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Kreisblatt
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: Erscheint 3mal wöchenü. Drahtanschr.: KreiSblatt Schlüchtern. j r Druck u. Verlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Verantwort!. • kSchriftleit. H.«T. Hohmelster, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- ! ?brüdernr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsslörung 06. ; ^Stromsperre erlischt jede Verpflichtung aus Schadenersatz. •
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Nr 53
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Der preußische Laudgemeittdeverbaud hat sich gegen Me Getreiden iulage ausgesprochen.
Zwischen Frankreich und Japan soll ein Vertrag be- steherl, der polittsche Vorrechte für Japan in Nordchina und Sibirien, für Frankreich in Südchina vorsieht.
Das preußtsch» Staatsministerium beschoß, die Stadtverordneten-Versammlung von Stendal aufzmö- jen, da sie infolge des Zwiespalts zwischen den bürgerlichen und den sozialdemokratischen Parteien beschlußunfähig geworden ist.
Die Beratuugeu über das Eisenbahnfinattzgejcst, die der Organisationsausschuß beim Reichsverkehrsmiuiste- rium seit mehreren. Moriateu gepflogen hat, sinn setzt ab- geschlossen worden und haben verschiedene Abänderungsvorschläge gebracht.
Im Reichstagsausfchntz für Beamtenangelegenheitetl wurde das Gruppenwahlsystem für Beamtenräte abge
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lehnt.
Die Beratungen über das Eikenbahnfinanzgesetz nunmehr abgeschlossen.
Der Berliner Siadthaushalt für das Jahr 1922 beziffert sich auf rund 12 Milliarden Mark.
Der polnische Außenminister Skirmunt wird vor
aussichtlich in den ersten Tagen des Mai nach Rom und von dort nach Wierr fahren.
Lloyd George soll tiach einer Meldung aus Mün- dKH beabsichttgeu, auf der Rückreise von Genua nach München und Oberammergau zu kommen.»— Es wird vehauptet, daß für Mitte Ntai in Oberammergau Quar- rier für Llood George und seine Fanrilie bestellt worden sei.
In Warschau ist eine ungarische Delegation einge- troffen, um mit Polen einen $ enteis vertrag abzu-
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schließen.
I» Petersburg steht wegen Mangels an »..... und Heizmaterial die Schließung e-nes großen Teiles
der Fabriken bevor.
Die Preissteigeruuaen in Wien haben eine katastrophale Wendung genommen.
Der Reichsrat hat die Erhöhung der Tage und Uebmuubtungsgetder bei Dienstreisen der Weichsvemn- ien um 100 Prozent beschlossen.
-Die Berli«er fito6i^K»vbuetek4:bift^ um v« Erböbuna der Straßenbahnfabrpreise auf 4 Stark und der Sarife für Elektrizität, Gas und Wasser abgelehnt.
Bei dem Brande im Zollgebände in Malaga (Süd- ipaniens sind bis jetzt ungefähr 50 bis 60 Tote zu be- tiaaen.
Die Antwort an Rußland.
Die Hauptaufgabe der Genueser Konferenz bildet immer noch die Lösung der lmffischen Frage. Die englische und die ftalienische Delegation haben eine neu« Denkschrift ausgearbeitet, mit deren enögüMger Fassung die Unterkoulmission des volitffcheu Ausschusses beschäftigt ist. Nach einer Meldung aus Genua wird in gewöhnlich gut unterrichteten italienischen Kreisen der Inhalt des Memorandums, mit dem die Mächte die Gegenvorschläge Rußlands beantworten werden folgendermaßen skizziert: Es wird in dem Memorandum der Grundsatz der Herabsetznug der Kriegsschulden zuge- laffen und innerhalb gewisser Grenzen die Verpflichtung der Westmächte, die die Exzedition Koltschaks, Denikins und Wrangels subventionierten, anerkannt, für den durch diese Expeditionen herbeigeführten Schaden Ersatz v« leiste«. Ferner wird das Memorandum eine Formel vorschlagen, die, ohne die nurtichaftlichen Grundsätze der russischen Sowjetrenieruna zu berühren, doch das in
Donnerstag, 4. Mai 1922
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RUtztano angelegte ausläuvlsche Kapital völlig «cher- stelle« wird. Es soll in dem Memorandum nichts ent- halten sein, was Rußland zu demütigen geeigrret ist, und die Unterhandlungen sollen auf der Grundlage des gegenseiftgen guten Willens abgeschloffen werden.'Während in ttalremichen Kreisen bezüglich der Verhand- !lungerr mrt Rußland eine optimistische Empfindung vor- üerricht, fehlt dieses Empfinden bezüglich des Abkom- mens über den. Burgfrieden, dessen Abschluß, wie man iMtet, schwieriger sein wird, als der des Abkommens unt Rußland, obwohl sein schließliches Gelingen nicht bezweifelt wird.
