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Schlüchterner Zeitung

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 60

Samstag, 20. Mai 1922;

74. Jahrgang

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Erstes Watt.

Als Generalkonsul in Petersburg ist Geheimrat Keßler, der frühere Referent für Polen im Auswärtigen tot in Aussicht genommen.

Der frühere Fähnrich Oltwig von Hirschfeld, der we­gen geistiger Erkrankung in einer Klinik in Freiburg ij. Br. untergebracht war, ist dort wieder entlassen wor­den und befindet sich in Strafhaft.

Die interalliierte Kommission in Oppel« hat eine ^sondere Kommission zur Feststellung der Entschädi­gungsansprüche eingesetzt.

Der Kreisansschutz des Saalkreises hat den kom­munistischen Arbeitersekretär Grabow mit 15 gegen 12 Stimmen zum Landrat des Saalekreises gewählt.

Die Zahl der in Fort Lamalgue (Avignon) zurück- gehaltenen deutschen Kriegsgefangenen beträgt noch 28.

: Der Reichskanzler wird Ende dieser Woche aus Genua in München erwartet.

Im Reichstage richtete der Reichsarbeitsminister an alle Beteiligten eine Mahnung zum Frieden in der Me- jallinöusirie.

Im Hauptausschutz des Reichstages wurde die De­batte über das Pensionskürzungsgesetz sortgesetzt.

Ja der deutschen Schiffsbanindustrie ist der Lohn- streik beendet worden.

Graf Brockdorff-Rantzan soll als deutscher Gesandter in Moskau in Aussicht genommen sein.

Trotzki wurde von seinen Gegnern der Boruvrrf ge­macht, daß er sich durch private Finanzoperationen in unzulässiger Weise bereichert habe.

Die Kathedrale von Wloctawek ist in die Luft ge- sprenat worden.

Die Württembergische Kattunmanufaktur in Heiden­heim an der Brenz, die 700 Arbeiter beschäftigt, ist voll- WMg niedergebrannt. Der Schaden geht in die Mil­lionen.

Trotz der Washingtoner Abrnsinngskonserenz setzen Amerika, Japan und England ihre Rüstungen lebhast

Dem Ministerpräsidenten de Facta in Genua ist ein clegramm aus Düsseldorf zugegangen, in dem ener- schum Aufhebung der Besetzung von Düsseldorf, Duis- ------d Ruhrort gebeten wird.

Der bekannte Dr. Dorten ist aus der Rheinischen olkspartei ausgeschlossen worden. Außerdem steht ihm e Anzeige wegen Betrugs bevor.

Der Abschluß eines russisch-tschechische« Staatsab-

mmens wird von zuständigen Seite dementiert.

Im Atlantischen Ozean sind, wie Radiotelegranune eldm, schwimmende Minen gesehen worden, die für t Schiffahrt eine große Gefahr bedeuten.

Dem früheren amerikanischen Botschafter i« Ber-i , Gerard, ist von Poincaree das Oftizierskreuz der renlegion verliehen worden.

Aus Sofia wird die Verhaftung mehrerer Offiziere c Wrangel-Armee gemeldet.

Die neue Schiffahrtslinie Kanada - Hamburg ist er- ifinet wordem

Der Friedenspakt-Vorschlag. ^-Der Garantiepakt, der am Donnerstag der vollst« wen Kommission und am Freitag der Plenarsttzung der

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*siflw

pan, Polen, Rummnen, muvrarw, Tcyweven, ute Schweiz) begrüßen es, daß eine Kommission ernannt werden soll, um die Gegensätze zwischen der russischen Sowjetregierung und den anderen Regierungen zu prü* ffen und sich mit einer russischen Kommission, die ein ebensolches Mandat hat, zu begegnen. 2. Spätestens am 20. Juni müssen die Namen der Mitglieder der nicht- russischen Kommission zur Kenntnis der russischen Re­gierung und die Namen der Mitglieder der russischen Kommission zur Kenntnis der anderen Regierungen ge» Dracht werden. 3. Die von diesen Funktionen behan­delten Fragen müssen alle existierenden Fragen umfassen, die sich auf die Schulden, auf jjas Privateigentum und auf die Kredite beziehen. Missionen müssen sich 5. Die Haager Komu

4. Die Mitglieder der Kom-

am 26. Juni im Haag begegnen.

