklappen Die Reit- und langen Hosen waren grau und hatten rote Vorstöße. Die Mäntel waren ebenfalls grau und hatten yonceaurote Achselklappen und gelbe Ab­zeichen am Kragen. Die Tschakos waren mit gelben Fang- schnüren versehen. Dt4 Lederzeug war schwarz. Die Offiziere trugen goldene Schleifen, Achselstücke mit vergol­deten Ketten und ebensolchen Halbmonden.

Durch die Verordnung vom 29. Oktober 1827 wurde die Befugnis der Geudarmen zu Verhaftungen und zum Gibrsuche der Waffen erweitert.

Dornenwege.

4 Roman von C. D r e s s e l.

(Nachdruck »erboten.!

Sein Vater lachte dazu m,t einer feinen Ironie, die doch nicht ganz ohne Verlegenheit war. Ahnte er doch, daß dies lange Zögern in Cousine Tina dereinst Hoffnungen er­regt, deren Erfüllung ihm ganz fern gelegen, wenngleich ihn ihre lebenslange treu gesinnte Anhänglichkeit, sie hatte schon als Backfisch viel von ihm gehalten, gewissermaßen rührte. Aber er hatte sich nun mal als blutjunger Leutnant während des letzten französischen Krieges in eine junge graziöse Französin verliebt. Eine ganz aussichtslose Neigung, die dennoch so stark gewesen, um ihn Jahre hindurch gegen jeden Frauenreiz zu seien.

Viel später, als Eberhardine v. Mollentin bereits in mittleren Jahren stand, war es einer jungen anmutigen Deut­schen vorbehalten gewesen, ihn ernstlich zu fesseln und zum glücklichsten Gatten zu machen. Dina hatte sich mit seiner ergebenen Freundschaft begnügen müssen und ihn auch nie eine etwaige Enttäuschung enrpsinden lassen, sondern allezeit in nahem verwandtschaftlichen Verkehre mit ihm und feiner frönen jungen Frau gestanden. Die schwärmerischen Jugend- gefühle aber schien sie auf seinen Sohn, den man rücksichtsvoll nach ihr benannt, übertragen zu haben, denn von Geburt an w«ed« er geradezu von ihr vergöttert. Bei der später ge- borenen Tochter war man weniger vorsichtig in der Namens- Wahl gewesen.

Me Kleine wurde Marion getauft. Fräulein v. Mollentin Aber hatte weder den hübschen Kamen, noch feine liebliche Trägerin je wd)t leiden können. Uberft Rardeck glaubte diese seltsame Ab«eiguua nicht mit Unrecht auf einen Rest früherer Eifersucht znrückführen zu müssen, denn seine junge Fähn- richSliebe hatte in der Tat Marion geheißen und Dina mochte, Gott weiß wie, hiervon Äunbe bekommen haben. Er schüttelte zwar den Kopf über Dinas Verdrehtheit, mußte aber ein« sehen, daß er mit dieser unschuldigen Namensreminiszenz einen Fehler begangen und konnte nur hoffen, daß der be- oorM!? Eberhard dereinst wett machen werde, was die Laune

»m «UMle i^1^ Töchtercheu euw*

Im Landtags rbschtede vom 31, Oktober 1833 wünschte die StändevrrsamNlnng eine Reorganisation der Landzen dar.nerie. Dies-! erfolgte dann auch durch die Verordnung vom 29. Oktober 1834 Danach wurde die Gendarmerie nunmehr dem Ministerium des Inner« unterstellt. Doch blieb ihre Organisation und innere Dienstordnung auch ferner militärisch; denn in allem, was Disziplin und Straf- recht betraf, war sie den Kriegsgefetzen unterworfen. Bereits vorher hatte sie wieder eine neue Uniform erhalten. Diese bestand jetzt aus dunkelblauen Kolletts mit schwarzen Kragen und Aufschlägen und mit rotem Vorstoß-, gelben Schleifen, gelben Knöpfen, grauen Beinkleidern, grauen Mänteln mit pavceanroteq Achselklappen, schwarzen Abzeichen und rotem Vorstoß am Kragen, Tschakos mit gelben Fan-schnüre» und schwarzem Lederzeuge. 1843 traten an die Stelle der gelben Fangschnüre an den Tschakos weiße.

Seit 1846 aber trug die Gendarmerie dunkelgrüne Waffenröcke mit kornblumenblauen Kragen, Aufschlägen mit rotem Vorstöße und einer goldenen Unteroffizierstreffe, gelben Knöpfen und Litzen und dunkelgrüue« Schulterklappen rotem Vorstöße, ferner graue Beinkleider, graue Mäntel mit roten Achselklappe», Helme mit gelben Beschlägen, tom» backenen Löwen und schwarzen Haarbüsche« sowie weißes Lederzeug.