Wie die Berliner Blätter aus Genua melben, enthält ine Einleitung des Memorandums an Rußland die ut dem Londoner Memorandum überhaupt nicht erwähnten wirtschaftlichen und finanziellen Hilfsangebote an Rußland. Das Schreiben selbst stellt in zehn Artikeln an Stelle 6er 58 Londoner Schriftstücke die Bedingungen auf, die als Minimum für eine Kreditgewährung von Rußland verlangt werden müßten, und trägt besonders den souveränen Rechten der Russen innerhalb ihres Stands Rechnung. Es verlangt jedoch die Anerkennnug der Vorkriegsschulden, gegenfeftige Abrechnung der Krregsfchnlden und Schadenersatz für die rmnonalifter- >ten Werte durch Konzessionen von 99jähriger Dauer
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Bayerns Kampf gegen die Teuerung. Am Schlüsse einer mit den Organisationen der Erzeuger, des Handels und der Verbraucher abgehaltenen Beratung über die Teuerung faßte der Ministerpräsident Graf Lerchen- jeld die Sachlage dahin zusamr m, daß die bäuerische Regierung in runter Zustand igkei' alles tun werde, was geeignet sei. Abhilfe zu schaffen. Soweit ihre Zuständigkeit überwittim wird würde die bayerische Regierung bei den zuständigen Stellen m Reiche entsprechende Anregungen geben.
Behördlicher Mietwucher. Gesetze sind da, daß sie beachtet werden. Leider scheinen leibst manche staatliche und städtische Verioaltungsstellen nicht der gleichen Meinung zu sein. Ein dem Fiskus gehörender Speicher in Kyritz brächte in den Vorkriegszeiten 2400 Mark an Mark gestiegen das bedeutet wohlgemerkt eine MMpro zentige Mietsteigerung. Dabei umß laut Vertrag der „glückliche" Erwerber den Betrug für zwei Jahre im voraus bezahlen und Reparaturkosten und Feuerver- sicherungsprämten von 730 000'Mark selbst tragen. In der Stadt Hamm war es die Gemeinde, die eine ähnliche Preissteigerung vornahm. Ein Lagergebäude, das im Borjahre 2500 Mark Miete eingebracht hatte, wurde, “ stitz gelangt war, für 25 000 Mark hier der Mieterschutz? so fragt mr
nachdem es in den Be vermietet. Wo bleibt h______________. . , . „
Recht die Schriftleitung der Zeitschrift „Wohnung und
He imstätte".
Die Disziplinarverfahren aus Anlaß des Eiseubah- nerstreiks. Auf eine deutschnationale Anfrage im Reichstage über den Eisenbahnerstreck hat der Reichsverkehrs- Ulmister eine Antwort gegeben, in der es heißt: An dem Streik haben sich 10627 Bedienstete beteiligt. Das sind 14,5 Prozent des gesamten Personals? und zwar 10 065 Arbeiter — 24,6 Prozent und 561 Beamte - 1,7 Prozent. Von der Entlassung der Arbeiter, die die Frist zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht eingehalten haben, mußte angesichts ihrer großen Zahl Abstand genommen weröev, da sonst nach der Beendigung des Streikes ct^i hebliche Betriebsschwierigkeiten eingetreten wrireu. Jns- eprisamt wurden sechs Arbeiter entlassen. Wegett grober
74 Jahrgang
Str«tkbetelt--euua a gege,' Beamte weder tm Wege oee ärmlichen Disziplinarverfahrens noch mit Künöigun- ^^ vorgegangen worden. Ein Beamter wurde im Woge der Kündigung entlassen. Gegen zwei Beamte schwebt noch das Disziplinarverfahren. Gegen 19 am Streik beteiligte Bedienstete wurde wegen fahrlässiger Trans- oorrgesährdung und wegen Hausfriedensbruches gerichi- tlche Verfolgung eingeleitet. Hiervon sino aber fünf be- reits durch Freiivrucb erlediat.
Russische Büuduis«,!«»«.
