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Schlüchterner Zeitung

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Kreisblatt

Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. Druck u. derlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. Tchrifileit. H.-T. HohmePer, Schlüchtenr. Geschäftsstelle Drei- : Lrüderstr. 9. Im Falle HSHerer Gewalt, Betrrebzftörukg ob. t [Stromsperre erlischt jede Verpflichtung aus Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 52

Dienstag, 2. Mai 1922

74. Jahrgang

Aus der Heimat

Oorausfichtl. Witterung. Am 2. 5. (Dienstag): Teils heiter, teils wolkig, strichweise geringer Regen, Nacht sehr kühl, Tag etwas wärmer.

Am 3. 5. (Mittwoch): Ziemlich heiter, trocke«, etwas wärmer.

* Z«itLil»er. (Weun's Mailüsterl sanft weht . . .) Wieder ist der Mai gekommen mit des Lenzes Blüten« : pracht, tausend'bunte Krühliussblumra weckte er uns über Nach», und im jtrugen Menscheuherzen regen wieder sich die Triebe, diesen Monat cmZzukosten, seine« Lenz und seine liebe. Arm in Arm mit seinerKleinen" steht man sich in diesen Tagen junge buntheschlipste Männer in die FaM«gSflmen wage», selig schwillt die Brust des Jünglings, wenn die Holde eingehakt neben ihm auf hohem Absatz- wippend durch das Dasein stakt. Eine Blume ihr zu pflücken, ist ihm herrlichster Eennß, auch wenn er dafür am Ende Strafe gar bezahlen muß. Unaufhaltsam fließt die Rede' aufwärts aus den vollen Herzen, von des Lenzes zarter Schön­heit, von der Liebe Just «ud Schmerzen, Arm in Arm mitihr" zu wandeln, ist ein Gang durchs Para­dies, wenn siemir" undmich" verwechselt, findet er" eseinfach süß", und die Maid lauscht voll Ent­zücken seiner Worte hohem Schwall hält sich für den größten Engel auf dem ganzen Erdenball, knabbert seine Schokolade, die er stolz ihr überreicht, auch w^n i er die Zigaretten, dafür vierzehn Tage streicht, schwört ; auf jedes seiner Worte, strahlt ihn an, so daß er schwitzt,

guckt zuweilen in den Spiegel, ob ihr Haar «ech richtig fitzt. und wir älteren ZeitgemWu sagen uns in Wem Rühren ach, was taun an Idealen man tsch mit der Zeit verlieren! Walter-Walter.

* Schlüchtern (Tageschronik). Am Freitag nachmittag entlud sich über unsere Stadt ein schweres Gewitter. Der Blitz schlug in einen Turm des Lehrerseminars ein. Großen schaden hat er jedoch nicht «»gerichtet. In verschiedenen Häusern wurden Lichtstörungen hervorgerufen. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag kam es in der Obergaffe zu einer Rauferei zwischen Einheimischen und fremben Hausierern. Beide Parteien hatten zuviel Alkohol zu sich genommen. Der Kamps währte bis in die frühen Morgen­stunden. Die Fremden wurden von den Einheimischen bis an den Bahnhof zurückgeschlagen, too sie mit blutigen Köpfen der Ankunft des ersten Frühzuges nach^Frankfurt harrten. - Gestern morgen stürzte ein Monteur, der an einem Mäste des Ueberlandwerkes in der Fuldaerstraße nötige Reparaturen zu verrichten hatte, aus beträchtlicher Höhe ab. Der Verunglückte wurde in das Kreiskrankenhaus gebracht.

* Schlüchtern, 1. Mai. (Scadtverordutten-Zersammlunz vom Sonuadeud, den 29. April). Punkt 1. Erlaß von Lascharkeitssteuer der KinobesitzerS Ferdinand Denhard, mürbe für die nichtöffentlich!! Sitzung aus Ende ber Vcr^

Der Liebe ewiges Licht.

R*MM tMHt Erich Friesen.

Wf i Nachdruck verboten.)

Und Guuriar versteht die Summe Geste.

Sie schläft, die Arme! Nach der furchtbaren Nacht, die sie nach der gestrigen Menschenhetze, hier im Freien, zwischen den Gräbern zugebracht, hat der mit­leidige Gott des Schlafes sich auf sie herabgesenkt.

Sie schläft ruhig und fest.

Obgleich es Gunnar treibt, sie zu wecken, sie in seine Arme zu nehmen und ihr müdes Haupt an seine Brust zu betten, so bezwingt er doch dies stürmische Ber- langen.

