WWeruer Zeitung
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y n ! Druck u. Berlag Fa. T Hohmeister, Schlüchtern. Verantwort!.
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Amtliches J©£gan für ^tadt und Kreis Schlüchtern
D' m, 18. April 1922
74. Jahrgang
LkSsr^ wem Tage.
Die Sicherheitspolizei hat aus Geheiß der Entente' L ^Wtes Nac^rtchtengerät bis zum 15. Aoetl abza-
Tarifverhan-lnnge« in Sachen der Lühubekve- Mg der Bergarbeiter, die in Essen stattfanden, sind ab- ^ochen worden. ,
Alliierten haben es vorläufig abgelehnt, Die decken zur Räumung Kleinasiens zu veranlassen.
* «w Frankreich beginnt man mit der Möglichkeit zu -Anen daß die Katastrophe in Gleiwitz nicht auf ein «r^brecken, sondern auf ein Unglück zurückzuführeu ist. ^DerLandesvorstand der Deutschen Volkspartei hat - — ^^ng des Volksbegehrens aus Auflösung ndtaas ausgesprochen.
™ nezustanb in Duisburg ist weiter ver- rft worden. Die Polizeistunde ist im allgenreinen 6 Uhr festgesetzt worden. Alle öffentlichen und pri- V Versammlungen Mb grundsätzlich verboten.
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Die Straßenbahnfahrt kostet in Berlin setzt 3 Mark.
Der Gesamtverband der deutsche« Beamten- n«d Mestelltengewerkschafte» wird am 27. und 28. Mai! (eine erste Vertretertagung in Essen abhalten.
Der bäuerische Minister des Inner« Dr. Schweyerj «klärte, daß die Behauptung des französischen Minister-j bAumt, daß in Bayern eine gemeinsame Ansbil- wg der ^andeSpolizei Mit der Reichswehr stattfinde, Luft gegriffen ist.
Der deutsch-schweizerrsche SchiedsserichtsoergleichS- »dem kürzlich der Reichstag und der Reichsrat timmung erteilten ist auch von den schweize-, M« gesetzgebenden Köroerickaiten aenebmiat worden. -" va» «onserenzfchlsf.
Mser und an
lichtu, in zweiter Linie aber waren sie auch zu ben Fen. ta Les Konferenzzimmers in alle Achtungen der Welt tinLUsgesp^ochen. Er legte herzhaft den Finger auf die Mube der FriedenSkimfereuL vo^r bester bei Friedeus- kmserenzeu. Jede Friedenskonferenz trug eigentlich in -m Falle» ihrer Toga schon wieder neue Kriege oder!
MeS Jahrhundert solcher FrieHenskonferenzen vor- S«H?ELL»
von der Genueser Konferenz von vornherein sernzu- balten, ist Lloyd George bestrebt, allzu viele Fragen, ielbst wenn sie auch wichtig erscheinen, auszuichalten
segeln. Der Engländer ist Seemann. Und deshalb ist es begreiflich, daß Lloyd George gerade in dieser Diskussionsrede seemännische Vergleiche anweudete So mach er vom Konferenzschiff. Diesem dürfe keine allzu große Ladung aufgepackt werden, wenn es nicht zum, sinken gebracht werden sollte. Unter den Ertrinkenden würde dann auch Herr Tschitscherin Mit feilt Gerade an bie Adresse Tfchttscherins war, wie erwähnt, die Rede Aoyö Georges mit gerichtet, dessen Forderungen nach Ansicht des britischen Mtnisterpräslbdnteii weit über den Rahmen der Genueser Konferenz hinausgehen. Auchi für Llovb (George barf ja in Geuua der Canner Boden nicht verlassen werden. Die Canner Beschlüsse sind nach ■einer aPn-hin-s- recht zweifelhaften - Ansicht .klär
Tschttscherin selbst roenr.
