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Schlüchterner Zeitung

: Bezugspreis vicrteljährl. 15. -Mk., einzelne Monate 5. : ; Mark, durch Boten inS Haus 1.50 M. Trägerlohn. An-! r zeiyenpreis ,k mm einspaltig 1.50 Mk., Reklamen 5.00 Mt.: : Rabatt nach Tarif. - Postscheckkonto : Frankfurt a. M. 11402,: : Bankkonto: DreSdner Bank Schlüchtern, Fernsprecher Nr. 65. $

Kreisblatt

; Erscheint 3mal wöchcntl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. t Druck u. Verlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. $ LSchriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : ibrüderstr, 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. : «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. J

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr 50

Donnerstag, 27. April 1922

74. Jahrgang

2lbrnne»«ent»

aas die Schlüchterner Zeitung für die Monate Mai und Iani nehmen sämtliche Postaustalten und Bri«fbote«, sowie unsere ZeitunzS- itßfitt entgratn.

Ein BesieLschein für Posibeziryer befindet fich auf der Wtu Seite dieses Blattes.

Schlüchterner Zeitung.

MlsvlÄ »ow X-age,

Die Grstzherzogin Maria von Mecklenburg, A Witter d«S Privzeü Heinrich der Niederlanöe, ist M Mer von 72 Jahren im Haag gestorben.

^»Der sterbiLche Minifteroräsident Pasilsch ist auf ein« Wutofahrt verunglückt. Eine Gefahr für fein Leb« Weint jedoch nicht zu bestehen.

*$ie Lohnserhaudtungeu im rheinisch-wesifälikchA Kaugerverbe sind aenheiteri. Die allgemeine Ausspe» Mia rmrd nunmehr restlos Sarchaefichrr.

>»D« Kerhaudlunge» über die Arbeitslöhne in öe englischen BmrmrvoUindnstrie sind gescheuert. Die Fa briken werden deshalb Ende dieser Woche geschlosfes werden.

Aus der Heimat.

- gti>WM*il«*e m» «»«ciwtrtW R« M» t Ntai soll bekanntlüt) eine abernmliae ErAchurrg derEn- senvahnsraM um 20 Prozent einireteik Dannt erhöhen sich natürlich auch wieder die Frachten für Kohlen, Sors und Briketts,-die nach Spezialtarir 6 br^ u- ^ werden. Wie die Entwicklung dieser Frachten bisher rett Krregs- depinn verlaufen ist, zeigen die hier folgenden Zinern, die wir der^euticben Bergwerkszertung" entnehmen: ^s kostete die Ennbahilfracht für 16 To. Kohle ur einer Eutfernung von 600 Km. 1914/18 12 M., ab 1. April 1918 M M., 1. April 1919 219 M., 1. Oktober 1919 300 M., 1. März 1920 600 M.. 1. April 1921 916 M., 1. Novem­ber 1921 1200 M., 1. Dezember 1921 1800 M-, 1. ^brnar 1922 2280 M.. 1. März 1922 2660 M., 1. April 1922 3800 Mark. Es ist nicW uninteressant, mit den obigen Zn- feru die Gestaltung der Köhler, preise in denselben ^cr* mitten zu vergleichen. Es kostete die Tomie Ruhr-^ett- ivrderkoble vor dem Kriege 12 M., 1. April 1918 2M0 Mark, 1. April 191O 41,30 M., 1. Oktober 1919 <7,90 M., 1. März 1920 168 M., 1. April 1921 227,40 M., 1. No­vember 1921 253,90 M., 1. Dezember 1921 40a,in Nl., 1. Februar 1922 468,10 M., 1. März 1922 601,70 M., 1 April 1922 713,20 M

- Die bUtigste Zigarette 1 Mark. Die gewaltige Preissteigerung auf dem Rohtaba-»markte, die an- lauernde Errtwertung der Mark und die Verteuerung der Herstellungskosten und die letzten Steuererhoüun- aen machen es der Zigarettenindustrie unmöglich, von jetzt ab billigere Zigaretten als zum Kleinverkamsprels vor 1 Mark für das Stück herziMellen.

Borausfichtl. Witter»»ng. Am 27. 4. (Donnerstag): Ziemlich beiter, vorwiegend (roden, Nacht sehr kühl, Tages» Temperatur etwas wärmer als Mittwoch.

Am 28. 4. (Freitag): Ziemlich trüö, zeitweise Regen, milder.