. _ . ______ . issionen werden sich bestreben, zu

Herr in Punkt 3 vorgesehenen Fragen Empfehlungen aus- zuarbeiten. 6. Um die ruhigere Arbeit der Kommissionen zu gewährleisten, ist das gegenseitige Vertrauen herzu­stellen, werden einerseits zwischen der russischen Sow- jetregierung und den mit ihr gegenwärtig verbündeten Regierungen und andererseits zwischen den unterschrie­benen Neuerungen Verembarungen abgeschlossen, die den Zweck haben, sich von allerlei Angriffsabsichte« auf das Territorium der anderen Staaten sowie einer jeden Propaganda zu enthalten. Die Verpflichtung bezieht sich auf den gegenwärtigen status gno und dauert vier Mo­nate lang vom Abschluß der Arbeiten der Kommissio-

neu an.

Tschitscherius Bereiterklärnng zur Teilnahme.

landA ans

In der Vormittagssitzung der Unterkommtssion der ersten Kommission am Mittwoch teilte Tschitscheri« die russische Antwort auf die Vorschläge der Unterkommis- i mit. Er beschwerte sich darüber, daß die Russen von den Beratungen der Unterkommission ausgeschlossen worden seien und daß der russische Vorschlag auf Ein­berufung einer Sachverständigenkommission nicht in der vorgeschlagenen Form angenommen worden sei. Gleich­wohl werde Rntzlaud sich an der Konferenz beteiligen. Nachdem Tschitscherin noch gegen den Ansschlutz Deutsche 7 ..'I 7 der Zahl der an der Kommstsiocr teilnehmend den Staaten protestiert hatte, schlug er als Sitz der Sach­verständigenkommission Stockholm oder Riga vor, doch würden die Russen auch mit Loudou oder Rom eitiver- standen sein. Sollte es sich zeigen, daß nicht alle Staaten bei der Regulierung ihrer Beziehungen zu Rußland dce- selben. Freiheiten genießcn mordet n ^ vor der Genue­ser Konferenz, so wtuche utußrand. o.c J-mgc »einer xen nähme an der Konferenz erneut aufwerfen. Artikel -> des BnrqfriedenSpaktes müsse auf alle mit Rußland al­liierten Republiken ausgedehnt werden. Da Rußland in den letzten Jahren nicht von regulären Armeen, son­dern auch von Banden angegriffen worden sei, so müsse § 6 einen dementsprechenden Zusatz erhalten. In Finn­land und Polen müßten die Banden, Zlrbeiterbataillone usw. aufgelöst, aus Rumänien und Bessarabien alle Druppen Wrangels und Petljuras entfernt werden, jBeiderseits der Grenzen sollten Koutrollzonen geschaffen werden.

Jn seiner Erwiderung bezeichnete es Lloyd George als absolut richtig, daß Deutschland von der Diskussion der Kredite ausgeschlossen werde. Bevor man zu den Krediten komme, müßte erst die sehr schwierige Frage der Privatgüter und der Schulden erledigt werden. Deutschlands Beitrag zum Kredit könnte auf alle Fälle nicht sehr bedeutend sein. Andererseits würde Deutsch­land, wenn es anwesend sei, über Fragen mitberaten, ' Mon zu einem Abkommen mit Ruß- Wenn ein Uebereinkommen verwirk­

bezüglich derer es Mnd aelanLt sei.