stickender Staatsmann stehen muß. lt es, seemännisch zu handeln, d. h. das Genm Konferenzschiff^nicht zu überladen, da schwere ( - in Sicht ist. Nur in einem Punkte hat sich in sein. Diskussionsrede Lloyd George offen und frei auf TM cherins Seite gestellt und das ist in der prTftnn sfrage, die alterdingS nicht in Genua berührt wer n soll, da sie für Frankreich ein Roll me • mgere ist verhandelt über sie darf bei der Emvfinb- chkeit -er F-anzosen in Genua auf keinen Fall werden, aber das hin «ert Lloyd George nicht, ganz offenherzig ' ” ' ' " Metzung allgemeiner Ent- nferenz ein Fehlschlag sein herzhafte und ehrliche Wort entflohen, da macht er sofort eine Verbeugung, indem er
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zu erklären, daß ohne Durchsetzung allgemeiner Entwaffnung bü Genueser Konferenz ein FehlMag sein würde. Aber kaum ist dieses herzhafte und ehrliche Wort dem Munde Lloyd Georges entflohen, da macht er sofort wieder vor den Franzosen eine Verbeugung, indem er nachgiebig erklärt, daß selbstverständlich erst die Genueser Konferenz vorüber sein müsse, ehe an eme allgemeine Entwaffnung gedacht werden ^nnc. Erst mühe man wissen, ob die Nationen wirklich gememiam miteinander marschieren wollen. Dies feitzustellen, sei gerade die Sache der Genueser Konferenz. Mit der Ent- waffnungsfrage selber werde sich, der Völkerbund beschäftigen, ein Areopag, besten Rugter ihr Urteil ganz nach dem französischen Codex fällen.
Das Konferenzschiff soll nach Lloyd Georges Aenße- rung nicht überlastet werden. Aber was nützt es, wenn es mich so regelrecht geladen ist und, nur höchst wertlose oder überflüssige Ware in den Frredensport bringt." Dann ist es in den falschen Hafen eingefayren. ,Dann war seine Fahrt vergeblich. Erst wenn ettr Konferenz' schiff unter seiner Ladung auch bie geklärte Reparations- und Abrüstungsfrage birgt, bann kann an von einem wirklichen Friedenskonferenzschiff reden, das den rich- ttgen Kurs eingeschlagen hat und in dem richtigen Hasen landen wird.
sie KommiffwASveeatStrsgett.
»»Die rnsfische Delegation bat sich am Rttttwoch von morgens 10 Uhr bis spät abends mit oer WTnnßtyer Denkschrift der alliierte« Sachverständigen beschäftigt. ES ist das Gerücht im Umlauf, daß die russische Delega- tton die allgemeine Diskussion auf der Basis der Londoner Beschlüsse der Sachverständigen ablehneu wird. Ob
.rs und Evans bet den Russen
die Ersolg h
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Die Fiuanzkommissio«.
v^Die Urtterkommission der Finanzkommission hat eine Sitzung abgehalten. Nach kurzer Diskussion wurde beschlossen, Laß die Kommission für Donnerstag nachmittag 4 Uhr zu einer Bollversammtlung zuiammenbe- rufen werden soll. Ueber die Balutafrage ist bereits kurz gesprochen worden.
Die deutschen Mitglieder der Kommissivue«.
In bie einzelnen Kommissionen sind folgende deut- sche Herren entsandt worden: Erster Ausschuß (für Ruß-- land): Vorsitzender v. Maltzabn: Sachverstandtge: Bal- trusch, Bücher, Cuno, Hilferdwg, Melchior, v. Räumer und Wtssell. Zweiter Ausschuß (Finanzsragen): Bor- - — -- --------""--• Bern-
>enöer
D!el- c und
sitzender: Hirsch: stellvertretender Vorsitzender: Weigert: Sachverständige: Baltrusch, Bücher, Erkelenz, Hagen, Hus. Rvstenberg. Cremer, Kreuter, Lübsen, v, MendelL-
v. vraumer uno Wmeu: »reseremen: Berger uns
Vierter Ausschuß (Verkehrsfragen): Vorsitzen» Sttehler: Sachverständige: Bücher, Luno, Hus,
Die deutsche Frag» im ßtnicrgtsatte.