.Wie aus Moskauer Meldungen hervorgeht. hat die lowletrusstsche Regrerung ein Projekt ausgearbeitet, sas
Wschlteßung eines politischen und militärischen Vündnistes zwischen Sowjet-Rußland, Deutschland. Au- Mra und Bulgarien vorsieht. Die Moskauer Diploma- messen einem Bündnis mit Angora und Bulgarien mr den Fall eines Angriffes von Seiten Rumäureus. und Jugo-lawrens große ReheutuLa bei
Aus der Heimat.
Voraussicht!. Witterung. Am 4. 5. (Dosnerstag): Meist heiter, trocken, wärmer.
Am 5.5. (Freitag): Warm, vielfach heiter, lokale Gewitter.
—* Das Hauptzollamt in Havau schre'bt uvs: Ab 1. Mai 1923 tritt das neue Mineralwasser- und Bierftever-esetz in Kraft. Händler, Wirte, Koniumsereiue, Kavtiuen, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigung«», welche am 1. Mai 1922 im Besitze find von
a. Mineralmäff-ru, Limonaden und ähnlichen Getränken,
b. unverzollten Bieren müssen bis zum 5. Mai 1922 dem zuständigen Zollamts diese unter Angabe der Art, Ravm- menge und des Aufbewahrungsorts schriftlich oder zu Protokoll oumeldeu. Befreit sind:
zu a. Vorräte, welche bei Mineralwässern, L'monaden und anderen künstlichen bereiteten Getränken 300 Liter, bei konzentrierten KuMimonaden 30 Liter, bei Grundstoffes zur Herstellung ksuzentrierter Kuustlimouadrn 3 Liter.
»: b. Biermssgru nster L >4
Hint-rzikhunZss der Nachsteuer und sonstige iL rdnnngSnudrig- keilen brtr. der Nachsteuer werden nach den für die Mineral- waffer- und Biersteuer erlassenen Sirafbestimmungen geahndet.
—* Das Hauptzollamt in Hanau teilt uns mit, daß vom 1. Mai 1922 eine neue Lruchtmitteluachsteuerorduung in Kraft tritt. Rachsteuervstichtig sind Leuchtmittel, die sich am 1. Mai außerhalb der Räume eines engemelheten Herstellung-- betrieb- oder außerhalb der Zoll- und Steuerüberwachung befinden. Wer am 1. Mai 1922 Vorräte von »achsteuer- pflichtigen Levchtwtiteln im Besitz oder Gewahrsam hat, muß sie spätestens am 5. Mai 1922 del dem Zollamt seines Bezirks schriftlich oder zu Protokoll unter Angabe des Aus-e- wahrungsraumes.der Art (Kohlenfaden-,Metallfadenglühlampen, Nernftbrenner, Breurstiste aus Reinkohle oder aus Kohle mitLeuchtzusätzen usw, Blühstrümpfe, Quecksilberdampfbrenner) und der Stückzahl, bei Brennsitsten für eMtr. Bogenlampen des Gewichtes anmelden. Für elektr. Glühlawpm, Qveck- filberdampf und ähnliche elektr. Lampen »inschl. der Brenner für solche ist ferner die Wattzahl, die der Gebrauchsspannung euisvricht, oder wenn Hefe n^t besannt ist. He Art der
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Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
(Nachdruck verboten.)
Ein kleines trauliches Hochzeitsmahl W Vieren krönt die Feier..
AlS Dämmerung sich herabsenkt, löst Tante Gina den Brautschleier von Ebbas blondem Haargelock, streift ihr das glänzende Atlasgewand ab und wirst ihr ein dunkles Reisekleid über.
Bor der Tür steht bereits der Wagen. Sorgsam hilft Gunnar seiner jungen Gattin hinein und setzt sich neben sie.
Ein herzlich'v Abschied — ein Winken — ein Schmerzgeheul des armen Hjalmar, der mit Luzifer bei Tante Gina bleibt — — und der Wagen rollt davon. —
Nicht auf Schloß Askö will das junge Paar feinen Wohnsitz nehmen. Fort treibt es Gunnar aus dem alten Gemäuer, in dem die Spukgestalten vergangenen Leides düstern und das Zeuge eines unseligen Verbrechens war. Mag das ehrwürdige Schloß am Meer samt seinem Park und seinem verhängnisvollen Gewächshanse in Oede und Vergessenheit versinken! Kein menschliches Wesen soll je wieder feine habgierige^ Finger nach ihm ausstrecken.