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tlcht fet und den Regierungen die Anempfehlung ge- !macht worden sei, würde es eine Torheit sein, Deutsch­land die Mitarbeit am Wiederaufbau Rußlands zu ver­sagen. Wenn neun Zehntel der auf der Konferenz ver­tretenen Länder für den Haag als Beratungsort seien, dann ncützte diese Ansicht das Uebergewicht haben. Das russische System und das in den übrigen Ländern der Welt herrschende lasse sich nicht vereinigen, aber sie näherten sich jetzt einander. Nominell sei das Land in Rußland nationalisiert. Tatsächlich sei es das Eigen­tum der Landleute. Man werde schließlich in Rußland! zu einem ähnlichen System kommen, wie es auf die fran­zösische Revolution gefolgt sei. Gegen die getrennten Kommissionen könne kein Einwand erhoben werden. Weiter sagte Llovö George: Als wir eine Intervention in Rußland ermutigten, haben wir es offen getan. Wi^ haben später gesagt, wir würden es nicht mehr tun uns haben unser Wort gehalten. Mit der Expedition Wrän­ge! haben wir nichts zu tun. Die gegenwärtigen Streit­kräfte Wrangels stellen eine größere Gefahr für das Land dar, in dem sie sich befinden, als für Rußland. Ich hoffe, daß wir uns nach Abschluß des Burgfriedens- paktes mit den Angelegenheiten unserer eigenen Länder befassen werden.

Schanzer bat hierauf die russischen Delegierten noch einmal, zu prüfen, ob sie nicht auf die Abänderungs­anträge verzichten könnten, um uicht durch ausgedehnte Diskussionen das erreichte Uebereinkormnen zu gefähr­den. Tschitscherin bestand trotzdem auf einigen leichten Abänderungen bezüglich des Burgfriedenspaktes, der irregulären Banden und dem Sitz der Sachverständigen­kommission.

Skirmuut erklärte, Polen sei bereit, den Burgfrie- öenspakt zu unterzeichnen, indessen dürfe durch die Un­terzeichnung keine Abänderung in den Abmachungen von Riga eintreten.

Haag als Ko«fere«zort.

Ueber das Ergebnis der Sitzung der Unterkommis­sion verlautet, daß sie zu einer Einigung geführt hat. -Als Ort der Konferenz, die sich mit der Weiterberatung der russischen Frage befassen wird, ist der Haag auser- sehem Donnerstag findet eine Vollsitzung der politi­schen Kommission statt und am Freitag dürfte voraus­sichtlich um 9 Uhr vormittags die letzte Vollsitzung der Konferenz eröffnet werden. Die Delegationen werden vermutlich Freitag abend oder Sonnabend abreisen.

nifche Weigerung, an der Haager Konferenz teilzuneh- men, noch nicht endgültig betrachtet. Dce aus Washmg- ton kommenden Nachrichten aus dortigen offiziösen Kreisen haben dazu beigetragen, auf einen Meiunngs- «mschwnng zu hoffen. Berfchiedene Meldungen ver­sichern, daß zwischen Genua und Washington augenblick­lich rege Nnterrednngen gehe«, um Ilmerika doch noch zur Aenderung seiner Haltung zu bringen, und zwar schreibt man diese Bemühungen ebenso der englischen wie auch der ttalienischen Düegatiou au.

Sie Zwangsauleihe.

b* 9luf Grund erteilter Informationen des Reichsfi­nanzministeriums haben einige Berliner Zeitungen Me Meldung derT. U." über eine regierungsseitig geplante Umänderung der Zwangsauleihe dementiert Dieses Dementi bestätigt aber und ergänzt sogleich die Jmor- mation derT. UA wonach ;tu den Anleihezwaug nun­mehr als unterste Grenze der Staffeluna 100 000 Mark, als oberste Grenze 1 Million Mark vorgeschlagen wer- ücm Das ist eine Einschränkung gewisser LieZKe«U!^

Dornenwege.

Roman von C. Dresse!.