* Unsere Singvögel bauen zurzeit ihre Nester. Es ist für den stillen, aufmerksamen Beobachter, der sich den kleinen gefiederten Sängern unauffällig zu nähern und fich so wenig wie möglich bemerkbar zu machen versteht, eine hoch­interessante Zersteuung, den Eifer und die Hingabe bewun­dern zu können, mit denen fich solch ein jungvermähltes Singvogelpaar seiner wichtigen Aufgabe unterzieh). Dem spähenden Auge der kleinen Baumeister entgeht nichts, keine Feder, kein Strohhalm, sein Wollfades. Alles, was irgend­wie geeignet erscheint, ein warmes, molliges Rest zu bilden, wird eilfertig hubeigetrage«. Trockene Gräser und Halme, kleine Zweigstückchen u. bergt bilden d-s kunstvoll zufammm- getragenen Unterbau, dieBran^mauerv", und alles für AuspolsterunzszwtSe irgendwie geeignete Material wird mit dem Schnäbelchen geschickt hiueingeflochten- Unsere Jugend steht viel zu wenig von diesen kleinen, in ihr«' schlichten Einfachheit doch so rührend wirkenden Vorgängers draußen in Waid und Feld. Und wo Kinder wirklich auf ein Rest rein zufällig stoßen, da wird es tu neunzig von hundert Fällen von ihnen ausgeraubt. Gerade dieses letztere aber ist am allerwenigsten geeignet, den jungen Gemütern Ehrfurcht vor der Natur und ihrem Wirken und Weben beizubringen. Man bestrafe eine solche Unart falls Ver­warnungen und Belehrungen nichts gefruchtet haben auf das allerschärfste. Bei unseren Vorfahren gab es ein Sprich mort:Kinder, die in der Jugend Nester ausnehme«, zünden im Alter Häuser an", und wenn diese Bchauptuug letzten i Endes vielleicht auch etwa« übertrieben ist, jo sied: doch bis zu einem gewiß'«» Grade ein wahrer Keru Hariu.

* Das Hauptzollamt in Hanau teilt uns mit, daß ab 1. Mai 1922 das neue I-rckersteu-rgesrtz in K aft tritt. Nachsteuerpflichtig mit 28 Mk. für 100 kg find alle am 1.

Mai 1922 im freien Verkehr befindlichen Mengen über 100 kg. Sie find unter Angabe der Menge, Gattung aus des AufbewohnungSortes zwecks Vermeidung einer Straf verfotzung bis zu^ Mai dem zuständigen Zollamt avza- meldeo. Die Anmeldung muß die Versicherung enthalten, daß kein weiterer Vorrat in Besitz oder Gewahrsam des Anmelders ist. Zucker, der sich unterwegs befindet, ist vom Umpfänger sofort nach Eingang anzsmelden.

* Schiüchrern. Das Kouzert desGchlüchternrr-Lolo- Quartttts, das vor innern wegen G^raukaug der Solistin miegt weilen muß'?, findet am kommenden Sonntag, dea 30 d. Mis., abends 8 Uhr in derTurnhalle" Graben- straße stets. Die bereits mfauftm Karten behalten ihre Gültigkeit, dich wolle man dieselben bei der bezgl. Vorver- - kausßelle gegennumwerirrte" umtauschep. Drr Kartevvov verkevs findet ab Donnerstas bei den HerrcnRrinh. Rollmann, | ^rtfrvr 1 "d K. PrK. Bvck ^N k a't.

* Schlüchtern. (Das Brot wir) teurer.) Wie wir er­fahren, habe« die seit Ftbruar fortgesetzt gestiegenen Krachte«, Kohlenpreise, Arbeitslöhne usw. die Kommunaloerbände sei« anlaßt, die Preise für Brot und Mehl ebenfalls zu erhöhen. Vom 1. Mai ab wird der 3*/* Pid. Laib Brot im Hiesige« Kreise 13 Mk., das kg M-Hl 8 Mk. kosten. Da außerdem dieBrotkarteuabschuitle mitGültigkevsansdruck 27.4 - 3. 5. 22 und alle früheren Marken ab 4. Mai, die Reistbrotmark«« ab 1. Mai ungültig werden und von den Bäcker, und Rehl- händlern von diesen Tage« ab nicht Mthr beliefert werben dürfen, so empfiehlt es sich, für den evtl. noch vrrhandeuen Markenvorrat alsbald Brot oder Mehl zu hole«.

* Schlüchtern. Die Jagd auf R'hböcke wird im Regie ruugsbezirk Saffel am Sonnabend, des 27. Mai eröffnet.