Nur zart,. ganz zart streicht er über das blonde HKrgelock. ~ r

Und als ob die Berührung magnetische Kraft be- üe, öffnet Ebba schlaftrunken die Augen

Ein leiser Aufschrei. Bewegungsloses Starren Dann springt sie empor.

Gunuar!"

EbbM Meine Ebba!"

Sie liegen einander in den Arnren. Kein: Frage. Keine Erklärung. Nichts. Nur eine große, große Freude. Ein hinmieljauchzendes Glück.

Sie haben einander gefunden. Endlich! Endlich!. Am Grabe des Vaters. . . .

Die nächsten vier Wochen entschwinden Ebba rme ein Traum. Tante Gina hat die ganz Erschöpfte samt Hjal war und Luzifer bei sich ausgenommen und bemüht stell nach Kräften, sie die trüben Ereignisse der letzten Zeit vergessen zu machen.

Gunnar komuit tagtäglich von Schloß Askö herüber zu seiner Braut. Und immer fester wird die Erkennt niß in ihr:

Karins unselige Tat, die dem anneu Barer den Tod gebracht. Hat den Geliebten von ' - vT äi Welt-

handlungen gestellt. 2. Veräußerung des etsgezogenen Weges am Langeustreich Kartenblatt K. Nr. 4, Da der Weg nach dem Urteil von Sachverständigen für die Stadt werte ist und sich in Herrn HasensteiN-Schlüchter« ein Liebhaber für ihn gefunden hat, stimmte die Sadtver Vers, dem Beschluß des Magistrats zu, dm Weg mit 1 Mk. pro qi» an Herrn Hasessteirr zu veräußern. 8. Erhöhung der Vergärung für den Zuchtvishhalter Eckhardt. Herr E hatte in Anbetracht der Geldentwertnug und der Verteuerung einer ordentlichen Pflege für die Zuchtbullen und Eber eine Eroöhung feinet Vergärung von 10 000 Mk., die er jtz» im Jahre bekommt, auf 15000 für die 3 Bullen und 3000 Mk. für die 2 Eber beantragt. Die Viehksmmiffio« hatte diesem Antrag zugestimmt. Demgemäß hatte dann der Magistrat beschlossen, die 18 000 Mk. zu bewilligen. In einer längerm Aussprache wurden verschiedene Anträge ge stellt, so der Uebernahme bet Bullenpflege in eigene städtische Regie, der AHsrtzMg des Punktes von der Tagesordnung, weil nach Ansicht der Vichkommiffio« die jetz» sehr schlechte Bullenpflege nicht besser werde, auch wenn 25000 Mk. br- wtLlgt würden. Für die Bewilligung der erhöhten Vergütung sprach sich kein Stadtverordneter aus. Vielmehr war man allgemein der Ansicht, es sei das Beste, wenn E. seinen Vertrag mit der Stadt kündigt, damit in städtischer Regie die Haltung des Zuchtviehes zum Bo$e der Gesamtheit (Milchversorgung) sich bessere, auch wenn die Uebernahme mit erheblichen Mehrkosten verknüpft sei. Für die städt sche Pftrge hat sich schon ein Viehhalter ^funden, beiseit Name jedoch vorerst gehäMgehalleu wurde. Da der Punkt der Uebernahme nicht auf der Tazssordnuag stand und man nur dem Magistratsbeschluß, dir 18000 Mk. zu bewilligen, Mstimme» oder diese BsAilligung «ölchnm konnte, waren schließlich alle Stadtverordneten für Ablehrung. 4, Be­willigung eines einmaligen Zufchnffes M die BiKiolhe? der I. I, Weltzelffchen Stiftung zur Beschaffang neuer Bücher» Herr Lehrer Flemmig hatte ein Schreiben an den Magistrat gerichtet, in dem er des Vorkriegsstand der BMtothrk an» führt und die Notwendigkeit einer Neubeschaffung «schwelst. Ja dem Brief erbot sich Herr Flemmig, eine Liste von der Auschaffang werten Büchern und Zeitschriften aus der Nach- kriegszelt aufzustellen, damit nach dieser Beratung durch eisen Sachverständigen die Neuanschaffnnz vorgenommen wird. Der Magistrat beschloß auf daß Schreiben von Herrn Fl., einen Zuschuß von 3000 Mk. zu bewilligen. Die Stadtv.-Verf. stimmte dem zu. 5. Wiedervorlage der Berhaudlungeu betr. Veräußerung von Sandgarteugeläuds an die Bewohner der Sinfengaffe. Ein Antrag, den in Frage kommsaden Anliegen das ihnen ursprünglich zugedachte größere Gelände zuzulrils«, wurde abgelehnt, da die Seute ursprünglich gar sein Garten» gelände haben woA««, sondern nur Miststetten hinter ihre« Häusern und einen Abfuhrweg für ds» Mist. Die Stativ. Vers, genehmigte nach Magistratsbeschluß die Zuteilusg des vom Katasteramt vermeffeueu Geländes. 6. Erhöhung der Gebühren für Licht« und Kraststrom beim Elektrizitätswerk. Di- El-ktrirltatsw^kskommission hatte aufqrund ein-t einge-