»st-Der Sonderberichterstatter ber »L. u." in Genua hat an Delegiertenkreise die Frage geriLLet, was sie für die wichtigste Angelegenheit «er Ksnfe.:e>»z halten. Aus Kreisen der englische« Delesetto« wurde geantwortet: Die wichtigste Frage ist die russische ^tset. Die Fra«- »ofen sind überzeugt, daß neben der russischen Frage im1 Laufe der Verhandlungen auch bte SeuH&c A^age in ben Vordergrund des Interesses rückeu nir&, sie sagen, daß sie sich kar -arüber sind, daß die w^rfSastl^e Same
ns Deutschlands das allergrößtr In^reffe in Anspruch immt, fürchten aber, daß diese ^anir^nß nnf Kosten rankreichs erfolgen solle. Dir o?*^ Setmdjten als e wichtigste Trage die rnssische ~----fey?a Bon Per- önlichkeiten, die der deutschen
wird versichert, daß die deuisL HiAtergrund gedrängt worden stehe gegenwärtig im Mittel
utie wm -« Lösung
e^is» nahestehen, ÄrvUS in den
Msische Frage
— - Die deutschen Denkschriften.
»-»Die deutschen Denkschriften weisen darauf hin, dauernde Bereinigungen zu schaffen, deren Organe vermittelnd eingreifen sollen. Die Denkschrift für Finanz» fragen geht davon aus, daß als maßgebende Ursache für berr Verfall der Währung die Passivität der Zahlungs
rz anzusehen ist. Es wird der Antrag auf Einsetzung einer Unterkommission zur Vorbereitung eines internationale« Abkommens gegen die Steuerflucht gestellt. Als diskutabel erscheint für Deutschland der Vorschlag, der die Schulden der Schuldnerlander dnrch internationale Vereinbarungen auf ein erträgliches nah
bilanz anzusehen ist.
ttrng eines
Wirtt
tefem zweiten Vorschläge getagt, daß Verzinsung und allmählichen Tilguno vie zur Wiederherstellung normalst agen langfristige Stundungen bZeS
»-«In der Wirtschaftsunterkommission schlug Horue die Eirrberufung einer internattonalen Konferenz tec Notenbanken zur Untersuchung der Frage der Vargors- zirknkaiio» vor. An der Konferenz soll auch die Amerikq Lederol Reserve Bank tettnehmen.
Ein Demeatt.
»»Der englische Finanzminister dementiert in Genua amtlich das Lloyd George zugeschriebene Projekt fü^ den Armeefriede«.
Drohung der NeparalionsLommissron.
»»Laut,4ionmal des Debüts" wird die Eatfcheiduug der greparationskommission anf die deutsche Antwort am Donnerstag dem deutschen Botschafter überreicht werben
In den Kreisen der französischen Delegation in Genua verlautet, daß die Entscheidung der Repararivns- fommiffum über die deutsche Antwort bereits eivgerrof- fen sei. Die Reparationskommission werde Deuttchlüich mitteilen, wenn es Sie im Mai fällige Rate von 54 Millionen Goldmark nicht bezahlen werde, bann werbs die Reparationskommission Deutschland zunächst ist Karenz erklären und die Mitieilung an die Regierungea, der Entente erstatten, die dann ihre wettere« Schritte zu beschließen hätten. Die französischen Teleaierlecc in Genua Crcfb'rr«». '- ""!'"" ’ -ri::'’: — Alts.
Feindi» gegenüber, die sie vv einem verächtlichen Blick mißt.
Der Liebe ewiges Acht.
«mg.
mit boshaftem Lachen
»Ich verstehe dkh nicht —
»Wirklich nicht? Willst du smch die erbärmlich Komödie leugnen, die ihr heute nacht da oben «tf bittet sogenannten Sternwarte aufführtest?"
Gintvar steht wie erstarrt. »Romeo und Julia"?
»Erbärmliche Komödie"? . Ist die Fra« verrückt geworden?
rhi indem sie auf die Tür zueilt, in beten Rahme» weben Ebbas hohe Gestalt auftaucht — und all der Haß, den sie die letzte Zeit in ihrem Herzen aufge- tpeichert, macht sich in ihrer schrillen Stimme Luft. !»Interefsant! Romeo verleugnet seine Julia, jetzt bei hellem Tageslicht. Wollen auch Sie leugnen, hochehrenwerte Frau Marquise, daß heuke .«acht ein Mann durchs Fenster M Ihnen ei«stieg Mb —"
eine
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»Schweige!" donnert Gnnnar mit blitzenden Au ^•i- „Ebba steht unter meinem Schutz!"