* Schwarzenfels (Kr. Schlüchtern.) Dem Förster Imme« luth, hier, Oberförsterei Oberzell, wurde zum 1. April b. 3». die Försterstelle Sterzhouten, Oberförst«ret Vetter West übertragen.

* Schwarzenfels. Zum letzten Kurius der Krei«»ander- Haushaltungsschule, der hier stattfsnd, h -tten sich »wölf Teil- n Hmerinnen gemeldet, banon traten in de» 4. Wach' infolge SlutrttS in die Gummifabrik Sie-bfritz 4 au«, todaß nur noch 8 Mädchen bis zum Tchluß daran »etluahmea. Et« besonders erfreuliches Resultat ist das nicht, man hatt« auf eine größere Beteiliguug an bem gemeinnützigen Uuler ehmeu in Schwcvqesfels bestimmt gerechnet. Die Kosten flub doch wahrlich nicht hoch bemessen wenn die Gegeuleistnug in Be­tracht gezogen wird; auch können sie für viele hiesig« Fami­lien als Grund für ihr F-rnhal,ea üb'rhanvt nicht gelten. Was geht wohl nicht fehl, wenn man die geringe Snteilvnhme de' hieltgen Einwohnerschaft dem noch vielfach mava-inden richtigen B rkändats d - Bestrebung n der HruSha :»ngs- und Kochlchulen gegenüber Schuld qibt Die ränd iche Sonweife befindet sich gegenüber der ftä^tiichen X ichs troD in mancher Beziehung im Rück land, obszön in den letzten J h^en im allgemeine« auch man *>#6 b ffer g worbe fen mag. Die Lebens »erhälmifie wl gen sie Fc i« aus dem Volke zu äußerster Ausnutzung der für teures G ld erstand neu L b ns- mittel, uamentlich kann das Land voch viel in Bezug auf schmackhafte Zubereitung der dem Körp r so |utrd ltch«s mannigfachen Gemüfigartr« von der for-namten Lta^küche lernen; man erspart hier durch r« cknaß qe flusn |ung d-r Roh offe »iel Zeti und Gel", und bas fi"0 z» l Dmge o-tche noch nie zu einer solchen Ledeutuag g?Ianu|e i, wie in unseres Taten, Die HauShaltunsS- und Kochschale will hier be­lehrend und anregend wirk-n, will zeigen, w<e eine »erständig« Frau der Familie ein gutes und billiges Essen bereiten und damit jährlich ein schönes Stück Geld erhalten kann. Es wäre bab« sehr erfreulich, wenn sich der Kreis der Teilneh­merinnen an der H^uShaltungSschule «n anderen Orten in Zukunft erheblich vergrößern würde.

* Zoffa (K?. Schlüchtern.) Der Hilfst-rster Schinde- wolf, hier, Oberföeüerei Ma j 6 wnvbe com 1.'» b. Js t> ,-m '"tf h ' - ^^ '

Der Liebe ewige« Licht.

Rvman von Krich Friese«.

ö4) (Nachdruck verboten.)

Etwa fort!! Sie, die ihm Sonuenschcin in diese öden Manern gebracht und frische Lebenslust in die Stick- atvrosphäre seiner Einsiedlerklaufe! Sie ist gegan- ie»! Mr immer! Ohne eine Spur zurückzulassen! Wie sie vor einem Jahr urplötzlich gleich einer lenck- tenben Bisivn in seinem Leben anftanchte so ist sie ebenso urplötzlich wieder entschwunden! \

Fort! Fort!'.

Und er legt die Arme auf den Tisch und birgt den Kopf in beide Hände. Und ein aus tiefstem Herzen emporquellcnöes Schluchzen schüttelt seinen Körper bin und her.

Das mystische Dunkel, in das ihn sein Jugendleid gewoben und das ihn zum Sonderling, zum Ein- i-edler, zum Asketen gemacht, ist geschwunden. Ein Weib zog die Binde von seinen Augen t- und auH neue sahen seine wonnetrunkenen Blicke die Erden- schönheit! I

Und nun, nachdem er erwacht ist aus langem, lau- ; gem Winterschlaf, zu neuem Frühlingsleben,' nach- j oem die ausgehende Sonne des Glücks ihn kaum mit ! einem fausten Strahl gestreift da zuckt aus hei- » serem Himmel urplötzlich ein Blitzstrahl hernieder, der ! oll sein Hoffen und Wünschen zu zermalmen droht.

Ebba fort! Fort!!