Durch die Verordnung vom 10. April 1845 wurde der rein militärische Charakter der Organisation und Dienstord- nun« der Landgendarmerie wieder hergestellt. Doch hob man am 7. Dezember 1848 diese Bererdnung wieder auf und unterstellte die Gendarmerie abermals dem Ministerium des Innern. Das AnSfchreiben dieses Ministeriums vom 6. März 1849 regelt« dann ihre Wirksamkeit und Dienstleistung.

Die Verordnsng vom 15. November 1855 stellte zwar wieder den militärischen C'-arakter der Gendsrmerie in den Vordergrund, ordnete sie jedoch in alle« die Wirk­samkeit und DienstleisiMg betreffenoiU Angelegenheiten dem Ministerium des Innern und nur i« militärischen Auge, legeahe t«u vrm Ädtg»«iiü^exiu^i' u^r- So blieb eS bis zum Ende des Kurstaates.

Als die Preußen in Hessen einrückten, beschäftigte sich schon der erste Erlaß des Gmeralgsuverseurs von Werder und des Administrators von Maeller vom 23 Juli 1866 mit der Landgendarmerie, regelte deren Verhältnisse und stellte die einzelnen, den Kreisen zu;eteilt«n Sektionen der­selben unmtielbar unter den Landrat.

Die Sicherheit und OrdnungSpolizei war nach der Verordnung vom 29. Juni 1821 dem Ministerium des Innern »nterstellt. An ihrer Spitze stand nach der Vrr- ordnug vom 27. November 1821 ein OSerpolizeidirektor, dem ein Obeipslizeikommissar beigeordnet und welchem die Polizetdirektoren untergeordnet waren

Die Polizeidirrktoren waren Mitglieder der Pcoomzial- regierungen. Ihnen wäre« ein bis zwei Pollzeikommiffare Nrbst dem nötige« Unterprrsona! beigeaeben. In ihrer Havd las die jpez-elle Leitung der S'chrrh-itSpolizei, «nd ihren

Sähest Du Günter heute schon?^ fragte er jetzt den Sohn.

»Wir trafen uns bei Bauer, er wird gleich kommen. Ich eilte voraus, um Marion zu benachrichtigen, daß wir uns heut abend, Westerot natürlich auch, bei der gnädigen Tante einzufinden haben."

Das konnte sie mich recht gut gestern wissen lassen, nun hab' ich was anders vor," verfette Marion unmutig.

Gestern? Ja, da hatte sie eben noch nicht die edle Ab­sicht, uns zusammenzutrommeln. Du solltest doch an ihre Ueber- raschungen nachgerade gewöhnt fein/ lachte Eberhard gemütlich.

Sie tyennnistert uns geradezu."

.So schlimm ist's wohl nicht," begütigte der Oberst, dessen Empfindlichkeit sich selten gegen die Cousine richtete. »Schließlich kommt die Einladung wie gerufen. So hat Westerot gleich Gelegenheit, ihr die gute Neuigkeit mitzuteilen, denn seine end- gültige Ernennung ist bereits unterweas."

Marion sah betreten vor sich nieder. Sie haßte diese un« aufhörliche Botmäßigkeit unter den Willen der Tante, gegen den sie sich niemals offen auslehneu durfte, da Vater und Bruder, welche ja überhaupt gut mit der launenhaften alten Dame fertig w«den, nichts Beschämendes darin sanden. Nun bemerkte sie in zögerndem Widerspruch:Ich hatte Frida Heut zum Tee gebeten.

Na, Freundinnen nehmen es doch mit einer Absage nicht so genau," meinte Eberhard,wenn Du willst, gehe ich selber bei Fräulein Urban vor und benachrichtige sie noch zeitig genug von dem Zwischen fall, denn zur Tante mußt Du mit, das geht einmal nicht anders."

Nun so tu mir den Gefallen, übelnehmerisch ist Fnda zum Glück auch nickt."

Bewahre. Ueberhaupt ein prachtvolles Mädel. Na und einen sehr netten Bruder hast Du auch, » eine Marion, ich glaube Du bist ein bevorzugtes Menschenkind." Mit diesem Scherz machte sich der Leutnant eilig davon. Bereits in der Tür, rief er noch zurück:Zieh' Dich ein bißchen nett an, Du weißt, Tante beansprucht so was wie Courrodeu."

Auch der Oberst schickte sich an, das Znumer zu verlassen. tu vor aber küßte er mit seltsamer Weichheit Marion mn Die irrn und jagte voll herzlicher Güte: »Ich werde"^"

Weisungen hatten die Kreis'- bezw. Landräte und die Land dragonrr in der Provinz schuldige Folge zu leisten.