(Nachdrack der8a!kir>

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<vo wünrer

mrer mich zu einem Spaziergang holen kommt?* Hoffentlich lockt auch ihn dies himmlische Wetter 'chwerlich hier sein

f wui uuu/ 1911 Dies gunuin

^monä. Vor fünf Uhr wird er aber schwerlia, wnnen, bleibt mir also noch eine volle Stunde. Die darf ich aber unmöglich vertrödeln. Drum rühr Dich, liebe Marion. Wenu Günter zum Abend bleibt, wird's heut doch nichts mehr. Ein hübsches Sommerkleid hast Du aber recht nötia. Kannst doch nicht ewig mr oerselben Fahne vor dem Herrn Assessor paradieren. Der liebt noch weniger dieselbe Couleur m Blau als Du."

Sie lachte laut vor sich hin. Ein helles herzfrohes Lachen, dem nicht die leiseste Bitterkeit anhaftete. Dann stellte sie hurtig den deckel in £

an einem Mappen- as erforderte neben

der Geschicklich!

ter GeschicklichkeN auch einen Aufwand an straft. ES wurde Marions« warm dabei, daß sie es gar nicht ungern sah, als chreS Vaters unvermuteter Eintritt vorläufig das eifrige Tun unterbrach. Sehr selten suchte er sie in ihrem kleinen Reiche aus. Ebenso überrascht als erfreut, hieß sie ihn daher will- «mmen. Ja, sie wagte sogar einen leisen Scherz. Welche «hre, Herr Oberst. Belieben Sie Platz zu nehmen, sagte sie mit einem tiefen Knix und schob ihm eilfertig einen Arm- stuhl zu. Schwerfällig ließ sich der Oberst auf dem zierlichen Möbel nieder, das unter der großen korpulenten Gestalt, die wenig mehr an den schneidigsten Kommandeur der Königs- Aazren exinnexte, niederzubrechen drehte.

Du »vertreibst Deine Liebhaberei, Marion; wie erhitzt Du bist. Günter mag das ebensowenig wie ich. Eine junge Braut soll möglichst frisch aussehen, aber Du malst und brennst und schwitzt Dich ja ganz zu Schanden. Wozu brauchst - halbe Welt mit Deiner Hände Arbeit zu be»

d....u . r wenig zusammen. ach gleich darauf sie soralos:

So kläglich sehe ich auS^ und rch hielt mich geradezu - tw.Stilb neu GeüEvuL Schau' .mich mal recht au,

S>< innre b-.; vor n,m y.u M ihrer strahlenden Frische, der schwellenden Kraft ihrer jungen Glieder. Aus ihrem blühenden herzigen Gesichte leuchteten die großen, tiefen Blauaugen voll gesunder Lebenslust in die Welt, und sie sah so anmutig und zugleich so glücklich aus, daß sich in dem nörgelnden Oberst

zugleich so glücklich aus, daß sich in dem nörgelnden Oberst jetzt die helle Vaterfreude regte.

»Nu, nu, wollen nicht gleich den Teufel an die Wand malen, brummte er versöhnt. Siehst ja noch paffabel aus, Kleine. Ist freilich auch bloß Schuldigkeit, wenn man krrapp vor der Hochzeit steht."

Damit hat's ja noch gute Wege, Väterchen. Tut auch nichts. Um so länger das Brautglück. Und Günter ist's auch zufrieden."

Hm, das sagt sich so. Er tzt Dir um ein Dutzend Jahre voraus. Da sehnt sich der Mann nach dem eigenen

Herd unter sicherem Dach. Komm', Marion, setze Dich mal her, ich habe Dir was zu sagen." In beklommener Ver­wunderung hing sie an seinem Munde.