»Na endlich!" höhnt Karin. »Du gibst es also z«?" _ »Ich gebe nichts zu. Ich verbiete dir nur, unsere Evnsine zu beleidigen."
»Halt!" ertönt Ebbas klare Stimme hinein in das erregte Wortaeplänkel zwischen Bruder und Schwerer. „Wünschen Sie etwas von mir, M-rdäme Sol- veg? Ich stehe zu Ihrer Verfügung!"
- Todesbleich, aber hvchanfgerichtet tritt sie Ore
»Hjalmar?"
Der Oberst
Mer, obgleich ebenfaffib verblüfft, höhnt weiter:
„Wer^S glaubt! . . . Dann soll eS auch wohl — Hjalmar gewesen fein, den Sie dort oben in einem gewissen Zimmer mit Ihrem Mantel bedeckte«, nm ihn unseren Blicken zu entziehen!? Wie?"
Eine Sekunde zögert Ebba, bevor sie leise erwidert:
»Stein. DaS war nicht Hjalmar."
»Aha! Wer war es denn?*
Noch um einen Schatten bleicher wird das schöne, stolze Frallengeficht. Ei« rascher Blick trifft Gunnar, dessen Auge» mit einem eigentümlich forschender» Ausdruck an feiner Cousine hängen. Dann sagt Ebba ruhig:
„Auf diese Frage verweigere ich Ihnen die Antwort, Madame Solveg: nur Einem gestehe ich das Recht z«, mich danach z« fragen."
„So so! Und das wäre —*
„Ihr Bruder."
Laut lacht Karin auf. Die Sache erscheint fln anf einmal unendlich komisch
Gunnar jedoch wehrt mit ruhiger Würde ab.
] „Hör nicht auf sie, Ebba! Sie weiß nicht, was, sie sagt—"
„Ich weiß ganz genau, was ich sage," fällt Karin hohnlachend ein. „Und ich wiederhole, die Frau Marquise de SavaUtbre ha: "
Ein «nartikulierter Schrei von der Tür her lä, He Verleumdung auf ihren Lippen erfrieren.
Die ein bissiger Hund stürzt Hjalmar herein, N rekt auf Kart» zu.
einen Augenblick steht Karin faffungslo». Dam raM M khr Seidenschleppgewand zusammen «q stürmt, wie von Furien gejagt, an dem Taubstumm« vorbei, aus dem Zimmer.
Hjchlmar will ihr nach. Sein ganzer armselige Kölner znckt vor Aufregung. Wirre Laute entrin gen sich seinem Munde. Ersichtlich quält er fein atz meS Hirn ab, wie sich verständlich machen. Und im mer wieder löst sich aus all den hastigen Gesten da Nachahmen deS Träufelns aus einer Flasche — sett Geste, die Ebba schon wiederholt in Staunen versetzt
Heute jedoch ist diese seltsame Geste von wütend« Blicken nach der Tör begleitet, durch die soeben Kartz entfloh.
Ein furchtbarer Verdacht zuckt in Ebba auf.
Der Vater hatte Karin am Abend vorher die oei hängniSvollen Tropfen eingehändigt . . . Die selisan! Exaltation Gunnars in der Nacht, deS armen V-'tep plötzlicher Tod — beide hatte« aus derselben Tast getrunken — das alles muß im Zusammenhang mti einander stehen! ... ,
In bebender Erwartung eilt sie zum BüfeL nimmt eine kleine Flasche heraus und eine Tasse uü winkt Hjalmar zu sich heran.
Mit einem Freudengeheul stürzt sich der Tau! stumme auf die beiden Gegenstände. Und nun bi ginnt er, in seiner Weise zu erzählen ...
Erregt weiß er nach der Tür . . Dann versteck er das Fläschchen an seiner Brust . . . zieht es ; bm sam wieder hervor . . . blickt sich scheu nach allen e, ten um und ahmt hierauf das Träufeln aus bei Fläschchen in die Tasse nach ...
(Fort- .:q folgt)