entrücktheil geheilt, bat sein ganzes Innere aufgerüt­telt und ihm seine frische Jugend, seine bewußte Mau- neskraft wiedergegeben.

Nur ein einziger Schatten fiel auf ihr bräutliches Muck. DaS war, als die Botschaft von Sarin von Sol- vegs plötzlichem Tode eintraf. Eine Lungenblutung i habe ihrem Leben ein Ende gemacht schrieb Oberst * Lundstat und er halte eS für seine Pflicht, ihren Bru­der davon in Kenntnis zu setzen.

Gunnars und Ebbas Blicke trafen sich bei dieser Nachricht die feinen m angstvoller Frage, die ihren in stillem Verstehen. Dann sagte Ebba sanfi:

Es ist bester für sie, daß es so gekommen ist, ®um ; iiar. Gönne ihr Sie Ruhe, die sie im Leben nicht fand!" | Da faßte Gunnar mit festem Druck Ebbas Hand und blickte ihr ernst in die Augen.

Noch wenige Tage, Geliebte, und du wirst mein ; j Weib sein. Aber zwischen Mann und Frau darf es , ; kein Gtcheimnis geben. Und so frage ich dich jetzt, Ebba: l was war es, was Hjalmar an jenem Tage, an dein ; meine Schwester Schloß Askö verließ, durch stumme ! Gesten beichtete?" :

Leichtes Erschrecken huschte über Ebbas Gesicht.

Willst du das Geheiinnis nicht mir ihr tot sein las

; icu, Gunnar?"

; Energisch schüttelt er den Kopf.

(Nein. Ich bin nicht mehr der Schwächling von , früher, Ebba. Furchtlos sehe ich jeder Gefahr ins Auge. Hing Karin mit dem Tode deines Vaters zu­sammen? Antworte!"

Da senkte sie den Kopf. Und leise, widerstrebend, kam

: es über ihre Lippen:

iJa Gunnar."

Er schwieg einige Augenblicke. Zwar nmr er um einen Schatten bleicher geworden; doch der Ausdruck j ich lies Gesichts blieb ruhig und gefaßt.

Ich ahnte es Und nun - er-öh!e!"

reichten Jahresbilanz die Erhöhung des Strompreises bean tragt, und zwar auf 7 M. pro Kilowattstunde für Licht 6,30 für Kraft bis 200 Kilowatt jährlich, 4,90 Mk. für Kraft bis 500 Kilowatt und 4,20 Mk. für Kraft über 500 Kilowatt. Die »tadtv.-Vrrf. genehmigt« den bewilligeude« Magistratbeschluß. 7. Mletvertrag mit Seminaroberlehrer Walther Letr. die Räume der Lateinschule. Dieser Punkt wurde zunächst zurückgestellt. Nach der Verhaudlnng über Punkt 8 Gtschäftliche Mitteilung««, wurde der Mletvertrag in der vorgelegteu Form genehmigt. 8. Die geschäftliche« Mitteilungen erstreckten sich auf die Anregung zu Verhand­lungen über ein zu errichieudes Lufchad bet der Badeanstalt. Die Mehrheit der Stadto.-Verf. hielt die Einrichtung deS Luftbades aus gesundheitlichen und verkehrsfördernde« Grün­den für notwendig, und ganz besonders setzten sich die Herrm Stadtv. San.Rat Dr. Stern, Rosenbaum und Oberst Walther -für die Einrichtung ein, gegenüber Stadt«. Hildebraud, der ein Luftbad für Luxus hielt und die Ablehnung von 8er» Handlungen über diefen Pank; beantragte. Der M giftrai wurde gebeten, weitere Schritte für die Errichtvnz des Luft­bades zu unternehmen.