Und doch drückt dieses neue Leid ihn nicht nieder, wie das frühere; es entwaffnet ihn nicht. Im Ge­llenteil: es rüttelt ihn vollends auf. Es weckt seine ganze Energie. Es peitscht seine seit Jahren geknech­tete Manneskraft an. Nicht mehr der weltentrückte Schwärmer mit in blaue Nebelfernen gerichteten Blik- ken ist er nein, ein tatkräftiger, energischer Mann, der mit beiden Füßen fest auf realem Boden steht.

Ei« Mann mit irdischen Wünschen und beiher Sehn­sucht «och Erdenglück.

Er weiß: LAt Ebba verliert er das Höchste, was das Leben ihm zu bieten vermag.

Und diese Erkeirntuis treibt ihn sofort zu frischem Handeln.

Die Entschwundene kann noch nicht weit sein. Ihr * nach, damit er sie zurückhole in sein einsames Schloß, i das ohne sie verödet und lichtleer fft! Ihr nach!!

19.

Im Dämmerdunkel haftet Ebba mit Hialmar den steinigen Felsenpfad hinab, dem Dorf zu. Sie vermei­det den breiten Weg am Meer entlang, um Gunnar bei seiner Rückkehr vom Dorf nicht zu begegne».

Gespenstisch ragten die groteske» Felszacken zum nächtigen Himmel empor. Drunten kocht und zer­schellt die Flut an grausigen Riffen. Weit klafternd schwebt ein schwarzer Nachtvogel vorüber, leise klagende Laute ausstotzend.

Die ganze Natur wie im Bann einer geheimnis­vollen, todbringenden Trauer.

Weiter und weiter klimmt Ebba. Wiederholt schon stolperte sie über Steingeröll. Doch rasch steht sie wie­der auf den Füßen. Sie hilft sogar Hjalmar den Kof­fer tragen, da die schwachen Kräfte des kleinen Krüp­pels gar bald erlahmen.

Manchmal ist es, als ob den beiden bei dem eili­gen Laufen der Atem ausgehe; ermattet sinken sie aus einen Stein nieder. Nach kurzer Rast aber hasten sie wieder vorwärts. Immer vorwärts.

Todmüde erreichen sie endlich die ersten Häuser des Dorfes.

Ebba bleibt gar keine Zeit zum Ueverlegen, was nun werden soll. Denn schon muß irgend jemand sie trotz ihrer Bermummung erkannt haöen. j

Mehr Neugierige kommen hinzu. Und bald zieht j ein ganzer Menschemchrvarw Bluter ibr ber. Drohende >

Ausrufe, rohe Berwünschuugen treffen an ihr Ohr.

Hexe! Gisturischeri«! Mörderin!^

Fester zieht Ebba die Falten ihres Mantels itboi Luzifer zusammen. Mühsam nur noch schleppen fU und Hjalmar sich weiter.

Die Hexe und ihr Hölleuvieh! Werft mit Steines ^^iftmischerin! Euer Teufelstrank hat meines armen Vater halb verrückt gemacht!"

Mörderin! Mein Kind liegt auf dem Sterbebett von euerm Gift! Steiniget sie! Steiniget stell* .

Entsetzt blickt Ebba um sich. Was wollen M dies- Menschen von ihr? Hat der arme V^r "i'"' stets bei Beste gewollt? War es nicht nur Unverstand, bei das Gute nicht zu benutzen wußte? Oder Bos^ di­es in Schlimmes verwandelte? ...

Ein Stein, aus Kinderhand geworfen, streift ihre«

Arm.

Es wirkt wie ein Signal auf die ganze wild­

Horde.

Steiniget fiel Steiniget fiel!" _

Wildrollende Augen. Drohend erhobene Faust«, Puffe und Schläge.

ES ist, als ob die Bestie in all diesen sonst so harrm losen, ruhigen Menschen erwacht wäre.

Schon rinnt Hjalmar daS Blut über die Stirn Uns EbbaS lahmer linker Arni vermag kaum noch, des leise wimmernden Luzner zu halten. ,

Steinigel sie, steiniget sie! Hexe! Giftmischerinfi Mörderin!!!" . .

Ebba rennt rennt mit schmerzenden Füßen. mz zusammenbrechend unter der Wucht der auf sie nie/ dersausenden Pässe und Schläge.

Der blutend!' Himmar, den Koffer iteben um hev schleifend, dicht an j^'" S^ite. t

Und hinter ihr.eine johlende, schimpfende, fluchenoj

Menge. (Fortsetzung folgt.)