Er sprach jedoch nicht sogleich, sonder« ließ schweigend die Augen durch das Zimmer gleiten. Sinnend blieben sie an dem einen oder anderen Gegenstände hängen, den stumm- beredten Zeugen eines nun lange gestorbenen Eheglücks. Zur Zeit dieser Ehe, die eine überaus glückliche gervesen, hatte er seines Lebens Höhepunkt erreicht. Zu den Ehren einer hohen militärischen Charge gesellte sich der Segen völliger Berufs- besriedigung und Herzensruhe. Der frühe Verlust seiner jungen geliebten Frau, die ihm zwei blühende Kinder geschenkt, be­rührte ihn dann so tief, daß mit ihm ein schnierzlicher Rück­schlag begann. Viel kränkelnd, reichte er den vorzeitigen Ab­schied ein. Aus dem diensteifrigen strammen Offizier wurde ein unflätiger, nervöser Privatmann, der mit seinen leeren Tagen nichts anzufangen weiß und sich ebensowenig verstehen mag, irgend ein Steckenpferd zu tummeln, denn der Oberst hielt nichts von kläglichen Surrogaten.

Auch die pekuniären Verhältnisse hatten sich unliebsam verändert. Ein eigenes, kleines Vermögen, sowie die Mitgift keiner Frau war nahezu in den Repräsentativnsjahren drauf» gegangen. Beide, heitere Genußmenschen und dazu von einer liebenswürdigen Freigebigkeit, hatten sie lediglich dem Noblesse abiige gelebt und dabei das genauere Rechne» vergessen.

I av ver m ut Der Oberst »och heute nicht. Er war vo« einer unglaublichen Sorglofigkeit und Naivität m Geld­angelegenheiten, lebte beständig über seine Mittel und wunderte sich nicht einmal, als mittelloser Pensionär überhaupt noch Kredit zu finden.

Sein gutes Wort und vornehmes Gesicht hätte das freüich nicht zu Wege gebracht, denn die Geldleute, mit denen er hier und da zutun hatte, waren nicht unvorsichtiger als andere, aber daß sie gewissermaßen seine Verwandte, das sehr vermögende alte Fräulein von Mollentin zum Bürgen nahmen, bedachte er kaum. Indes war es Tatsache, daß Eberhardine von Mollentin in ihrer großen Vorliebe für ihr Patrnkind^ den jungen Eberhard Nardeck, des öfteren die Verlegenheiten von Vater und Sohn geschlichtet. Es hieß allgemein, sie habe den jungen Nardeck zum Erben eingesetzt, und so mochte die Sorglosigkeit dieser wie die Willfährigkeit jener, durch dev» artige günstige Umstände ihre Erklärung finden.

Als Marion, das Köpfchen voll feuriger Unternehmungs­lust, sich an die Spitze des Hauswesens stellte und die Un­zulänglichkeit der Mittel sowohl als ihre sorglose Verwendung erkannte, suchte sie in die heillose Verwirrung etwas Ordnung zu bringen. Allein es war eine Sisyphusarbeit, des Vaters Achtlosigkeit, des Bruders Leichtsinn rissen ihr saures Mühe» immer wieder um. Ja, Eberhard lachte sie einfach aus. Er behauptete, durchaus kein sinnloser Verschwender zu sein, aber wenn die Tante ihr Vergnügen daran habe, ihm die Tasche» voll Geld zu stopfen, wäre er ja ein Narr, sich nicht gleich­falls zu amüsieren. Sie dagegen fei mit ihrem unnötige» Schuften,unb Sorgen eine große Törin. Und doch lehnte sich Dtarions Stolz so heftig gegen den Mitgenuß dieser ein­seitigen Wohltaten auf; denn Tante Dina, die Eberhard, geradezu vergötterte, niachte sich seltsamerweise aus ihr selber nicht das geringste. Ja, Marion glaubte zuweilen, die alte sonderbare Dame fei ihr entschieden abgeneigt und so ver­suchte sie immer wieder, wenigstens den Haushalt und ihre bescheidenen Toilettenbedürfnisse ohne Tante Dinas Hilfe z» bestreiten, wenngleich sie für ihre ängstlich durchdachten Spar» samkeitsbestrebungen kaum eine andere Anerkennung fand, als die, welche ibr das Bewußtsein, recht in tun, rufprach.

LSortsetzmig folgt)