In den Kreisen hatte der Kreis- oder Landrat die Po- lizrigewalt zu handhaben. In den Städten sowie i« dem Hauptorte jedes Justizamtes bestanden besondere Polizet- kommisfionerr, deren Leitung aber auch dem Kreisrate oblag. Ihre Verhältnisse regelte die Verordnung vom 12. Januar 1822. Nach dieser sollten diese Kommifsioae» neben dem Kreisrate aus dem Jastizbeamt««, dem Reutmeister, einem Forstbeamten, bem Bürgermeister und einigen außerordent­liches Mitgliedern bestehen. Die Sekretärgsschäste hatte der Jnstizamtsaktuar wahrzunehmen. Die Polizetkommifstou war vslizeirichterliche Behörde in dem Bezirke des betreffenden JustizamteS und hatte über die Nrbertretuug der Strafge­setze und über die Streitigkeit«« zwischen DieutzhrrrfHaft und Gesinde sowie auch zwischen Zunftgenosse» zu eutschetdeu. Sie hielt jedes Monat eine Sitzung ab.

Die Ortspolizei lag nach der Gemeiudeordnuag vom 23. Oktober 1834 des Ortsvorstävde« ob.

In unserem Kreisgebtet« bestanden vier Polizeikommisstoue«, nämlich zu Steinau, Schlüchtern, Salmünster und Schwarzeu- fels. Es gehörten an

I der Polizeikommission zu Steinau

a. als ordentliche Mitglieder 1823 Kreisrat Stern zrr Schlüchtern.

FoEnspektor Wickel zu Steinau Justizbeamter Met Reutmeister Weitzel

Bürgermeister Pauli

1826 Kreisrat Giesler zu Schlüchtern,

1830 Heuß

1831 Justizbeamter Mu^hrrd zu Steinen

1833 Mühlhaufe

1834 Reatmrister Deufchle

1835 Landrat Wachs zu Schlüchtern, 1837 Reutmeister Dernbach zu Steiuau, 1841 Laudrat von Specht m Schlüchten- 1844 Oberförster Engelhard zu Steinau. 1847 Landrat Weg»« zu Schlüchtern, Rentmeister Seiffert zu Steinau;

b. als außerordentliche Mitglieder:

1823 Kreisphysitus Dr. Wagner zu Steinau, 1826 Landhaumeister Manns zu Oberzell, Straßenbauisgenieur Spangeuberg zu Steinau 1844 Physikus Dr. Flies zu Salmünster; c. als Sekretäre:

1823 Amtsaktuar Möller zu Steinau.

1829 Haas

1833 Zick

1835 Küster

1839 Ruppel

1845 Keitz

SWiaiBS^JWW-l9^^**^^^^ -MIIW» I MMMMMMMMMMÜWWBMMm - IBI iiuiäihft bei mir cmp^n^sn. Darnach mag er Dir hier sagen, wie ihm meine Nachricht gefällt."

Mir der Arbeitsruhe war es natürlich vorbei, und Marion machte sich daran, ihre Malgeräte fortzurämnen Das geschah auch nicht mit der sonstigen Ordnung-, icie. sondern in eiliger Oberflächlichkeit. Sie warf alles durch­einander in die große Schublade des Fsnsterrisches urid ver­gaß. rvas ihr bis dahiil nie passiert war, die fertigen Arbeiten sortzuschtteßen, als sie in großer Haft in ihr Schlafzimmer lief, um die Toilette zu wechseln.

Da sie trotz der Abendgesellschaft auf dem erhofften Früh- . lingsspaziergang nicht verzichten mochte, wechselte sie das HauÄleid zunächst mit einem hübschen hellen Straßenkostüm und begnügte sich, das reiche wellige Haar, es hatte die seltene Farbe reifer Kastanien, mit einigen Kammstrichen zu ordnen, alles Weitere auf die Abendtoilette verschiebend. Bei ihren großen körperlichen Vorzügen und dazu in der ersten Jugend­blüte stehend, war sie aber selbst im einfachsten Kleidchen von bezaubernder Anmut, und so sah sie auch jetzt ebenso vornehm als reizend aus.

In ihr Boudoir zurückkehrend, fand sie beu Verlobten hart bereite: ihr« wartend.

Mit einem Freude,üaut flog sie auf ihn zu.

Der Assessor Westerot zeigte in seiner stattlichen, äußerst korrekten Eri«heinung den Typus des höheren Beamten. Aber die reservierte Ruhe seines blaffen lvohlgebüdete» Gesichts belebte sich, als er die junge Braut begrüßte. Ja, sein Blick hing mir leidenschaftlichem Entzücken an ihre» holden Zügen, während er ihr zuflüsterte:Meine Marion, bald, bald wirst Du mir völlig angeboren."

Sie nickte beglückt.Du gehst gern nach R. nicht, Günter?" Ob ich es tue!" lachte er vergnügt.Es ist ja meine Adoptivvaterstadr. Erzaktte A Dir das Nicht schon?" Sie verneinte.Ich tenne nur Deine Berliner Zeit. Und daß Du der beste, liebste Mann bist, weiß ich auch, das ist genug." Sie scharrte ihm mit einem holde,t vertrauenDen Lächeln in das klugzügige Gesicht.Wenn Du nun früher schon in N. lebtest/ fuhr sie fröhlich fort,wirst Du da sicher eine Menge Frerrnde haben lind bald ivieder heimisch werde«. Leben dort auch Verwandte von Dir?"

(Fortsetzung folgt)