* Schlüchtern, 1. Mast (Konzert des Soloquartetts.) Orffemliche Veranstaltungen und ganz besonders Konzerte werden nicht vom Berichterstatter, sondern stets vom Publi» knm kritisiert, d. b. entweder gefördert oder abgetan, und das nicht immer mit Stillschweigen. Eine Förderung nicht nur der Veransioltuage« selbst, sondern vor allem auch der Träger dieser Veranstaltung«« hätte etwa so zu gescheh-n, daß man im Audenke« bewahrt, was einem in höherem Sinne auSathmend gut gefallen hat und daß man dafür tätig Partei ergreift. > Von der Gesamtheit des Publikums ist eine derartige För- berung wohl kaum zu erwart n. Es mag eine noch so laute i BetfaS.skMd-rb«»s M'K«d«r Vr Beifall ist mriB nur augenblicklich und dir lebhafteste ^ 'Kimmung ebenso plötzlich verstummt wie fi« plötzlich Kch kündigt. Eine gesammelte innere Beteiligung ist mehr wert als ein solches Strohfeuer. Die Veranstalter und alle Mitwirkendeu oder gar ein Ein­zelner, der sich mit seiner ganzen Kraft für sie etusetzt, sind machtlos gegen die Gleichgülligkeft des Publikums, deffen ganzer Beifall in der Mehrheit sich auf Amüsement be­schränkt. Bei solcher Gleichgültigkrit ist eine nachhaltige innere Wirkung des Dargebotenen nicht möglich, auf die ein nach höheren Ziele« strebender Verein, oder wer sonst der Veranstalter sein mag, es doch abgesehen hat. Es muß zwar Sache des Eiazelnen bleiben, wie er sich mit den Dar« bietungen absindet, unb der Berichterstatter kann sich auch «icht anmaßea, dieöffentliche Meinung" zu sein ^vorzüglich nicht auf musikalischem Gebiet), aber wo der Beifall zu Klamauk wird, da hat schließlich die Gemütlichkeit, will sagen die gute Gestttung, ein Ende. (Wer sich durch das hier veröffentlichte Vorwort etwa beleidigt fühle« und gar zu Kraft- pp. betätkguugrn eines Cholerikers verleiten lassen sollte, würde damit nur seine mangelhafte Gesittung beweisen.) Nach diesem unter möglichster Wahrung des Anstandes ge« machten UVrnvrt snhren w^ 5g fw 'ö^i^-" W r*- '«nd

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Noch einen Moment zauderte Ebba. Dann fchlang sie den Arm um den geliebten Mann und geleitete ihn zimi Sofa. Und hier, dicht au ihn geschmiegt, seine Hände fest in den ihren haltend .enthüllte sie ihm das traurige Geheimnis, wobei sie mit echt weiblichem Takt das Schlirmnste nicht direkt aussprach, sondern eS nur andeutete.

Die Sippen fest aufeinandergepreßt, hörte er zu. Mit keinem Wort unterbrach er sie. Aber als sie ihre Er­zählung beendet hatte und ihn in scheuer Erwartung änblickte da erschrak sie über seine Bläffe.

Verzeihe ihr, was sie getan wie auch ich ihr ver­zeihe!" bittet sie weich.Sie ist tot."

Ja, sie ist tot!" wiederholte er finster.Und das M gut. Für sie. Für mich. Für uns alle. Mag das furchtbare Geheimnis mit ihr begraben sein! Mag der himmlische Richter sie richten!"

Hell und klar blaut Ebbas Hochzeitsmorgen heran;

Die junge Braut hat in der letzten Nacht wenig ge­schlafen. Sie meint, ihr Glück noch nicht fasten zu fön« neu. Es erscheint ihr alles wie ein rosiger Traum, der urplötzlich in Nebelwolken entschwinden müsse.

Wie im Traum läßt sie sich von der guten Tante Gina zu ihrem Ehrengange schmücken. Wie-im Traum schreitet sie durch den Hauptgang der Kirche, die bis zum letzten Platz angefüllt ist von Neugierigen, unter denen auch jene nicht fehlen, die vor kaum vier Wochen mit Steinen nach derHexe" warfen und dieGiftm^ scheriu" mit Püffen traktierten.

Erst, als die heilige Handlung beginnt, als der Geist­liche die Ringe wechselt und den Segen über das jung« Paar spricht - da konrmt es ihr klar zum Bewußtsein:

Der twun ist Wirklichkeit geworden. Sie ist Gun- nar von Helgelands angetrautes Weib. Hinter ihr liegt alles Ungemach wie ein Alpdruck voll dumpfer Beklem­mung. Bor ihr liegt ein neues Leben: ein Leben voll Licht und Sonne, ein Leben voll Liebe und Glück.

(Schluß folgt)