Hinein treibt es Gunnar in srischpulsierendes Leben. Hinein in das Gewühl der Großstadt, Nicht in die Ztickluft leichtherziger Lebensausfasiung und frivoler Genußsucht, in der die arme Karin zu ihnen gewohnt war und die einem Jonas Abramsen und einer Madame Lind als Ideal vorschwebt. Nein hinein in die ätherreine Atmosphäre auserlesener Geister, in die Gemeinschaft der Führer der Menschheit, die ihr Wollen, ihr Können, ihr Wissen zum Wohl der Allgemeinheit verwende«.
Doch bevor Guunar und Ebba Helgeland den KurS chreS Lebensschiffes in die große Welt hinein richten, wollen sie stillen Mschieö nehmen von dem einsamen Schloß am Meer. Bon dem düsteren Laboratorium, in dem der gute alte Vater, der „Wahrheitssucher", der „Hexenmerster", sein weltabgeschiedenes Denkerdasem lebte und beendete. Bon der luftigen Sternwarte, ine Gunnar sein Jünglingsleid tragen half und von der aus er das für ihn glückbedeutende Aufflimmern eines neuen Sterns im Weltenraum beobachtete.
Der alte Klaaßen, der seit Ebbas Flucht die Wecu kellerfchlüffel wieder an sich genommen und seitdem bereits viele der „Prachtrropfen" die Gurgel hinabbe- fördert hat, ist .nicht wenig erstaunt, als am späten Abend Räderro! -n ihn und seine Kumpane aus einem lustigen. Trinkgelage auffchreckt. Ist nicht wenig erstaunt, als der gnädige Herr Gunnar ihm kurz eröffnet, er sowie die ganze übrige Dienerschaft fei von morgen an entlassen; der Lohn für ein Jahr werde ihnen allen
an entlassen; der Lohn für ein Jahr werde ihnen । von Christiania aus zugehen. Ist nicht wenig er staunt, als der Kutscher des Wagens, der die Herrscha, gebracht, den Befehl erhält, zu warten.
Verblüfft ziehen Sven Klaaßen und seine Kumpane sich zurück, um murrend ihr Bündel zu schnüren.
Gunnar und Ebba aber schlagen Arm n Arm den Weg nach dem jetzt gänzlich verödeten Laboratorium ein, um nach kurzem pietätvollem Verweilen die Wen deltreppe zur Sternwarte emporzuklirmnen.
Jetzt stehen sie oben auf der Plattform. In seiner ganzen Pracht wölbt sich über ihnen der flimmernde Sternenhimmel.
Doch nicht wie ehedem starren Gunuars Augen hinauf zu der funkelnden Majestät des „Orion" oder dem matten Schein der „Plejaden".
Die blauen Augensterne seines Weibes sucht sein Blick, aus denen ihm der hehrste Glanz ^ntgegenstrahlt.
6te äber blickt empor zu dem neben dem großen Bären" in bläulichem Licht erflimmernden neuen Stern — Gunnars Stern. Und ein glückliches Lächeln
verklärt ihr Antlitz.
„Weißt du, wie dein Stern dort oben heißt?" prägt fie sanft. „Nein — nicht dein Stern! Unser Stern fortan. „Der Liebe ewiges Licht"! Heute, an unserm Hochzeitstage, soll seine Taufe fein!"
„„Der Liebe ewiges Licht!"" wiederholt er feurig, Ebba an sich preffend. „Ja, mein geliebtes Weib, so soll er heißen. Er leuchte über unserm Leben! Beim ersten Blick in deine Augen, da unten «m Laborato-
' ‘ ....... * "" Met» blauer
rium, sah ich in dir meinen Lebensstern
Stern und deine blauen Augen sind eins für mich geworden: „der Liebe ewiges Licht!""
Unverwandt hängt sein Blick an ihr. Doch es ist nicht mehr der weltverlorene, nach innen gerichtet« Blick des Phantasten, der sie wie eine geistige Liebko- mg kaum berührte — nein, leidenschaftliches Entzük» ren, heißes Begehren strahlt ihr aus ihm entgegen.
Und Ebba weiß:
Jetzt ist e r der Starke und sie das schwache Weib, das sich ihm unterordnet und an seiner Brust Schutz sucht vor allen Fährnissen des Lebens.
Und ein beseligendes Glücksgefühl Herz.
Dicht aneinauöergesch"'ftgt, steigen neppe wieder hinab.
Gleich daraus fährt sie der Wagen ins Erdeuglück.
durchwalii ihr
sie hie Wendel.
davon 7: nein
Ueber ihnen aber strahlt in bläulichem Glänze Gun» nar von Helgelands neuer Stern „Der Liebe ewiges Licht".
— Ende! -